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Unterlassene Beschneidung – das große Tabu in unserer Gesellschaft

Es wird höchste Zeit, ein Tabu zu brechen. Ein Tabu, dass uns alle belastet. Ein Tabu, eingeführt und verteidigt unter dem Meinungsdiktat all derer, die in diesem Land Medien und Meinung bestimmen. Es geht um etwas, worüber kaum jemand spricht: überflüssige männliche Vorhaut,- im Fachjargon: Unterlassene Beschneidung…

von Ramona Ambs

Eine satirische Antwort auf den Artikel von Richard Wagner (FAS)…

Jahr für Jahr wird in Deutschland zehntausenden christlichen und atheistischen Knaben die Beschneidung verwehrt. Dabei sieht die UN- Kinderrechtskonvention vor, dass Kinder ein Recht auf Gesundheit haben und nicht wegen ihrer Religion oder Herkunft diskriminiert werden dürfen. Dennoch wird zahlreichen Knaben zugemutet, ihre Vorhaut behalten zu müssen. Und das, obwohl die Risiken, die das birgt, seit Jahren bekannt und durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt sind. Nicht umsonst empfiehlt die WHO die Beschneidung für Männer.

Paragraph 323 c des Strafgesetzbuches besagt, daß „derjenige, der bei gemeiner Gefahr, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten ist, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, die Hilfe unterlässt, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft wird.“ Dass eine unterlassene Beschneidung jedoch zu erheblichen Gefährdungen führen kann und somit als potentielle „gemeine Gefahr“ angesehen werden muss, wird aus ideologischen Gründen von den zumeist christlichen Eltern negiert. Offenbar ist der Verbleib der Vorhaut, trotz der Risiken, die es nachweislich mit sich bringt, als Identifikationsmittel ausgesprochen wichtig für die Christen in diesem Land.

Deshalb werden die Probleme, die es mit sich bringt, wenn ein Junge mit Vorhaut aufwachsen muss, komplett ausgeblendet. Kaum einer benennt die drohenden Gefahren, wenn man seine Söhne nicht beschneiden lässt. Dabei haben die Eltern nach Paragraph 1631 BGB die Pflicht, ihr Kind zu pflegen – auch in gesundheitlicher und hygienischer Hinsicht. Gegen diesen Artikel verstoßen wissentlich und willentlich all jene Eltern, die ihren Söhnen aus ideologischen Gründen die Beschneidung verwehren, denn es kann schlimme Folgen haben, wenn man seinen Sohn nicht beschneidet.

Vorhautentzündungen oder hochgeschobene Vorhäute, die zum Blutstau im Penis führen, sind häufige Komplikationen. Bleibt die Blutzufuhr längere Zeit unterbunden, können die Nervenbahnen im Penis absterben. Bisweilen muss der Penis abgenommen werden. Die Leidtragenden sind die Knaben. Sie werden im besten Fall nur unnötig gefährdet, im schlimmsten Fall werden sie um eine erfüllte Sexualität gebracht oder durch eine Notoperation dauerhaft verstümmelt. Es stellt sich in Anbetracht der möglichen Auswirkungen die Frage: Welchem gesellschaftlichen Druck müssen sich Eltern ausgesetzt sehen, wenn sie diese Gesundheitsprävention für ihre Söhne ausschlagen?

Trauen sie sich nicht, gegen das Meinungsdiktat der Mehrheitsgesellschaft zu stellen? Ist es die christlich-dominierte Sicht, welche die Beschneidung als altmodisches Relikt der Juden und Moslems ablehnt? Braucht man aktuell die gesellschaftliche Ächtung der Beschneidung, um von christlichen Gebräuchen wie Züchtigung und Mißbrauch von Kindern abzulenken? Oder ist es die big-brother geprägte Gesellschaft, in der man glaubt, dass Kinder eine Vorhaut brauchen, damit jeder sehen kann, daß das Kind auch ordentlich gewaschen wird? Ist die erhaltene Vorhaut also quasi Beleg und Ausweis von Christlichkeit und Reinlichkeit?

Kritiker der unterlassenen Beschneidung sehen sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, sie seien halt Juden, Moslems oder Bubenverstümmler. Aber darf man mit diesem Vorwurf alle berechtigten Einwände gegen die Nichtbeschneidung einfach abwürgen? Zeugt es nicht von Scheuklappendenken, wenn man sich hinter diesen religiösen Unterschieden verschanzt?

Viele Familien scheuen auch die Kosten einer Circumcision. Wegen ideologischer Verblendung der Krankenkassen wird die Beschneidung nur in Ausnahmefällen bezahlt, nämlich dann, wenn die Vorhaut so eng ist, daß es nicht nur mit Wahrscheinlichkeit, sondern mit absoluter Sicherheit zu den beschriebenen Problemen kommen wird. Dennoch sollten sich Eltern überlegen, in die Beschneidung zu investieren.

Rechtlich verbindlich wird die Beschneidung wohl auch auf längere Sicht nicht. Das ist bedauerlich und die Krankenkassen scheuen die Kosten. Selbst die Mohelausbildung ist bundesweit noch nicht einheitlich geregelt. Auch der Bundestag ist zu keiner einheitlichen Stellungnahme gekommen. Vermutlich könnte eine rechtliche Klage eines erwachsenen Mannes gegen seine Eltern und seinen Kinderarzt einiges bewegen. Der Mann könnte nämlich auf Körperverletzung wegen unterlassener Beschneidung klagen. Als Fünfjähriger hatte er seine Vorhaut heimlich nach oben geschoben und sie nicht mehr nach unten ziehen können. Die Folgen waren dramatisch. Wegen seines ausgeprägten christlichen Gefühls für Scham und Sitte wagte der Junge, trotz heftigster Schmerzen, nicht, seinen Eltern von dem Problem zu berichten. Dabei wurde sein Penis so nachhaltig geschädigt, dass er in einer Notoperation teilamputiert werden musste. Wie dieses Verfahren ausgehen würde ist noch unklar. Sicher ist jedoch, dass sich derlei Klagen nur durch flächendeckende Beschneidung vermeiden lassen. Der Bundestag darf nicht aus Sorge um den religiösen Frieden in unserer Gesellschaft die potentielle Gefahr der unterlassenen Beschneidung aus den Augen verlieren. Er darf auch nicht aus populistischen Erwägungen die Gesundheit seiner männlichen Jugend aufs Spiel setzen. Die Beschneidungsgegner sollte man vorsichtig an die Hand nehmen und sie an die allseits besungenen christlich-jüdischen Traditionen erinnern. Möglicherweise finden viele dann von sich aus und ohne den rechtlichen Druck eines Gesetzesentwurfs zur Circumcision.

Nicht umsonst hat Deutschland ja auch die Kinderechtskonvention der Vereinten Nationen unterzeichnet, in der steht: „Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen“. Die unterlassene Beschneidung gehört ganz eindeutig zu diesen überlieferten Bräuchen. Man kann nur hoffen, daß Deutschland sich seiner Unterschrift verpflichtet fühlt und richtige Schritte einleitet.