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TV-Radar: haGalil Fernsehtipps

Vom 01. bis 15. Juli 2010 …

Do, 1. Jul · 05:15-06:00 · NDR
DAS! Gast: Avi Primor

Avi Primor Der ehemalige Botschafter Israels in der Bundesrepublik ist ein Mann mit großer Lebenserfahrung und Humor. In seinem neuen Buch „An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld“ geht der heutige Publizist und Hochschullehrer gemeinsam mit der Journalistin Christiane von Korff der Frage nach, was Antisemitismus heute ist. Einzigartig ist das Buch durch die persönliche Erzählweise des jüdischen Autors. Avi Primor, 1935 in Tel Aviv geboren, studierte Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen in Jerusalem, New York und Paris. Primor war Vorstandsmitglied der Deutschen Stiftung für die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und erhielt 2003 das Bundesverdienstkreuz. Seine Unabhängigkeit und Freiheit im Denken macht den dreifachen Vater bis heute zu einem der populärsten Botschafter Israels.

Sa, 3. Jul · 02:25-03:05 · ZDF
In Plain Sight – In der Schusslinie: Der Glaube ist alles

Als ein jüdischer Zeuge von einem merkwürdigen Unbekannten urplötzlich aufgespürt wird, muss Mary in erster Linie ihren Zeugen schützen, doch dann wird sie auch zu dessen Eheberaterin. Avi Rosenzweig ist ein glücklich verheirateter orthodoxer Jude, der insgeheim auf Drängen der albanischen Mafia Raubkopien von DVDs aus dem Geschäft des Großvaters seiner Frau produziert und vertrieben hat. Nach seiner Entlarvung tritt er ins Zeugenschutzprogramm ein, um gegen die Gangster auszusagen, die ihn dafür bezahlt haben, ihre schmutzige Arbeit zu tun. Avis Frau Rachel, die von seinen Übeltaten beschämt ist, weigert sich jedoch, mit ihm zusammen ins Zeugenschutzprogramm zu gehen. Avi muss zwar, um nicht aufzufallen, notge-drungen seinen Glauben aufgeben, will jedoch nicht auf seine Frau verzichten. Nach einigen Monaten im Programm taucht ein mysteriöser Mann in Albuquerque auf und sucht nach Avi. Mary und Marshall finden zwar schnell heraus, dass der Mann, der sich als Sam Garfinkel vorstellt, keine Verbindungen zu den albanischen Hintermännern hat, wissen aber nicht, wie und warum er nach Avi gesucht hat. Mary hört sich bei verschiedenen Rabbinern um und erfährt schließlich, dass Garfinkel ebenfalls ein „Rabbi“ ist. Rachel hatte ihn beauftragt Avi aufzuspüren, um von ihm einen „Get“, einen jüdischen Scheidebrief, unterzeichnen zu lassen. Sam will Albuquerque nicht verlassen, bis Avi die Dokumente unterschrieben hat. Allerdings braucht es mehr als einen gläubigen Mann mit einem unglaublichen Spürsinn, um Avi zum Unterzeichnen des Scheidebriefs zu bewegen. Mary, die sich nur um Avis Sicherheit sorgt, muss zwischen den beiden die Beraterin spielen. Jinx’ Wochenendbesuch führt dazu, dass Brandi und Mary übervorsichtig mit ihrer alkoholkranken Mutter sind. Peter, der Gruppenleiter von Jinx´ Selbsthilfegruppe, kommt vorbei, um Brandi zum Gouverneurs Ball einzuladen. Brandi freut sich auf das erste Date, bis Jinx und Mary herausfinden, dass Peter ein vermögender Mann ist. Ab diesem Zeitpunkt leidet Brandi unter Minderwertigkeitsgefühlen.

Sa, 3. Jul · 18:45-18:50 · MDR
Glaubwürdig

Für ihren Auslandsaufenthalt nach dem Abitur hat sich Urla Rasch aus Sebnitz ein ungewöhnliches Projekt ausgesucht. Für ein Jahr lang verschreibt sie sich dem Dienst am Menschen, organisiert „Aktion Sühnezeichen“. Im tschechischen Brno arbeitet die Pfarrerstochter an drei Tagen in der Woche in der jüdischen Gemeinde – und betreut dort vor allem ältere Menschen, die noch zu Hause wohnen. An den restlichen beiden Tagen unterstützt die Sebnitzerin in einem Caritas-Programm Behinderte, die zusammen mit Nichtbehinderten leben. Für eine tolerantere Welt wirken, sich der Ausgrenzung von Menschen entgegenstellen – das reizte die junge Frau. Und die Arbeit in der jüdischen Gemeinde dient vor allem der Vergebung für die Verbrechen, die die Nationalsozialisten an den Juden verübten. Und nicht zuletzt lernt die Pfarrerstochter Tschechisch, um sich besser vor Ort verständigen zu können.

Sa, 3. Jul · 19:15-19:30 · arte
Mit offenen Karten – Israel/Palästina: Krieg ums Wasser?

 
Wasser ist im Nahen Osten ein kostbares Gut. „Mit offenen Karten“ erläutert die wasserwirtschaftliche Situation in der Region und beleuchtet die politischen Zusammenhänge.  Vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn und den Palästinensischen Autonomiegebieten stellt sich die Frage, ob der Zankapfel Wasser zum Friedensfaktor werden kann.

So, 4. Jul · 19:15-20:00 · BR-alpha
Wir sind da! – Juden in Deutschland nach 1945

 
Wiedergutmachung?

So, 4. Jul · 23:55-01:25 · Das Erste (ARD)
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

 
Der jüdische Teenager Moses lebt mit seinem verbitterten Vater in einem multikulturellen Pariser Viertel. Seit die Mutter sie verlassen hat, führt Moses den Haushalt. Gelegentliche Besuche bei den Prostituierten um die Ecke sind der einzige Ausbruch aus seinem tristen Alltagstrott. Nur Monsieur Ibrahim, der türkische Lebensmittelhändler, interessiert sich für den Jungen und lässt ihn an seiner stillen Weisheit teilhaben. Als Moses‘ depressiver Vater Selbstmord begeht, nimmt Ibrahim den einsamen Teenager zu sich und eröffnet ihm eine völlig neue Lebenssicht. Die poetische Verfilmung des gleichnamigen Weltbestsellers von Eric-Emmanuel Schmitt lebt von der Darstellung Omar Sharifs in der Rolle des sympathischen Lebenskünstlers. Das Erste zeigt „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ als Beitrag zur Reihe „Neues französisches Kino“. Paris, in den 60er Jahren. Der jüdische Teenager Moses (Pierre Boulanger) wohnt mit seinem Vater (Gilbert Melki) in einem typischen Einwandererviertel. Seit die Mutter die Familie vor vielen Jahren verlassen hat, hat der Vater jede Lebensfreude verloren und vergräbt sich hinter verschlossenen Vorhängen in Büchern. Für seinen Sohn bringt er kaum Interesse auf. Und so ist Moses ganz auf sich alleine gestellt. Er führt den Haushalt, entdeckt das pulsierende Leben in den engen Gassen seines Viertels. Er verliebt sich in das Nachbarsmädchen Myriam (Lola Naymark) und sammelt erste Erfahrungen bei den Prostituierten um die Ecke. Da Moses chronisch knapp bei Kasse ist, stiehlt er immer wieder in dem Gemischtwarenladen gegenüber. Der Besitzer Monsieur Ibrahim (Omar Sharif) sieht darüber großzügig hinweg, er hat ein Herz für den Langfinger. Aus knappen Sätzen, die die beiden anfangs miteinander wechseln, werden freundschaftliche Gespräche. Der lebenskluge ältere Herr weckt in dem Juden, den er Momo nennt, nicht nur das Interesse für den Koran, er sensibilisiert ihn für die großen und kleinen Freuden des Alltags und lüftet das Geheimnis des Lächelns. Doch dann nimmt sich Momos depressiver Vater das Leben; Momo droht aus der Bahn geworfen zu werden. Beherzt nimmt sich Ibrahim des verwaisten Jungen an. Er überwindet die bürokratischen Hürden und adoptiert seinen gelehrigen Schüler. Mit seinen Ersparnissen kauft er ein schickes Auto und bricht mit Momo in seine türkische Heimat auf. Die lange Reise erweist sich als Abenteuer, von dem es keine Rückkehr in ein normales Leben, wie Momo es kannte, gibt.

Di, 6. Jul · 07:30-08:00 · SWR
Juden im Mittelalter, 2/2, Verfolgung und Vertreibung

 
Im ersten nachchristlichen Jahrtausend verlagerte sich der Schwerpunkt der jüdischen Diaspora immer mehr vom Nahen und Mittleren Osten nach Europa.  Dort leistete die jüdische Bevölkerung Entscheidendes für die Entwicklung der Städte, des Handels und der Kommunikation. Zentrum des jüdischen Lebens waren bereits in der karolingischen Zeit die Niederungen beiderseits des Oberrheins. Hier waren die jeweiligen jüdischen Gemeinden für die Entwicklung der Städte Speyer, Worms, Straßburg und Mainz mit verantwortlich. Mit ihrer Siedelung im Rheintal übernahmen sie auch hiesige Gebräuche in ihre Kultur auf – vor allem übernahmen sie Wörter und Struktur des Mittelhochdeutschen in ihre Alltagssprache, das „Jiddisch“ entstand.  Die friedliche Duldung fand ein Ende, als der Kreuzzugsgedanke von Rom aus beinahe ganz Europa ergriff. Überall fanden sich Demagogen, die gegen die „Christusmörder“ hetzten und die Juden der ungeheuerlichsten Verbrechen beschuldigten. Die Geschichte der Juden im Mittelalter im Rheinland ist daher auch von Massakern und Verfolgungen geprägt, die stets auf falschen Vorwürfen gegründet waren. Doch trotz dieser schwierigen Beziehungen zu den Christen hat sich das kollektive jüdische Gedächtnis eine besondere Zuneigung für diese Regionen beiderseits des Rheins erhalten. Neben dem gelobten Land Israel vertritt das Rheinland das andere Land, das vielen Juden nahe am Herzen liegt. So nennen sie es „d’Heim“, das Haus.

Di, 6. Jul · 13:45-14:15 · BR-alpha
Ausgeplündert. „Arisierung“ in Thüringen
 
Die Kundin holt ihre Medizin wie immer in der Erfurter Mohren-Apotheke. Vor dem Geschäft bekommt sie einen Zettel in die Hand gedrückt. „Sie sind soeben fotografiert worden, als sie beim Juden kauften! Ihr Bild kommt an den Pranger!  Bald darauf gibt die Apothekerfamilie Littmann auf. Die Kundschaft bleibt weg, die Schulden häufen sich. Littmann verkauft die modernste Apotheke der Stadt weit unter Wert. Was ihm vom Geld bleibt, wird als „Judenabgabe“ beschlagnahmt. Die Familie schafft die Ausreise nach Amerika: „Ich kam als wohlhabender Mann nach Erfurt und ging als ausgeplünderter Jude davon.“ Der Film „Ausgeplündert“ zeigt, wie die Juden in Thüringen ab 1933 systematisch ausgegrenzt, beraubt und außer Landes gezwungen wurden. Er zeigt die Judenverfolgung vor dem Holocaust, als der Raub vor aller Augen in Städten und Gemeinden vonstatten ging. Fünf Fallgeschichten erzählen von Opfern, Tätern und der schweigenden Masse. Siebzig Jahre nach der Reichspogromnacht beleuchtet Autorin Ute Gebhardt erstmals die regionale Dimension der Judenverfolgung. Sie betrachtet auch Rückgabe und Entschädigung. Das Land Thüringen setzte 1945 ein Wiedergutmachungsgesetz in Kraft, das einzige in Deutschland. Dieser ernsthafte Versuch zur Rückgabe jüdischen Vermögens scheiterte spätestens ab 1949. Der Stoff basiert auf neuesten Forschungen der Universität Jena. Daraus entstand die Ausstellung „Schicksale 1933-1945“ in Zusammenarbeit mit den Thüringischen Staatsarchiven und der Landeszentrale für politische Bildung, die im November 2008 im Thüringer Landtag eröffnet wurde.

Di, 6. Jul · 22:45-00:15 · Das Erste (ARD)
Bernsteinland

 
Ein Todesmarsch in Ostpreußen Film von Julia Bourgett Der Dokumentarfilm erzählt das Schicksal der Opfer des Todesmarsches an die ostpreußische Bernsteinküste im Januar 1945. Etwa 7.500 Gefangene, die meisten von ihnen junge jüdische Frauen aus Osteuropa, arbeiten in den ostpreußischen Außenlagern des KZ Stutthof, als Mitte Januar 1945 der Befehl eintrifft, alle Lager in Ostpreußen zu räumen. Auf einem Marsch durch Ostpreußen werden die Gefangenen über Königsberg bis nach Palmnicken getrieben, einem kleinem Dorf an der samländischen Bernsteinküste, wo sie in der Nacht des 31. Januar 1945 auf die zugefrorene Ostsee geführt und erschossen werden. Etwa 200 Menschen überleben das Massaker auf dem Eis und fliehen in die umliegenden Dörfer. Es beginnt eine von der SS veranlasste Jagd auf die Überlebenden, an der sich Einwohner und die Palmnicker Hitlerjugend beteiligen. Nur wenige überleben den Todesmarsch und noch weniger das Kriegsende – versteckt bei Anwohnern und Bauern, die die Überlebenden bei sich aufnehmen. Eine der Überlebenden ist Maria Blitz. Anhand von Marias Erinnerungen und den Berichten von weiteren Überlebenden und Zeitzeugen zeichnet der Film die historischen Ereignisse an den heutigen Originalschauplätzen in Polen und Russland nach. Der Todesmarsch nach Palmnicken ist ein Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte, das in Vergessenheit geraten ist. Nur bei wenigen lebt die Erinnerung an diese Geschichte und an die Menschen in dieser Geschichte weiter.

Di, 6. Jul · 23:40-01:35 · BR
Guten Abend, Herr Wallenberg

Raoul Wallenberg, ein 32-jähriger Delikatessenhändler aus Stockholm, kommt im Juni 1944 im Auftrag der schwedischen Regierung nach Budapest, um ungarische Juden vor der Vernichtung durch die Nazis zu retten.  Der unscheinbar wirkende Mann findet darin seine Lebensaufgabe. Bis zum Einmarsch der Roten Armee rettet er Tausenden von Juden das Leben. Zwanzig Juden, die unter Bewachung eines ungarischen Faschisten deportiert werden sollen, finden für zwei kalte Tage und Nächte Unterschlupf in einem Haus in der Budapester Innenstadt. Mit allen Mitteln versucht Wallenberg, das Leben dieser Verfolgten zu retten. Johan Moser, Angehöriger der ungarischen Faschisten, ist sein Gegenspieler – unberechenbar, kaltblütig, ein mörderischer Taktierer. Unter den Gefangenen ist Marja, Jüdin, von stummer Ergebenheit und trotzigem Lebensmut. Zwischen ihr und Wallenberg entwickelt sich ein spannungs- und liebevolles Verhältnis. Zur gleichen Zeit versucht Wallenberg verzweifelt, möglichst vielen Juden des Budapester Gettos Affidavits und rettende Pässe zu beschaffen. Die Situation wird immer bedrohlicher, aussichtsloser. Eichmanns Sonderkommando in Ungarn, das aus 16 Männern besteht, ist zu keinem Entgegenkommen mehr bereit. Eine Inspektion Eichmanns in Budapest erschwert Wallenbergs Bemühen und auch die ungarischen Faschisten verstärken den Terror. Wallenberg kann den Mord nicht stoppen. Aber unermüdlich kämpft er um jedes Leben. Am 17. Januar 1945 wird Wallenberg gleich nach dem Einmarsch der Roten Armee verhaftet und nach Moskau gebracht. Sein weiteres Schicksal ist bis heute ungeklärt.

Mi, 7. Jul · 10:45-11:15 · RBB
Mein Polen – Die vier Gesichter Krakaus
 
Krakau hat mehr zu bieten als prächtige Architektur. Abseits der Touristenrouten zeigt die Reportage Menschen aus Krakau, die ganz unterschiedliche Aspekte der Stadt und ihrer Geschichte repräsentieren.  So zeigen sie das jüdische, das österreichisch-galizische, das päpstliche und das junge Krakau. Der Film begleitet u. a. Überlebende von „Schindlers Liste“, die zum ersten mal wieder in die Stadt an der Weichsel kommen, zeigt Krakauer, die noch immer das Andenken des österreichischen Kaiser Franz-Joseph hochhalten und macht mit Tauchern bekannt, die den Papst aus Krakau, Johannes Paul II., unter Wasser verehren.

Mi, 7. Jul · 21:05-22:00 · arte
Nach Fahrplan in den Tod – Europas Bahnen und der Holocaust (2/2)

Am 20. Januar 1942 wird auf der sogenannten Wannsee-Konferenz in Berlin die Koordinierung der „Endlösung der Judenfrage“ in Europa auf den Weg gebracht. Millionen von Menschen sollen aus Deutschland und aus dem deutschen Machtbereich in die Vernichtungslager nach Polen transportiert und dort ermordet werden. Adolf Eichmann koordiniert die Deportationen aus allen Teilen Europas in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Reichsbahn. Im Juni 2006 verurteilte das Verwaltungsgericht in Toulouse den französischen Staat und die staatliche Bahngesellschaft SNCF wegen der Deportation von Juden während des Zweiten Weltkriegs. Das Gericht sah eine Mitverantwortung der SNCF und der französischen Republik. Die Bahngesellschaft hätte niemals „gegen die Transporte protestiert“ und auch nicht versucht, diese zu sabotieren. Auch habe die SNCF nicht – wie von ihr behauptet – unter dem Zwang des Waffenstillstandes von 1940 gestanden. In den Schriftstücken der SNCF gebe es keine Anzeichen dafür, dass sie einem Druck ausgesetzt gewesen sei, der dieses Verhalten rechtfertigen könnte. Die SNCF habe Rechnungen für Fahrkarten dritter Klasse ausgestellt und sogar „die Bezahlung noch nach der Befreiung (von Paris) weiter eingefordert“. Damit schien klar: Die französische Staatsbahn hatte sich an Deportationen von Juden in die Vernichtungslager beteiligt. Der französische Nachkriegsmythos, der die SNCF als Hochburg des Widerstands gegen die Deutschen verklärte, schien zerstört. Doch die SNCF will von einer Mitverantwortung an den Deportationen nichts wissen. Während der französische Staat das Urteil anerkannte, ging die SNCF gegen das Urteil von Toulouse in Berufung. Inzwischen hat es der Verwaltungsgerichtshof in Bordeaux aus formalen Gründen für unzulässig erklärt, ohne sich allerdings zu der Urteilsbegründung der Toulouser Richter zu äußern. Mehr als 60 Jahre nach den Deportationen wird also noch immer um die Wahrheit gerungen – für die verbliebenen Überlebenden ein unerträglicher Zustand. Der zweiteilige Dokumentarfilm zeigt, dass die SNCF tatsächlich mit den Deutschen kollaborierte und sich an den Deportationen beteiligte. Dabei stützen die Autoren sich auf neue Dokumente, die zum Teil von Holocaust-Überlebenden selbst beschafft wurden, auf Zeitzeugenberichte und auf Aussagen von Historikern. Die SNCF ist allerdings nicht die einzige Bahngesellschaft, die sich diesen Vorwürfen stellen muss. Auch andere europäische Bahnen wie die Slowakische Staatsbahn „Slovenské zeleznice“ und die „Nederlandsche Spoorwegen“ stellten den Deutschen Waggons, Lokomotiven, Kohle und Personal zur Verfügung und arbeiteten Fahrpläne aus. Zeitzeugen berichten von der unmenschlichen Behandlung auf den Transporten. Nach dem Krieg will niemand mehr von einer Beteiligung an den Deportationen etwas wissen. Die SNCF gibt einen Spielfilm in Auftrag, in dem die französische Staatsbahn als ein Zentrum des Widerstandes dargestellt wird. Tatsächlich waren viele Eisenbahner in der Résistance und haben die Deutschen militärisch bekämpft. Von den Deportationszügen aber wurde keiner gestoppt. In Holland wurde über das unrühmliche Kapitel der Kollaboration mit den deutschen Besatzern ebenfalls lange geschwiegen. Niemand habe etwas davon gewusst, dass die Menschen in Auschwitz ermordet würden, so die Rechtfertigung. Aber der Dokumentarfilm zeigt: Wer es wissen wollte, hätte es wissen können. Mit ihrer Entschuldigung bei der jüdischen Gemeinde Hollands im Jahr 2005 hält die „Nederlandsche Spoorwegen“ die Geschichte für abgeschlossen. In der Slowakei beginnt die Aufarbeitung dieses düsteren Kapitels gerade erst. In Frankreich wurde Georges Lipietz zum großen Kritiker der SNCF und ihrer Rolle bei den Deportationen. Er war es, der 2001 die SNCF und den französischen Staat vor dem Verwaltungsgericht in Toulouse verklagte. 1944 war er verhaftet und in einem Zug der SNCF ins Sammellager Drancy gebracht worden.

Mi, 7. Jul · 22:45-23:30 · Das Erste (ARD)
Tödliche Schokolade

 
Ein Giftmord des Mossad und die Entführung der „Landshut“ Film von Egmont R. Koch Fast 33 Jahre liegen jene Wochen im September und Oktober 1977 zurück, in denen ganz Deutschland den Atem anhielt. Die Rote Armee Fraktion (RAF) hatte den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführt und ein palästinensisches Terrorkommando hatte die Lufthansa-Maschine „Landshut“ in seine Gewalt gebracht. Am Ende wurden die Geiseln in Mogadischu befreit, Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa-Kapitän Jürgen Schumann ließen ihr Leben. Über den „Deutschen Herbst“ 1977 sind unzählige Bücher und Filme gemacht worden. Sie alle erzählen allerdings nicht die ganze Geschichte. Egmont R. Koch behandelt in seinem spannenden Film erstmals die Ereignisse jener Tage im Zusammenhang mit der Parallelwelt der Geheimdienste: Just zur gleichen Zeit fand nämlich eine streng geheime Operation des israelischen Geheimdienstes Mossad statt. Im Visier des Mossad: der palästinensische Terrorchef Wadi Haddad, der im Sommer 1977 gerade die Landshut-Entführung für die RAF vorbereitet hatte. Wadi Haddad galt bei den Israelis schon lange als Schlüsselfigur des Terrorismus, Organisator von Anschlägen und Flugzeugentführungen. Dafür sollte er bezahlen. Der Geheimdienst wusste, dass Haddad eine Vorliebe für belgische Pralinen hatte. Ein Mossad-Kontaktmann aus dem Umfeld Haddads sollte dem Palästinenserführer eine präparierte Pralinenschachtel mit einem langsam wirkenden Gift übermitteln. Um seinen „Maulwurf“ zu schützen und diesen Anschlag nicht zu gefährden, gab der Mossad seine Erkenntnisse über die bevorstehende Entführung der Landshut nicht oder nur sehr vage weiter. „Um einen guten Agenten zu schützen, müssen manchmal hunderte von Menschen geopfert werden“, sagt ein ehemaliger Mossadoffizier im Film. Der Anschlag gelang. Wadi Haddad starb im März 1978 qualvoll in einem Ostberliner Krankenhaus. „Die Entführung der Landshut wäre zu verhindern gewesen“, fasst Autor Koch seine zweijährigen Recherchen zusammen. Und dann hätte wohl auch der Deutsche Herbst 1977 eine ganz andere Entwicklung genommen.

Do, 8. Jul · 23:45-01:10 · SWR
Gerdas Schweigen

 
1967 bekommt die in Ost-Berlin lebende Familie Elstermann Besuch aus New York. „Tante“ Gerda ist eine ehemalige Nachbarin der Elstermanns, eine Jüdin, die im Berlin der Nazi-Zeit aufwuchs und nach dem Krieg nach Amerika auswanderte.  Der damals siebenjährige Knut Elstermann fragt Gerda nach ihrem Kind – und erntet entsetztes Schweigen von allen Anwesenden. Knut ist verwirrt und beschämt. Diesen Sonntagnachmittag wird er nie vergessen. 30 Jahre später besucht der Journalist Knut Elstermann Gerda in New York und stellt ihr diese Frage erneut. Sie berichtet von engen Familien- und Freundschaftsbanden in der Vorkriegszeit, vom Überleben jüdischer Freunde und Bekannter, aber auch von Deportation und Tod. Es ist die Geschichte einer Suche nach Wahrheit in Akten und Zeitzeugenberichten sowie in der eigenen Erinnerung. Die Filmemacherin Britta Wauer ist Gerdas Geschichte nachgegangen und begleitet die Begegnungen und Gespräche Elstermanns mit ihr, die als Jüdin in Nazi-Deutschland Grauenvolles erlebte. Ausgehend von Gerdas Begegnung mit Knut, seinen hartnäckigen Fragen, die schließlich eine Antwort bekommen, zeichnet sie mit großem Respekt und unverkennbarer Liebe zu ihrer Protagonistin das filmische Porträt einer faszinierenden Frau, die sich mit trotzigem Lebensmut ein Leben nach Auschwitz aufgebaut hat. Der Ausgangspunkt dieses neuen Lebens war das Schweigen über den Endpunkt des alten, ein Schweigen, das Gerda bis zu ihren Gesprächen mit Knut Elstermann auch gegenüber ihrem Sohn Steven nicht brach.

Fr, 9. Jul · 01:05-02:45 · HR
Jeder stirbt für sich allein

Alfred Vohrer sehenswerte Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hans Fallada über zwei einfache Menschen aus dem deutschen Widerstand. Mit dem Film gelang es ihm ein breites Spektrum damaliger politischer Wirklichkeit auszuleuchten.  Otto Quangel und seine Frau Anna sehen ihren Sohn zum letzten Mal, als dieser im Jahre 1940 während eines Urlaubs in Berlin seinen Marschbefehl erhält. Bald darauf erreicht sie die Nachricht, dass er in Frankreich gefallen ist – „für Führer, Volk und Vaterland“, wie es im offiziellen Jargon der Nazis heißt. Für Anna bricht mit dem Tod ihres einzigen Kindes die Welt zusammen. In ihren Augen ist der pathetisch proklamierte „Heldentod“ nichts weiter als ein Mord, den Hitler zu verantworten hat.  Als ihr ein Stapel unbenutzter Feldpostkarten in die Hände fällt, schreibt sie auf eine der Karten, wie ihr zumute ist: „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet …“. Sie legt die Karte heimlich in der Stadt ab, in der Hoffnung, ein paar Menschen auf diese Weise aus ihrem blinden Glauben an Hitler wachrütteln zu können. Ihr Mann, Werkmeister in einem großen Tischlereibetrieb, in dem kriegsbedingt vorwiegend Särge produziert werden, schließt sich seiner Frau an. Die beiden deponieren Karten mit ihrem persönlichen Aufruf zum Widerstand an vielen Stellen der Stadt.  Die Suche nach dem „Klabautermann“, wie die Gestapo die unbekannten Schreiber der Karten nennt, fällt zunächst schwer. Die meisten Protestschreiben werden von obrigkeitshörigen Bürgern bei der Polizei abgeliefert. Als Kommissar Escherich mit Hilfe des schmierigen Hauswarts Borkhausen den Quangels dann doch auf die Spur kommt, landet das Ehepaar vor dem „Volksgerichtshof“. Die Verhandlung ist eine bloße Farce, das Todesurteil gegen beide steht längst fest.

Fr, 9. Jul · 02:05-03:00 · arte
Das Freie Frankreich

 
In der Dokumentation berichten vier ehemalige Mitglieder der Résistance über ihre Erfahrungen nach Charles de Gaulles berühmter BBC-Rede aus dem Londoner Exil, dem „Aufruf vom 18. Juni 1940“.  Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag von General Charles de Gaulles Londoner „Aufruf vom 18. Juni“ widmet sich die Sendung diesem wichtigen historischen Ereignis und seinen Folgen. Die Grundlage bilden jüngste historische Forschungen über die gaullistische Widerstandsbewegung France Libre. Ende März 2010 trafen sich vier wichtige Zeitzeugen zu einem Diskussionsforum, das unter der Schirmherrschaft der von Régis Debray herausgegebenen Zeitschrift „Médium“ in Paris veranstaltet wurde. Sie stehen für vier verschiedene Aspekte der gaullistischen Résistance: In einem ersten Abschnitt geht die Dokumentation auf das Leben der vier Männer zum Zeitpunkt des Aufrufs vom 18. Juni 1940 ein, weiter auf die Beziehung zu de Gaulle sowie die Spaltungen innerhalb des „Freien Frankreichs“. Drittens wird das Verhältnis zwischen den im Inland und den im Ausland operierenden Résistancegruppen beleuchtet. Im vierten und letzten Kapitel geht es schließlich um die Shoah und die Frage, über welche Informationen die vier Widerstandskämpfer verfügten und wie sie die schreckliche Situation damals und heute beurteilen.

So, 11. Jul · 19:15-20:00 · BR-alpha
Wir sind da! – Juden in Deutschland nach 1945

 
Im besseren Deutschland?

Mi, 14. Jul · 21:05-22:00 · arte
Frankreichs fremde Patrioten – Deutsche in der Résistance

Während des Zweiten Weltkriegs kämpften in der französischen Résistance auch eine Reihe von deutschen Gegnern des nationalsozialistischen Regimes. Einige von ihnen erzählen in der Dokumentation von den damaligen Aktionen.  Rund 3.000 Deutsche kämpften während der Zeit des Dritten Reiches in der französischen Résistance. Die meisten von ihnen waren Verfolgte der Nationalsozialisten: Kommunisten, Juden und andere Regimegegner, die aus Deutschland fliehen mussten. Patriot zu sein, hieß für sie aufseiten der Alliierten gegen die Nazis zu kämpfen. Heute leben nur noch wenige dieser „aufrechten Patrioten“, wie der französische Philosoph Jean-Paul Sartre sie nannte. Zu ihnen gehören auch Peter Gingold (1916-2006) und seine Familie sowie Kurt Hälker (1922-2010) und Henriette Dreifuss. Sie erzählen von den Erlebnissen, die sie dazu bewogen haben, sich der Résistance anzuschließen und gegen die deutschen Besatzer, die immerhin ihre Landsleute waren, zu kämpfen. Sie schildern die konkreten Aktionen, die Verfolgung, die Haftbedingungen und die Folter in den Gestapo-Gefängnissen, aber auch ihre Rolle beim Aufstand zur Befreiung von Paris. Nach dem Krieg wird ihnen das Leben schwergemacht, vielen Deutschen gelten sie als Verräter. Einige sitzen wegen ihrer politischen Überzeugung auch in der Bundesrepublik wieder im Gefängnis oder erhalten als Kommunisten Berufsverbot. Ganz andere Erfahrungen macht Kurt Hälker, der nach dem Krieg in der DDR lebt und dort als Antifaschist geehrt wird. Erst in den 90er Jahren ändert sich das Bild der Résistancekämpfer in der Bundesrepublik. 2004 wird einer der Protagonisten, Peter Gingold, mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet. Damit ehrt die Internationale Liga für Menschenrechte Personen, die sich um die Verteidigung der Menschenrechte besonders verdient gemacht haben – eine späte Würdigung für Peter Gingold und, indirekt, auch für die anderen, die mit ihm in der Résistance kämpften. Résistancekämpfern wie Peter Gingold wurde aufgrund der Rentengesetze nach wie vor ihre Dienstzeit in der Résistance nicht für die Rentenansprüche angerechnet. Ehemaligen, mittlerweile betagten SS-Angehörigen aber, beispielsweise in Lettland, überwies die Bundesrepublik Deutschland gleichzeitig regelmäßig eine kleine Pensionszahlung.

Mi, 14. Jul · 23:35-00:25 · MDR
Verborgen vor den Nazis – Der Schatz des Hauses Atkin
 
Die Dokumentation begleitet den Engländer Mark Atkin (47) auf der Suche nach seiner jüdischen Vergangenheit und dem Familienschatz, von dem ihm sein Vater erzählt hat und der ihn und seine Familie seit Jahrzehnten fasziniert hat.  1. September 1939: Die Deutschen marschieren in Polen ein. Marks Großvater Jack Atkin ist der Manager der familieneigenen, erfolgreichen Textilfabrik. Ihm bleiben nur noch wenige Stunden, um sein Hab und Gut auf seinem Grundstück in Lodz zu vergraben und in einem alten, rostigen Auto nach London zu fliehen. Er ist der einzige, der weiß, wo der Schatz liegt, und er gibt das Geheimnis an seinen Sohn David, Marks Vater, weiter. 2009, 70 Jahre später. Mark Atkin begibt sich auf eine Abenteuerreise ins Leben seiner Großeltern und der ganzen Familie. Es beginnt eine ganz persönliche Schatzsuche. In Los Angeles findet er einen Teil der Familie und den Schlüssel zur Geschichte. Er erfährt Details über das, was Krieg, Flucht, Vertreibung und Holocaust mit seiner Familie gemacht haben. Er erfährt faszinierende Bruchstücke einer Geschichte, die im lettischen Riga beginnt und über Lodz, London und Kuba schließlich in die USA führt, und macht sich schließlich auf den Weg zu dem Ort, an dem das gemeinsame Haus steht, in die ehemals blühenden Industriemetropole im polnischen Lodz. Mark Atkin findet das Haus der Familie, doch der Weg zum lang ersehnten Schatz scheint unüberwindlich, denn das große Familienanwesen steht heute unter der Verwaltung des polnischen Militärs, und wo der Goldschatz vermutet wird, betreibt der Geheimdienst heute angeblich ein Labor. Die Hürden für Mark und seine inzwischen angereiste Familie scheinen unüberwindlich, aber er gibt nicht auf und versucht schließlich am Rande der Legalität, das vergrabene Familiengold zu bergen.