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Werte Malmöer, Ihr habt doch nicht mehr alle!

In welcher Stadt er lebt, das ist zumindest klar: Ilmar Reepalu ist schließlich sozialdemokratischer Stadtratsvorsitzender im schwedischen Malmö. In was für einer Welt Reepalu eigentlich lebt, ist dagegen unklar. Fest steht allerdings, dass es in ihr nur so wimmelt von bösartigen Zionisten, gemeinen Juden, Israel-Freunden und armen, unterdrückten Arabern…

Von Elke Wittich
Jungle World v. 4. Februar 2010

Reepalu hatte es im März 2009 geschafft, seine Stadt tennistechnisch für fünf Jahre zu einem Unort zu machen. So lange dürfen dort nämlich keine Davis-Cup-Begegnungen mehr ausgetragen werden. Und das kam so: Das Match Schweden gegen Israel sei »eine unerträgliche Provokation« für die arabischen Malmöer, hatte Reepalu erklärt, was man ja auch sehr gut daran sehen könne, dass aufgebrachte Muslime das Spiel mittels einer Demonstration verhindern wollten. Diese Demonstration war allerdings nicht von Arabern, sondern von gleich mehreren linken Parteien angemeldet worden, unter anderem von Reepalus Sozialdemokraten. Das führte schließlich zu der pikanten Situation, dass Reepalu das Match unter Verweis auf die unter anderem von ihm initiierte Demonstration zum Sicherheitsrisiko erklären konnte. Und das Spiel fand in leerer Halle statt.

Dass sich Juden in seiner Stadt nicht mehr sicher fühlen, kann der Sozialdemokrat nun aber überhaupt nicht verstehen. In einem aktuellen Interview mit der schwedischen Zeitung Skanskan erklärte er, Drohungen und Gewalt gegen jüdische Malmöer dürften nicht toleriert werden. Denn, so Reepalu wörtlich: »Wir akzeptieren weder Zionismus noch Antisemitismus.« Und an diesem seien die Juden nach Reepalus Meinung im Grunde selber schuld. Er hätte sich so sehr gewünscht, dass die Malmöer Gemeinde sich vom israelischen Vorgehen in Gaza distanziere, sagte der Kommunalpolitiker, stattdessen habe sie im Zentrum der Stadt eine israel-solidarische Demonstration abgehalten. Enttäuscht ist er aber auch von den muslimischen Malmöern. Die dürfen Reepalu zufolge zwar im Gegensatz zu ihren jüdischen Mitbürgern im Nah-Ost-Konflikt gern Partei ergreifen, aber »sie sollten den Juden in Malmö auch mal endlich klar machen, dass sie sich nicht einmischen sollen«.