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Wachwechsel im Berliner Antisemitismus-Institut

Wachwechsel am renommierten Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin. Wolfgang Benz, seit 1990 Leiter des 1982 gegründeten Instituts für Antisemitismusforschung geht in Rente. In der engeren Auswahl der von Werner Bergmann (vom ZfA) geleiteten Berufungskommission gilt Klaus Holz, Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland e.V. (EAD), als Favorit…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 7. September 2010

Es gibt keine andere Institution in Deutschland, die so prominent Auskunft über Antisemitismus geben kann und darüber forscht. Deshalb ist das Zentrum auch eine wichtige Anlaufstelle für Journalisten, wenn sie erfahren wollen, ob Israel-Kritik tatsächlich Antisemitismus ist. Die Mitarbeiter des Zentrums werden als Experten bei Prozessen herangezogen, wenn einer den anderen als „Antisemit“ beschimpft oder wenn der Bundestag über das leidige Thema debattiert.

Klaus Holz hat sich als Generalsekretär der EAD einen Namen gemacht. In seinen Verantwortungsbereich fiel die Einladung eines Ministers der offiziell von Deutschland als Terrororganisation eingestuften Hamas-Organisation zu einer Tagung der evangelischen Akademie in Bad Boll. Das wurde jedoch durch eine Visa-Verweigerung der Bundesregierung unterbunden.

Holz hat im Jahr 2002 mehrfach den Staat Israel des „Staatsterrorismus“ bezichtigt. In einem von ihm unterzeichneten Aufsatz in der Zeitschrift Jungle World „erklärte“ Holz die palästinensischen Selbstmordattentate: „Gleichwohl sollte dabei nicht vergessen werden, dass die Selbstmordattentate, die aus archaischen Vorstellungen und aus der Religion sich legitimieren wollen, nicht das Geringste mit einer aufgeklärten linken Politik zu tun haben. Sie sind zwar Akte der Verzweiflung, dennoch sind sie barbarisch. Zudem sind sie ein Teil der militärischen Strategie unter anderem der Hamas, die die Verzweiflung instrumentalisiert. Dass Verzweiflung zu religiösem Fanatismus führen kann, ist soziologisch zwar zu erklären, aus einer aufgeklärten Position aber zu verurteilen. Es ist auch falsch, alle PalästinenserInnen mit diesen Anschlägen zu identifizieren, genauso wie es falsch ist, alle Israelis mit ihrer Regierung gleichzusetzen.“

Offenbar unterstellt Holz der rechtsextremistischen radikalislamistischen Hamas eine „aufgeklärte linke Politik“. Schon damals, 2002, war bekannt, dass die Selbstmordattentate keineswegs „Verzweiflungsakte“ sind, sondern das Produkt einer Ideologie. Zudem identifizierten sich damals, laut Umfragen, mehr Palästinenser mit dieser Politik, als jemals Israelis bei demokratischen Wahlen für die Parteien ihrer Koalitionsregierungen gestimmt hätten.

Weil Holz schon bald den wichtigsten deutschen Posten zum Thema Antisemitismus einnehmen könnte, haben wir ihm einen kleinen Fragenkatalog zugeschickt. Zuvor hatte die israelische Botschaft in Berlin, selbstverständlich ohne jede Namensnennung, eine Anfrage zu der Neubesetzung des ZfA mit einer vieldeutigen hebräischen Reaktion bedacht: „Es gibt eine intellektuelle Unaufrichtigkeit bei dem Versuch, gleichzeitig pro-jüdisch und anti-israelisch zu sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Schoah ist klar, dass der Staat Israel die einzige Garantie für die Existenz des jüdischen Volkes ist. Wer versucht, Israels jüdisches Wesen zu verneinen, trifft in Wirklichkeit das Existenzrecht des jüdischen Volks.“ So formulierte es Emmanuel Nahshon, zweiter Mann an der Botschaft. Offenbar ging es ihm vor allem um Holz.

Wegen Urlaub reagierte Holz drei Wochen lang nicht auf den Fragenkatalog, zum Beispiel, ob er die von Europa und dem Bundestag anerkannte Antisemitismus-Definition kenne und akzeptiere. Holz schrieb, dass er “wegen eines laufenden Berufungsverfahrens kein Interview“ geben wolle. Weiter erklärte er, dass die Artikel aus dem Jahr 2002 „Streitschriften“ gewesen seien, die „abgelöst von ihrem Kontext keine Gültigkeit haben können und überdies falsche Aussagen enthalten, die ich längst korrigiert habe.“ Weiter schrieb Holz: „Zur Beantwortung Ihrer Fragen müssten Sie deshalb meine wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Rate ziehen. Wenn Sie möchten, schicke ich Ihnen meine für Ihre Fragen einschlägigen Texte gerne zu.“ Freundlicherweise hängte er einen Text an seine Email an: „Islamistischer Antisemitismus – Phänomen und Forschungsstand“ von Klaus Holz und Michael Kiefer.

Die Rechtschreibeprüfung des Word-Programms schlug sofort Alarm. Dr. habil Holz schrieb da von „Preriodika“ und „puplizistischen“ Aktivitäten, Hizbullah–Anhängern, die moralisch „inetegriert“ seien und „palästinensichen“ Arabern sowie von einer verschwörungstheoretischen „Rethorik“. Zweimal wird die „Korrepondentin“ Schirin Abu Aqila erwähnt. Ebenso schreibt Holz von „getöten“ Kindern in der „Kriegsbereichterstattung“ im „Progamm“ von TV5. In einer Fußnote ist die Rede von einem „Isklamist Discours”, einer “Intitiative“ und schließlich von „Anitsemitismus“.

Am Anfang des gelehrten Aufsatzes heißt es: „Der Antisemitismus ist eine genuin moderne Weltanschauung mit antimoderner Stoßrichtung“. Es stört ihn offensichtlich nicht, im Rahmen dieser „genuin modernen Weltanschauung“ mittelalterliche christliche Ritualmordvorwürfe gegen Juden zu erwähnen. Holz beruft sich zudem auf die „antimoderne Stoßrichtung“, was eine katholische Strömung gegen gesellschaftliche und politische Reformen zur Durchsetzung von Menschenrechten und Demokratie war. Einen sehr wichtigen Wegbereiter jener „genuin modernen Weltanschauung“, Martin Luther, in seiner Spätschrift über die „Lügen der Jüden“, erwähnt der evangelische Akademiechef nicht.

Sollte Holz nächster Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin werden, dürften die „Korrepodenten“ bei Anfragen ihre Freude haben, mit wissenschaftlichen Texten zum Thema „Anitsemitismus“ zugemüllt zu werden, voller Fußnoten mit Zitaten aus „Preriodika und puplizistischen Aktivitäten“.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com