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Bombe bei Jerusalems Busbahnhof

Eine Bombe mit einem Gewicht von etwa zwei Kilogramm explodierte bei einer Telefonzelle bei dem zentralen Busbahnhof Jerusalem. Durch die Wucht der Explosion und dem Sprengsatz beigefügte Metallkugeln wurden Passanten und ein Stadtbus der Linie 74 von Har Nof zum Viertel Har Choma getroffen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 23. März 2011

Die zahlreichen Bushaltestellen nahe der Haupteinfahrt nach Jerusalem ziehen zu jeder Tageszeit sehr viele Menschen an. Die Rettungsmannschaften riefen die höchste Alarmstufe aus und sprachen von einem „Ereignis mit vielen Opfern“. Nach dem anfänglichen Chaos konnten etwa 51 Verletzte mit Ambulanzen in das Hadassa- und das Schaarei-Zedek-Hospital evakuiert werden. Nur zu einem Opfer hieß es, dass „die Ärzte um sein Leben kämpfen“. Eine schwerverletzte Frau ist inzwischen ihren Verletzungen erlegen.

Auf der Straße sind große Blutlachen zu sehen. Der Polizeichef sagte, dass es sich offenbar nicht um einen Selbstmordattentäter handelte, sondern um eine Tasche mit Bombe und Zeitzünder, die Terroristen nahe den Bushaltestellen abgestellt hatten.

Seit mehreren Jahren hat es keinen vergleichbaren Terroranschlag mehr in Jerusalem gegeben. Vor drei Wochen verlor ein Müllarbeiter eine Hand, als eine Plastiktasche mit einer Bombe auf einer Verkehrsinsel explodierte.

Ein Militärreporter vermutet, dass die Bombenleger möglicherweise aus Hebron gekommen sein könnten, denn nur noch dort verfügen palästinensische Extremistengruppen über eine entsprechende Infrastruktur für Terroranschläge. Gleichwohl herrscht trotz der relativen Ruhe eine hohe Aufmerksamkeit bei den Bürgern der Stadt. Jede liegen gelassene Tasche wird der Polizei gemeldet und mehrmals täglich müssen die Feuerwerker ausrücken, um die „suspekten Objekte“ mit einem Roboter zu neutralisieren.

Am Mittwoch morgen schlugen zunächst zwei Gradraketen aus dem Gazastreifen in der israelischen Großstadt Beer Schewa ein. Ein Mann wurde durch einen Splitter verletzt. Wenig später griff die israelische Artillerie Ziele im Gazastreifen an. Angeblich wurde eine Gruppe von Palästinensern getroffen, die sich gerade anschickten, eine weitere Gradrakete auf Beer Schewa abzuschießen. Am Dienstag wurden neun Palästinenser im Gazastreifen durch israelischen Beschuss getötet, darunter Kämpfer, die eine Rakete abschießen wollten und Kinder, die in der Nähe Fussball spielten.

Ein 8 Jahre alter verletzter Junge wurde am Mittwoch zur ärztlichen Behandlung nach Israel gebracht. Angeblich seien mehrere Familienangehörige dieses Jungen getötet worden.

Am Abend schlugen weitere Mörsergranaten oder Raketen aus dem Gazastreifen bei israelischen Ortschaften südlich von Aschkelon ein.

Am Mittag hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Sicherheitsberatung einberufen und erklärt, dass Israel den täglichen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen nicht dulden werde.

Ehemalige Generale, die den Gazastreifen gut kennen, darunter Jom-Tov Samija forderten die Regierung auf, die israelischen Bürger zu schützen und im Gazastreifen „für Ordnung zu sorgen“.

Mehrere Sprecher forderten gar eine erneute „Operation gegossene Blei“, also einen Gazakrieg. Nur diesmal sollte die Hamasregierung gestürzt werden, weil sie die Verantwortung für den Raketenbeschuss trage, auch wenn andere Organisationen wie der Islamische Dschihad den Beschuss durchführen.

Netanjahu wollte am Nachmittag nach Moskau fliegen, um bei Gesprächen mit Putin und Medvedev die Russen aufzufordern, keine modernen Raketen nach Syrien zu liefern. Diese Raketen, so Netanjahu, könnten in die Hände der Hisbollah-Miliz im Libanon und sogar der Hamas im Gazastreifen fallen. Die am Morgen auf Beer Schewa abgeschossenen Gradraketen wurden von Iran über Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt.

Netanjahu saß schon im Flugzeug auf dem Weg nach Moskau, als die Bombe in Jerusalem explodierte. Um dem Regierungschef Beratungen zu ermöglichen, wurde der Abflug zunächst um vier Stunden verschoben. Unklar ist, ob Netanjahu noch am Abend oder erst am Mittwoch früh nach Moskau fliegen werde.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat rief die Jerusalemer und „alle Israelis“ auf, umgehend wieder zur Normalität zurückzukehren, um den Terroristen zu zeigen, dass die Israelis sich nicht durch den Terror abschrecken oder einschüchtern ließen.

Der für Freitag geplante internationale Marathonlauf durch Jerusalem wird auf jeden Fall stattfinden, sagten Polizei und der Bürgermeister.

Palästinenser hatten den Marathon in Boykottaufrufen für „Völkerrechtswidrig“ erklärt, weil er auch durch Ostjerusalem führen werde.

Der palästinensische Regierungschef Salam Fayad hat den Anschlag in Jerusalem „sehr scharf“ verurteilt und den Opfern schelle Genesung gewünscht.

Ein Hamassprecher bezeichnete den Anschlag in Jerusalem als „verständliche Reaktion auf die Verbrechen Israels im Gazastreifen“. Bisher hat niemand die Verantwortung für den Anschlag übernommen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com