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Gilad Shalit: Immer noch keine Freilassung?

In Jedioth achronoth berichtet Ronen Bergmann von Leuten, die an den Verhandlungen über die Freilassung des von der Hamas vor über 3 1/2 Jahren in den Gazastreifen verschleppten Israeli Gilad Shalit beteiligt sind und nicht glauben, dass Shalit in absehbarer Zukunft freigelassen werden wird. Verantwortlich dafür seien zahlreiche Missverständnisse. Ein großer Teil der Schuld für das Misslingen der unter Vermittlung des BND (Bundesnachrichtendienst) stattfindenden Verhandlungen liege bei der israelischen Regierung und ihrem Verhandlungsteam…

Israels Vertreter stürmte vorwärts, doch die erzielten Vereinbarungen machten Netanjahu Angst

Der deutsche Geheimdienst wurde im Juli letzten Jahres in die Verhandlungen einbezogen. Nach ausländischen Berichten ging der deutsche Vermittler, Gerhard Konrad, davon aus, dass das Shalit-Geschäft bis zum Jahresende oder kurz danach abgeschlossen werden kann.

Die israelische Seite wurde von Hagai Hadass vertreten. Er setzte die Verhandlungen an dem Punkt fort, an dem sie Premier Ehud Olmert im März 2009 eingestellt hatte. Hadass, der das „Geschäft“ möglichst schnell zum Abschluss bringen wollte, stürmte vorwärts. Premier Netanjahu dürfte damals noch nicht genau über jede Einzelheit informiert gewesen sein. So führte Hadass ein halbes Jahr lang Verhandlungen, wobei ihm Netanyahu nicht vorschrieb, wie weit er gehen könne und auch Juwal Diskin, der Chef des Allgemeinen Israelischen Sicherheitsdienstes (ShaBaK), mischte sich kaum ein, obwohl er sicherlich über Einzelheiten informiert war.
Die Verhandlungen liefen erst einmal recht gut und kurz vor dem Ende des letzten Jahres waren die Verhandlungen zwischen Hadass (Israel), Konrad (deutscher Vermittler) und A-Zahar (der Vertreter der Hamas) soweit gediehen, dass Hoffnung auf eine baldige Freilassung Shalits aufkam.

Für Netanyahu hatte das Thema wohl keine oberste Priorität und so gab es seit Beginn der Verhandlungsrunde im Juli bis Ende 2009 kein einziges Treffen, bei dem sich Hadass, Diskin, Armeevertreter und Premierminister Benyamin Netanyahu über die weitere Strategie hätten austauschen können.

Hagai Hadass nahm sich des Themas aber von ganzem Herzen an. Vielleicht hat er vor lauter Engagement auch die Interessen Netanyahus zu wenig berücksichtigt. Jedenfalls führte er die Verhandlungen in Netanyahus Namen weiter und Netanyahu mischte sich nicht ein – ohne sich selbst gründlich mit der Materie zu befassen. Bis dann Ende Dezember die letzte Phase kam.

Als ihm nämlich der Stand der Verhandlungen vorgelegt wurde, bekam Netanyahu kalte Füße. Auch wenn es seltsam anmutet, dass er so wenig über den Stand der Dinge gewusst haben soll, zögerte er und wollte weder zustimmen noch ablehnen. Er berief das Siebener-Forum (das engere Kabinett) ein, wo er – ganz gegen seinen Willen – zum „Zünglein an der Waage“ wurde. Hinter vorgehaltener Hand äußerte sich Netanjahu aber gegen den letzten Entwurf, der ihm von Hadass vorgelegt worden war.

Letzten Endes legte Hadass dem deutschen Vermittler ein anderes Angebot vor, bei dem Israel die meisten „schweren“ Häftlinge von der Hamas-Liste gestrichen hatte, darunter Barghuti und S’adat. Damit war man mehr oder weniger wieder an den Ausgangspunkt zurückgekehrt.

Aus dem Amt des Premierministers wurde mitgeteilt: „Premierminister Benyamin Netanyahu und das Forum trafen eine verantwortungsvolle und richtige Entscheidung. Es gilt abzuwägen zwischen unserem Wunsch, Shalit nach Hause zu bringen, und der Pflicht, die Sicherheit der Menschen in Israel zu gewährleisten. Israels Premierminister Benyamin Netanyahu besteht darauf, keine Massenmörder und keine besonders gefährlichen Terroristen freizulassen.“ Der Sprecher der Deutschen Botschaft in Israel, Albert Graf, teilte mit: „Die deutsche Regierung nimmt zu diesen Themen keine Stellung.“

Zum Hintergrund: Am frühen Morgen des 25. Juni 2006 um 05:40 drang eine Gruppe von 8 bewaffneten palästinensischen Terroristen* über die israelische Grenze, ungefähr dort, wo Israel, der Gazastreifen und Ägypten zusammen stoßen. Sie kamen durch einen selbst gegrabenen Tunnel in die Nähe des nur wenige 100m hinter der Grenze liegenden, 1966 gegründeten Kibbutz Kerem Schalom. Hier teilten sich die Terroristen in drei Gruppen auf.

Die erste Gruppe beschoss einen Panzers, der dort stationiert aber nicht besetzt war, so dass niemand verletzt wurde. Die zweite Gruppe griff einen Posten der Wüste-Patrouille an. Drei israelische Soldaten wurden verwundet.

Die dritte Gruppe nahm einen weiteren Panzer unter Raketen- und Granatbeschuss. Dabei wurden der Befehlshaber des Panzers und ein weiterer Soldat getötet, ein weitere wurde schwer verletzt. Gilad Schalit, der 4. Soldat im Panzer, wurde nur an Schulter und Handgelenk verletzt. Er wurde in den Gazastreifen verschleppt.

*) Die Entführer sind Mitglieder der „Izz ad-Din al-Qassam Brigaden“ und unterstehen der Hamas.

Siehe auch: haBanim.org