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Angela Merkel: Das sehr andere Deutschland

In Israel ist man ganz entzückt von Deutschlands charmanter Kanzlerin. In der kostenlosen Tageszeitung „Israel haJom“ feiert man sie als „Führerin der freien Welt“. Leitartikel heben sie an die Spitze des Kampfes gegen die iranischen Atomrüstung. Angela Merkel habe die Bedrohung durch den Mullah-Staat besser erkannt als alle anderen westlichen Staatschefs…

Die Führerin der freien Welt

Während Obama mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist, hat Frau Merkel die Führung übernommen. Deutschlands Regierungschefin ist eine wahre Freundin Israels, meint Dan Margalit (Israel haJom).

Der internationale Holocausttag hat außergewöhnliches Interesse erweckt. Nachdem es Silvan Shalom und Dani Gillermann gelungen war, ihn auf den Veranstaltungskalender der UNO zu setzen, erhielt er zunächst nur geringe Aufmerksamkeit. Im Jahr 2010 sieht das Bild völlig anders aus. Europa hörte aufmerksam zu, als Peres und Netanjahu in Berlin und in Auschwitz sprachen, und es gibt dafür keine andere Erklärung als die iranische Komponente. Ahmadinedschad ist sowohl ein Holocaustleugner als auch der moderne Vater der iranischen Atombombe, und diese beiden Eigenschaften führen natürlich zur Holocausterinnerung und zur Angst vor einer Neuauflage, einem zweiten Anlauf zur Vernichtung des Volkes Israel.

Aus dem Reichstag in Berlin und aus dem Vernichtungslager Auschwitz klangen die Aufrufe, die Ayatollahs zu stoppen, stärker, gerechtfertigter und dringlicher. Genau wie der Holocaust hauptsächlich die Juden, jedoch auch die gesamte Welt traf, und genau wie von den 55 Millionen Kriegstoten sechs Millionen Juden waren, so könnte Israel das erste Opfer des iranischen Wahnsinns sein, jedoch nicht das einzige.

Wer dies besser versteht als jeder andere Staatschef in der Welt, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Israel geholfen hat, den Siemens Konzern von weiteren Geschäften mit dem Iran abzubringen. Sie spricht vom Februar 2010 als dem entscheidenden Monat für Sanktionen und treibt den zögernden Barack Obama an. Sie stellt sich an die Spitze des europäischen Lagers, das fordert, sich auf den Weg zu machen, endlich durchzustarten. Dabei ist sie jedoch nicht alleine, Frankreich und Italien begleiten sie.

Ja, die Geschichte geht mitunter ihre eigenen Wege. Wer hätte sich bei der Befreiung von Auschwitz vor 65 Jahren vorstellen können, dass Deutschland zum Beschützer Israels in Europa werden wird?

Diese Entwicklung hat jedoch auch eine andere, eine beunruhigende Seite. Etwa die Hälfte der Westeuropäer behaupten, die Juden nützten den Holocaust zur Vorantreibung ihrer Interessen aus. Und andere vergleichen frech zwischen dem Schicksal der Juden in Majdanek, Sobibior, Treblinka und der Situation der Palästinenser in Gaza.

Gleichzeitig stärkt sich eine Tendenz, die mit der Auflösung des sowjetischen Blocks begann. Seitdem die osteuropäischen Staaten ihre Selbständigkeit erhielten, beanspruchen sie ihren Platz in der Reihe der Völker, die unter Deutschland gelitten haben. Obwohl sie in großem Maße mit den Nazis kollaboriert haben, wollen diese Staaten als Opfer betrachtet werden und erzielten bereits die UN-Resolution, dass der 23. August, der Tag der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop Abkommens, als weiterer Gedenktag für alle Opfer des 2. Weltkriegs begangen wird. Dem jüdischen Holocaust wird damit seine Singularität abgesprochen.

Holocaustleugnung hat viele Gesichter. Nicht nur verbale Brutalität, sondern auch stufenweise Verwischung. Es kann sein, dass sich am 100. Jahrestag niemand mehr erinnern wird.