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Versöhnung über Auschwitz?

Schon seit dem – nicht von den Deutschen herbeigeführten – Ende des Nationalsozialismus gibt es hierzulande Bestrebungen, sich mit den jeweils aktuell ‘brennnenden’ Fragen bundesdeutschen Alltags zu befassen, statt die Auseinandersetzung ‘mit der Vergangenheit’ zu suchen. Daß dabei sowohl die Folgen der nationalsozialistischen Judenvernichtung bei den Überlebenden und ihren Nachkommen als auch die Folgen des Nazi-Erbes auf seiten der Deutschen ‘übersehen’ werden, wird dabei nur allzu gern in Kauf genommen. Eine weit verbreitete Tendenz besteht darin, die NS-Geschichte zu ver-schweigen und zu verleugnen (vgl. Grünberg 1997). Hier verschafft sich die Forderung Gehör, ‘endlich Ruhe zu geben’, einmal müsse doch ‘Schluß’ sein…

Von Kurt Grünberg1

Dies geht bis zu Äußerungen von Neo-Nazis, die Gaskammern seien lediglich eine Erfindung der Juden, damit das ‘Internationale Judentum’ auf dem Hintergrund eines solchen Ablenkmanövers weiterhin ungestört über die anderen Völker herrschen kann.

Allerdings gibt es auch klügere – und friedlicher scheinende – Versuche, der so unerträglichen Konfrontation mit der Wahrheit des tausendjährigen Reiches zu entkommen. Hier wird die Juden-Verfolgung nicht geleugnet, bisweilen ist sie sogar ein Feld intensiver Bearbeitung und ehrlichen Bedauerns. Im gleichen Atemzug jedoch kommt es zu einer ‘sanften’ Relativierung der Shoah, wenn etwa die Forderung erhoben wird, man solle die universelle Bedeutung von Verfolgung begreifen, es habe doch auf ‘allen Seiten’ eine unermeßliche Anzahl von Toten gegeben. Es gelte fürderhin jedwede kriegerische Auseinandersetzung zu vermeiden, denn alle Kriege seien ungerecht. Auch heute noch würden Menschen verfolgt und bedrängt. Mitunter wird christlich-jüdische ‘Begegnung’ gesucht, die die durch die nationalsozialistische Judenverfolgung geschaffene Kluft zwischen Juden und Deutschen überwinden helfen soll. Spätestens jedoch, wenn die Hand zur Versöhnung gereicht oder zuweilen gar verlangt wird, spätestens dann wird auf jüdischer Seite häufig ein gewisses Unbehagen spürbar; der Gedanke kommt auf, vielleicht doch ‘im falschen Zug’ zu sitzen. Dann erkennen Juden, daß sie ‘eingebunden’ werden sollen, daß sie sich als Teil eines „Gedächtnistheaters“ (Bodemann 1996) zur Verfügung stellen sollen, um den Deutschen zu helfen, mit der „Last Deutscher zu sein“ (Giordano 1987) besser fertig zu werden. Juden erkennen, daß sie letzten Endes mißbraucht werden sollen.

Die vorliegende Arbeit will einen solchen Fall subtiler Art bundesdeutscher Vergangenheits-Bewältigung schildern, der sich im Jahre 1990 in Stadtallendorf bei Marburg an der Lahn zutrug, ein Einzelfall gewiß, der jedoch durchaus typische Züge des deutschen Umgangs mit der Geschichte des Nationalsozialismus enthält. Ein Phänomen tritt dabei schon bei oberflächlicher Betrachtung in Erscheinung. Das Leitmotto der Allendorfer ‘Tage der Begegnung’, um die es nachfolgend geht, ist der – vermeintliche – Wahlspruch eines Juden. Gäbe es einen besseren Beweis der eigenen Unschuld, als sich auf die Juden selbst zu berufen, sich mit den klugen Worten eines Juden zu schmücken, der sich noch dazu mit dem Erinnern und Gedenken befaßt?

Dem Gedenken und Erinnern im Judentum wird daher der erste Abschnitt gewidmet sein, bevor auf diesem Hintergrund die ‘Internationalen Tage der Begegnung’ in Stadtallendorf selbst einer genaueren Betrachtung unterzogen werden können.

Paradoxes Erinnern und Gedenken im Judentum

Erinnern und Gedenken spielen im Judentum seit jeher eine wesentliche Rolle. Der Judaistik-Professor Karl Erich Grözinger, auf dessen Ausführungen2 im folgenden des öfteren Bezug genommen wird, spricht vom biblischen Gebot, das an mehreren Stellen ein Erinnern oder Gedenken fordert. Das Erinnern etwa an den Auszug der Juden aus Ägypten oder an die Thoraoffenbarung vom Berge Sinai und nicht zuletzt auch an den Überfall der Amalekiter auf das in der Wüste wanderende Israel gelte als „positives Gebot“ (Grözinger o. J., S. 20). „Das Erinnern dient zum Erweis der Göttlichkeit Gottes und dafür, daß er berechtigt ist, den menschlichen Gehorsam zu fordern“ (ebd., S. 21), das Erinnern sei „das Fundament und die Quelle des Glaubens“ (ebd., S. 22).

Die geforderte Erinnerung an die Feindschaft Israels zum Beduinenstamm Amaleks erweist sich freilich als paradox. Einerseits werde – so heißt es im Targum Jeruschalmi – der Gottesthron nie wieder in seinem herrlichen Glanz erscheinen, solange die Nachkommenschaft Amaleks nicht vollständig ausgerottet und das Gedächtnis an ihn ausgelöscht ist (vgl. Jüdisches Lexikon 1982, S. 259; Grözinger, a.a.O., S. 24); auf der anderen Seite findet sich in der talmudischen Literatur die Drohung, Israel werde wieder in die Knechtschaft Ägyptens zurückgeführt, wenn das Gebot der Erinnerung an die Schandtaten Amaleks nicht erfüllt wird (Grözinger, a.a.O., S. 25). In einem alten homiletischen Text spricht Gott: „Ihr nennt den Namen Amaleks von unten und ich tilge sein Gedächtnis von oben“ (zitiert nach Grözinger, a.a.O., S. 24).3

Dieses Paradoxon, daß Erinnerung erfolgen und zugleich auch getilgt werden soll, erscheint nicht zuletzt auch deshalb aufschlußreich, weil es in einem ‘positiven Gebot’ gleichermaßen um Verfolgung, um die Anwendung von Macht und Gewalt gehen kann. Wie der Begründer und geistige Führer der jüdischen Neuorthodoxie, der Rabbiner Samson Raphael Hirsch4, in seiner Übersetzung und Kommentierung des Pentateuch anmerkt, ging es in dem unprovozierten Angriff der Amalekiter gegen das Volk Israel – Israel hatte Amalek nicht bedroht – nicht um das Erkämpfen irdischer Güter, sondern es war Amaleks einziges Anliegen, „das Ruhmeswagnis […] zu bestehen“ (Hirsch 1994, S. 181). So sei „nicht Amalek […] das Verderbliche, [sondern] das Andenken, das Ruhmesgedächtnis Amaleks ist das Verderbliche für die sittliche Zukunft der Menschheit“ (ebd., S. 182). Daher geht es hier keineswegs um das Bestreben, an den Feinden Israels Rache zu nehmen. Es geht vielmehr um das Bekämpfen eines Prinzips, des Prinzips nämlich, um des Ruhmes willen Menschen zu verfolgen. Die hier geforderte Erinnerung – dies ist besonders wichtig – erhält die durch die Verfolgungstaten geschaffene Spannung aufrecht, sie ist nicht ‘versöhnlerisch’, es geht weder um Aussöhnung noch um die harmonische Auflösung eines Widerspruchs. Es geht darum, ein Prinzip der Unmenschlichkeit auszulöschen, doch dabei zugleich die Erinnerung an die Schandtat aufrechtzuerhalten.

In der Kabbala, in der eine personhafte Gottesvorstellung aufgegeben wird, ist Erinnern eine „heil- und segenspendende Gotteskraft“ (ebd., S. 26). „Erinnern gehört zum Reich des Guten, Vergessen zum Reich des Bösen“ (ebd., S. 26f). Während das Erinnern zunächst „ein theurgisch-sakramentales Handeln5 – weniger ein psycho-mentales menschliches Sich-Erinnern“ (ebd., S. 27) ist, handelt es sich in der späteren lurianischen Kabbala auch um „eine psychische Befindlichkeit, ein[en] Zustand der menschlichen Seelen“ (ebd., S. 28). Es geht hier um die Wiederherstellung der Individualseele, um eine Teilwiederherstellung der Makroseele Adams, und all dies sei letztlich die Voraussetzung für die kosmische Erlösung. Dabei sei, so betont Grözinger, die lurianische Erlösung „eine Seelenerlösung unterhalb der Oberfläche der realen Wirklichkeit, ein kosmisch mystischer Seelenläuterungsprozeß“ (ebd., S. 29), eine Erlösung, die im Zusammenhang mit der kabbalistischen Vorstellung der Seelenwanderung verstanden werden muß.

Erst im osteuropäischen Chassidismus gilt das Interesse mehr dem einzelnen Individuum. Hier herrscht die Vorstellung, daß „alles, wovon die Bibel spricht, […] in jedem einzelnen Menschen – aber auch in der Geschichte“ (ebd., S. 31) geschieht. „In jedem einzelnen Menschen gibt es demnach eine ägyptische Knechtschaft und einen Exodus. In jedem Menschen gibt es den Typus des Moses und des David, aber auch des Pharao usw.“ (a.a.O., S. 30f). So wird auch zwischen einem materiellen und einem geistigen Exil unterschieden. Das physische sei die Folge des geistigen Exils. Dementsprechend sei die Ursache der physischen Erlösung die geistige Erlösung des Menschen. „Erst als die Israeliten in Ägypten sich erinnerten und als sie dadurch ihren eigenen Mangel erkannten und Buße taten, erst infolge dessen kam für sie die physische Erlösung“ (ebd., S. 31). Das Moses-Werden des Einzelmenschen sei im Chassidismus das Erinnern als individuelle geistige Erlösung. Der vollkommene Mensch, der Zaddik, dem dieses Moses-Werden gelungen ist, kann geistlicher Führer einer chassidischen Gemeinde sein. Durch ihn wiederum werde auch den anderen „die mystische Einung mit Gott, die Gegenwart Gottes, zuteil, und das ist die Erlösung des Erinnerns. Diese Erlösung aus dem geistigen Exil des Vergessens ist die Erlösung aus der Gottesvergessenheit“ (ebd., S. 32f).

In diesen nunmehr aufgezeigten Zusammenhang gehört die vielzitierte Aussage des Ba’al Schem Tov, des Begründers des Chassidismus: „Das Exil wird länger und länger des Vergessens wegen, aber vom Erinnern kommt die Erlösung“(Sefer Ba’al Schem Tov, II, 190 § 8; zitiert nach Grözinger, a.a.O., S. 32).

Ob es nun berechtigt oder klug ist, diese Aussage des Ba’al Schem Tov auf die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung zu beziehen, möge dahingestellt bleiben. Der Satz des Ba’al Schem Tov ist etwa in Yad Vashem, der Jerusalemer Gedenkstätte für die Opfer der Shoah, zu finden. Desgleichen traf Anita Eckstaedt die Entscheidung, ihrem „Nationalsozialismus der ‘zweiten Generation’“ (1989) die – wie sie formuliert – „Jüdische Weisheit“ (S.9) voranzustellen:

‘Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung’.

Versöhnung als Ziel der ‘Internationalen Tage der Begegnung’

Wenn sich der Umgang mit ‘jüdischen Weisheiten’ ungezwungener geriert, ist es zuweilen leichter, sich anhand von Fehlleistungen dem abgewehrten Verdrängten anzunähern. Zu einer solchen Situation kam es im Jahre 1990, während der ‘Internationalen Tage der Begegnung in Stadtallendorf’. Die an sich sehr zu begrüßende und wahrscheinlich gegen den Widerstand konservativer Politiker durchgesetzte Veranstaltung widmete sich der Erinnerung an das Lager Münchmühle, ein Außenkommando des Konzentratonslagers Buchenwald, in das 1944 eintausend in Auschwitz selektierte ungarische Jüdinnen transportiert wurden, um für die Allendorfer Munitionsfabrik Dynamit-Nobel unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit zu leisten. Die Überlebenden wurden 1990 nach Stadtallendorf eingeladen. Das jahrzehntelange Schweigen über das KZ-Außenlager sollte endlich gebrochen werden.

Um der großen Veranstaltung auch ein ansprechendes Äußeres zu geben, war vermutlich ein Graphiker engagiert worden. Dieser entwarf ein Logo, das fortan jedes Namenskärtchen, jede Broschüre und später auch eine auf hochwertigem Papier gedruckte und in Leinen gebundene Buchdokumentation (Magistrat der Stadt Stadtallendorf et al. 1991) zierte. Unter einem bunten Regenbogen – die Heinrich-Böll-Stiftung war einer der Förderer der Begegnungswoche – stand ein in Anführungszeichen gesetztes Zitat im Zentrum des Logos:

„‘Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung’“.

Das Zitat war von den Veranstaltern als Leitwort für die Tage der Begegnung in Stadtallendorf ausgewählt worden und schmückte auch in großen Lettern den Veranstaltungssaal.

Die Sache mit dem Zitat hat allerdings einen nicht unbedeutenden ‘Haken’: Das genannte Zitat ist nämlich verfälscht! Das Wort ‘Erlösung’ im ursprünglichen Text wurde durch den Begriff ‘Versöhnung’ ersetzt. Wenngleich man hinterfragen kann, ob selbst ein auf jüdischer Tradition fußendes Verständnis von ‘Erlösung’ mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung in Zusammenhang gebracht werden sollte, so scheint es erst recht erklärungsbedürftig, wie ein Konzept von ‘Versöhnung’ in diesen Kontext gelangen kann. Eine Recherche bei den damaligen Veranstaltern der Tagung erbrachte keine Aufklärung über die Fehlleistung. Schon die erstmalige Protokoll-Eintragung trägt den oben genannten, verfälschten Wortlaut.

Auf den ersten Blick fällt die Anwendung eines Begriffes auf, der eher für einen Konflikt zwischen zwei Individuen geeignet wäre. Im Kontext von Klein- oder Großgruppen müßte zumindest davon ausgegangen werden können, daß die betreffenden Kontrahenten, die ihre Kräfte zu messen suchen, tendenziell gleichberechtigt sind. Beispielsweise könnten zwei Kinder beim Streit um ein Spielzeug in einen Kampf geraten, und beide ‘versöhnen’ sich hinterher. Eines verzeiht dem anderen vielleicht gar die Zuhilfenahme unlauterer Mittel und umgekehrt. Man verzeiht und versöhnt sich. Auch wenn zwei ‘Fan’-Gruppen während eines sportlichen Wettbewerbs tätlich aneinandergeraten, wäre es denkbar, sich im nachhinein zu versöhnen. In solchen Fällen könnte ein Versöhnungs-Konzept zu Recht in Anspruch genommen werden. Im Kontext eines Völkermordes jedoch ist diese Bezugnahme völlig inadäquat. Es bliebe völlig unberücksichtigt, daß die nationalsozialistische Verfolgung der Juden keine Auseinandersetzung zweier Gegner war, die ihre möglicherweise unterschiedlichen oder gegensätzlichen Interessen mit zumindest vergleichbaren Mitteln durchzusetzen versuchten. Ebensowenig befanden sich zwei gegnerische Armeen in einem Zustand des Krieges.6 Und gleichermaßen ging es nicht um phantasierte Kontroversen, sondern es ging im Nationalsozialismus vielmehr um ein reales gesellschaftliches Gewalt-Verhältnis, für das sich individualspezifische Erklärungsansätze als völlig unzureichend erweisen. Bei der Beschäftigung mit dem Genozid eines Volkes steht die Anwendung des Versöhnungs-Konzeptes für die Individualisierung eines gesellschaftlichen Massen-Phänomens. Es geht also bei dieser Begriffsverwendung um ein Abwehrphänomen.

Weitere Klärung erbringt der Blick in das Herkunftswörterbuch des ‘Großen Duden’. Unter dem Stichwort ‘Sühne’ finden sich Aussagen zum Versöhnen: „Die Wortgruppe […] geht vielleicht von einer Grundbed[eutung] ‘still machen, beschwichtigen; Beschwichtigung, Beruhigung’ aus“ (Der Große Duden 1963, S. 695). Psychoanalytisch gesehen geht es um einen Abwehrvorgang, in dem zum Zwecke der Über-Ich-Entlastung Schuld, möglicherweise auch ein Schuldgefühl, abgewehrt wird. Bezogen auf Menschen, die erst nach dem Nationalsozialismus geboren wurden, mag es sich um ein ‘entlehntes unbewußtes Schuldgefühl’ (vgl. Freud 1923, S. 279) handeln. Weiterhin kann das ‘Still Machen’ im Kontext des mütterlichen Stillens verstanden werden. Zwischen Mutter und Kind soll ein Zustand der Harmonie und Symbiose wiederhergestellt werden. Der Milchstrom soll fließen, um in der Regression die Getrenntheit und Differenz der Beteiligten nicht mehr als solche erkennen zu lassen.

Das in der Fehlleistung wiedererscheinende Verdrängte scheint nunmehr greifbarer. Ein weiterer Blick zurück zu den ‘Tagen der Begegnung’ bestätigt dies.

Der – verfälschte – Versöhnungsspruch fiel in Stadtallendorf nämlich auf fruchtbaren Boden. Es gab fast keinen der zahlreichen Redner, der nicht auf den Leitspruch der Begegnungstage eingegangen wäre. Niemandem schien aufzufallen, daß das Zitat nicht korrekt wiedergegeben war. Besonders eindrücklich hatte der damalige hessische Ministerpräsident Walter Wallmann formuliert, was ihm offenbar sehr auf dem Herzen lag. In seinem „Grußwort“ hieß es, an die Überlebenden gewandt: „Ihr Kommen bezeugt die Bereitschaft zur Versöhnung. […] ‘Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung’“ (Wallmann o. J., S.11). Die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung sollten nicht reich bewirtet werden, ohne einen gewissen eigenen Beitrag zu entrichten. Die Gastfreundschaft der Stadtallendorfer sollte auch für die Opfer ihren Preis haben. Die Überlebenden sollten zum ‘still machen, beschwichtigen’, zur ‘Beschwichtigung, Beruhigung’ beitragen; sie sollten der erwünschten Schuld-Entlastung dienlich sein. Sie sollten sich versöhnen.

Ein gutes Jahr reichte, damit der Stadtallendorfer Bürgermeister und der Vorsitzende des Fördervereins noch deutlicher werden konnten, welche Wünsche sie mit den Tagen der Begegnung verbinden. Zusammen mit der bereits erwähnten Buchdokumentation (Magistrat der Stadt Stadtallendorf et al. 1991) wird ein Dankesbrief verschickt, in dem es heißt, die Erstellung der Dokumentation „war uns Verpflichtung und Bedürfnis zugleich. Nicht zuletzt auch durch Ihr Engagement konnte dieses einmalige Ereignis in einer solchen Größenordnung durchgeführt werden. […] Wir hoffen, daß Sie Gefallen an dem Buch finden und sich mit Hilfe der Dokumentation gerne zurückerinnern […] und wir hoffen, Sie finden genügend Muße bei der Lektüre“ (Schreiben vom 13.12.1991; Hervorhebungen, K.G.).

Diese Sätze sprechen fast für sich. Die anklingenden Konnotationen erinnern an die im Historikerstreit ausgetragene Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Es klingt eine unbewußte Identifizierung mit der Macht und Größe der Nazis an. Und zugleich wird ein Schuldgefühl abgewehrt und es wird die politische Sprengkraft des Konfliktes um die Erfahrung der Nazi-Verfolgung verleugnet, wenn der Hoffnung Ausdruck verliehen wird, man möge sich ‘gerne zurückerinnern’ und genügend ‘Muße’ finden bei der Lektüre. Mit der ‘guten’ Erinnerung an die Tage der Begegnung in Stadtallendorf soll die ‘schlechte’ und ‘böse’ Erinnerung an die Allendorfer Tage im nationalsozialistischen Deutschland gewissermaßen ausgelöscht werden. Dennoch mag eingewandt werden, es handele sich doch lediglich um einen Einzelfall oder – so hatte ein bayerischer Journalist verharmlosend formuliert – um einen „zugegeben dümmlich-taktlos-gutgemeinte[n] Begleitbrief […], der reichlich deplaziert – mit Wünschen für ein gesegnetes Weihnachtsfest schließt“ (Chaussy 1992). Es könnte auch entgegenhalten werden, es gebe sicherlich Schlimmeres.

An weiteren Beispielen herrscht kein Mangel. Und erst recht gibt es Schlimmeres. Es scheint jedoch vielmehr von Bedeutung, daß in Stadtallendorf gerade keine Menschen ‘am Werk’ waren, die schlicht Auschwitz leugnen, die von einer ‘Gnade der späten Geburt’ sprechen oder meinen, man könnte sich mit einem Friedensschluß über SS-Gräbern in Bitburg der Last der deutschen Geschichte entledigen. Es handelt sich gerade nicht um Menschen, die davon ausgehen, das Verschwinden eines Judenghettos im Beton könne für Ruhe sorgen (vgl. Best 1988), oder um Menschen, die Auschwitz durch den vermeintlichen Nachweis relativieren wollen, Hitler sei mit der Judenverfolgung einer ‘asiatischen Tat’ Stalins gefolgt…

Es geht im Gegensatz dazu um eine Position, die statt des Schlußstrichs – zumindest auf bewußter Ebene – die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Verfolgung geradezu einfordert. Um so bedeutungsvoller und zugleich enttäuschender ist dann allerdings die Erkenntnis, daß sich – durch Fehlleistungen sichtbar geworden – ein Bestreben durchsetzt, das eine ursprüngliche Bedeutung von Versöhnung zum Ausdruck bringt: die Beschwichtigung, das Still-Machen. Mit der im Judentum geforderten Erinnerung – exemplarisch ausgeführt an der Auseinandersetzung mit den Schandtaten Amaleks – ist dies freilich auf gar keinen Fall in Einklang zu bringen. Die hier geäußerte Forderung nach Versöhnung dagegen ist ein friedvoll verpackter gewaltsamer destruktiver Akt, ein Akt der Zerstörung von Erinnerung.

Die von Edgar Hilsenrath (1990) in seinem Roman „Der Nazi & der Friseur“ geschaffene Figur des Massenmörders Max Schulz spricht es aus: „Es gibt keine Strafe für mich, die meine Opfer versöhnen könnte“ (S. 313). Hiervon ließe sich natürlich keineswegs ableiten, daß die Verbrechen der Deutschen nicht hätten geahndet werden müssen. Die historische Wahrheit besteht leider darin, daß die meisten Nazi-Täter hierzulande straffrei blieben.

So erweist sich sehr deutlich: Über Auschwitz gibt es keine Versöhnung. Eine industriell betriebene, juristisch vorbereitete und unter massenhafter Duldung systematisch durchgeführte Ausrottung eines Volkes mit einem Blausäurepräparat zur Schädlingsbekämpfung kann nicht ‘versöhnt’ werden. Durch Versöhnung soll die durch die nationalsozialistische Judenvernichtung entstandene und tatsächlich schwer aushaltbare Kluft zwischen Deutschen und Juden vernebelt werden. Versöhnung soll im Sinne des mütterlichen Stillens eine gesellschaftliche Regression auf einen harmonischen, symbiotischen Zustand herbeiführen, der die unharmonische Differenz überdeckt. Versöhnung soll die Juden beschwichtigen und letztlich mundtot machen.

Um eine wahrhaftige ‘Begegnung’ zu ermöglichen, wäre es hingegen notwendig, die durch den Nationalsozialismus gerissene Kluft als eine Kluft anzuerkennen, die das Verhältnis von Deutschen und Juden selbst nach dem unfreiwilligen Ende der Nazi-Verfolgung noch prägt und auch zukünftig weiterhin prägen wird. Erst die Anerkenntnis dieser Kluft könnte Grundlage für eine – diesmal allerdings authentische und womöglich von Mißbrauch freiere – Begegnung sein. Dies sollte im persönlichen Umgang nicht als ‘un-versöhnliche’ Haltung mißverstanden und angeprangert werden, als sei damit ausgesagt, man dürfe nicht aufeinander zugehen, es dürfe keine Versuche von Verständigung geben, man dürfe sich nicht freundschaftlich verbunden sein oder sich lieben. Es geht um die Klärung eines sehr schwierigen gesellschaftlichen Verhältnisses, um das Durchschauen kollektiver Prozesse. Es geht nicht zuletzt um eine gesellschaftspolitische Orientierung.

Die massenpsychologisch bedeutsamen Komponenten des nationalsozialistischen Systems müssen tiefgehender begriffen werden. In seiner „Psychoanalyse der deutschen Seele […]“ (Psyche-Umschlag-Titel 4/1995) unternimmt Rolf Vogt (1995) einen Versuch in diese Richtung, wenn er sich auf Georges Devereux’s Ausführungen über das „ethnische Unbewußte“ und „ethnische Störungen“ (Vogt 1995, S. 321) bezieht. Vogts Hypothese, „daß die Deutschen auch noch aktuell in unterschiedlichem Ausmaß mit einer ‘ethnischen Störung’ behaftet sind, vor allem was die Abwehr von unbewußten Schuldgefühlen und wohl auch einer besonderen Form von Destruktivität“ (Vogt 1995, S. 322) betrifft, dies scheint sich auch im vorliegenden Fall zu bestätigen.

Dabei sind die aufgeführten Fehlleistungen eben nicht als individuelle Handlungen von Bedeutung. Sie sind vielmehr von Interesse, weil es sich um eine Form von ‘Ansteckung’ handelt. Es geht um eine konsensuelle Entstellung, um einen kollektiven Prozeß im Sinne einer ethnischen Störung, der dem Wiederholungszwang unterliegt. Die von Deutschen vielfach ersehnte ‘Normalität’ – die in Deutschland immer eine ‘Normalität’ des Antisemitismus war (vgl. Claussen 1986, S. 232) – findet endgültige Erfüllung, wenn, so hatte Brumlik (1985; S.75) formuliert, Versöhnung exekutiert wird, wenn lebendige Juden nicht mehr an Auschwitz erinnern. Das Stillschweigen soll erzwungen werden.

Eine latente Drohung in diese Richtung, nämlich – wie es heißt – ‘vergleichbare Katastrophen künftig nicht ausschließen’ zu können, falls es den Deutschen verwehrt werde, eine ‘selbstbewußte Nation’ zu sein, war in der Anzeige einer neuen deutschen großen Koalition, die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Abdruck gelangte, zu lesen, einer Koalition, die von Repräsentanten der Friedensbewegung, Politikern fast aller Parteien, dem Ex-konkret-Herausgeber, dem Ehrenvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über den früheren Generalbundesanwalt bis zum Chefredakteur der rechtsextremen ‘Jungen Freiheit’ reicht. In der Anzeige war perfiderweise vom Verschweigen, Verdrängen und Relativieren, aber auch – eben in Relativierung des Nationalsozialismus – von der ‘neuen Unterdrückung im Osten’ und gar von der Vernichtung der Deutschen die Rede. Die Anzeige von besonderer Größe erschien am 7. April 1995. Sie trug den Titel: „8. Mai 1945 – Gegen das Vergessen“.

Literaturangaben

Best, M. (1988) (Hrsg.), Der Frankfurter Börneplatz. Zur Archäologie eines politischen Konflikts. Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag

Bodemann, Y. M. (1996), Gedächtnistheater. Die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung. Hamburg: Rotbuch

Brumlik, M. (1985), Warum ich mit Ignatz Bubis solidarisch bin. Ein Bekenntnis. In: E. Kiderlen (Hrsg), Pflasterstrand Flugschrift – I. Deutsch-jüdische Normalität … Fassbinders Sprengsätze. Frankfurt/Main: Pflasterstrand, S. 74 – 80

Chaussy, U. (1992), Ritual oder Erinnerung? Sendung Kultur aktuell am Morgen, 16. Januar 1992, 8.35 Uhr, Bayern 2 Wort

Claussen, D. (1986), Ein neuer kategorischer Imperativ. Die politische Linke und ihr Verhältnis zum Staat Israel. In: M. Brumlik, D. Kiesel, C. Kugelmann, J. H. Schoeps (Hrsg), Jüdisches Leben in Deutschland seit 1945. Frankfurt/Main: Athenäum, S. 230 – 242

Der große Duden (1963), Herkunftswörterbuch. Die Ethymologie der deutschen Sprache. Mannheim: Bibliographisches Institut

Eckstaedt, A. (1989), Nationalsozialismus in der „zweiten Generation“. Psychoanalyse von Hörigkeitsverhältnissen. Frankfurt/Main: Suhrkamp

Freud, S. (1923), Das Ich und das Es. In: Gesammelte Werke Bd. XIII, S. 235-289

Giordano, R. (1987), Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein. Hamburg/Zürich: Rasch und Röhring

Grözinger, K. E. (o. J.), Gedenken, Erinnern und Fest als Wege zur Erlösung des Menschen und zur Transzendenzerfahrung im Judentum. In: B. Casper und W. Sparn (Hrsg.), Alltag und Transzendenz. Studien zur religiösen Erfahrung in der gegenwärtigen Gesellschaft. Freiburg/München: Karl Alber, Sonderdruck, S. 19 – 49

Grünberg, K. (1995), Versöhnung über Auschwitz? Deutsche und Juden in der Bundesrepublik Deutschland. In: R. Holm-Hadulla (Hrsg.), Vom Gebrauch der Psychoanalyse heute und morgen. Frühjahrstagung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, Heidelberg, 24. – 27. Mai 1995, Frankfurt/Main: Geber und Reusch, S. 97 – 106

ders. (1997), Schweigen und Ver-Schweigen. NS-Vergangenheit in Familien von Opfern und von Tätern oder Mitläufern. Psychosozial 20, Heft II, Nr. 68, S. 9 – 22

Hilsenrath, E. (1990), Der Nazi & der Friseur. Roman. München: Piper, 2. Auflage (1991)

Hirsch S. R. (1994), Der Pentateuch. Übersetzt und erläutert von Samson Raphael Hirsch. Zweiter Teil: Exodus. Zweite Neuauflage. Frankfurt/Main: Ernst Rosenzweig

Jüdisches Lexikon (1982), Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden, begründet von G. Herlitz und B. Kirschner. Königstein/Ts.: Jüdischer Verlag im Athenäum Verlag

Levkov, I. (1987) (Hrsg.), Bitburg and Beyond. Encounters In American, German and Jewish History. New York: Shapolsky

Magistrat der Stadt Stadtallendorf und Förderverein für Stadt- und Regionalgeschichte Stadtallendorfs 1933 – 1945 e. V. (Hrsg.) (1991), Dokumentation der Internationalen Tage der Begegnung in Stadtallendorf, KZ-Außenlager Münchmühle/Nobel vom 21. bis 26.10.1990. „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“. Fuldaer Verlagsanstalt

Vogt, R. (1995), Rainer Werner Fassbinders „Der Müll, die Stadt und der Tod“ – eine deutsche Seelenlandschaft. In: Psyche 49, S. 309 – 372

Wallmann, W. (o. J.), Grußwort. In: Magistrat der Stadt Stadtallendorf und Förderverein für Stadt- und Regionalgeschichte Stadtallendorfs 1933 – 1945 e.V. (Hrsg.), Internationale Tage der Begegnung in Stadtallendorf, KZ-Außenlager Münchmühle 21.-26.10.1990. „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“, Marburg: Alp-Druck, S. 9 – 11

Dieser Beitrag wurde haGalil von Dr. Kurt Grünberg zur Verfügung gestellt. Zuerst publiziert wurde er in: Haland-Wirth, Trin/Spangenberg, Norbert/Wirth, Hans-Jürgen (Hg.): Unbequem und engagiert. Horst-Eberhard Richter zum 75. Geburtstag. Gießen (Psychosozial-Verlag) 1998, S. 148-158.  Wir danken dem Psychosozial Verlag, Gießen, für die freundlich erteilte Nachdruckgenehmigung.

Zum Autor:

Dr. Kurt Grünberg ist Psychoanalytiker in Frankfurt/M und seit 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt am Main. Arbeitsschwerpunkte: Antisemitismus, Trauma, psychosozialen Spätfolgen der Shoah. Psychotherapeutische Selbsterfahrungsgruppen für Child Survivors Deutschland, Psychotherapie und Beratung im Treffpunkt für Überlebende der Shoah (Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland)

Publikationen u.a.:

Kurt Grünberg (2000): Liebe nach Auschwitz — Die Zweite Generation. Jüdische Nachkommen von Überlebenden der nationalsozialistischen Judenverfolgung in der Bundesrepublik Deutschland und das Erleben ihrer Paarbeziehungen. Tübingen (Edition diskord) 2000

Kurt Grünberg und Jürgen Straub (Hrsg.) (2001): Unverlierbare Zeit. Psychosoziale Spätfolgen des Nationalsozialismus bei Nachkommen von Opfern und Tätern. Tübingen (Edition diskord) 2001.

In Vorbereitung: Szenisches Erinnern der Shoah. Drei Generationen in einer Überlebenden-Familie. In: Roland Kaufhold & Bernd Nitzschke (Hg.) (2012): Jüdische Identitäten. Nach dem Holocaust in Deutschland. In: Psychoanalyse – Texte zur Sozialforschung Heft 1/2012.

Eine psychoanalytische Betrachtung des Antisemitismus

Lesehinweis, soeben erschienen:
Roland Kaufhold & Bernd Nitzschke (Hg.) (2012): Jüdische Identitäten nach dem Holocaust in Deutschland. Schwerpunktband der Zeitschrift Psychoanalyse – Texte zur Sozialforschung (16. Jg.), H. 1/2012.

  1. Die vorliegende Arbeit stellt eine Überarbeitung eines Vortrages dar, der auf der DPV-Frühjahrstagung „Vom Gebrauch der Psychoanalyse heute und morgen“ im Jahre 1995 in Heidelberg gehalten wurde (Grünberg 1995). []
  2. Karl Erich Grözinger (o. J.): Gedenken, Erinnern und Fest als Wege zur Erlösung des Menschen und zur Transzendenzerfahrung im Judentum. []
  3. Im Pentateuch, Exodus, Kap. 17, 14 heißt es: „Gott sprach zu Mosche: Schreibe dies zum Gedächtnis in das Buch, und gieb es auch in Jehoschuas Ohren, daß ich Amaleks Gedächtnis gänzlich von unter dem Himmel forttilgen werde“ (Hirsch 1994, S. 182). []
  4. Samson Raphael Hirsch (1808 – 1888) übersetzte und kommentierte u.a. den Pentateuch; er war ein Schüler von Isaac Bernays, dem Großvater von Martha Bernays, der Ehefrau Sigmund Freuds. []
  5. Die Theurgie ist die vermeintliche Fähigkeit und Kraft, durch Zauber Götter zu beschwören. []
  6. Auf dem Hintergrund der wachsenden wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der Bundesrepublik war es dem deutschen Bundeskanzler gelungen, den amerikanischen Präsidenten trotz internationaler Kritik dazu zu bewegen, am 5. Mai 1985 an einem Akt der Versöhnung zwischen den ehemaligen deutschen und US-amerikanischen Kriegsgegnern teilzuhaben (vgl. Levkov 1987). Zwar kam es nicht zu einem Handschlag zwischen Reagan und Kohl selbst (ähnlich dem Handschlag der Versöhnung von Kohl mit dem französischen Präsidenten Mitterand in Verdun) – die Hände reichten sich der ehemalige US-General Mathew B. Ridgeway und Bundeswehr-General Johannes Steinhoff. Dennoch sorgte nicht zuletzt der für die Versöhnungszeremonie auserkorene Ort – insbesondere bei Juden – für Empörung: Es handelte sich um den Soldatenfriedhof von Bitburg, auf dem auch Männer der Waffen-SS begraben sind. Für Juden vollzog sich hier eine Wende von herausragender Bedeutung, eine Wende, die den nationalsozialistischen Völkermord einem gewöhnlichen Krieg ‘opfern’ sollte. Beide Handreichungen insinuierten nämlich, der geschlossene Frieden bezöge sich nicht nur auf ‘den Krieg’ im engeren Sinne, sondern auf den Nationalsozialismus insgesamt. []