- haGalil - https://www.hagalil.com -

Holocaustwarnung: Inflationärer Gebrauch entwertet

In den letzten Jahren wurden die Schoah und die Ereignisse, die ihr vorausgingen, die Pogrome und die Rassengesetze, die „Endlösung“, die Ghettos, die Arbeits- und die Vernichtungslager, die Verbrennungsöfen und Gaskammern… und auch die sechs Millionen Opfer viel zu oft herabgewürdigt und als Trumpfkarte im Ärmel sogenannter „Meinungsbildner“ benutzt…

Die kostenlose, nur durch Spenden und Werbung finanzierte Tageszeitung „Israel haJom“, brachte in der vergangenen Woche einen Kommentar von Eli Laon, der sich gegen die inflationäre und missbräuchliche Instrumentalisierung des Holocaustgedenkens in aktuellen Auseinandersetzungen wendet

In der öffentlichen Diskussion, die heute in Israel stattfindet, wird diese einmalige und monströse Katastrophe viel zu oft instrumentalisiert um dem eigenen Standpunkt Nachdruck zu verleihen. Dabei kommt es schnell zu plumpen und banalen Vergleichen, in Debatten über allgemein menschliche Probleme, wie sie in jedem Land der Welt vorkommen können.

Alle die sich an diesen Machenschaften beteiligen, haben jedes Gefühl für Proportionen verloren. Ein deutliches Beispiel ist die Debatte um das weitere Vorgehen im Umgang mit den ausländischen Arbeitern im Lande. Asylanten, Wirtschaftsflüchtlinge, Migrationsprobleme, wie sie überall in der westlichen Welt vorkommen. Anstatt nun eine sachliche Debatte über die demographischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen, Chancen und Risiken dieser Erscheinung zu führen, ziehen es manche Gegner von „Ausweisungen“ vor, den Holocaust ins Spiel zu bringen.

Doch damit wird dem Holocaust an Bedeutung genommen. Und es gibt noch genügend weitere Beispiele: Wenn in der TV-Satire „Eretz Nehederet“ (wundervolles Land) ein kritischer Sketch über Siedler gezeigt wird, geht das Geheule los: „Antisemitische Hetze“, „Stürmer“, „Goebbels“, lauten die Reaktionen. Polizeitruppen räumen einen illegalen Outposts? Die Chabad-Anhänger plakatieren die ganze Stadt voll: „Judenrein!“ wurde ihr Hügel gemacht, von „Kapos“, Nazis“, „SS-Truppen“…

Diese Erscheinung gab es früher nicht, jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Mit Ausnahme der extremen Randgruppen von Anarchisten, Provokateuren, Hooligans und Ultraorthodoxen wurde der Holocaust stets mit Vorsicht gehandhabt, wobei vor allem seine Singularität in der Geschichte bewahrt wurde.

Es ist eine Ironie, dass ausgerechnet im heutigen Europa Argumente und Provokationen wie die oben genannten als illegal gelten, und fast noch ironischer ist es, dass arabische Abgeordnete, wie Ahmed Tibi, der eine äußerst beeindruckende Rede in der Knesset hielt, und Mohammed Barake, der nach Auschwitz fuhr, zu den wenigen Öffentlichkeitsvertretern zählten, die die Holocausterinnerung wirklich gewürdigt haben. Wir brauchen dringend noch ein paar Freiwillige, die sich dem Kampf gegen die Entwertung des Holocaust anschließen.