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Wir verlangen, dass das Archiv von Max Brod in Israel bleibe!

Wie letztens in einer Ausgabe des „Tagesspiegel“ mitgeteilt wurde, läuft gegenwartig in Tel Aviv ein Prozess, der für jeden israelischen Forscher der deutsch-juedischen Geschichte und Literatur von grosser Wichtigkeit ist…

Das Archiv des zionistischen Philosophen und Schriftstellers Max Brod, das während 40 Jahre verschlossen war und das sowohl Teile der Werke von Franz Kafka als auch Tagebücher, Briefe und bisher unveröffentlichte Werke von Max Brod enthält, steht dabei im Mittelpunkt eines Gerichtsverfahren, das über seine Zukunft entscheidet – bleibt es in Israel und wird der Nationalbibliothek in Jerusalem übergeben, so wie es Brod in seinem Testament wünschte, oder bekommte „das Archiv der deutschen Nationalliteratur“ in Marbach die Sammlung, wie es die Töchter und Erben von Frau Esther Hoffe, Brods Sekretärin, verlangen. Diese behaupten, dass ihre Mutter das ganze Archiv von Brod geschenkt bekommen habe und sie deshalb damit tun können, was sie wollen.

Das Archiv in Marbach hat sich ganz auf die Seite der Hoffe-Töchter gestellt, hat seinen eigenen Rechtsanwalt bestellt und ist heute direkt am Verfahren beteiligt, weil die zwei Töchter beabsichtigen, das Archiv ihm zu übergeben. Die deutsche Presse veröffentlicht Artikel, die verlangen, dass das Max Brod Archiv nach Deutschland komme, denn in Israel fehle das akademische Wissen, um das Max Brod Archiv zu bearbeiten, denn dieses ist ganz auf deutsch geschrieben und ausserdem gäbe es in Israel eigentlich niemand, der sich für Max Brod wirklich interessiere.

So schrieb zum Beispiel Reiner Stoch, der Biograph von Max Brod, im „Tagesspiegel“ vom 26 Januar 2010: “Marbach wäre sicher der richtige Ort für den Brod-Nachlass, weil man dort die Wissenschaftler und die Erfahrung hat im Umgang mit Kafka, Brod und der deutsch-jüdischen Literaturgeschichte. Dass die Hoffe-Töchter mit Marbach jetzt ernsthaft verhandeln, hat im Israelischen Nationalarchiv irgendwelche Ressentiments oder Begehrlichkeiten geweckt. Dort jedoch fehlen für diese deutschsprachigen Texte aus dem einstigen Kulturraum zwischen Wien, Prag und Berlin die sprach- und milieukundigen Leute. […] In Israel gibt es heute weder eine Kafka-Gesamtausgabe, noch eine einzige Straße, die nach Kafka benannt wäre. Und suchen Sie Brod auf Hebräisch, müssen Sie ins Antiquariat gehen.“

Wir, die Unterzeichneten, israelische Akademiker und Forscher die sich mit der deutsch-judischen Geschichte befassen, sind entsetzt über die Art wie die israelische Akademia in der deutschen Presse dargestellt wird, als ob wir weder Interesse, noch das historische Wissen und sprachliches Können hätten, um das Max Brod Archiv zu erforschen. Max Brod ist ein Teil der Geschichte des Staates Israel, ein Schriftsteller und Philosoph, der unzahlige Artikel über den Zionismus geschrieben hat und der sich, nach seiner Flucht vor den Nazis aus Prag, in Israel (damals Palaestina) niederliess und hier uber dreissig Jahre bis zu seinem Tod lebte.

In seinem Testament druckte Brod ausdrucklich seinen Wunsch aus, dass sein Archiv der Nationalbibliothek in Jerusalem vor allem übergeben werde. Es gehört sich, dass die deutsche Presse auch diesem Wunsch seinen Ausdruck verleiht und ihm einen gebührenden Platz einräumt.

Die Unterzeichner:
Prof. Haim Avni, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Prof. David Bankir, Head of the International Institute for Holocaust Research – Yad Vashem
Prof. Yehuda Bauer, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Prof. Sergio DellaPergola, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Prof. Mark Gelber, head of the centre for German and Austrian Studies, Ben-Gurion University.
Prof. Daniel Gutwein, Department of Jewish History, Haifa University
Prof. Joseph Kaplan, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Prof. Otto Dov Kulka, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Prof. Hagit Lavsky, The Institute of Contemporary Jewry, The Hebrew University of Jerusalem
Prof. Eli Lederhendler, Institute of Contemporary Jewry, The Hebrew University of Jerusalem
Prof. Dalia Ofer, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Prof. Dina Porat, Head of the Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Anti-Semitism and Racism, Department of Jewish History, Tel Aviv University
Prof. Shaul Stampfer, Head of the Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Prof. Elchanan Reiner, Department of Jewish History, Tel Aviv University
Prof. Gideon Shimoni, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem
Prof. Gabriel Zoran, Department of Hebrew and Comparative Literature, Haifa University
Dr. Manuela Consonni, Scholion Interdisciplinary Research Center in Jewish Studies,The Hebrew University of Jerusalem
Dr. Amos Goldeberg, Scholion Interdisciplinary Research Center in Jewish Studies,The Hebrew University of Jerusalem
Dr. Anat Helman, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University, Jerusalem
Dr. Zohar Maor, Department of Jewish History, Bar-Ilan University
Dr. Iael Nidam-Orvieto, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University of Jerusalem.
Dr. Yaron Perry, Head of Land of Israel Studies, Haifa University, Israel.
Dr. Marcos Silber, Department of Jewish History, Haifa University
Dr. Dimitry Shumsky, Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, the Hebrew University Jerusalem

Wenn Sie diesen Offenen Brief unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an Nurit Pagi unter Nuritp-at-netvision.net.il !