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Weihnachtsbäume „verletzen religiöse Gefühle“

Israelische Hotels, Restaurants und Clubs dürfen keine Weihnachtsbäume aufstellen, ihre Gäste nicht mit Weihnachtsmännern erheitern, keine rote Mützen austeilen oder „christliche Symbole“ in ihren öffentlichen Räumen aufstellen. Eine entsprechende „Empfehlung“ hat das Oberrabbinat ausgegeben…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 22. Dezember 2009

Zusätzlich geht in letzter Zeit eine Rabbinergruppe namens „Lobby für jüdische Werte“ gegen Hotels und Restaurants vor, die gegen diese Regel verstoßen. „Wir planen, die Namen der Einrichtungen zu veröffentlichen, die christliche Symbole aus Anlass der christlichen Feste aufstellen und zu einem Boykott gegen sie aufzurufen“, zitiert die Zeitung Jedijot Achronot jene Lobby.

Auch die Stadtrabbiner von Jerusalem gehen gegen solche „christlichen Symbole“ vor und drohen den Restaurants und Hotels, die Koscher-Urkunden zu nehmen. Fromme Juden meiden Gaststätten ohne eine solche Urkunde, sodass ein Verstoß gegen den Willen der Rabbiner erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben kann, obgleich die Speisen genauso koscher vorbereitet werden.

Derweil liefen beim israelischen Außenministerium Beschwerden gegen die „Empfehlung“ der Oberrabbiner ein. Der Vatikanbotschafter Motti Lewy erhielt eine Klage aus dem Vatikan und hörte Kritik in den italienischen Medien. Beim Botschafter in Washington beschwerten sich christliche Kongressabgeordnete. Das Außenministerium wandte sich daraufhin an den Generaldirektor des Oberrabbinats, Oded Weiner, und erfuhr, dass es sich nicht um ein „bindendes Verbot“, sondern nur um eine „Empfehlung“ handle, an öffentlichen Plätzen, wie Hotel-Lobbys keine christlichen Symbole aufzustellen. Gleichwohl dürften die Hotels zum Beispiel in „geschlossenen Räumen“ am 31. Dezember Sylvester-Feiern ansetzen, „ohne die Koscherurkunde zu verlieren“. Doch in „öffentlichen Räumen sind Symbole tunlichst zu vermeiden, die Gefühle von Menschen anderer Religionen verletzen könnten“, erklärte Weiner.

Die Protokollabteilung des Außenministeriums sorgte auch in diesem Jahr wieder für die Austeilung von Pinienbäumchen an alle rund 8000 in Israel dienenden Diplomaten. Ebenso konnten Journalisten wieder bei einer Baumschule nahe dem Ela-Tal, wo David gegen den Goliath kämpfte, einen Baum auswählen und frisch fällen lassen. Während früher die Bäume kostenlos an Kirchen, Diplomaten, Journalisten und sonstige Christen ausgeteilt wurden, gab es diesmal eine gestaffelte Spendenforderung. Allein Botschafter bekämen ihren Baum kostenlos, erklärte ein Förster. Journalisten bräuchten nur umgerechnet 6 Euro pro Baum zahlen, während alle anderen, auch die Diplomaten, mit einer freiwilligen Spende in Höhe von 14,- Euro pro Baum zur Kasse gebeten werden.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com