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haGalil Fernsehtipps

Vom 16.09. bis 30.09.2010 …

Do, 16. Sep · 01:05-01:35 · BR-alpha
A bissele Glik

Was genau steckt in diesem „bissele Glik“, das in jüdischen Liedern, oft zu den rhythmischen Klängen der frommen Chassidim, so gerne besungen wird? Der Film sucht Antworten auf diese Frage bei jüdischen Musikern aus drei Generationen. Beim 87-jährigen Arkadij Gendler, der Naziherrschaft und Stalinismus überlebt hat – wie er sagt nur dank der jüdischen Musik. Beim 47-jährigen Roman Grinberg: In der Sowjetunion und Israel aufgewachsen, lebt er jetzt in Wien. Sein einziges Zuhause ist die Klezmermusik, sagt er, denn eine andere Heimat hat er nicht. Und bei Dora Napadensky und Emilia Blufstein, bekannt als“Belzer Sisters“, die sich in den schlimmsten Momenten ihres Lebens immer wieder mit jiddischen Liedern aufrichten, manchmal sogar am Telefon. Und schließlich beim 25-jährigen Georg Demmer, einem erfolgreichen Geschäftsmann, der seine Freizeit damit verbringt, Musik aus dem osteuropäischen Shtetl zu singen.

Do, 16. Sep · 12:30-13:00 · RBB
Mein Polen: Die vier Gesichter Krakaus

Krakau hat mehr zu bieten als prächtige Architektur. Abseits der Touristenrouten zeigt die Reportage Menschen aus Krakau, die ganz unterschiedliche Aspekte der Stadt und ihrer Geschichte repräsentieren. So zeigen sie das jüdische, das österreichisch-galizische, das päpstliche und das junge Krakau. Der Film begleitet u. a. Überlebende von „Schindlers Liste“, die zum ersten mal wieder in die Stadt an der Weichsel kommen, zeigt Krakauer, die noch immer das Andenken des österreichischen Kaiser Franz-Joseph hochhalten und macht mit Tauchern bekannt, die den Papst aus Krakau, Johannes Paul II., unter Wasser verehren.

Do, 16. Sep · 22:45-23:30 · RBB
Der ungeliebte Patriot: Fritz Kolbe – Spion gegen Hitler

 
Der Film zeichnet den Lebensweg des wohl wichtigsten Spions des 2. Weltkrieges nach und wirft dabei gleichzeitig den Blick auf die westdeutsche Nachkriegsgeschichte, die eher von Verdrängung, als von Aufarbeitung geprägt war.  „Ein Gentleman liest nicht die Post anderer Leute“ – dieser diplomatische Ehrenkodex wird dem wohl wichtigsten Spion des Zweiten Weltkrieges zum Verhängnis. Von 1943 bis Kriegsende liefert Fritz Kolbe, Beamter im deutschen Auswärtigen Amt, den Amerikanern zahllose wichtige Dokumente, darunter 1.600 geheime Telegramme. Sein Motiv: Er hasst die Nazis und will, dass Deutschland den Krieg so schnell wie möglich verliert. Doch dieser mutige Einsatz wird nicht belohnt. Obwohl Kolbe das NS-Regime überlebt, wird ihm die Anerkennung als Widerstandskämpfer verweigert. In den Augen seiner Diplomatenkollegen hat er „das Vaterland verraten“. Kolbe darf nicht ins Auswärtige Amt zurückkehren, er bestreitet seinen Lebensunterhalt künftig als Vertreter für Motorsägen. Als er 1971 stirbt, stehen nur 10 Menschen an seinem Grab, darunter zwei hochrangige Abgesandte der CIA. Erst 2004 wird Kolbe erstmals eine offizielle Ehrung in seinem Heimatland zuteil. Zu diesem Zeitpunkt weiß die Öffentlichkeit längst, dass viele der deutschen Diplomaten der Nachkriegszeit tief in die Verbrechen der Nazis verstrickt waren.

Do, 16. Sep · 23:40-00:35 · BR
BR-KLASSIK: Der Pianist Paul Wittgenstein

  
Als Paul Wittgenstein, österreichischer Konzertpianist, im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verliert, will er trotzdem seine Konzertkarriere fortsetzen. Komponisten wie Ravel und Strauss schreiben ihm Konzerte, er feiert weltweit Erfolge.  Von den Nazis aus Österreich vertrieben, stirbt er 1961 in New York. Filmautor Michael Beyer begibt sich auf Spurensuche in Wien und New York, Wittgensteins wichtigsten Lebensstationen sowie Hongkong, wo sich seit ein paar Jahren das Archiv Paul Wittgensteins befindet. Er lässt Familienmitglieder, Musikwissenschaftler, Zeitzeugen wie die ehemaligen Schüler Erna Otten und Leonard Kastle sowie Historiker zu Wort kommen. Wittgensteins Vorbild hat anderen Pianisten, die den Gebrauch ihrer rechten Hand verloren haben, einen Weg gezeigt, ihre Karriere fortzusetzen. Dazu gehören Leon Fleischer und Gary Graffman. Graffman hat, wie Wittgenstein selbst, auch Karriere als Lehrer gemacht. Diese ebenfalls „einhändigen“ Pianisten kommen in dem Film zu Wort und sprechen über die Bedeutung Wittgensteins und seines Repertoires. Die Musik für Klavier für die linke Hand, die Wittgenstein durch seine Kompositionsaufträge ins Leben gerufen hat, fürhrt durch den Film.

So, 19. Sep · ab 6 Uhr · 3Sat
Alles koscher – Ein Thementag über jüdisches Leben heute

Jüdische Identität? Da richtet sich der Blick meist auf die Geschichte oder die aktuellen Probleme Israels. Das lebendige Kultur- und Geistesleben der Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz kennen hingegen die wenigsten.Die jüdische Gemeinschaft im deutschsprachigen Raum wandelt sich dramatisch – durch Einwanderer aus dem Osten und durch eine junge Generation, für die der Holocaust und Israel weit weg sind. Die Auseinandersetzung mit dem Judentum findet in den Medien aber hauptsächlich als historischer Rückblick und als Auseinandersetzung mit Israel und dem Nahostkonflikt statt. Über jüdische Lebenswelten und Alltagskultur in Europa erfährt man wenig. Deshalb fragt 3sat, was es aktuell bedeutet, Jude zu sein: Am Thementag am 19. September 2010, einen Tag nach dem Versöhnungstag Jom Kippur, dreht sich 24 Stunden lang alles um jüdische Lebenswelten und Alltagskultur. 3sat zeigt lebendige jüdische Kultur, die Vielfalt des jüdischen Geistes- und Kulturlebens, thematisiert die aktuellen Probleme und Diskurse des Judentums und lässt die Zuschauer jüdische Traditionen miterleben.

So, 19. Sep · 08:30-09:00 · PHOENIX
Ein bisschen meschugge?

Die Klagemauer, die letzte noch stehende Wand des vor 2.000 Jahren zerstörten jüdischen Tempels, ist für viele Juden der Ort, an dem Gott wohnt. Die Klagemauer, die letzte noch stehende Wand des vor 2.000 Jahren zerstörten jüdischen Tempels, ist für viele Juden der Ort, an dem Gott wohnt. Sein Briefkasten quillt immer über, denn täglich stecken Gläubige hunderte von handgeschriebenen Bitten und Gebeten in die Mauerritzen. Manche schicken sogar Briefe an Gott, postlagernd an die Klagemauer. Die landen in einem Jerusalemer Postamt und werden zweimal im Jahr zur Klagemauer gebracht

So, 19. Sep · 09:45-10:30 · PHOENIX
Martin Buber – Philosoph, Erzieher, Menschenfreund

Martin Buber ist der vielleicht berühmteste deutsch-jüdische Philosoph des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Franz Rosenzweig hat er das Alte Testament neu übersetzt. Martin Buber ist der vielleicht berühmteste deutsch-jüdische Philosoph des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Franz Rosenzweig hat er das Alte Testament neu übersetzt. „Das edelste Geschenk an die deutsche Sprache“, so nannte Bubers Zeitgenosse Hermann Hesse das Werk. Vor allem aber ist Martin Buber ein Philosoph der Versöhnung, ein Mann, der unermüdlich auf die Kraft des Dialogs setzte, um Feindschaft zu überwinden.

So, 19. Sep · 16:30-17:20 · arte
Mein Leben – Christian Stückl

Mit 24 Jahren war er der jüngste Spielleiter der Passionsspiele in Oberammergau. Dort ist er aufgewachsen, und dort hat er seine Liebe zum Theater entdeckt. Mit seinen Inszenierungen prägt er die deutsche Theaterlandschaft: Christian Stückl. Der hochkreative Theatermacher zählt zu den wichtigsten Regisseuren Deutschlands, der mit seinem Gespür für Talente und seiner Fähigkeit, überlieferte Stoffe kritisch und diskussionsfreudig ins Heute zu holen, bereits Theatergeschichte geschrieben hat. Christian Stückl lebt für das Theater, und zwar so lange er denken kann. Bereits als Kind stand er auf der Bühne. Er kommt aus Oberammergau, einem kleinen oberbayerischen Dorf, das weltbekannt ist für seine Passionsspiele. Seit fast 400 Jahren wird dort alle zehn Jahre das Spiel vom Leben und Leiden Christi aufgeführt. Die Passionsspiele sind Teil des dörflichen Lebens – und schon für den jungen Christian Stückl war Theaterspielen und Theatermachen ein Teil des Alltags. Sein Vater und sein Großvater spielten über Jahrzehnte immer wieder Hauptrollen in den Passionsspielen. Während der Proben zu den Passionsspielen im Jahr 1970 mogelte sich der Achtjährige immer wieder auf die Bühne. Seine Schulzeit im benachbarten Kloster Ettal endete abrupt, weil Christian Stückl immer nur Theater spielen wollte. Fotos aus dem Familienalbum zeugen von seiner Leidenschaft – in der elterlichen Gastwirtschaft inszenierte er die großen Klassiker, und das am liebsten, wenn die Eltern verreist waren: Molière, Büchner, Shakespeare … Mit gerade einmal 24 Jahren ging sein großer Wunsch in Erfüllung: Er durfte bei den Passionsspielen als Spielleiter die Regie übernehmen. Eine seiner Inszenierungen im elterlichen Gasthaus besuchte der Journalist Erich Kuby. Er war so begeistert, dass er ihn an den Regisseur Dieter Dorn empfahl. Christian Stückl kam dann nach München zu den Kammerspielen, und arbeitete in Folge als Regisseur für zahlreiche Bühnen in Deutschland. 2002 übernahm er das Münchner Volkstheater. Aus dem etwas verschlafenen Haus hat er in wenigen Jahren eine Spielstätte gemacht, die aufregendes und neues Theater bietet. Stückl mischte nicht nur die Münchner Theaterszene auf, sondern machte sein Haus zu einer der interessantesten Bühnen des Landes. Und das mit einem kleinen Etat, der keine großen Sprünge erlaubt. Sein Erfolg: neue Gesichter und junge Talente. Bei ihm spielen sie gleich die großen Rollen und dürfen alles geben. Seine Entdeckungen werden ihm regelmäßig abgeworben, seien es Maximilian Brückner, Brigitte Hobmeier oder Matthias Mücke, die längst für Film und Fernsehen arbeiten und große Erfolge feiern, oder jüngst Barbara Romaner. In Oberammergau lebt Christian Stückl in einem alten Haus, das er liebevoll restauriert hat. Hier leben nicht nur die Eltern von Christian Stückl, sondern auch fast alle seine engen Freunde. Einige von ihnen hat er nach München ans Volkstheater geholt. In Oberammergau kennt ihn, und das ist keine Übertreibung, jeder. 5.000 Einwohner hat das Dorf, und jeder, der hier geboren ist oder seit 25 Jahren hier lebt, hat ein Spielrecht. So kommt es, dass alle zehn Jahre die Hälfte der Einwohner auf der Bühne steht – und wer mitspielen will, muss auch besetzt werden. Wer spielt die tragenden Rollen, und wer spielt in den zahlreichen Massenszenen? Schon Monate vor Beginn läuft Stückl durch den Ort, und jeder, der ihm begegnet, wird in Gedanken bereits für eine Rolle besetzt. Christian Stückl interessiert sich leidenschaftlich für die jüdische Religion und den Buddhismus. Obwohl er in einer tiefkatholischen Umgebung aufgewachsen ist, hat er sich doch nie den Blick dogmatisch verstellen lassen. Keiner hat so wie er die Passionsspiele reformiert und verändert. Er suchte den Dialog mit jüdischen Organisationen, und unter seiner Leitung wurde der jahrhundertealte Text von antisemitischen Äußerungen und Anspielungen befreit. Am 15. Mai 2010 fand dann die große Premiere statt. Es gibt riesige Szenen mit bis zu 2.800 Akteuren auf der Bühne – die großartige Inszenierung ist seitdem Magnet für täglich 5.000 Theaterbesucher aus aller Welt. Bis zum 3. Oktober wird gespielt.

So, 19. Sep · 16:30-17:30 · BR-alpha
Nazis wider Willen – Deutsche in amerikanischen Lagern (Heimatfront USA)

Ein Film über ein dunkles Kapitel des Zweiten Weltkriegs, das bis heute von der amerikanischen Politik beharrlich totgeschwiegen wird: das Schicksal deutschstämmiger US-Familien in amerikanischen Lagern. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA wurden fleißige deutsche Immigranten über Nacht plötzlich zu potenziellen Nazis und zur „Gefahr für die nationale Sicherheit“. Bei Tausenden von ihnen klopfte eines Tages das FBI an die Tür. Sie wurden verhaftet, verloren Hab und Gut und fanden sich hinter Stacheldraht in einem Internierungslager wieder. Für etwa 4000 dieser Deutsch-Amerikaner war das Lager aber nur eine Zwischenstation: Sie wurden gegen ihren Willen zum Einsatz im geheimen Handel der Kriegsmächte: Die US-Regierung tauscht sie gegen amerikanische Kriegsgefangene ein und schickt sie – mitten im Krieg – per Schiff nach Deutschland zurück. Damit begann ihr Leidensweg erneut: Auch in Deutschland waren sie nicht willkommen. Man hielt sie für amerikanische Spione und sperrte sie wieder ein. Familien zerbrachen. Selbst nach Kriegsende blieb vielen von ihnen die Rückkehr in ihre Wahlheimat Amerika verwehrt. Die ehemals Internierten, Deportierten und Repatriierten haben nach dem Krieg jahrzehntelang geschwiegen – aus Scham oder Angst. Erst jetzt bricht eine kleine Gruppe ihr Schweigen. Sie kämpft im US-Senat dafür, dass die amerikanische Regierung ihr Schicksal endlich offiziell anerkennt. Anhand von fünf Schicksalen schildert Michaela Kirst zum allerersten Mal die bewegende Geschichte der Deutsch-Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs wider Willen zwischen alle Fronten gerieten. Ihre Odyssee steht bis heute in keinem Geschichtsbuch – weder in Deutschland, noch in Amerika. Es ist aber, wenn auch oft stockende, Bewegung in die traurige Geschichte einer jahrzehntelangen Verdrängung gekommen. Karen Ebel, deren Vater Max, eins der fünf Opfer, kurz vor den Dreharbeiten zu „Nazis wider Willen“ starb, hatte 2005 das Aktionsbündnis „German American Internee Coalition“ ins Leben gerufen, das um die Rehabilitierung der Internierten und Abgeschobenen kämpft. Mit im Boot sitzt u. a. der renommierte jüdische Senator Russ Feingold (Wisconsin), der schon im Sommer 2004 im Kapitol über „dieses tragische Kapitel in der Geschichte unserer Nation“ referierte und einen entsprechenden Gesetzentwurf vorschlug. Siebzehn Kongressmitglieder, darunter auch der frühere Präsidentschaftsbewerber Joe Liebermann, unterstützen dieses Vorhaben. Auch Menschenrechtler der „American Civil Liberties Union“ fordern die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Und „Ehemalige“ wie Eb Fuhr erheben ihre Stimme immer lauter. Mit einer 2009 gestarteten Wanderausstellung erinnern sie an ihre Gefangenschaft in US-Lagern. Und Karen Ebels Koalition ehemaliger Internierter und Verbündete hat in langjähriger Aufklärungsarbeit erreicht, „dass sich im Frühjahr 2009 ein Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses erstmals dieses Themas angenommen hat. Er erörterte die brisante Frage, in welcher Weise ‚Euroamerikaner, Iberoamerikaner, japanisch-stämmige Lateinamerikaner und jüdische Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg behandelt worden sind‘. Über dieses Thema wird es in Zukunft noch viele Anhörungen geben, aber Fuhr bezweifelt, dass deutschamerikanische Opfer der US-Internierungspolitik je entschädigt werden. Er sagt jedoch: ‚Selbst wenn mir Geld angeboten würde, nähme ich es nicht an. Ich war es ja nicht, der alles verloren hat, sondern mein Vater, und der ist lange tot'“ (Rheinischer Merkur, 16.06.2009).

So, 19. Sep · 21:50-22:50 · BR-alpha
Wir wollen Licht

 
Juden und deutsche Musik – Vor 10 Jahren: Erstmals Wagner-Musik in Israel aufgeführt

Mo, 20. Sep · 10:00-10:40 · arte
Joann Sfar (Zeichnungen)

Joann Sfar zeichnet ohne Unterlass. Unaufhaltsam bringt er seine Ideen und Geschichten in kleinen und großen Comicstrips zum Ausdruck und hat so bisher schon mehr als 150 Bände veröffentlicht. 1971 geboren, zählt er zu den produktivsten und brillantesten französischen Autoren der jungen Generation. Er studierte in seiner Geburtsstadt Nizza Philosophie und später in Paris Kunst und Morphologie. Intellektualität und Zeichentalent gehen in seinen Comics eine unvergleichlich fruchtbare Verbindung ein. In der berühmten Reihe „Die Katze des Rabbiners“, die derzeit verfilmt wird, thematisiert Joann Sfar die Situation des Judentums im Maghreb, aber auch das Zusammenleben der arabischen und jüdischen Bevölkerung, die sich einer französischen Kolonialmacht gegenübersehen. Die Katze erweist sich dabei als eine sehr jüdische Katze, die nicht aufhört, ihren Rabbiner und die Grundsätze des Glaubens infrage zu stellen. Joann Sfars Gespür für tiefgründige Unterhaltung, sein Humor und die philosophische Verbindung von beidem geben dabei seinem Werk ihren spezifischen Charakter. Unter den zahlreichen Figuren, die seiner Fantasie entsprangen, finden sich ein gutmütiger Rabbiner, eine temperamentvolle Jiddischsängerin, ein Vampir, der sich für Klezmermusik begeistert, und natürlich die sprechende „Katze des Rabbiners“. Diese ist eine Art Alter Ego des Künstlers, das mit scharfer Beobachtungsgabe kritisch beäugt, was rundherum geschieht. Auch die anderen Figuren haben klar umrissene Profile, für die sich Sfar häufig aus seiner eigenen Biografie und durch seine jüdischen Vorfahren aus Nordafrika und Osteuropa inspirieren ließ. Wer Joann Sfar beim Zeichnen zuschaut, erlebt, wie unter seiner Feder eine Welt entsteht, „die der unseren ähnelt, aber von Gespenstern bevölkert wird“ (Time Magazine). Sfars Comics gehören zu den faszinierendsten Werken der letzten Jahre.

Mo, 20. Sep · 10:40-12:15 · arte
Musik, mon amour

  
Daniela Schmidt-Langels und Günther Huesmann haben einen Film über drei außergewöhnliche und äußerst unterschiedliche Musiker und Musikerinnen gedreht, für die die Macht der Töne zum Schlüssel ihrer Existenz wurde.  Drei große Musiker schildern ihre große Liebe zur Welt der Klänge, die mit Glück aber auch Verzweiflung verbunden ist. Es sind intime und intensive Geschichten, die von Lust und Leid, von Freude und Ekstase, von Krisen und Kämpfen, Trauer und Schmerz handeln. Sie machen spürbar, dass Musik für diese Menschen einerseits zum Zufluchtsort, Schutzraum und zur Retterin wird, dass sie andererseits aber auch eine bedrohliche Macht ist, krank machen, zur Belastung werden und schwere Lebenskrisen auslösen kann. Eindringlich erzählt der Film, was die Protagonisten in langen und ausführlichen Gesprächen über ihre existenzielle und widersprüchliche Beziehung zur Musik offenbarten. „Musik, mon amour“ berührt und bewegt, wie die Macht der Töne, von der der Film spricht. In poetischen Bildern entfaltet sich eine intensive Studie von der transformativen Kraft der Musik. Getragen wird der Film von der Musik der Protagonisten selbst. Sie ist die Signatur ihrer Persönlichkeiten und tritt deshalb gleichwertig neben die spannenden biografischen Erzählungen.  Hintergrundinformationen: Ein Jahr lang haben Daniela Schmidt-Langels und Günther Huesmann die japanische Geigerin Midori, den deutschen Komponisten Helmut Oehring und die israelische Sängerin Yasmin Levy bei ihrer künstlerischen Arbeit in Los Angeles, München, Ulan-Bator, Paris, Jerusalem, Madrid, Dessau und Frankfurt/Oder begleitet.

Di, 21. Sep · 22:45-23:30 · HR
Die großen Kriminalfälle in Hessen

Sie müssen grauenvoll gewesen sein – die letzten Minuten im Leben des Jakub Fiszman. Der Obduktionsbericht vermerkt, dass das Opfer mit einem stumpfkantigen Gegenstand auf den Kopf und das Genick geschlagen wurde. Ein qualvoller Tod irgendwo in einem Waldstück bei Reckenroth im Taunus. Es ist der 3. Oktober 1996. Zwei Tage zuvor haben Maskierte den vierzigjährigen Jakub Fiszman auf dem Firmengelände seines Exportgeschäfts in Eschborn entführt. Die Gangster verlangen 3,5 Millionen Mark Lösegeld, das kann Fiszman noch telefonisch mitteilen, und dass er in einem Keller gefangen gehalten werde. Einen Tag später erhöhen die Entführer: vier Millionen. Das Geld wird auf einem still gelegten Parkplatz der A 3 hinterlegt und auch abgeholt, aber die Täter entkommen. Als Jakub Fiszman nicht wie angekündigt sofort frei kommt, folgt eine der größten Suchaktionen: Tornados der Bundeswehr, ausgestattet mit Wärmebildkameras, jagen über die Waldgebiete um Frankfurt, Bereitschaftspolizei, Hundestaffeln und Hubschrauber sind im Einsatz – erfolglos. Erst als die Polizei Tage später das fast unberührte Lösegeld, in einem Wiesbadener Vorgarten vergraben, entdeckt, gerät ein Mann in Verdacht, der alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist: Rainer Körppen, ein Malermeister aus Langen bei Frankfurt. Er und sein 26-jähriger Sohn Sven kommen sofort in Untersuchungshaft. Die Täter scheinen dingfest gemacht; vom Opfer jedoch fehlt jede Spur. Erst ein Hinweis von Sven Körppen führt die Polizei schließlich zu Jakub Fiszmans Leiche, unter Erde und Fichtenzweigen verscharrt. Der brutale Mord am Sohn eines Überlebenden des Holocaust ruft bei vielen jüdischen Deutschen alte Ängste wach und sorgt in der Bevölkerung für besondere Anteilnahme. Außerdem war die Familie bereits 1991 Opfer einer Entführung. Damals wurde ein Neffe Fiszmans und dessen Schulfreundin verschleppt. Die Kinder konnten zwar ohne Lösegeldzahlung frei kommen, aber der Fall wurde nie aufgeklärt. Dennoch gab es schon damals einen Verdächtigen: Rainer Körppen. Aber damit nicht genug: Auch die Entführung eines Offenbacher Unternehmers, der erst gegen Zahlung von zwei Millionen Mark wieder frei kam, wurde ihm angelastet. Eine Familienbande mit einem langen Vorstrafenregister. Mord und Totschlag waren auch dabei. In einem Aufsehen erregenden Prozess werden Rainer Körppen und sein Sohn Sven schließlich zu hohen Haftstrafen verurteilt. Obwohl Rainer Körppen bis zum Schluss jede Tatbeteiligung bestritt, konnte kein entlastendes Indiz gefunden werden. Rainer Körppen wird schließlich, schwer belastet durch das Geständnis seines Sohnes, wegen Mordes und erpresserischen Menschenraubs zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Wegen der besonderen Schwere der Schuld ordnet das Gericht Sicherheitsverwahrung an – das höchste Strafmaß, das nach deutschem Recht verhängt werden kann. Sein Sohn erhält zwölf Jahre Freiheitsstrafe. Aber hätten seine Verbrechen nicht schon früher verhindert werden können? Die Filmautorin Christel Schmidt spricht mit Ermittlern, Kriminaltechnikern, Prozessbeteiligten und einem überlebenden Entführungsopfer.

Mi, 22. Sep · 04:25-04:57 · arte
Pinhas und seine Nachbarn

Der neunjährige Pinhas und seine allein erziehende Mutter leben als russische Einwanderer in Jerusalem. Mit ihren Nachtschichten als Kassiererin eines 24-Stunden-Supermarktes hält die Mutter den Haushalt nur mit Not über Wasser. Wenn ihr Sohn nachmittags aus der Schule kommt, liegt sie noch übermüdet im Bett, die restliche Zeit verbringt sie mit ihrem verheirateten Liebhaber. Als Pinhas im Treppenhaus die gleichaltrige Nachbarstochter und deren erwachsenen Bruder Shimon kennenlernt, ändert sich sein Leben. Der einsame Junge fühlt sich von der Wärme und dem Zusammenhalt, den die religiöse jüdische Familie ausstrahlt, magisch angezogen. Shimon wird für Pinhas zu einer Art Mentor und macht ihn mit den Schriften der Tora vertraut. Dabei ist dem jungen Mann nicht bewusst, wie wörtlich der kleine Junge die religiösen Erzählungen nimmt…

Mi, 22. Sep · 13:45-14:00 · BR-alpha
Die jüdische Gemeinde Augsburg

Ein Film zum Laubhüttenfest

Mi, 22. Sep · 16:45-17:00 · Das Erste (ARD)
Des Vaters Sohn

Die Rabbinerfamilie Nachama in Berlin Film von Andrea Roth Schon als Kind sang Alexander Nachama gemeinsam mit dem Großvater – das bestimmte seinen Lebensweg. Denn er ist heute als Kantor der liberalen Berliner Gemeinde Herbartstraße tätig und besucht parallel das Abraham-Geiger-Kolleg, um Rabbiner zu werden. Alexander und sein Vater Andreas Nachama sind die Nachfahren von Estrongo Nachama, dem in Auschwitz seine schöne Baritonstimme das Leben rettete. Er war aus Griechenland deportiert worden, nach dem Krieg ging er nach Berlin und wurde dort Oberkantor der jüdischen Gemeinde. Sein Sohn Andreas ist heute Direktor des Museums „Topographie des Terrors“ und gleichzeitig als Rabbiner für die liberale Gemeinde Hüttenweg in Berlin zuständig. Und nun wird auch dessen Sohn, der Enkel Estrongo Nachamas, wieder Rabbiner. Der Großvater bleibt unvergessen, bis heute singt Alexander Nachama aus seinem alten Notenheft. Das bevorstehende jüdische Laubhüttenfest ist Anlass, dem Fernsehpublikum diese ungewöhnlichen Väter und Söhne vorzustellen.

Mi, 22. Sep · 19:00-19:45 · BR
Stationen.Dokumentation: Jüdisches Leben in Regensburg

Der Zustrom von weit über 100.000 Juden aus Osteuropa nach Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten veränderte nicht nur die großen jüdischen Gemeinden wie Berlin, München oder Frankfurt. Noch stärker betroffen sind die kleinen Zentren jüdischen Lebens, die vor 1989/90 nahezu vor ihrer Schließung standen. So auch die Jüdische Gemeinde Regensburg: Vor dem Mauerfall noch bestehend aus wenigen Familien, ist sie heute Anlaufstelle von fast 1000 Mitgliedern. Mehr als 90 Prozent von ihnen sind Neueinwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Damit spiegelt die Gemeinde eben das zahlenmäßige Verhältnis wieder, das für die gesamte heutige jüdische Gemeinschaft der Bundesrepublik gilt. Für die Autoren Andreas Bönte und Michael Olmer ist dies ein Anlass gewesen, die Gemeinde zu besuchen. Mit ihrer Dokumentation entstand ein spannender Einblick in die Gegenwart jüdischen Lebens in Regensburg. Porträtiert werden Menschen, die hier und jetzt ihre jüdische Identität leben – auf verschiedene Weise, aber doch in ein und derselben jüdischen Gemeinde.

Mi, 22. Sep · 20:15-21:05 · arte
Das Rote Kreuz im Dritten Reich

Die Opfer der Shoah konnten während der Nazizeit keine Hilfe vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) in Genf erwarten. Der Dokumentarfilm sucht nach den wahren Gründen und zeichnet das skandalöse Verhalten des IKRK nach. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist ein Symbol für Menschen in Not. Vor allem in Kriegszeiten blickten die Opfer hoffnungsvoll auf das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in Genf. Doch die, die unter dem Naziterror am dringendsten Hilfe gebraucht hätten, die Opfer der Shoah, hofften vergebens. Nach dem Krieg berief sich das IKRK lange darauf, nur für die Kriegsgefangenen ein völkerrechtliches Mandat gehabt zu haben. Die Dokumentation belegt, wie wenig stichhaltig diese Argumentation ist. Neuere Erkenntnisse der historischen Forschung belegen, dass ein Engagement für die Millionen im deutschen Machtbereich mit dem Tode bedrohten Menschen jüdischen Glaubens und sogenannter „jüdischer Abstammung“ wohl vor allem aus Rücksicht auf die Interessenlage der Schweiz unterblieb. Hinzu kam, dass auch die IKRK-Führung nicht frei war von antisemitischen Ressentiments. Zudem schien eine Einmischung im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz nicht opportun. Dort waren Juden längst ausgeschlossen und die leitenden Positionen mit Nationalsozialisten besetzt. Im Frühjahr 1942 teilte das Deutsche Rote Kreuz dem IKRK in Genf lapidar mit, Nachforschungsanfragen nach sogenannten „nichtarischen“ KZ-Häftlingen und Vermissten könnten nicht mehr bearbeitet werden. Selbst die ohnehin seltenen Inspektionen von Konzentrationslagern durch das Rote Kreuz brachten keine Hilfe. Im Gegenteil, der Bericht des IKRK-Delegierten, des Arztes und Offiziers der Schweizer Armee, Maurice Rossel über seinen Besuch des Konzentrationslagers Theresienstadt fiel so freundlich aus, dass die NS-Propaganda ihn gern zitierte (vergleiche auch die ARTE-Produktion „Ein Lebender geht vorbei“, von Claude Lanzmann). Beispiele anderer IKRK-Delegierter beweisen, dass Vertreter des Roten Kreuzes durchaus die Möglichkeit hatten zu helfen. Die Würdigung des Engagements und des Muts Einzelner lässt das Versagen der Mehrheit umso deutlicher werden. Ein Versagen, das seine tragische Fortsetzung in der Nachkriegszeit fand, als das IKRK die Verantwortung für den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen übernahm. Verzweifelt wandten sich Überlebende der Shoah an den Suchdienst, um etwas über das Schicksal ihrer Angehörigen in Erfahrung zu bringen. Und wieder mussten viele der NS-Opfer erfahren, wie das IKRK sie im Stich ließ. Filmautorin Christine Rütten zeichnet das skandalöse Versagen nach.

Mi, 22. Sep · 21:05-22:00 · arte
Schiff der Verdammten – Die Irrfahrt der St. Louis

Der Dokumentarfilm schildert das Drama um den deutschen Passagierdampfer St. Louis, der sich 1939 mit 930 jüdischen Emigranten an Bord auf den Weg in die USA machte, wo man ihnen die Landung versagte. Es folgte eine dramatische Irrfahrt. 930 Männer, Frauen und Kinder jüdischen Glaubens gingen am 13. Mai 1939 in Hamburg an Bord des deutschen Passagierdampfers St. Louis. 300 von ihnen waren bereits in Konzentrationslagern interniert gewesen. Sie hofften, der Verfolgung und den Todeslagern der Nazis zu entkommen. Ihr erstes Ziel war Kuba, von dort aus wollten sie weiter nach Amerika. Von ihren letzten Ersparnissen kauften sie Schiffstickets, um auf die Karibik-Insel zu gelangen. Die nationalsozialistischen Behörden ließen die Emigranten ausreisen, um mit einer großangelegten Propagandakampagne zu zeigen, dass Juden jederzeit Deutschland legal verlassen könnten. Aber es gab noch einen anderen Grund für diese „Sonderfahrt“ nach Kuba: Spionage. An Bord waren deutsche Agenten, getarnt als Crewmitglieder. Sie sammelten auf Kuba Geheimmaterial über die amerikanische Kriegsmarine. Die Aktion lief unter dem Codenamen „Aktion Sonnenschein“. Die jüdischen Passagiere glaubten, in die Freiheit zu fahren. Doch für viele endete die Reise in einer Tragödie. Weder Kuba noch Amerika wollten die Emigranten aufnehmen. Nach Tagen der Ungewissheit und neuer Todesängste mussten sie schließlich nach Europa zurückkehren. In Frankreich, Holland und Belgien fanden sie vorübergehend Asyl, doch während des Krieges und der deutschen Besatzung wurden viele von ihnen aufgegriffen, deportiert und in Konzentrationslagern ermordet. Von den mehr als 930 Menschen jüdischen Glaubens auf der St. Louis hat nur ein Drittel das Kriegsende erlebt.

Mi, 22. Sep · 23:00-00:30 · SWR
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Paris in den 60er Jahren. Der jüdische Teenager Moses wohnt mit seinem Vater in einem typischen Einwandererviertel. Seit die Mutter die Familie vor vielen Jahren verlassen hat, hat der Vater jede Lebensfreude verloren und vergräbt sich hinter verschlossenen Vorhängen in Büchern. Für seinen Sohn bringt er kaum Interesse auf. Und so ist Moses ganz auf sich alleine gestellt. Er führt den Haushalt und entdeckt das pulsierende Leben in den engen Gassen seines Viertels. Er verliebt sich in das Nachbarsmädchen Myriam und sammelt erste Erfahrungen bei den Prostituierten um die Ecke. Da Moses chronisch knapp bei Kasse ist, stiehlt er immer wieder in dem Gemischtwarenladen gegenüber. Der Besitzer Monsieur Ibrahim sieht darüber großzügig hinweg, er hat ein Herz für den Langfinger. Aus knappen Sätzen, die die beiden anfangs miteinander wechseln, werden freundschaftliche Gespräche. Der lebenskluge ältere Herr weckt in dem Juden, den er Momo nennt, nicht nur das Interesse für den Koran, er sensibilisiert ihn für die großen und kleinen Freuden des Alltags. Doch dann nimmt sich Momos depressiver Vater das Leben; Momo droht aus der Bahn geworfen zu werden. Beherzt nimmt sich Ibrahim des verwaisten Jungen an. Er überwindet die bürokratischen Hürden und adoptiert seinen gelehrigen Schüler. Mit seinen Ersparnissen kauft er ein schickes Auto und bricht mit Momo in seine türkische Heimat auf. Die lange Reise erweist sich als Abenteuer ohne Rückkehr.

Do, 23. Sep · 06:30-06:45 · BR
Die jüdische Gemeinde Augsburg

Die jüdische Gemeinde Augsburg verfügt über eine Seltenheit in Deutschland: eine alte Synagoge. Der Münchner Architekt Fritz Landauer baute sie zwischen 1913 und 1917. Die heutige Gemeinde ist seit 1995 durch Einwanderer aus den GUS-Staaten sprunghaft gewachsen und versucht seitdem, zusammenzuwachsen. Rabbiner Henry Brandt legt dabei sein Augenmerk vor allem auf die jungen Leute. Sukkot, das Laubhüttenfest, erinnert mit seinen Hütten aus Holzlatten und belaubten Zweigen, in denen man eine Woche lang wohnen und essen soll, an die Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste. Sukkot ist der hebräische Name des Laubhüttenfests, an dem sich gläubige Juden an den Auszug aus Ägypten erinnern, als das Volk Israel keine festen Häuser besaß. Es dauert eine Woche, die Gemeinde soll während dieser Tage in einer Hütte wohnen, die Schatten bieten soll, durch deren Dach aber auch die Sterne schimmern können. Ein durchaus festes Haus hat heute die jüdische Gemeinde Augsburg, wo eine der ganz wenigen Vorkriegssynagogen Deutschlands erhalten ist. Nach der Reichskristallnacht als Lagerraum missbraucht, erstrahlt sie seit dem Abschluss der Renovierung 1994 in neuem alten Glanz. Rabbiner Henry Brandt, geboren in München, floh vor den Nazis nach England und kehrte als Rabbiner nach Deutschland zurück. Aufgewachsen in der liberalen Tradition des deutschen Judentums, arbeitet er heute in einer Gemeinde, die sich trotz des Erbes der Vergangenheit ganz am Anfang sieht.

Do, 23. Sep · 11:45-12:30 · BR
Stationen.Dokumentation: Jüdisches Leben in Regensburg

In der Sendung spiegelt sich wider, dass es in den Kirchen und zwischen den Religionen lebendig, kontrovers, bewegt und sogar widersprüchlich zugehen darf, aber eben auch besinnlich, nachdenklich und fragend.

Sa, 25. Sep · 04:15-05:00 · PHOENIX
Die jüdische Lobby

Die jüdische Lobby beherrscht die Wall Street. Sie kontrolliert die Filmindustrie Hollywoods, die internationalen Medien, und – am wichtigsten – sie zieht die Fäden der amerikanischen Weltpolitik. Die jüdische Lobby beherrscht die Wall Street. Sie kontrolliert die Filmindustrie Hollywoods, die internationalen Medien, und – am wichtigsten – sie zieht die Fäden der amerikanischen Weltpolitik. Über kaum etwas werden rund um den Globus mehr Mythen und Legenden gesponnen als über den Einfluss des Judentums. Der deutsch-israelische Journalist und Filmautor Uri Schneider zeigt, dass es sie wirklich gibt, die jüdische Lobby

Sa, 25. Sep · 22:00-23:30 · arte
Carmel – Mitten im Krieg

Von den Hängen des Carmelgebirges gesehen: eine persönliche Familienchronik und ein Geschichtsmosaik Israels kriegerischer Vergangenheit. „Carmel“ ist die Geschichte Israels aus einer subjektiven und intimen Perspektive. Schwer zu fassen ist die Geschichte Israels: zwischen kriegerischer Vergangenheit und Wiege der westlichen Religionen. Amos Gitai porträtiert diese wechselhafte Geschichte in seinem neuen Film „Carmel“ und beginnt seine Erzählung im Jahre 70 vor Christus. Zwischen Juden und Römern fand damals im Carmelgebirge, nahe des heutigen Haifa, eine Schlacht statt, die den Beginn der jüdischen Diaspora markieren sollte. Mit dieser Schlacht als Ausgangspunkt zeichnet Gitai den Verlauf der Kriege im Nahen Osten nach und verbindet seine eigenen Erfahrungen als Soldat mit denen seines Sohnes im Wehrdienst. Mit der Kamera verfasst Gitai so ein poetisches Porträt der israelischen Identitätskonflikte. In seinem Film vermischen sich persönliche Fotografien mit dokumentarischen Elementen und mit fiktionaler Inszenierung. Mit viel Gefühl verbindet Gitai so seine eigene Geschichte mit der Israels.

So, 26. Sep · 11:15-12:00 · HR
Die Althoffs: Ein Leben für den Zirkus

Der Ursprung der Zirkusfamilie Althoff kann bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Sie zählt zu den ältesten Zirkusdynastien der Welt – durch zahlreiche verwandtschaftliche Linien ist sie auch eine der größten. Laut Familiensaga soll der Stammvater der Althoffs ein Findelkind aus dem niederrheinischen Freialdenhoven gewesen sein, geboren etwa 1660. Im Jahr 1830 eröffnet der Seilartist Wilhelm Althoff den ersten eigenen Familienzirkus. Wilhelms Sohn zog Ende des 19. Jahrhunderts nach Köln und baute hier sein Winterquartier. Der 1884 geborene Dominik Althoff war dann mit Anfang zwanzig der jüngste Zirkusdirektor der Welt. Dominiks Tochter Carola Williams Althoff wurde in Köln zur Legende. In ihrem Zelt fanden nach dem Krieg die ersten Karnevalssitzungen statt. Ihr Bruder Franz Althoff besaß den größten Zirkus Europas. In seiner Manege drehte Hollywood den größten Zirkusfilm aller Zeiten: „Circus World“. Franz‘ Bruder Adolf hingegen war ein begnadeter Zirkustechniker. Während des Zweiten Weltkriegs rettete er zahlreiche jüdische Artisten vor den Nazis. Ende der 1960er Jahre schlossen alle drei ihre Zirkusse. Doch 1978 eröffnete Franzi Althoff – Vertreter der neunten Generation – sein eigenes Unternehmen. Live aus seiner Manege sendete der WDR zu Beginn der 1980er Jahre den berühmten „Telecircus“. Franzi Althoff war auch einer der ersten, der sich entschloss, auf Wildtier-Dressuren im Zirkus zu verzichten. Zur Jahrtausendwende tourte er erfolgreich mit dem Zauberwald, einem Pferdemusical, durch Europa. Heute ziehen noch drei Zirkusse mit dem Namen Althoff über Land. Der Film von Jobst Knigge zeigt das Auf und Ab einer Familie mit großer Tradition. Dabei spielen auch Filmberühmtheiten wie John Wayne und Claudia Cardinale, Popstars wie die Bee Gees, Falco und Udo Lindenberg, Schauspieler wie Uschi Glas und Freddy Quinn eine Rolle – sie alle traten schon in der Manege auf, die für die Althoffs die Welt bedeutet. Mit bisher unveröffentlichte Filmaufnahmen und Fotos, Interviews mit Familienmitgliedern und Weggefährten wie Bernhard Paul vom Zirkus Roncalli und Gerd Simoneit vom früheren Zirkus Barum zeichnet die Dokumentation das Bild einer höchst außergewöhnlichen und faszinierenden Zirkus-Dynastie.

Mo, 27. Sep · 01:15-02:45 · HR
Die zwei Leben der Anja Lundholm

In einer kleinen Wohnung mitten in Frankfurt am Main lebte die fast neunzigjährige Schriftstellerin Anja Lundholm bis zu ihrem Tod am 4. August 2007. Durch eine schwere Krankheit war sie seit ein paar Jahren ans Bett gefesselt. Doch dies war nicht das erste Gefängnis, das Anja Lundholm durchleben musste. Aufgewachsen als Tochter eines Nazi-Sympathisanten und einer jüdischen Mutter, erlebte sie schon zu Beginn der dreißiger Jahre, was es heißt, nicht erwünscht zu sein. Mit achtzehn Jahren entfloh sie der immer bedrohlicher werdenden Kleinstadtenge und studierte in Berlin Musik. Doch auch in Berlin veränderten sich die Bedingungen immer mehr. Als so genannte Halbjüdin durfte sie weder ihre Karriere als Musikerin fortsetzen, noch weitere Kleinrollen beim Film annehmen. 1938, nach der Pogromnacht, beging die Mutter in Krefeld Selbstmord. Anja selbst setzte sich mit gefälschten Papieren nach Rom ab, wo sie sich einer kleinen Widerstandsgruppe anschloss. Anfang 1944 wurde sie verhaftet. Nach unzähligen Verhören in Gestapogefängnissen und einer Odyssee durch ganz Deutschland wurde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert – was einer Todesstrafe gleichkam. Doch Anja Lundholm hatte Glück und erlebte den Tag der Befreiung. Nur langsam kam die junge Frau wieder auf die Beine. Erst nach dem Tod des Vaters begann Anja Lundholm ihre Geschichten aufzuschreiben. Fast zwanzig Bücher hat sie bis in die neunziger Jahre geschrieben. Durch das Schreiben hat sich Anja Lundholm befreit, ohne zunächst zu bemerken, dass sie dabei auch zu einer sehr genauen Chronistin ihres Jahrhunderts wurde. Für ihre Werke wurde die Schriftstellerin mit unzähligen Preisen ausgezeichnet. Selbst für den Literaturnobelpreis wurde sie vorgeschlagen. Doch die Bücher der Anja Lundholm findet man nicht in den Bestsellerlisten. Vielleicht liegt es daran, dass ihre Erinnerungen sehr unter die Haut gehen und das Unfassbare sehr lebendig werden lassen. Der Dokumentarfilm „Die zwei Leben der Anja Lundholm“ ist ein persönliches Porträt einer wichtigen deutschen Schriftstellerin und gleichzeitig auch eine Zeitreise durch ein Jahrhundert gelebter deutscher Geschichte. Filmautor Christian Gropper hat die Schriftstellerin über zwei Jahre lang besucht und in vielen Gesprächen und Reisen die Stationen ihres Lebens nachvollzogen.

Mi, 29. Sep · 23:30-00:15 · Das Erste (ARD)
Brückenbauer

Jüdische Emigranten und die Wiedervereinigung Film von Evi Kurz Sie wurden verfolgt, sie wurden vertrieben, sie waren „froh und dankbar“, endlich „raus“ zu sein. Nichts hielt Henry Kissinger, Fritz Stern und George Weidenfeld in dem Land, das ihren Familien jede Lebensmöglichkeit entzogen hatte. Eine „traumatische Erfahrung“ – für die Eltern, für die Geschwister, für sie selbst. Wie konnten Menschen, die den hemmungslosen Antisemitismus ihrer Mitbürger erlebt, die das Land ihrer Kindheit voller Angst und Wut verlassen hatten, mit Deutschland und den Deutschen ihren Frieden machen? Warum kamen sie zurück? Was trieb sie an – Rache, Neugier, Sehnsucht, Hoffnung? Jedenfalls machten sie sich auf den Weg – schon bald nach dem Krieg, immer wieder, immer öfter. Henry Kissinger, der ehemalige US-Außenminister, Fritz Stern, der führende US-Historiker für deutsche Geschichte und Lord George Weidenfeld, der britische Verleger, Journalist und Diplomat, wurden zu Brückenbauern zwischen ihrer neuen und ihrer alten Heimat. Und als es darauf ankam, als sich 1989/90 unerwartet die Frage der Wiedervereinigung stellte und nicht klar war, wie die internationale Staatengemeinschaft darauf reagieren würde, waren sie da: Mit ihrem ganzen politischen und publizistischen Gewicht setzten sich die Drei für Deutschland und die Deutschen ein. Eine bemerkenswerte, eine bewegende Geschichte. Evi Kurz geht ihr auf den Grund. In einer Serie exklusiver Interviews gewähren Kissinger, Stern und Weidenfeld ganz besondere Einblicke in ihr privates und berufliches Leben sowie ihr wechselvolles Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen. Sie schildern ihre Sicht der Wiedervereinigung und bewerten die internationalen Reaktionen auf die dramatische Entwicklung zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990. Helmut Schmidt, Angela Merkel, Hans-Dietrich Genscher und Richard von Weizsäcker sprechen über den Beitrag Kissingers, Sterns und Weidenfelds zur deutschen Aussöhnung mit den USA, Israel und Großbritannien. Evi Kurz, die Filmemacherin aus Fürth, hat sich bereits ausgiebig mit den Themen dieser Geschichte beschäftigt. Als Autorin, Regisseurin und Produzentin von TV-Dokumentationen hat sie sich längst einen Namen gemacht. Besonders ihre Dokumentation „Die Kissinger Saga – Henry und Walter Kissinger, zwei Brüder aus Fürth“, wurde national wie international zu einem großen Erfolg – mitsamt dem begleitenden Buch.