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Hungerstreik vor der israelischen Botschaft in Berlin

Hager, müde und erschöpft ist Firas Maraghy am Samstagnachmittag. Seit 19 Tagen und Nächten kampiert der 39-jährige aus Ost-Jerusalem vor der israelischen Botschaft in Berlin, um Reisepapiere für sich und seine Familie zu erkämpfen…

von Bettina Gassmann

Seine Frau Wiebke Diehl und die gemeinsame Tochter Zaynab, die Hauptperson des Dramas sind mit einem Freund zu „Besuch“. Im Moment interessiert sich das kleine Mädchen mehr für Kugelschreiber und Handys, eigentlich für alles, was sie in den Mund stecken kann. „Jetzt werden wohl bald die ersten Zähne durchbrechen“, freut sich die blonde, sympathische Mutter. Maraghy wird davon wenig mitbekommen. Er wirkt zum ersten Mal sehr angespannt. Am Freitag waren ca 100 Menschen zu einer Sympathiekundgebung gekommen, er hat Interviews gegeben. Langsam nimmt die Öffentlichkeit Notiz von dem ungleichen Kampf in der Auguste-Viktoria-Strasse. Immer mehr Medien schicken ihre Vertreter, andere warten recht zynisch wohl erst ab, „bis etwas dramatisches passiert“. Und obwohl Artikel und Fotos erscheinen, bewegt sich noch nichts von offizieller israelischer Seite.

„Das hat ihn erschöpft“, sagt Wiebke Diehl, die fest zu ihrem Mann und seinem Hungerstreik steht: „wir haben das in den letzten Monaten ja alles gemeinsam durchgestanden“, aber sie macht sich Sorgen um seine Verfassung. „Ab jetzt reicht es nicht mehr, wenn alle paar Tage ein Arzt vorbeischaut, jetzt müsste Firas täglich untersucht und gecheckt werden.“ „Müsste“, allerdings hat sich noch kein Berliner Mediziner dazu bereit erklärt hierher zu kommen um sich zu engagieren. „Wir haben schon vor Wochen einen Aufruf gestartet, aber es hat sich niemand gemeldet. Die fadenscheinige Ausrede „man untersuche nicht in der Öffentlichkeit“ strafen Notärzte tagtäglich Lügen.

Firas geht mit seiner Tochter auf den Spielplatz, gesellt sich zu den anderen Kindern, die dort rutschen, schaukeln und im Sand spielen. Er betrachtet versonnen das Lächeln Zaynab´s und streicht ihr vorsichtig über die dunkelblonden Locken. „Es geht mir gut, ich halte noch lange durch“, murmelt Maraghy.

Zur Erinnerung: es geht darum, dass ein Ost-Jerusalemer Vater seine deutsche Frau und seine Tochter in seine Reisepapiere eintragen lassen möchte, die es der Familie ermöglichen, sowohl nach Jerusalem als auch nach Deutschland zu reisen und jeweils zurückzukehren.

Für Maraghy und seine Familie geht es um mehr. Um das Recht auf Wurzeln, Heimat, Reisemöglichkeit und die Freie Wahl des Aufenthaltsortes: § 13 der Menschenrechtscharta eben. Der Text steht auf dem Plakat an den Baum gelehnt unter dem Maraghy seine 20. Nacht hoffentlich ohne Regen verbringt.