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Chadschoth Israel: Aus für die deutschsprachige Zeitung Israels ?

Ende Januar soll die traditionsreiche deutschsprachige Wochenzeitung „Israel-Nachrichten“ in Tel Aviv aus Kostengründen eingestellt werden. Das sehen überraschende Planungen des herausgebenden Verlages vor, von denen die Internationale Medienhilfe (IMH), die Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Medien weltweit, jetzt erfahren hat…

Pressemitteilung der Internationalen Medienhilfe (IMH)

Berlin/Tel Aviv (18. Januar 2011) – Die „Israel-Nachrichten“ sind eine bedeutende mediale Brücke zwischen Israel und Deutschland. Ein Verschwinden wäre ein tragischer Verlust. Die Zeitung ist eine einzigartige Informationsquelle für Deutschsprachige im „Heiligen Land“ und für Israel-Interessierte in der Bundesrepublik.

Bis ins Jahr 1935 reicht die Geschichte des Wochenblatts. Die Auflage übertraf zeitweise die der meisten anderen Zeitungen Israels. Zu den Kolumnisten gehörten so berühmte Schriftsteller wie Max Brod und Arnold Zweig. Auch in jüngerer Zeit gab es bekannte Autoren wie beispielsweise den Journalisten Henryk Broder. Von 1975 bis 2007 war die renommierte Alice Schwarz-Gardos Chefredakteurin der „Israel-Nachrichten“. Für ihre fast übermenschliche Arbeit als Zeitungsmacherin bekam sie das deutsche Bundesverdienstkreuz.

Gegründet wurde die Zeitung für aus Deutschland nach Israel einwandernde Juden. Die Ausrichtung auf diese Zielgruppe hat sich bis heute kaum geändert. Da diese Bevölkerungsgruppe aber stark schrumpft, ist auch die Auflage gesunken. Nun ist eine Marke erreicht, die den Verlag zum Handeln zwingt.

„Dass unsere Mitgliedszeitung aber gleich dichtgemacht werden soll, ist sehr verwunderlich, da sie noch ein großes Potenzial hat“, erklärt Björn Akstinat, leitender Koordinator der IMH und Deutschland-Vertreter des Wochenblatts. „Es wurde noch kaum versucht, die vielen tausend deutschsprachigen Touristen, Geschäftsleute und Sprachschüler in Israel als Leser zu gewinnen. Nach einer Neu-Ausrichtung könnte die Zeitung wieder rentabel laufen. Ich kann nicht prognostizieren, ob unter diesem Zeitdruck eine Rettungsaktion noch möglich ist, aber wir werden es zumindest probieren“, führt Akstinat weiter aus.

Wenn Sie sich schriftlich für den Erhalt der Zeitung aussprechen wollen, können Sie über info@israelnachrichten.de auf Deutsch oder Englisch ein Schreiben an die Verlagsleitung senden.

Die Chadschoth Israel

1936 gründete Siegfried Blumenthal, ein aus Berlin ausgewanderter jüdischer Buch- und Pressefachmann, in Tel Aviv die deutschsprachige Zeitung „Blumenthals Neueste Nachrichten“. Die Nachfrage danach war groß. Am Anfang des 20. Jahrhunderts kamen tausende Juden aus Deutschland in den Nahen Osten und gründeten Siedlungen und Kibbuze wie Hazorea, Dalia und die Stadt Nahariya. Sie alle konnten häufig kein Hebräisch. Die Auflage von Blumenthals Tageblatt überstieg in den fünfziger Jahren die der meisten anderen Zeitungen Israels, und zu den Kolumnisten gehörten so berühmte Schriftsteller wie Max Brod und Arnold Zweig.

Später wurde die Zeitung in „Israel-Nachrichten“ umbenannt. Noch heute sind die Leser hauptsächlich Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unter den Abonnenten sind aber auch zunehmend deutschsprachige Touristen und Geschäftsreisende, Sprachschüler, Germanistik-Studenten sowie Israel-Interessierte in Europa, Nordamerika und anderen Erdteilen.

Der Inhalt des Blatts ist so vielfältig wie der von Zeitungen in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen kompetente Beiträge über politische, wirtschaftliche und kulturelle Ereignisse in Israel und den Nachbarländern. Über Deutschland, Österreich und die Schweiz wird regelmäßig berichtet, wenn es dort Ereignisse mit Bezug zu Israel bzw. zum Judentum gibt oder Politiker, Schülergruppen und Künstler von dort das „Heilige Land“ besuchen. Die „Israel-Nachrichten“ gelten als wichtigste Brücke zwischen Israel und dem deutschsprachigen Europa. Auch als Kulturbotschafter und Förderer bilateraler Wirtschaftsbeziehungen ist die Zeitung unersetzlich. Seit vielen Jahren gehört sie zu den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Internationale Medienhilfe (IMH).

In der Tel Aviver Redaktion arbeiten zwei feste Mitarbeiter. Chefredakteurin war bis zum August 2007 die bekannte Journalistin und Buchautorin Alice Schwarz-Gardos. Sie leitete die Zeitung seit 1975 und war auch schon lange Zeit für das Vorgängerblatt tätig. Für ihre fast übermenschliche Arbeit als Zeitungsmacherin und Autorin wurde sie mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sie galt lange als älteste Chefredakteurin der Welt. In Wien am 31. August 1916 geboren und in Preßburg aufgewachsen, kam sie nach abenteuerlicher Flucht 1939 mit ihren Eltern nach Palästina.

2010 wurde die Erscheinungsweise der „Israel-Nachrichten“ von täglich auf wöchentlich umgestellt.