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Haiti und das antisemitische Nachbeben im Web

Es gibt da eine alte Geschichte. Der Kaiser reitet in die Stadt ein. Alle Untertanen, auch die Juden, verbeugen sich. Der Kaiser lässt daraufhin die Juden auspeitschen. Auf Nachfrage erklärt er: „Die Juden verneigen sich nur vor ihrem Gott. Wenn sie sich also vor mir verneigen, dann nicht um mir die notwendige Ehre zu erweisen, sondern um sich über mich lustig zu machen.“ Am nächsten Tag reitet der Kaiser wieder in die Stadt ein. Alle Untertanen – außer den Juden- verneigen sich. Daraufhin lässt der Kaiser die Juden erneut auspeitschen. Schließlich hat man sich vor dem Kaiser zu verneigen. Was lehrt die Geschichte?…

Von Ramona Ambs

Wie mans macht, macht man es verkehrt – zumindest als Jude. Jedes Verhalten wird gegen einen verwendet. Und so wundert es denn auch nicht, wenn nach dem vorbildlichen Einsatz der israelischen Armee in Haiti bereits wieder Vorwürfe gegen genau diesen Einsatz zu vernehmen sind.

Es begann alles mit einem Clip bei YouTube. Darin hatte ein T.West, ein schwarzer, amerikanischer Bürgerrechtler (Afrisynergie Productions) aus Seattle behauptet, dass Angehörige der IDF am Diebstahl von Organen auf Haiti beteiligt seien. In dem Video ist ein CNN-Bericht eingebaut, in dem darüber berichtet wird, dass die israelischen Helfer im Gegensatz zu den Amerikanern beispielsweise medizinsch hochwertige Maschinen mit nach Haiti genommen haben, um professionell zu helfen.

http://www.youtube.com/watch?v=qwQM6-lLlrM

Nach diesem Bericht empfiehlt T. West dem Haitianischen Volk auf sich aufzupassen, denn es seien gewissenlose Menschen vor Ort, die nur an Geld intressiert seien und die Organe rauben und verkaufen würden. Auf Nachfrage erklärte erdem Newsportal Ynet: „Ich habe nichts gegen Israel. Ich habe aber eine Menge gegen die zionistische Ideologie. Wir sehen, was Ihr in Südafrika und mit den Palästinensern getan habt. Wegen unserer Geschichte und dem Leid unseres Volkes, verstehe ich, was die Palästinenser durchmachen.“

Nun könnte man ja hoffen, dass dieser gerade einen Tag alte Clip bald wieder vergessen ist, aber bereits jetzt greifen viele verschiedene Webseiten die Aussagen Wests auf und verbreiten sie als Wahrheit weiter. Besonders übel geht dabei Islamidavet, eine englischsprachige Online-Zeitung aus der Türkei vor. Sie radikalisiert die Aussagen des Bürgerrechtlers noch und verziert das Ganze mit einer antisemitischen Karrikatur, auf der ein in Stürmermanier gezeichneter Jude in den Hals eines kleinen Jungen beißt. Eine karikatristische Neuauflage der alten Ritualmordlegende.

Und so kann man davon ausgehen, dass die „Organklaugeschichte Haiti“ auch bald in breitere Bevölkerungsschichten dringt. Das hat man halt davon, wenn man professionell hilft. Zumindest als Jude.