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Erdbebenland Iran: Gefahr durch Atomanlagen

Im Nachgang zu der Katastrophe in Fukushima ist es an der Zeit, der ohnehin schon erregten Diskussion über das nukleare Programm des Iran einen neuen Aspekt hinzuzufügen. Dies sollte der internationalen Gemeinschaft einen weiteren Anstoß dazu geben, ihre Bemühungen um den Abbruch des iranischen Atomprogramms zu intensivieren!…

Kommentar von Gerlinde Gerber

Während die Welt ihre Augen voller Sorge auf die nuklearen Reaktoren in Japan richtet, rücken ein Erdbeben und ein Tsunami, gefolgt von einem Zusammenbruch der Kühlanlage, die mit der Produktion nuklearer Energie verbundene Gefahr und Verwundbarkeit erneut ins Blickfeld. Ein Land, das ebenso wie Japan dem Risiko von Erbeben ausgesetzt ist, ist der Iran.

Auch wenn es sich im Hinblick auf diese Technologie um ein deutlich weniger qualifiziertes und erfahrenes Land handelt, drängt die Islamische Republik auf die schnelle Entwicklung ihres eigenen nuklearen Programms, einschließlich der Anreicherung von Uran, und plant für die nahe Zukunft den Bau von Dutzenden neuen Atomkraftwerken.

Das nukleare Programm des Iran befindet sich seit seiner Offenlegung durch eine Gruppe von Oppositionellen im Iran im Jahre 2002 unter strenger internationaler Beobachtung, da zahlreiche Führungspersönlichkeiten auf der ganzen Welt der Ansicht sind, dass die Islamische Republik die Absicht hat, Atomwaffen herzustellen, eine Vermutung, die von Teheran bestritten wird. Die internationale Gemeinschaft hat vier Serien von Sanktionen gegen das Land erlassen. Die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, Kanada, Japan und andere Länder haben zusätzliche Sanktionen verabschiedet, um die Entwicklung des nuklearen Programms zu bremsen und die iranische Regierung davon zu überzeugen, sich zurück an den Verhandlungstisch zu begeben und mit der Internationalen Agentur für Atomenergie (International Atomic Energy Agency – IAEA) zu kooperieren.

Doch wurden Forderungen von Seiten der IAEA vom iranischen Regime wiederholt abgelehnt, und Inspektoren wurden daran gehindert, alle in Frage kommenden Einrichtungen zu untersuchen.

Das nukleare Programm des Iran birgt Gefahren nicht nur aufgrund der strategischen Veränderungen in der Region, sobald der Iran sich im Besitz von nuklearen Waffen befinden würde – dies vor allem, weil das Land sich erstens im Widerspruch zur internationalen Gemeinschaft und zum Kodex der IAEA verhält, und zweitens, weil es aller Wahrscheinlichkeit nach ein atomares Wettrüsten in der Region auslösen würde – sondern auch wegen der Bedrohung, die sich durch Erdbeben, technologische Mängel und menschliches Versagen für das iranische Volk und seine Nachbarn entwickeln könnte.

Erdbeben:

Der Iran ist eines der seismisch aktivsten Länder der Erde. Die Islamische Republik erlebt jeden Tag mindestens ein leichtes Erdbeben, und selbst relativ schwache Erdbeben haben in entlegenen Gebieten bereits Tausende von Menschen das Leben gekostet. Der Iran ist von tektonisch aktiven Zonen umgeben und erlebte in den vergangenen Jahren eine Anzahl schwerer Erschütterungen, die alle Teile des Landes heimsuchten. Das wahrscheinlich bekannteste Erdbeben ereignete sich in Bam im Dezember 2003, annähernd dreißigtausend Menschen kamen dabei ums Leben. Vor kurzem erst, im Dezember 2010, wurde der Iran von einem Erdbeben der Stärke 6,5 betroffen.

Es überrascht, wie wenig Aufmerksamkeit Wissenschaftler und Medien dem Umstand schenken, dass Erdbeben möglicherweise die nuklearen Einrichtungen des Iran betreffen könnten. Iranische Beamte wurden in Artikeln zitiert, welche die vollständige Umsiedlung von Teheran in ein anderes Gebiet vorschlagen, da die Stadt in einer seismologisch instabilen Gegend erbaut wurde. Doch wurde nichts im Hinblick auf die Sicherheit der nuklearen Forschungsanlage in der näheren Umgebung der Stadt erwähnt!

Technologische Mängel:

Die nuklearen Einrichtungen des Iran, wie etwa die Anlage in Bushehr, wurden im Verlauf von Jahrzehnten mit Hilfe aus Deutschland, Russland und anderen Ländern errichtet und hatten technische Probleme aufgrund der Korrosion von Materialien und durch Cyber-Attacken, welche Fehlleistungen in den Anlagen verursachten. Das Regiment der international auferlegten Sanktionen macht es dem Iran im Augenblick schwer, entsprechende Materialien zu bekommen. Die Entwicklung der Anlage von Bushehr wurde immer wieder gebremst und aufgeschoben; dies unter anderem aufgrund eines Computervirus namens Stuxnet, der den Aussagen des iranischen Regimes zufolge nun ausgerottet wurde. Darüber hinaus verzögerte sich die Entwicklung auf Grund von Problemen mit einer bestimmten Pumpe in der Kühlanlage, die wahrscheinlich auf Korrosion zurückzuführen sind.

Menschliches Versagen:

Über Naturkatastrophen oder technologische Probleme hinaus kann jede Energie produzierende nukleare Einrichtung auch durch menschliches Versagen beeinträchtigt werden. Die Iraner verlassen sich beim Bau und Betrieb der Anlage in Bushehr auf das Wissen der russischen Ingenieure. Darüber hinaus schicken sie jedes Jahr etwa zwanzig Doktoranden nach Russland, damit sie dort die nötige Erfahrung sammeln. Doch macht der Betrieb eines Atomkraftwerks eine Planung für den Notfall erforderlich, die alle Menschen im Betrieb, in der Region und auch alle Nachbarländer mit einbezieht, die im Fall einer solchen Krise betroffen wären.

Die Iraner haben eine Tradition der Kooperation mit ihren Nachbarn in Fällen von Ölunfällen im Persischen Golf. Doch den Aussagen eines ranghohen Fachmanns in Kuwait zufolge erfolgte keine derartige Planung im Zusammenhang mit der nuklearen Anlage in Bushehr, was die Nachbarländer des Iran mit Besorgnis erfüllt. Es wurde weder ein Krisenplan etabliert noch Notrufleitungen eingerichtet. Für Kuwait ist dies besonders kritisch, da Luft- und Wasserströmungen radioaktives Material auf das kleine Land zutreiben würden, noch bevor irgend eine andere iranische Stadt im Falle eines Desasters in der Anlage betroffen wäre. Kuwait erhält wie die meisten anderen Staaten am Golf den Großteil seiner Wasserversorgung durch die Entsalzung von Meerwasser aus dem Golf. Eine radioaktive Verseuchung dieses Wassers würde eine ernste Existenzbedrohung für Kuwait bedeuten.

Die Aussicht darauf, dass der Iran eine Anzahl von weiteren nuklearen Anlagen errichtet – und dies unter einem Regime, welches das internationale Recht mit Missachtung straft, das eine umfassende Untersuchung durch Inspektoren der IAEA blockiert und das mit den Nachbarstaaten keine Pläne für den Notfall ausgearbeitet hat – fügt gemeinsam mit der technologischen Unerfahrenheit der Wissenschaftler im Iran sowie den veralteten und schadhaften Baumaterialien dem gefährlichen Cocktail, den die seismologischen Gegebenheiten darstellen, nur noch weitere Elemente hinzu. Dies sollte für die internationale Gemeinschaft Grund genug sein, ihre Bemühungen zu intensivieren, um den Iran auch weiterhin davon abzuhalten, potentiell gefährliche nukleare Anlagen zu errichten, welche die gesamte Region und weitere Gebiete in Gefahr bringen könnten!

Gerlinde Gerber ist gegenwärtig als Communications Associate für die gemeinnützige Organisation Réalité–EU tätig. Sie erhielt ihren Abschluss als Magister Artium (M.A.) an der Universität von Potsdam und der Freien Universität Berlin. Quelle: www.atlantic-community.org, © Copyright 2011, Réalité-EU