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Granate aus Gaza trifft israelischen Schulbus

Ein gelber israelischer Schulbus des Regionalrats „Tor des Negew“ wurde von einer Kornet-Panzerfaust aus dem Gazastreifen bei Kibbuz Nahal Oz getroffen… 

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 7. April 2011

Ein 16 Jahre alter Schüler wurde lebensgefährlich am Kopf verletzt und per Hubschrauber ins Soroka-Hospital in Beer Schewa geflogen. Der Busfahrer wurde leicht am Fuß verletzt.

Es handelte sich um einen Schulbus, der Kinder zu ihren jeweiligen Kibbuzim nach dem Schulbesuch brachte. „Da ist ein reines Wunder geschehen. Wenige Minuten bevor der Bus getroffen wurde, waren 55 Kinder ausgestiegen, die der Bus von der Schule heim gebracht hatte“, sagte der Besitzer der Schulbusse in der Region. Während die Verletzten evakuiert wurden, explodierten weitere 50 Granaten aus dem Gazastreifen in israelischem Territorium. Die Rettungsmannschaften mussten in Deckung gehen. Diesmal hatte die Hamas Organisation die Verantwortung für den Beschuss Israels übernommen und nicht namenlose „Militante“ vorgeschoben.

Das neue israelische Abwehrsystem „Eisenkappe“ konnte zudem eine auf die israelische Stadt Aschkelon gerichtete Grad-Rakete abfangen. Weitere Gradraketen verfehlten ihr Ziel und explodierten im Gazastreifen.

In einer nicht genannten israelischen Ortschaft wurden ein Kindergarten getroffen und ein Wohnhaus schwer beschädigt. Dort habe es nur Zerstörung und keine Opfer gegeben.

Militärreporter berichten, dass Israel seit dem Ende des Gazakrieges 2008/2009 auf jeden einzelnen Mörser- oder Raketenbeschuss mit Angriffen im Gazastreifen geantwortet habe.

Inzwischen stellten Experten der israelischen Armee fest, dass der Bus von einer Panzer-Abwehrrakete vom Typ Kornet Bus getroffen wurde. Das bedeutet, dass der Schütze der Hamas den Schulbus in seinem Zielfernrohr gesehen hat und bewusst dieses zivile Ziel ausgewählt hatte. „Das hat eine neue Qualität, zumal das Gelände vom Gazastreifen aus einsehbar ist und jedes Fahrzeug auf der israelischen Seite als Zielscheibe dienen könnte“, erklärten Militärkreise.

Verteidigungsminister Ehud Barak sagte wegen der jetzt entstandenen delikaten Lage eine geplante Reise nach Washington kurzfristig ab. Er gab der israelischen Armee die Anweisung, Ziele der Hamas im Gazastreifen aus der Luft, von der See her und mit Panzergranaten anzugreifen. Die Palästinenser meldeten einen Toten und sechzehn Verletzte infolge der israelischen Attacken. In Israel spekulieren Militärreporter, dass die Hamas mit ihren schlimmsten Raketenangriffen auf Israel sowie mit dem gezielten Beschuss eines Schulbusses die „gezielte Tötung“ von Abu Jafar rächen wollte, einem hochrangigen Hamas-Mann, der nach israelischen Angaben während des jüdischen Passahfestes auf der Sinaihalbinsel Israelis kidnappen wollte.

Der Beschuss Israels mit über 50 Raketen und besonders des Schulbusses, sowie die ungewöhnlich heftige israelische Reaktion darauf lassen eine weitere militärische Eskalation befürchten, obgleich weder die Hamas noch Israel derzeit an einem erneuten Krieg wie im Winter 2008/2009 interessiert seien. Das behaupteten Militärreporter unter Berufung auf Militärkreise.

Moderne Panzerfäuste der Hamas

Kornet-Panzerfäuste mit einer Reichweite von 5 Kilometern im Besitz der Hisbollah im Libanon hatten der israelischen Armee während des Libanonkrieges 2006 schwere Verluste beigefügt. Die Kornet-Raketen seien sehr zielgenau und könnten jegliche Panzerung durchschlagen. Kornet-Raketen gibt es erst seit jüngerer Zeit im Gazastreifen, und drohen, das strategische Gleichgewicht empfindlich zu verschieben. Bisher hat die Hamas diese Raketen nur gegen israelische Panzer eingesetzt. In einem Fall konnte ein neues auf die Panzer montiertes Abwehrsystem die Rakete abschießen. Kornet-Raketen können sogar 120 Millimeter Stahl durchschlagen.

Viele israelische Schulbusse werden zwar gegen Steinwürfe und Splitter von Handgranaten gepanzert, doch gegen einen Beschuss mit modernen Waffen, wie sie in letzter Zeit in den Gazastreifen geschmuggelt worden sind, nütze keine Panzerung.

Erst vor einem Monat hatte Israel einen deutschen Frachter unter liberianischer Flagge in internationalen Gewässern im Mittelmeer aufgerieben und darauf zwei Container gefüllt mit Raketen, Munition und Granaten gefunden, die aus dem Iran stammten und über Alexandria in Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt werden sollten.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com