Irans Schatten: Das Ajatollah-Regime strebt nach Dominanz in Europa

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Dr. Mordechai Kedar, Arabienexperte und Dozent an der Bar-Ilan-Universität (Ramat-Gan) ist einer der am meisten beachteten politischen Kommentatoren Israels – und dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Unter anderem warnt Kedar Europa vor einer zunehmenden Einflussnahme des iranischen Regimes auf europäische Politik und vor Angriffen auf die freiheitliche Grundordnung europäischer Gesellschaften…

Israelischer Experte warnt

Frage: Herr Dr. Kedar, Sie haben neulich eine lange Liste von Forderungen veröffentlicht, die ein atomar aufgerüsteter Iran an Europa stellen und auch durchsetzen könnte. Dazu gehören beispielsweise ein Abbruch der Beziehungen zu Israel und den USA, die Einführung eines vom Iran beaufsichtigten Islam-Unterrichts an europäischen Schulen, aber auch die Forderung, Gaststätten mit Alkoholausschank in bestimmten Fällen zu schließen. Ist das nicht absurd?

Kedar: Ein mit Atomwaffen gerüsteter Iran würde seinen weltpolitischen Einfluss enorm steigern. Eines seiner ersten Ziele wäre es, sich der Energiequellen auf der Arabischen Halbinsel zu bemächtigen – wenn nicht durch offenen Krieg, dann durch Subversion. In einem solchen Fall würde es auch den USA schwer fallen, sich dem Iran in den Weg zu stellen, und die Ayatollahs würden rund ein Drittel aller fossilen Energieträger in der Welt kontrollieren. Das würde ihnen enorme Macht über Europa verschaffen. Zudem nimmt jedermann eine Atommacht ernst. Diese Position würde das iranische Regime zweifelsohne nutzen, um seine geopolitischen Interessen durchzusetzen. Dazu gehört nicht nur eine Isolierung Israels, sondern auch die Beendigung der amerikanisch-europäischen Allianz. Ein neutrales Europa wäre unter anderem viel eher bereit, dem Iran rüstungsrelevante Technologie zur Verfügung zu stellen. Diese käme der konventionellen Aufrüstung der iranischen Streitkräfte wie dem Ausbau nichtkonventioneller Bewaffnung, auch im chemischen und biologischen Bereich zugute.

Frage: Und was hat das mit der Schließung von Kneipen zu tun, um beim Beispiel zu bleiben?

Kedar: Der Iran versucht, sich weltweit als Verfechter islamischer Interessen und Beschützer aller Moslems zu profilieren. Stellen wir uns eine Situation vor, in der eine moslemische Gemeinde in Europa die Schließung einer in unmittelbarer Nähe ihrer Moschee gelegenen Gaststätte mit Alkoholausschank fordert. Kann man wirklich ausschließen, dass der iranische Außenminister seinen europäischen Kollegen anruft und sich diese Forderung zu eigen macht? Sehr höflich, versteht sich, aber wirksam. Die iranischen Strategieplaner sind jedenfalls davon überzeugt, dass Europa innerhalb einiger Jahrzehnte dem Dschihad wie eine reife Frucht in den Schoß fallen kann und sie werden alles tun, um dies zu erreichen.

Zudem liegt es im iranischen Interesse, die Säkularisierung europäischer Moslems zu verhindern. Heute gibt es kaum eine moslemische Familie in Europa, in der nicht jemand von den Grundsätzen strenger Religiosität abgefallen ist. Das ist für Fundamentalisten ideologisch wie machtpolitisch unerwünscht. Demonstrationen islamischer Macht und religiöse Radikalisierung könnten helfen, die Integration von Moslems in die europäische Gesellschaft auszubremsen. Wer die vom Iran für Europa ausgehende Bedrohung verstehen will, muss die Sichtweise des iranischen Regimes nachvollziehen können. Den Europäern mögen fundamentalistische Eingriffe in ihr Alltagsleben als weit hergeholt erscheinen. Aus der Sicht des iranischen Dschihad sind sie das Naheliegendste der Welt.

Frage: Gauben Sie aber nicht, dass Europa sich wehren wird?

Kedar: Ich sage ja nicht, dass die iranische Machtausdehnung jetzt schon so weit gediehen ist. Das Teheraner Regime ist bereit, zwei oder drei Jahrzehnte zu warten. Daher gäbe es durchaus noch Zeit für Gegenmaßnahmen. Dazu aber müssten die europäischen Staaten ihre jetzt schon deutliche Angst vor dem radikalen Islam überwinden. Je länger sie warten, umso schwerer wird die Abwehr der Bedrohung sein.

wst – Mit M. Kedar sprach die vom Zentralrat der Juden in Deutschland herausgegebene Publikation „Zukunft“.
Zukunft – Atid – 10. Jahrgang Nr. 1 / 29. Januar 2010 – 14. Schwat 5770

7 Kommentare

  1. @Franz
    Ja Franz, aber das sollte kein Grund zur Sorge sein. Ich erwarte gerade von unserem Land, dass es seinen Einfluss nutzt, Überzeugungsarbeit und einen Beitrag zur Entspannung leistet. Das sollte vor all den wirtschaftlichen Interessen gelten. Ich komme beruflich viel rum. Ich treffe auf Deutschlandhasser, ich treffe auf Deutschlandskeptiker, ich treffe auf Judenhasser. Ich könnte absolut zurückhaltend sein und jeder noch so kleinen Provokation aus dem Wege zu gehen. Es ist aber besser sich den ganzen Mist anzuhören und Fragen zu stellen und immer wieder Fragen stellen. Die Leute sollen anfangen nachzudenken. Es nutzt nicht viel immer auf die Vergangenheit zu verweisen. Wir brauchen Lösungen, wenn nicht für heute, dann aber für morgen. Und das Leid der Vergangenheit sollte uns Kraft für die Lösungssuche geben.

    Viele Grüße
    Olaf

  2. Es lohnt sich, das neue Buch von Matthias Küntzel „Die Deutschen und der Iran“ zu lesen, um zu begreifen, wie groß der Einfluss des Iran in Deutschland ist. Zwischen beiden Ländern gibt es, unabhängig von den jeweiligen Regimen, eine uralte „freundschaftliche“ Beziehung – bereits im Kaiserreich vor 1914 begründet.
    http://buecher.hagalil.com/2010/02/kuentzel/

  3. @Farah und Thomas,
    Israel ist ein kleines Land. Da ist die Angst groß. In Ashkelon hatte ich mit Hotelangestellten schon eine Diskussion zum Thema Islam in Deutschland. Das zog gleich mehrere Leute an. Wahrscheinlich muss mir erstmal ein Israeli erklären, warum ausgerechnet Deutschland und der Islam so ein emotional besetztes Thema in Israel ist. Man sollte eher schmunzeln als sich aufregen. Aber Israel sollte ernsthaft über einen NATO-Beitritt nachdenken. Vielleicht schläft dann manch Israeli ruhiger und geht entspannter zum Zeitungsinterview.

  4. @ Thomas,

    das ist alles schon klar, ich glaube, Sie haben mich nicht richtig verstanden: Es ist ein falscher Alarm, weil wir Muslime in Deutschland uns doch nichts vom iranischen schiitischen Regime sagen lassen. Das wäre ja noch schöner! Eine sehr komische Vorstellung vom Autor, wirklich! Wir haben mit der strengen Religiösität im Iran nichts zu tun, und Iran hat mit uns nichts zu tun.

  5. @Farah

    Das iranische Islamistenregime sieht sich als Sachwalter aller „Rechtgläubigen“ im „Dschihad gegen die Ungläubigen“, dessen Ziel bekanntlich die alleinige Weltherrschaft des Islam ist. Zu diesem Zweck unterstützt das iranische Regime auch zahlreiche sunnitische Islamistengruppen (wie z.B. Hamas, Islamic Jihad, Al Quaida, Taliban usw.).
    Im Ãœbrigen sind keineswegs alle Iraner Schiiten. Viele Iraner sind Sunniten, Bahai, Zoroaster, Christen, Juden, Atheisten usw..
    Und vom schiitischen Teil der Iraner befindet sich die Mehrheit längst in Opposition zum iranischen Regime, und auch viele der als Schiiten geborenen Iraner verstehen sich eher als nichtreligiöse Sekulare und haben absolut nichts für religiösen Dogmatismus, Fundamentalismus und Islamismus übrig, egal in welcher Spielart er angeboten wird.

  6. Liebe Israelis, nun behaltet mal die Nerven! Es ist zwar ganz lieb, dass ihr euch um uns Sorgen macht, aber wir sind weit entfernt vom Iran ferngesteuert zu werden. Der Herr Ahmadinejad muss sich gerade jetzt groß aufspielen nach dem Motto „Ich habe alles im Griff.“. Selbst wenn er eines Tages die Bombe haben sollte, bleibt die Frage, wie lange hält er noch durch. Iran ist nicht Nordkorea. Die Iraner sind gut informiert und hatten früher gute Beziehungen zu Israel und wollen endlich anders leben. Einen militärischen Konflikt neben Irak und Afghanistan benötigen wir momentan nicht. Einen Wandel im Iran erreicht man anders. Das ist billiger und schont Menschenleben. Diese Land liegt da wie eine fast reife Frucht. Es fehlt noch etwas Zuwendung der besonderen Art. Dann schaffen es die Iraner alleine.

    Die deutschen exportorientierten Unternehmer mögen aber ein Lenin-Zitat berücksichtigen: „Die Kapitalisten verkaufen uns den Strick, mit dem wir sie dann aufhängen werden.“. Dieser Satz gilt im übertragenen Sinne auch für Geschäfte mit dem Iran.

    Eine ganz andere Frage ergibt sich aber für unserer eigenen Gesellschaft. Was sind die Ursachen einer langsamen Zunahme von auf Abgrenzung bedachten Menschen islamischen Glaubens in unserem Land?

  7. Das kann nicht sein. Iraner sind Shiiten. Die meisten Muslime in Europa interessieren sich nicht für diese islamische Richtung Es interessiert uns nicht, was ein iranischer Geistlicher sagt. Darum will der Autor auf eine Gefahr hinweisen, die so gar nicht existiert.

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