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Netanjahu mahnt zu atomarer Besonnenheit

„Ich war begeistert von der Idee, zivile Atomreaktoren in Israel zu errichten, aber angesichts der Ereignisse in Japan muss das noch einmal überdacht werden.“ Das sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während der wöchentlichen Kabinettssitzung am Sonntag…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. März 2011 

Israel sei ein kleines Land. Jede Umweltkatastrophe könnte da größeren Schaden anrichten als in einem großen Land wie Japan, fügte er hinzu. Das berichtet die Zeitung Jedijot Achronot. Laut der offiziellen Kabinettserklärung äußerte sich der Premierminister zu dem „globalen Schock“ über das Erdbeben in Japan und bot der japanischen Regierung jede gewünschte Hilfe an. Netanjahu forderte vom Vorsitzenden des Ministerausschusses für Erdbeben, Minister Benny Begin, noch in dieser Woche eine Sitzung einzuberufen, um zu erfahren, wie sich der Staat Israel auf mögliche Desaster vorbereitet.

Jedijot Achronot berichtet, dass in Israel in jüngster Zeit wieder intensiver die Pläne für den Bau von Atomreaktoren zur Stromherstellung vorangetrieben worden seien. Schon in den 60ziger Jahren sei die Gegend von Schivta in der Negewwüste als möglicher Standort festgelegt worden.

In den letzten Jahren habe es in der Welt eine „atomare Renaissance“ gegeben. Heute gebe es weltweit 443 zivile Atomreaktoren für die Stromherstellung. 62 befänden sich im Bau und 158 in unterschiedlichen Planungsphasen, darunter jeweils ein Atomkraftwerk in Jordanien und in Ägypten.

Solange die Atomreaktoren ohne Pannen arbeiten, seien sie anderen, mit Kohle oder Öl betriebenen Kraftwerken aus Umweltgründen vorzuziehen. Im Falle einer atomaren Katastrophe überwiegt jedoch die Umweltverschmutzung jeden Schaden herkömmlicher Kraftwerke. Die Zeitung zitiert Experten, wonach die Explosionen in den japanischen Kraftwerken einen Wendepunkt bedeuten könnte. Sollten die betroffenen Gebäude standhalten und die Strahlung nur minimal sein, werde es die Befürworter von Atomkraftwerken als sicherer und sauberer Energiequelle stärken. Sollte es jedoch zu massiver Strahlung kommen, könnten viele Länder ihre atomaren Pläne aufgeben oder bestehende Atomkraftwerke schließen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com