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Spanische Juden: Die sogenannte jüdische Mentalität?

Die Juden von Saloniki waren Esriel Carlebach, dem späteren Gründer der Zeitung „Ma’ariv“, so wichtig, dass er ihnen in seinem Buch „Exotische Juden“ das erste Kapitel einräumte. Die ersten 3 Abschnitte brachTen wir vor wenigen Tagen. Hier die Fortsetzung…

Von Robert Schlickewitz

STOLZE SPANIER – Saloniki

Abschnitt 4. des Kapitels über die Juden von Saloniki

Und die sogenannte jüdische Mentalität?

Auch sie ist anders als das, was wir sonst so nennen.

Mittelländischer, froher und kindlicher. Der Stempel weiter, sonniger und stolzer Länder ist ihr deutlicher aufgeprägt als der des Ghetto.

Der Sfardi ist nicht überspitzt; es ist ihm nicht gegeben, das Alltagsgespräch zu vergeistigen, Debatten mit Sticheleien zu würzen, mit erlösendem Bonmot abzubrechen, er modelliert nicht mit Lehrhausbegriffen an dem Stoff, den das Leben ihm gibt. Sein Sprichwort ist simple Tatsachenfeststellung. Er sagt nüchtern: „Ein Jude muß immer etwas auszusetzen haben“, wo ein Kiewer Schneider gebrummt haben würde: Mit Juden ist nur gut auf demselben Friedhof liegen… Der Sfardi murrt resigniert: der Mensch denkt, Gott lenkt. (Im Osten sagt man dafür: Gott fragt man nicht um Aufklärung; denn er sagt, wenn du es genau wissen willst, komm zu mir in den Himmel…)

So ist auch des Sfardi Witz kindliches Lachen über Schildbürgerstreiche; er amüsiert sich wie der Orientale immer nur über andere, nie, wie der Jude, nur über sich selbst. Glücklich, fröhlich bringt das jüdische Saloniki es fertig, immer wieder über folgende, eine seiner besten Geschichtchen zu lachen: Da ist eine Synagoge, die heißt Chaminico el Dio, zu deutsch: Schalet für den lieben Gott.

Warum? – Weil die Leute dieses Bethauses von Predigern viel darüber gehört hatten, daß Gott nach dem Herzen seiner Juden Gelüste trägt. Weils sie das nun so auffaßten, als habe der liebe Gott großen Appetit auf gebratenes Herz zum Frühstück, schlachteten sie ein Tier und bereiteten aus seinem Herzen einen Schalet. Nachdem das erledigt war, gab es nur noch die Transportschwierigkeiten zu überwinden. Und da ja der liebe Gott bekanntlich oben in der Synagogenkuppel wohnt, stellten sie alle Bänke und Höcker aus dem Viertel in der Mitte des Bethauses übereinander und ließen einen Delegierten den Turmbau erklettern. Als der oben war, stellte sich aber heraus, daß er doch nicht ganz bis an die Decke reichen konnte; er schwebte, mühselig den Schalet in der Hand schwingend, dicht unterhalb des Thronsitzes der göttlichen Herrlichkeit. Darauf hielt man große Ratsversammlung ab und beschloß, dem Mann noch einen Stuhl heraufzureichen. Weil aber kein Höcker mehr im Viertel aufzutreiben war, mußte man hierfür den untersten aus dem babylonischen Turmbau in der Synagoge herausnehmen und wunderte sich sehr, als dabei das ganze Gerüst mitsamt dem Schalet für den lieben Gott umpurzelte…

Ich könnte noch ein paar Dutzend solcher „Witze“ wiedergeben und hätte damit doch nichts über die sfardische Mentalität gesagt; Schildbürgergeschichten scheinen einander ja überall ähnlich. Erschöpfendes über den Sfardi und seinen „Humor“ aber wird ausgesagt, wenn ich berichte, daß man all diese Geschichten nur an einem Tag im Jahr erzählen darf, am Simchat-Tora, sonst ist es streng verboten. Es könnte sie ja ein Beter jener verhohnepiepelten Synagoge, ein Kind der belächelten Stadt hören und sich beleidigt fühlen…

Alle sind sich eben darüber klar, daß diese Witze nicht aus dem Willen, sich selbst zu amüsieren, sondern den anderen zu ärgern geboren worden sind. Nicht Selbsterkenntnis hat sie geschaffen, sondern das Selbstbewußtsein kleiner Konkurrenzsynagogen und Nachbargemeinden. Oder, um es mit einem spaniolischen Sprichwort zu sagen: Dos judios in tres kehillot, – zwei Juden, das sind drei Gemeinden, drei Parteien.

Dies nun, der Partikularismus, der aus dem Familienstolz stammt, ist ein unglaublich stark ausgeprägter Wesenszug des Sfardi. Geht man in den Elultagen durch die Judengassen von Saloniki, dann wird man sehen: es stehen an wackeligen Karren und in offenen Hoftoren Bücherverkäufer, die Gebetsammlungen anpreisen, wie man sie zu den Feiertagen des Gerichts und der Versöhnung braucht. Aber es ist, als handele es sich nicht um ein und den selben Gott, dessen Festtag diese Bücherhändler erwarten: Es preist jeder ein anders Gebetbuch an. Denn Saloniki hat 33 Synagogen mit 33 verschiedenen Riten und nie wird einer, der einer kastilianischen Familie angehört, es riskieren, Gott mit den Gedichten und Liedern der Andalusier anzurufen. Ehe ein Livornese bei den Aragoniern betet, verzichtet er lieber ganz auf den Jom-Kippur.

Und das tut er nicht nur, weil Gebet schlechtweg ihm identisch geworden ist mit: Gebet seines Vaters, und dem wieder identisch war mit den Zeremonien der Urväter zurück bis zu denen, die sie aus einer ganz bestimmten spanischen Stadt mitgebracht haben, nicht nur also aus Stolz auf seine Familientradition, sondern, weil er zugleich jede andere Familie herzlich verachtet.

Auch die Verachtung aber hat, wie bei jedem Adel, eine Stufenleiter. Zwar hält sich jede Familie für die vornehmste auf dem Erdenrund, aber sie läßt doch noch andere Stammbäume gleichalten Ursprungs neben sich gelten. Nicht so sehr, weil sie sie schätzt, als weil sie erkennt, daß andere Adelige eben immer noch besser sind als die Namenlosigkeit der Masse. Das wirkt sich bis auf diesen Tag aus: in den Kinderspielen mit ihren Romanzen, in den Gebetbüchern mit ihren Lokalgedichten, bei den Gedenktagen mit ihren Verherrlichungen längst vermoderter toledanischer Stadtvögte und lang verschollener andalusischer Gassen. Im jüdischen Saloniki ist, wer solche Reminiszenzen und Traditionen pflegen kann, – adelig; er gehört zu einer geschlossenen Kaste. Die setzt sich zusammen aus ganz bestimmten, an den Fingern abzuzählenden Familien, aus einer beschränkten Gruppe von Enkeln gutspanischer Stadtnotabeln. Ein Toledano, ein Matalon, ein Modiano und ein Gattegno gehören von vornherein zu den guten Steuerzahlern und den Leuten an der Ostwand der Synagogen. Denn die Gattegnos sind schon in Sevilla angesehene Leute gewesen.

In der Schicht unter dieser Kaste aber, in den Vorstadtvierteln „Campbell“ und „Nummer sechs“, die Adelige für die Armen haben erbauen lassen, da lebt das Proletariat. Das sind Leute, die keine Familie haben; das heißt: deren Ureltern die Dummheit begingen, erst vor dreihundert Jahren hierher zu kommen und nicht gleich ihre ganze Sippe in all ihren Ausläufern mitzubringen. Das sind Leute ohne Mischpoche. Sie beten in der Synagoge, die ihrer Wohnung zufällig am nächsten liegt, sie heiraten, in wen sie sich gerade verlieben, sie ernähren sich von einem fast frei gewählten Gewerbe, sie leben ein Stegreifdasein, unbeschwert von altehrwürdiger Verpflichtung ihres Familiennamens. Sie sind das, was man Masse nennt.

O ja, es geschieht schon, daß ‚mal einer aus der Masse sich heraushebt und reich wird. Aber angesehen wird er nie. Wenn einer Millionär ist und heißt einfach Aschkenasi oder Beracha, – es hilft ihm alles nichts. Man höre dazu folgende bezeichnende Geschichte:

Es ist einmal in Saloniki bei einem kleinen Kurpfuscher ein Sohn geboren worden, Jakob hat er geheißen, Jakob Pascha Nissim. Der hat sich nach Konstantinopel gestohlen, die Militärschule besucht, Medizin studiert, sich autodidaktisch wissenschaftlich weitergebildet, ist Kompagniearzt geworden, Divisionskommandeur, Pascha. Er war dann ranghöchster Militär von Saloniki und hat zu ungezählten Malen seinen Einfluß für die Juden geltend machen können.

Einmal, er hatte gerade eine Schnittwunde am Finger, operierte er einen Soldaten, infizierte sich und wurde krank. Als der Sultan davon hörte, schickte er seinen Leibarzt mit einem Extrazug nach Saloniki. Aber der kam zu spät. Pascha Nissim ist an der kleinen Schnittwunde gestorben. Bei seinem Begräbnis läuteten die Glocken aller Kirchen der Stadt. Und wenn man heute an Pascha Nissims Grab kommt, dann zeigen einem die Leute dicht neben seinem Denkstein den eines kleinen Juden aus dem Volke, der sich umgebracht hat, als er von Pascha Nissims Tod hörte.

Er war also ein Mann von historischer Bedeutung, angesehen wie kein Jude seiner Zeit im ganzen Königreich. Vornehm, verehrt, beinahe angebetet. Trotzdem: Als ich mit einem armen Kleinkinderlehrer über ihn spreche, sagt er mir en passant: „… nie hätte ich eine meiner Töchter Pascha Nissims Sohn zur Frau gegeben; denn wenn auch der Mann selbst beinahe ein Halbgott war, – es ist, mein Herr, keine Familie…“

Demokratie ist also in den sfardischen Gemeinden ein vollkommen unausdenkbarer Begriff. Und so unsympathisch das sein mag, dieser Zustand hat doch dem Sfardi in etwas geholfen: er ist – in der Levante! – nicht kriecherisch.

Wer einmal sieht, wie die Leute des Gemeinde-Consilio von Saloniki zu einer Ratssitzung schreiten, wird das auf einen Schlag verstehen. Da ziehen zehn, zwanzig würdevolle Gesichter vorbei, altspanische Hüte, rote Überwürfe, selbstbewußte Grandezza in jedem Schritt. So muß die Signoria von Venedig ausgesehen haben.

Wichtig und gut daran aber ist, daß sie ja so nicht nur zu Gemeindesitzungen gehen, sondern viel betont würdiger noch zum Rathaus, zum Magistrat, zum Gouverneur, zum Sultan. Minderwertigkeitskomplexe haben bei ihnen noch nicht einmal die bewußten Assimilanten. Sie treten nicht mit Bitten, sondern mit Forderungen, nicht mit Bücklingen, sondern mit edelsteinverzierten Schwertern auf.

Schade nur, daß dieser Familienstolz nicht mit den geistigen Vorzügen der Ureltern sich legitimiert, nicht das ist, was wir „Jichus“ nennen, sondern einfach aus der Tatsache der spanischen Abkunft hergeleitet wird. Uns, die abendländischen Juden, läßt der Sfardi das ganz besonders deutlich spüren. Er beruft sich, wenn er uns verachtet, weniger auf seinen näheren Verwandtschaftsgrad zu Jehuda Halevi, Gabirol und Maimonides, kurz zur Elite der jüdischen Geisteswelt, als auf seine vermeintliche Rassereinheit. Er behauptet, unter Sfardim habe es überhaupt keine oder ganz verschwindend wenig Mischehen gegeben. Und vergißt dabei, daß fünfhundert Jahre Rußland uns kaum die Hälfte so viel fremdes Blut zugeführt haben können, als ein Jahrzehnt spanischen Marranentums.

Immerhin, sie reden sich ein, „die“ Auserwählten des auserwählten Volkes zu sein. Wenn ein Stiefelputzer am Jaffator in Jerusalem einem Aschkenasi kein Kleingeld herausgeben will und einen Gutschein für noch-einmal-Stiefelputzen ausstellt, dann wird er niemals vergessen, provokatorisch zu unterzeichnen: N.N., Sfardi tahor, – reinrassiger Sfardi. Und das hat bei ihm den Sinn von: reinrassiger Jude

5.

Juden von Saloniki!
Sie empfangen dich weit draußen noch im Hafen, während man eben die Anker herunterlassen will. Sie schaukeln breitbeinig in kleinen Booten, sie klettern an Strickleitern die Bordwände herauf, sie überfluten das Deck, große schwarzbärtige Männer mit hellen, klugen Augen.

Von unten grüßen sie, der Tio (Onkel) Abraham und Rachamim, laut lachend, leutselig zum Kapitän aufs Kommandodeck herauf. Sie tun das in der Muttersprache des Kapitäns; denn sie kennen sie alle, die Kapitäne und die Sprachen. Seit fünfzig Jahren empfangen sie die Schiffe dieser Linie hier im Hafen. Sie passen seit fünfzig Jahren auf, daß keine anderen Schifferboote aus fremden Familien, aus fremden Bethäusern der Judengasse sich an den Kran heranmachen. Sie drohen den Armeniern und Türken, die schüchtern heranrudern, mit langen Stricken und Balken, sie schreien und schimpfen. Zwischendurch dirigiert Tio Rachamim seinen Sohn, einen Vierziger, der die Kisten und Säcke aufschichtet und der wiederum seine Söhne, flinke Jungens, die oben an der Winde hantieren. Er ruft: Basta! A! Dio santo! Und wenn ein ganz schweres Stück zu heben ist: Asolta, por kawod del Israel! Los, zur Ehre Israel!

Ruhen sie in der Mittagspause aus, die Fischer von Saloniki, – aber sie ruhen selten aus, – dann erzählen sie dir von ihrem Adel, dem Jichus der Masse. Davon, daß sie als Kinder noch in Booten ihres Urgroßvaters gespielt haben, des berühmten Tio Ephraim, von dem die ganze Stadt weiß, daß er die größten Netze von Saloniki auswerfen konnte.

So auch, stämmig, kräftig und lautfröhlich überfluten sie die Stadt. Sie sind Laternenanzünder und Postboten, Schornsteinfeger und Feuerwehrleute. Ein Jude kann alles werden, sagen sie, außer: – ein griechischer Pope. Sie beweisen, daß Juden nicht a priori bestimmte Neigungen oder gar ausschließliche Veranlagung für gewisse Berufe haben, daß wir nur überall in die Leerräume eindringen, daß das Unglück unserer sozialen Struktur nicht im Psychologischen liegt, sondern in der Tatsache, daß überall die ökonomischen Grenzen schon gezogen sind, wenn wir auf unserer Wanderung eben ankommen.

In Saloniki war eben 1492 noch keine Branche endgültig vergeben, wir konnten alle ergreifen und mußten dafür nur… Steuern zahlen. Wir ergriffen gern alle und zahlten. Insgesamt neunzehn Judensteuern.

Der Volksmund erzählt darüber:

Als die spanischen Exulanten im Hafen von Saloniki ankamen, schickten sie vier Erkundigungsboten in die Stadt. Die Männer kamen an den Markt, setzten sich in ein Kaffee und sahen von dort aus, wie ein Türke einen Griechen für nichts und wieder nichts erschlug und man den Türken dafür ins Gefängnis brachte. Aber nach einer halben Stunde sahen sie auch, wie der Mörder frank und frei wieder herauskam. Da erschraken sie sehr und sagten zueinander: nie können wir es wagen, in ein solches Sodom zu ziehen! –

Als sie sich aber genau erkundigten, erfuhren sie, daß der Türke mit Bakschisch freigekommen, daß hier mit Bakschisch alles zu erreichen war. Da gingen sie an die Schiffe zurück und holten die Exulanten in die Stadt und siedelten sich an…

Daß zu keinem Beruf der Zugang von vornherein versperrt war, ließ sie von allen Besitz nehmen und führend Besitz nehmen. Sie assimilierten die Anderen an sich, sie brauchten sich niemandem anzugleichen. Türken sprechen in Saloniki mit ihren Kunden sfardisch, Griechen führen ihre Rechnungsbücher in der Schrift unseres Lehrers Raschi, Bulgaren feiern jüdische Feste, armenische Kinder singen spanische Romanzen.

Saloniki straft so zahllose Theorien jüdischer Soziologie Lügen. Es hat hier schon vor vierzehn Jahren 12 000 jüdische Fabrikarbeiter gegeben, meist in der Tabakindustrie. Und es waren damals alle, buchstäblich alle Wäscheinnen und Dienstmädchen der Stadt, auch in nichtjüdischen Häusern, Jüdinnen. Aber was noch überraschender erscheint: obwohl Saloniki eine eigene Universität hat und eine große begüterte Bourgeoisie, sind an ihr nicht mehr als sage und schreibe drei Juden immatrikuliert.

Daß wir uns hier nicht erst in unsere Berufe hineinstehlen mußten, unsere Existenzmöglichkeiten nicht überspitzt zu erfinden brauchten, sondern notwendige Träger notwendiger Funktionen waren, hat uns aber auch in ethischer Beziehung viel genutzt. Die jüdischen Kaufleute von Saloniki sind im ganzen Orient bekannt für ihre Solidität. Noch heute sagt man dort von einem Ehrenmann, er sei ein „Mercado“ – das ist ein spaniolisches Wort für Kaufmann. Noch heute legt man, selbst in griechischen Staatsbanken, den jüdischen Kunden keine Verträge und Formulare zum Unterschreiben vor. Es ist unnötig. Die einfache Abrede genügt.

All dies zusammen aber, – die Körperstärke des Menschenschlages, die Selbstsicherheit des jüdischen Berufslebens, das Fehlen geistiger Kämpfe, – hat eine eigene Art von jüdischem Solidaritätsgefühl geschaffen. Es ähnelt gar nicht dem, das wir sonst kennen, weil es nicht aus dem Bereich des Notgemeinschaftlichen stammt. Man überwindet hier die durch den Familienadel anerzogenen Grenzen nur aus rein religiösem Gefühl heraus. Arme beschenken, – das ist schließlich der letzte Weg zum Himmel, der dem Sfardi noch offen geblieben ist. Das Gebet gibt ihm jene Stunden der Ekstase, wie der Ostjude sie erlebt, nicht. „Lernen“ kann er nicht. Von den drei Säulen also, auf denen die jüdische Welt ruht, ist für den Sfardi nur noch eine intakt: die der Zedaka, des verschwiegenen, beinahe heimtückischen Wohltuns.

Überall, wo man, in Indien oder auf Java, in Buenos-Aires oder New York, Sfardim begegnet, wird man feststellen, daß sie noch lange vor dem Synagogenbau und Jahre vor der Berufung eines Rabbiners schon ausgebaute Wohltätigkeitsanstalten hatten. Und ständig gehen über die Straßen der Ghetti am Mittelmeer kleine Mädchen, die dampfende Küchen- und Backofenproben ihrer Mütter zum Tisch einer ärmeren Nachbarin tragen. Ständig ziehen Kinderscharen aus irgendwelch konstruiertem Feieranlaß von Haus zu Haus, sammeln Essensreste ein und richten dann in aller Unschuld Mahlzeiten, Kindergesellschaften, bei denen die Teilnehmer nicht wissen, daß sie nur erfunden wurden, damit neben den Reichen auch die armen Straßenjungen sich einmal richtig sattessen. Überall, auf Rhodos, Malta und in Tanger, erzählt man den Reisenden von Elia, dem Propheten, der hier in dieser Stadt und bestimmt nur hier allein leben muß. Denn dann und dann ist bei einer hungernden Familie ein Lastträger erschienen, hat Körbe voll Fleisch und Früchten abgesetzt und behauptet, ein Alter habe sie ihm auf dem Markt zum Transport übergeben. Und wer anders kann das gewesen sein, als Elia, der Prophet?

Fremde, die über solchen Bericht lächeln, kennen die Sfardim nicht. Bei ihnen ist Elia, der Prophet, kein Märchen. Bei ihnen lebt er. Denn Prophet-Elia, Vater verschämter Armer sein, das ist hier ein verbreiteter Beruf. Reiche Kaufleute ergreifen ihn an ihrem Lebensabend, streichen tagelang verstohlen durch die Armenviertel und spüren sich auf, wem sie „erscheinen“ können.

Dieses Solidaritätsgefühl muß dann die typisch jüdische Form des Anspruchs aller auf einen Einzelnen annehmen und macht schließlich auch unter Sfardim, bei aller Achtung des Familienadels, aus dem reichen Despoten den geduldeten Philanthropen.

Zum Beispiel: halb Saloniki lebte zwanzig Jahre lang von der Familie Alatini, den größten Ziegel- und Papierfabrikanten am Mittelmeer. Ganze Straßenzüge, Schulen, Lehrhäuser hat der alte Carlo Alatini gestiftet. Aber er hatte die unangenehme Gepflogenheit, von seiner Wohnung nach dem Büro im Wagen zu fahren. Dagegen protestierte die Gemeinde. So konnte ja, wer etwas von ihm wollte, ihn nicht einfach auf der Straße darum ansprechen. So mußte man bei ihm erst antichambrieren wie bei einem hochmögenden Türken. Alatini war aber doch ein Jude, einer von uns… ! Deshalb hat man ihn gezwungen, zu Fuß ins Büro zu gehen. Mit einer großen Geldtasche blieb er dann an jeder Straßenecke stehen und wartete ab, bis der letzte Arme aus der Nebengasse herangehastet war. – Denn hinter allem Kastenempfinde steht in der sfardischen Judengasse eine Zusammengehörigkeitsverpflichtung, von der man sich nicht loskaufen kann. Auch mit Millionenspenden nicht.

Und das, obwohl es keine alle gleich machende Judennot gab, das, obwohl kurz nach Kriegsende in Genf einmal die Rede davon sein konnte, daß Saloniki eigentlich zu keinem der beiden Staaten, die sich um es streiten, gehört, weder zur Türkei noch zu Griechenland, denn Saloniki, sagte man, ist jüdisch. Und man erwog allen Ernstes, es zu einer Freistadt à la Danzig zu machen, zu einer jüdischen Republik unter internationalem Schutz.

Wirklich ist auch Saloniki zu siebzig Prozent jüdisch gewesen; mehr noch als das: Sabbath war offizieller Ruhetag der Stadt, an dem kein Schiff ausgebootet, kein Bau aufgeführt wurde, Spaniolisch war die Sprache aller Geschäftsschilder, aller Tageszeitungen und aller Armeleutegassen. Fröhlich, sicher haben sich die Juden dort gefühlt in der einzigen Stadt auf der Welt, die nie ein Pogrom gesehen hat, bis… 1931.

Und trotzdem hat gerade dies körperstarke, dies freie, stolze Saloniki folgenden Brauch erfunden: Es geht am Abend des 9. Aw nach dem Gebet einer aus der Gemeinde hin und löscht die Lichter in der Synagoge aus, eins nach dem andern. Dann lehnt er sich im Dunkeln an den Türrahmen und sagt: Bruderhaus Israel, heute ist der zweitausendfünfhundertsiebenzehnte Tischa-Beaw, seit wir vertrieben worden sind aus unserem Land, der achtzehnhundertsechzigste, seit der zweite Tempel zerstört wurde zu Jerusalem, der achthundertvierunddreißigste, seit sie die Gemeinden am Rhein hingeschlachtet haben, der vierhundertvierzigste, seit Spanien uns vertrieb. So zählt er in schlichter, improvisierter Rede alle Leiden auf, die je über Israel gekommen sind. Und die Daten fallen nieder im dunklen Raum wie Bleitropfen auf gefolterte Haut. Saloniki, das freie zittert, schreit, weint wie unter frischen, eben niedersausenden Schlägen.

Im Galuth leben, das ist eben Sache eines schöpferischen Willens und nicht, wie viele meinen: ein Zustand.

6.

Begegnung in Saloniki:

Ich frage einen Jungen auf französich: Wie heißt du? – Cordovero. – Also aus Cordova, ein Spanier? – Nein, Monsieur, ein Salonikier. – Grieche also? – Nein, Jude.

Gut. Aber dann bist du doch ein griechischer Jude?

Saloniki gehört doch den Griechen!

Der Junge schüttelt sich vor Lachen, als habe er noch nie einen so guten Witz gehört: Haha, griechischer Jude! Wie kann man ein Jude sein und ein Grieche dazu? Das geht doch nicht!

Was also bist du dann?

Ein Jude.

Nicht mehr?

Nicht weniger, Herr!

Aus dem Feuilleton einer Salonikier jüdischen Zeitung: Die Geschichte, die hier erzählt wird, spielt im Jahre 1900, am 9. Aw. Es sitzen irgendwo nach dem Gebet ein paar Männer zusammen, … die Tür geht auf und herein kommt Jakob, der Friseur, ein Mann, der alle Geheimnisse der Welt kennt. Lesen zwar kann er nicht. Aber er erfährt von seinen Kunden beim Scheren und Barbieren alles, was so auf der Erde vorgeht. Deshalb auch nennt ihn die Gasse „Jakob Gazette“.

„Nach dem Erbitten Eurer Verzeihung, Rabbi Mosche und Rabbi Mordechai,“ mischt er sich ins Gespräch, „Ihr schlaft! Wunder ereignen sich in unseren Tagen und Ihr wißt nichts davon. Wollt Ihr darüber hören, dann rückt Eure Sitze näher heran; denn die Wände haben Ohren und was ich Euch zu sagen habe, ist ein politisches Geheimnis.“

Wie alle ihre Stühle herangerückt und ihre Ohren aufgesperrt haben, beginnt der Friseur zu flüstern:

„Heut‘ habe ich erfahren, daß in London sich alle Großen unseres Volkes versammelt haben, um zu beraten, wie man Erez-Israel aus der Hand der Türken erlösen könne. An der Spitze dieser Großen steht ein sehr Großer. Er heißt Doktor Herzl. Man sagt von ihm, er kennt siebzig Sprachen und sieht aus wie ein König. Bald fährt er nach Stambul zum Yildiz-Palast. Mit viel Geld…“

„Gott, mein Gott, wirklich?“ ruft Chacham Mosche und springt von seinem Sitz auf, als wäre er gar nicht derselbe Alte, der vor einer halben Stunde gebrochen vom Tischa-Beaw-Gebet zurückschlich, den Stock zwischen den zitternden Fingern.

Aber der Laternenanzünder will dem Friseur die ganze Geschichte nicht glauben: „Woher weißt du das?“ fragt er.

Jakob Gazette antwortet beleidigt: „Wisse, Tio Mordechai, daß ich mir meine Wissenschaft nicht aus den Fingern zu saugen pflege. Schalom, der Briefträger von der österreichischen Post, hat mir die Sache erzählt. Eine Zeitung, sagt er, ist da bei ihm aus Wien angekommen, – versteht sich, daß so eine nicht mit der türkischen Post kommt, – da hat Schalom es gelesen und dort steht es.“

Wir sitzen in einem Restaurant oder, gerade heraus gesagt, in einer jüdischen Hafenkneipe, und wollen gerade anfangen zu essen, mein eingeborener Begleiter aus dem Arbeiterviertel und ich. Da tutet es, weit draußen, erschreckend, laut. „Es brennt!“ springt mein Gegenüber auf und ist im Nu aschfahl. Auch ich stehe auf.

Wir sind schon an der Tür, da fallen drei Schüsse. Mein Freund dreht sich um, geht wieder an den Tisch zurück, steckt beruhigt den Löffel in die Suppe und ißt. Nach einer Weile sagt er: „Drei Schüsse … das bedeutet: es brennt im Vardarviertel. Ich hab‘ da drüben weder Freunde noch Verwandte.“

Geschichte einer Schule:

Die schottische Mission hatte sie gegründet, um „die armen Israeliten aus dem Ghetto von Saloniki zur Lehre des Heils zu bekehren“. Übertragen hatte sie diese Aufgabe Mr. Grusby, einem Priester. Es besuchten viele jüdische Kinder die Schule von Mr. Grusby, aber noch mehr wurden jüdische Häuser von dem Engländer besucht; so viele, daß dem seine Mission von mal zu mal lächerlicher vorkam. Schließlich trat er zum Judentum über. Er schimpft auf die naseweisen Ladies, die Chachamim von Saloniki selig machen wollen.

Darauf schickten die Schotten einen charakterfesteren Direktor, der, wenn er seinen Posten behalten wollte, in kurzer Frist mindestens einen Juden bekehren mußte. Nach einem Vierteljahr erklärte auch wirklich ein kleines Mädchen, sie wolle zum Christentum übertreten. Saloniki hörte das, merkte eigentlich erst jetzt, daß das da eine Missionsanstalt war und gründete (im Laufe von 24 Stunden) eine eigene jüdische Schule mit englischer Unterrichtssprache. Es traten in sie sämtliche Kinder der schottischen Mission, inklusive der Taufkandidatin, ein. Seitdem ist keine englische Missionsschule mehr in Saloniki errichtet worden.

Hausmieten gibt es in Saloniki … und Grundbesitzer!

Tio Menachem, mein Stiefelputzer, zahlt Wohnungsmiete, – daß er zu Ehren des Vaters seines Hausherrn an jedem 12. Schwat eine große Jahrzeitlampe brennt. Und dafür einundeindrittel Ukia bestes Olivenöl spendiert.

Vertraglich festgelegt.

Jüdische Freistadt, das ist Saloniki wirklich bei Kriegsende noch gewesen. Ging man es nach rechts ab bis an seine letzte Grenze am Strand, traf man auf den Palast Alatini. Ging man es nach links ab bis an seine äußerste Grenze, war man im Proletarierviertel, das der Baron Hirsch erbaut hatte. Es war auch das Stadtganze nichts als ein Abziehbild der sozialen Stufenleiter seiner Juden.

Inzwischen allerdings hat sich das unglaublich gewandelt. Kleinasiatische Griechen sind mit griechischen Kleinasiaten zwischen Venizelos und Kemal Pascha ausgetauscht worden. Seit zehn Jahren sitzen 200 000 Neu-Griechen in Saloniki und verlangen herrisch den Boden ihres Vaterlandes. Zu dem gehört auch der alte jüdische Friedhof oben am Berg, hier wollen sie Mietskasernen bauen, hier stehen sie, buddeln Gräber auf und werfen die Knochen altspanischer von Ferdinand heimatlos gemachter Bürger den Felsen hinunter ins Meer. Seit zehn Jahren sind die Juden nur noch ein Fünftel der Stadtbevölkerung, ihr haltlos gewordener Mittelstand, dem zum Handeln das Hinterland fehlt und ihr verkommendes Proletariat, dem sein Monopol auf die Hafenarbeit an einem Tag geraubt worden ist.

Neu-Jerusalem hat man bis vor zehn Jahren Saloniki die Freie, die Reiche, die Frohe genannt; und dieser Name hatte seinen Sinn. Neu-Jerusalem nennen auch jetzt die Rabbiner ihre Stadt und reden in tränenreichen Aufschreien von Mauern, die niedergebrannt, Wohnungen, die verwüstet und Israelskindern, die geknechtet sind; – und auch jetzt hat dieser Name seinen Sinn.

Trotzdem:

Dies Schicksal drückt die Sfardim nicht nieder. Sie sind zu selbstbewußt dafür.

Deshalb auch finden sie unter Nichtjuden immer wieder ehrliche, begeisterte Freunde. Sie überraschen mit ihrem galuthfremden Auftreten, sie zeigen besonders nordischen Menschen eindringlich, daß Judesein nicht gleichbedeutend ist mit: gebeugten-Rückens sein.

Der Colonel Josiah Wegwood ist einer von den vielen, die beim zufälligen Besuch von Saloniki enthusiastische Verehrer der Sfardim, der Ungebeugten, geworden sind. Und ich finde kein seltsameres, das äußerlich Spanische verkennendes, das innerlich Sfardische erfassendes Dokument, als einen Brief, den Wegwood im Januar 1932 an die Zionisten von Saloniki gerichtet hat. Er lautet:

„… Nur wenn ich, meine teuren Freunde, an Euch denke, während ich im englischen Parlament für ein jüdisches Nationalheim plaidiere, dann spüre ich, daß ich ein historisches Recht habe, Palästina für die Juden zu fordern. Solange ich an Euch denken werde, kann ich mich nicht einsam und allein fühlen auf dieser Welt, solange ich an Euch denken werde, muß ich für Eure nationale Rehabilitierung arbeiten. So habt Ihr mir, mir persönlich, einen großen Gefallen damit getan, daß Ihr die Einladung der neuen spanischen Republik, in das alte Land zurückzukehren, ausgeschlagen habt…“

So dankt ein Abendländer stolzen Spaniern für den spanischen Stolz, mit dem sie das Land Isabellas der Katholischen brüskiert haben.

Quelle:

Esriel Carlebach, Exotische Juden, Berlin 1932, S. 7-31

Anmerkungen:

Der Text wurde unverändert übertragen, Hervorhebungen des Autors (Carlebach) kursiv wiedergegeben.

Glossar:

Adrianopel == heute: Edirne. http://www.youtube.com/watch?v=oCpTZvimoGA

antichambrieren == um die Gunst betteln.

Baron Hirsch == Moritz Baron von Hirsch, (1831-1896); aus München stammender Bankier und Philanthrop, der bedürftige Menschen in Russland, Galizien, Rumänien, Ungarn und im Orient unterstützte. http://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_de_Hirsch

http://www.jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=771&letter=H

Chacham == hebr.: „Weiser“; Titel für einen rabbinischen Gelehrten (Plural: Chachamim); bei den Sefarden nur die Bez. für den örtlichen Rabbiner.

Chmelnicki == Bohdan Mychailowytsch Chmelnyzky, (um 1595-1657); Kosakenhetman, Nationalheld der Ukrainer, Judenschlächter. http://www.jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=469&letter=C

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/vjw/ukraine.html

Elul == letzter Monat im jüd. Kalender.

Galuth == die jüdische Diaspora.

Jakob Pascha Nissim == (1850-1903); http://www.jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=129&letter=J

Jichus == hebr.: „Abstammung“.

Kemal Pascha == Mustafa Kemal Pascha / Kemal Atatürk; 1881 in Saloniki geborener „Vater der modernen Türkei“, zunächst Heerführer und Politiker, starb 1938 in Istanbul. http://www.youtube.com/watch?v=77KVZzXViPU&feature=related

Kurpfuscher == ‚selbsternannter‘ Arzt.

N.N. == Abk. für lat. „nomen nescio“/Name unbekannt oder „nomen nominandum“/noch zu benennen.

Raschi == Salomo ben Isaak (1040-1107); bedeutender Bibel- und Talmudkommentator. http://en.wikipedia.org/wiki/Rashi

http://www.loebtree.com/rashi.html

Schottische Mission == Über sie berichtet die Encyclopaedia Britannica von 1959 in ihrem Eintrag „Salonika“: „Each religious community has ist own schools and places of worship, among the most important being … , a high-school founded in 1860 and supported by the Jewish Mission of the Established Church of Scotland…“ http://www.freechurch.org/index.php/scotland/international_mission/committees/international_missions_board/

http://www.internetbibleinstitute.com/missions/scotmis1.htm

http://www.ha-gefen.org.il/len/apage/16294.php

Simchat-Tora == hebr.: „Freude der Lehre“, Freudenfesttag, letzter Tag von Sukkot.

Tetuan == Tétouan, Stadt im Nordwesten Marokkos.

http://www.youtube.com/watch?v=l4Glz0NbpDs

Tio == span. und portug.: „Onkel“.

Tischa-Beaw == 9. Aw, Trauertag, der Tag an dem gemäß der Tradition u.a. der erste und der zweite Tempel in Jerusalem untergingen.

Venizelos == Eleftherios Kyriakos Venizelos (1864-1936); griech. Politiker, mehrfach Ministerpräsident. http://www.youtube.com/watch?v=jbAqsfWeS18

Wegwood == Übertragungsfehler; muss Colonel Josiah Wedgwood heißen; (1872-1943); http://en.wikipedia.org/wiki/Josiah_Wedgwood,_1st_Baron_Wedgwood

Yildiz-Palast == Residenz des türkischen Sultans. http://www.google.de/images?hl=de&q=yildiz+palace&um=1&ie=UTF-8&source=univ&ei=XFEbTJOBJaSeOITW5JEK&sa=X&oi=image_result_group&ct=title&resnum=1&ved=0CCYQsAQwAA

Zaddikim == Zadik, hebr.: „Gerechter“; im Chassidismus ist der Zaddik Mittler zw. Gott und Mensch.

Literatur und Weblinks:

„Carlebach, Ezriel“ und „Carlebach, Joseph“ in: Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ezriel_Carlebach (aufgerufen am 15.6.2010)

On Moshe Allatini and his epoch:

http://www.jewishgen.org/Yizkor/Thessalonika/thev1_014.html

Greek Jewry:

http://www.cjh.org/education/essays.php?action=show&id=12

More on Jewish history and culture in Salonika:

http://www.macedonian-heritage.gr/Contributions/20010704_Nar.html

Were Ataturk‘s ancestors Jewish, or Serb or Bulgarian or Doenmeh? Anyway, the man originated from Salonika.

http://www.youtube.com/watch?v=cQbxKAZvTVY

The Jewish Community Choir of Thessaloniki: „En Lager“

http://www.youtube.com/watch?v=RHAp8p4APKQ

More Ladino music by Janet & Jak Esim from Turkey:



http://www.youtube.com/watch?v=2As032z_Zys