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haGalil Fernsehtipps

Vom 15.11. bis 30.11. 2009 … Israelische Zeit, Angaben ohne Gewähr…

So, 15. Nov · 11:15-12:00 · BR
Stationen: Die Weiße Fahne – Nazis, Christen und das Kriegsende

Mit dem Kriegsende im Jahr 1945 war die Gefahr für Leib und Leben vieler Katholiken und Protestanten in Deutschland noch nicht vorüber. Engagierte Bürger, die das Ende des Dritten Reiches ohne Blutvergießen herbeiführen wollen, bezahlten dafür mit ihrem Leben.  Eine Informationsquelle über diese Zeit sind die Einmarschberichte, die von vielen Pfarrern verfasst wurden. Gut dokumentiert sind zum Beispiel folgende Fälle: In Götting bei Bad Aibling wird Pfarrer Grimm erschossen, als er zusammen mit dem Lehrer des Dorfes die weiße Fahne hissen und eine friedliche Übergabe erreichen will. In Bad Wiessee kehren die beiden katholischen Laien Quecke und Dohrn von der Freiheitsaktion Bayern aus München zurück, wo sie sich für eine friedliche Beendigung der Kriegshandlungen eingesetzt haben. Unmittelbar darauf werden sie von Einheimischen denunziert und von der SS im Perlacher Forst erschossen. Die Ehefrauen der Betroffenen sowie die Denunzianten leben heute noch. In Regensburg wird Domprediger Johann Maier vor ein Standgericht gestellt, weil er Verhandlungen mit den heranrückenden Alliierten aufgenommen hatte. Er wird hingerichtet, Regensburg aber vor der Zerstörung bewahrt. In Altötting starten katholische Männer im April 1945 eine Freiheitsaktion. Sie werden kurz vor Kriegsende liquidiert. Bereits im Oktober 1944 war Aachen als erste deutsche Stadt von amerikanischen Truppen eingenommen worden. Rechtsanwalt Franz Oppenhoff, der dem Aachener Domkapitel und dem Päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung in der NS-Zeit immer wieder juristischen Beistand geleistet hatte, wurde auf Vorschlag des Bischofs von der Besatzungsmacht mit der Bildung einer neuen Stadtregierung beauftragt und zum Oberbürgermeister ernannt.

So, 15. Nov · 20:00-20:45 · arte
Leonard Bernstein: Sinfonie Nr. 3 „Kaddish“

Leonard Bernsteins 3. Symphonie, die Kaddish-Symphonie, ist eine Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten jüdischen Gebete. Leonard Bernstein stellt dem liturgischen Text des Kaddish eigene, sehr persönliche Gedanken entgegen.

Schon 1955 hatte Leonard Bernstein den Auftrag für ein neues Werk, seine Sinfonie Nr. 3, bekommen. Doch erst 1963 kam es in Tel Aviv mit dem Israel Philharmonic Orchestra zur Uraufführung. Im Angesicht der großen Katastrophen der Menschheit geht es in der Kaddish-Symphonie um das Ringen mit dem Glauben an Gott. Leonard Bernstein stellt dem liturgischen Text des jüdischen Gebetes, insbesondere als Totengebet, eigene, sehr persönliche Gedanken entgegen. Rezitator ist der Schauspieler August Zirner – einer der vielseitigsten Bühnen- und Filmdarsteller unserer Zeit. Juliane Banse übernimmt den Sopranpart. Es spielt die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter der Leitung von Christian Poppen.

Im ersten Satz, der Invocation, wendet sich ein alter Mann in Form einer Sprecherrolle an Gott, um das Kaddish zu beten. Der Chor singt daraufhin das erste Totengebet des Mannes. Im Anschluss stellt der Mann seine Forderung an Gott: Er verlangt von ihm, für Ordnung und Frieden auf der Erde zu sorgen. Die Stimmung wechselt jäh, die Klänge werden laut und aggressiv.
Auch im zweiten Satz, der den Titel Din-Torah trägt, zu Deutsch Prüfung durch Gottes Gesetz, übt der Sprecher direkt Kritik: Er fordert Rechenschaft von Gott, der zu viel geschehen lasse. Nach einem musikalischen Tumult mündet dieser Satz im zweiten Totengebet.
Im dritten Satz will der Sprecher Gott veranlassen, einen neuen Bund zu gründen, was schließlich im Finale nach dem dritten Kaddish auch gelingt.

So existenziell der Inhalt dieser Symphonie, so extrem sind auch die musikalischen Mittel, die Bernstein einsetzt. Der Chor muss nicht nur singen, sondern auch rufen, in die Hände klatschen und mit den Füßen stampfen. Die Musik pendelt zwischen zwölftöniger Textur und klassisch-tonaler Harmonik. Hintergrundinformationen: Leonard Bernstein wurde 1918 in Lawrence, Massachusetts geboren und entwickelte schon als Kind seine Leidenschaft für die Musik am Klavier. Seinem Studium an der Harvard University schloss er ein weiteres Musikstudium am Curtis Institute of Music in Philadelphia an und verbrachte die Sommermonate als Student und Assistent in Tanglewood, dem Sommerinstitut des Boston Symphony Orchestra. Als Assistent und Hilfskapellmeister ging er 1943 zu den New Yorker Philharmonikern, wo er noch im gleichen Jahr seinen Durchbruch feierte: Er sprang kurzfristig für den erkrankten Bruno Walter ein und dirigierte ein über Rundfunk landesweit ausgestrahltes Konzert. In den folgenden Jahren übernahm er den Posten des Chefdirigenten des New York City Symphony Orchestra, trat regelmäßig mit den New Yorker Philharmonikern und dem Israel Philharmonic Orchestra auf und erschien als Gastdirigent bei vielen großen Orchestern in Amerika und Europa. 1958 übernahm er dann den Posten des Musikdirektors der New Yorker Philharmoniker. Sein Werk weist eine Vielfalt von Gattungen und Stilrichtungen auf, so komponierte er unter anderem Symphonien, Ballette, Opern, Filmmusiken und Broadway-Stücke, wie die „West Side Story“. Auch sein schriftstellerisches Werk und seine Vorlesungen als Gastprofessor an der Harvard University gelten als wertvolle Publikationen zur Musik. Bernstein wurde im Laufe seiner Karriere mit mehreren Auszeichnungen geehrt. So erhielt er die Ehrenmitgliedschaft der New Yorker und der Wiener Philharmoniker, ist Ehrenpräsident der Accademia di Santa Cecilia in Rom und Ehrendirigent des Israel Philharmonic Orchestra. Er erhielt zehnmal den Emmy Award und wurde 1985 mit dem Lifetime Achievement Grammy Award der National Academy of Recording Arts and Sciences der USA ausgezeichnet.

So, 15. Nov · 00:10-02:05 · RBB Berlin
Lili Marleen

Willie Bunterberg ist eine mäßig talentierte deutsche Sängerin, die 1938 durch Zürcher Bars tingelt und von einer großen Karriere träumt. Ihre Liebe zu dem jüdischen Musiker Robert Mendelsson steht unter keinem günstigen Stern. Frei nach dem Leben Lale Andersens erzählt Rainer Werner Fassbinder in seinem elegant inszenierten Melodram die Geschichte der Sängerin.

Robert schmuggelt für die Untergrundorganisation seines wohlhabenden Vaters David gefälschte Pässe nach Deutschland, um bedrohten Juden die Ausreise zu ermöglichen – und um jüdisches Kapital in die Schweiz zu schaffen. Als Robert Willie in seine heimlichen Unternehmungen einweiht, sieht der Vater seine Pläne gefährdet. Durch eine Intrige sorgt er dafür, dass Willie nach einer Deutschlandreise nicht mehr in die Schweiz zurückkehren darf.
Auf sich allein gestellt, besinnt Willie sich auf einen ihrer Verehrer. Der Nazi-Kulturfunktionär Hans Henkel arrangiert die Plattenaufnahme des Liedes „Lili Marleen“, mit dem Willie überraschend zum Star und bald zu einer Ikone der Nazi-Propaganda avanciert. Willie wird nun sogar vom „Führer“ empfangen. Um herauszufinden, ob seine Geliebte tatsächlich eine „Nazi-Braut“ geworden ist, riskiert Robert Kopf und Kragen und reist mit gefälschtem Pass nach Berlin. Robert wird von der Gestapo verhaftet, kommt aber durch einen Gefangenenaustausch wieder frei. Aus Liebe zu Robert versucht Willie auf einer Tournee einen Film mit Informationen über Vernichtungslager im Osten nach Berlin zu schmuggeln, als Henkel ihr auf die Schliche zu kommen droht. Doch Willie überlebt und trifft nach dem Krieg Robert wieder, der nun ein berühmter Dirigent und mit einer anderen Frau verheiratet ist.

Hintergrundinformationen: Frei nach dem Leben Lale Andersens erzählt Rainer Werner Fassbinder in seinem elegant inszenierten Melodram die Geschichte einer Sängerin, die als Gegenleistung für Karriere, Geld und Privilegien ins Räderwerk der Nazi-Propaganda gerät. In der Hauptrolle brilliert Hanna Schygulla, die auch in den nächsten beiden Filmen, die das rbb Fernsehen im Rahmen der langen Filmnacht zu Ehren des großen deutschen Regisseurs sendet, ihre Schauspielkunst unter Beweis stellt: Im Anschluss folgen noch Fassbinders Werke „Die Ehe der Maria Braun“ und „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“.


Mo, 16. Nov · 20:15-21:45 · ZDF
Die Seele eines Mörders

Der Fernsehfilm der Woche:
Nach dem Roman „Denn die Seele ist in deiner Hand“
von Batya Gur

Der Krimi adaptiert den Roman „Denn die Seele ist in deiner Hand“, der auch in Deutschland populären israelischen Autorin Batya Gur. Der Film spielt in Jerusalem und Tel Aviv, und führt tief in die israelische Gesellschaft und Geschichte.

Vorschau / Drehbericht (Video)

Die wunderschöne Anwaltsgehilfin jüdisch-jemenitischer Herkunft Zohara Baschari ist ermordet worden. Ada Efrati hat die Leiche bei einem geplanten Wohnungskauf zwischen verrosteten Wassertanks gefunden. Ada ist eine Jugendliebe von Chefinspektor Ochajon. Die Familie Baschari ist abgrundtief verfeindet mit ihren Nachbarn, den aus Polen eingewanderten ashkenasischen Beneschs. Jetzt will Sohn Joram Benesch eine reiche jüdische Texanerin heiraten. Ochajon erfährt, dass die Bascharis die Beneschs auch deshalb hassen, weil ihnen einst, im Auffanglager für jemenitische Einwanderer, unter einem Vorwand ihr Baby zugunsten einer ashkenasischen Familie weggenommen wurde.

Die Obduktion durch den Pathologen Dr. Solomon ergibt, dass Zohara schwanger war. Zudem hatte sie soeben eine teure Wohnung gekauft und besaß kostbaren Schmuck. Als großzügiger Spender entpuppt sich Zoharas Arbeitgeber, der wohlhabende Anwalt Rosenstein. War Zohara seine junge Geliebte?

Chefinspektor Ochajon findet heraus, dass die bekannte Journalistin Orli Shoshan in Zohara verliebt war. Doch sie war nicht gut auf ihre Freundin zu sprechen, da Zohara ihre Liebe ignorierte und sie sich zudem von ihr ausgenutzt fühlte. In Zoharas Auftrag fand Orli heraus, dass die in den USA lebende Tochter des Anwalts Rosenstein in Wirklichkeit Zoharas ältere Schwester ist – das entwendete Baby der Bascharis. Rosensteins Frau war im Konzentrationslager bei Mengele und seither unfruchtbar. Der Schmuck und die teure Wohnung bildeten den Versuch eines Schweigegeldes. Wollte Zohara reden? Wurde Rosenstein von ihr erpresst?
Dann verschwindet die zwölfjährige Nesja Chajun spurlos, ein dickliches Mädchen, das die schöne Zohara vergötterte. Eine Suchaktion der Polizei beginnt, die nur deshalb mit großem Aufwand betrieben wird, weil Chefinspektor Ochajon behauptet, die Täter könnten Araber sein. Nesja wird nicht gefunden, nur die Leiche ihres Hundes. Mittlerweile spricht vieles dafür, dass das Verschwinden von Nesja mit der Ermordung Zoharas in Zusammenhang steht. Eine scheinbar nebensächliche Beobachtung von Ochajon führt auf die richtige Spur…

„Eine Verzahnung von tragischen Umständen“
Regisseur Peter Keglevic im Interview

Der Salzburger Peter Keglevic arbeitete nach seinem Schulabschluss vier Jahre als Buchhändler, schrieb Kurzgeschichten, Theaterstücke und Drehbücher. Am Salzburger Mozarteum belegte er das Studienfach Regie für Musik und Darstellende Kunst. Seitdem dreht er vielbeachtete Fernseh- und Kinofilme. 2001 wurde er für „Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“ mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. „Die Seele eines Mörders“ war für ihn nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein besonderes Vergnügen.

ZDF: Herr Keglevic, nicht Habgier oder Leidenschaft haben in diesem Krimi zum Mord geführt. Er ist eher die Folge einer komplexen familiären beziehungsweise gesellschaftspolitischen Geschichte. War es schwierig, dies zu erzählen?

Peter Keglevic: Sicherlich ist nicht jedem Zuschauer bekannt, dass es in Israel unterschiedliche ethnische jüdische Gruppen gibt. So zum Beispiel die Aschkenasim, Ostjuden oder die Jemeniten. Ich habe mich bemüht, durch wiederholte Hinweise ein wenig Licht in diese Vielfalt der Unterschiede zu bringen. Für mich ist Batya Gurs Geschichte in erster Linie eine Verzahnung von tragischen, uns berührenden Umständen, ein Konglomerat aus Geschichte und Vergangenheit, das letztlich in einem schrecklichen Ausbruch – einem Mord – endet. Aber es ist ja häufig so, dass Menschen überrascht sind, wenn etwas Furchtbares passiert, weil sie zu sehr im Jetzt und auf die Zukunft hinaus leben, anstatt sich bewusst zu machen, dass wir alle das Resultat einer Vergangenheit sind.
Großen Wert habe ich auch darauf gelegt, dieses Land mit seiner eigenen Atmosphäre und Stimmung so realistisch wie möglich einzufangen, und nicht eine Postkartenidylle zu zeigen. Niemand kann sich seiner Geschichte entziehen – auch Klara Benesch nicht – die vor vielem die Augen zu verschließen scheint. Klara Benesch, die von der wunderbaren Nicole Heesters gespielt wird, ist blind und taub für das, was um sie herum passiert, dabei sieht sie das alles schon. Aber sie schützt ihren Sohn, weil sie unglaublich stolz darauf ist, dass er es schaffte, in den USA, die für viele Israelis immer noch ein Traumziel sind, studiert und Karriere gemacht zu haben. Und nun möchte er auch noch eine Amerikanerin aus gutem Hause heiraten! Damit ist das Mutterglück perfekt, und jede Irritation wird gar nicht erst zugelassen.

ZDF: Sie haben schon eine Reihe Krimis inszeniert wie etwa „Der Tanz mit dem Teufel“, „Blackout“ oder „Die Dunkle Seite“. Was ist für Sie persönlich das Besondere an diesem Krimi?

Keglevic: Grundsätzlich interessieren mich an einer Geschichte, die man dem Genre Krimi zuschreibt, immer die Charaktere und ihre Abgründe, die zu einem bestimmten Verhalten geführt haben. Ich möchte sichtbar machen, was bislang unsichtbar war. Und ich möchte das nicht reißerisch erzählen, sondern auf eine leise Art. An der Batya-Gur-Geschichte reizte mich das Vergangene, das Verborgene, das über Jahre oder vielmehr über Generationen Vergrabene beziehungsweise Verschütt gegangene, das erst mit dem grausamen Mord zum Vorschein kommt.
Hinzu kam die Herausforderung, mit einem Ensemble zu drehen, das sich aus deutschen und israelischen Darstellern zusammensetzte. Wir hatten einen wunderbaren, berührenden Cast, der hervorragend harmonierte. Besonders glücklich war ich über Heiner Lauterbach, der diesen Kommissar ganz anders spielt, als man es von Heiner Lauterbach vielleicht erwartete: nicht polternd, nicht laut, sondern zurückhaltend, introvertiert, nachdenklich. Das zu erleben, hat mich sehr gefreut. Es war ein Vergnügen!

„Vom Wunsch nach Gerechtigkeit beseelt“
Interview mit Heiner Lauterbach

Heiner Lauterbach ist als Michael Ochajon Leiter einer Ermittlungsabteilung der Jerusalemer Kripo. Ochajon ist ein introvertierter, attraktiver Mann Ende 40 mit Bindungsproblemen. Beruflich gilt er als Ruhepol. Ochajon handelt nicht voreilig, sondern analytisch.

ZDF: Herr Lauterbach, wie würden Sie Michael Ochajon charakterisieren?

Heiner Lauterbach: Am liebsten möchte ich mich an die Charakterisierung der Erfinderin dieser Figur halten – an Batya Gur selbst. Denn in ihrem Sinne habe ich Michael Ochajon angelegt und gespielt. Batya Gur beschrieb ihn als einen melancholischen, besonnenen, ruhigen Menschen, als einen Workoholic, der von dem tiefen Wunsch nach Gerechtigkeit beseelt ist. Seine Gefühle zeigt er selten, er ist eine Autorität unter den Kollegen, ohne autoritär zu sein. Seine politische Haltung ist eindeutig, vor allem kann und will er die Antihaltung seines Kollegen Balilati gegenüber den Arabern nicht verstehen.

ZDF: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit ihrem israelischen Kollegen Dvir Benedk erlebt?

Lauterbach: Dvir ist ein reizender, sehr angenehmer Kerl. Wir hatten viel Spaß miteinander. Aber auch die beiden Schauspieler, die die Bascharis verkörpert haben, Gabi Amrani und Geula Nuni, mochte ich sehr gern. Es war eine sehr schöne Zusammenarbeit.

ZDF: Sie haben zum ersten Mal in Israel gedreht und das über mehrere Wochen. Wie haben Sie die Zeit dort empfunden?

Lauterbach: Abgesehen davon, dass es für mich nie so schön ist, von meiner Familie getrennt zu sein, war es eine spannende Zeit mit vielen neuen Eindrücken. Ich war überrascht, wie sehr die Menschen in diesem Land dem Orient angenähert sind. In meiner drehfreien Zeit habe ich mir natürlich Jerusalem und Tel Aviv angesehen, unter anderem das vermeintliche Grab Christi besucht, die Klagemauer, die Basare und einige weitere Sehenswürdigkeiten.
Faszinierend fand ich, dass die Sonne schon am Nachmittag untergeht. Ab etwa 16 Uhr konnten wir nicht mehr drehen, was folglich bedeutete, dass wir morgens sehr früh mit der Arbeit anfangen mussten. Irritiert hat mich in diesem Land, wie laut es dort ist. Überall klingeln Handys, laufen Fernseher, hört man Radios – man kann sich dieser Lautstärke und Dauerberieselung kaum entziehen. Und gewöhnungsbedürftig war für uns natürlich, dass von Freitagabend bis Samstagabend aufgrund des Sabbats nahezu nichts möglich ist.

ZDF: Der Film behandelt auch den Konflikt zwischen den Aschkenasim und Jemeniten. War Ihnen dieser vorher bekannt?

Lauterbach: Das Thema war mir in diesem Ausmaß nicht bekannt, vor allem nicht, dass Kinder ihren Eltern bewusst weggenommen und an eine andere ethnische Gruppe gegeben wurden. Das hat mich sehr berührt. Dass in einem Krimi ein solch brisantes Thema aufgegriffen wird, gefiel mir auf Anhieb. Denn wir wollen ja nicht nur unterhalten, wir wollen etwas über die Geschichte dieses Landes erfahren und den Zuschauern auch etwas mitgeben.

ZDF: Es gibt inzwischen einige deutsche Kommissare, die im Ausland ermitteln. Haben Sie zunächst gezögert, diese Rolle anzunehmen, oder war das kein Thema für Sie?

Lauterbach: Na ja, ich habe mich tatsächlich gefragt, ob es sinnvoll ist, den vielen deutschen Kommissaren im Ausland einen weiteren hinzuzufügen. Dann aber haben mich das Buch, das Konzept und die Art, wie Batya Gur die Geschichten über ihre Figuren erzählt, überzeugt. Außerdem kannte ich die Filme von Peter Keglevic und konnte mir gut vorstellen, wie er unseren umsetzen würde. Und wenn ich mir jetzt das fertige Produkt, unseren Film, anschaue, dann fühle ich mich in meiner Einschätzung bestärkt: Es wird keine Postkartenidylle gezeigt, sondern auch Blicke in Gegenden geworfen und Einblicke in Geschichten gewährt, die keinesfalls in die Rubrik Sightseeing gehören.


Mo, 16. Nov · 00:00-00:30 · Das Erste (ARD)
ttt – titel thesen temperamente

Geplante Themen: Linkes Trio: Der Dokumentarfilm „Die Anwälte“ erkundet die Biografien von Ströbele, Schily und Mahler.  Wirbelwind am Piano: Das sensationelle CD-Debüt der rumänischen Klaviervirtuosin Mihaela Ursuleasa  Der Mann und das Biest: Die schaurig-skurrilen Menagerien des amerikanischen Malers Walton Ford  Bauen gegen den Frieden: Eyal Weizmans erschütternde Dokumentation über Israels Architektur der Besatzung  Strom, Macht und das Unbehagen in der Natur: Die apokalyptisch-schönen Fotografien des Mitch Epstein

Mo, 16. Nov · 02:00-02:55 · HR
Das Kind, der Tod und die Wahrheit
Das Rätsel um den Palästinenserjungen Mohammed Al-Durah

Weltweit ist zu sehen, wie Mohammed Al-Durah, der zwölfjährige Palästinenserjunge, an der Netzarimkreuzung in Gaza in den Armen seines Vaters stirbt, Opfer eines mörderischen Schusswechsels zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten. Aber stimmt die Geschichte?  Das Bild ging um die ganze Welt: Ein Vater kauert hinter einem Betonfass, schützend den Arm um seinen kleinen Sohn gelegt. Er versucht, sich und sein Kind zu retten. Die tragische Szene wird gefilmt von einem Kameramann des französischen Fernsehkanals France 2.
Sind die westlichen Medien Opfer palästinensischer Propaganda geworden? Ist die spektakuläre Szene eine Fälschung? Erste Zweifel an der schlichten Wahrheit formulierte die ARD-Dokumentation „Drei Kugeln und ein totes Kind – Wer erschoss Mohammed Al-Durah?“ von 2002. Die akribische Recherche zeigte damals, dass nahezu ausgeschlossen ist, dass israelische Soldaten das Kind am 30. September 2000 erschossen. Was damals noch für heftige Angriffe gegen die ARD sorgte, ist mittlerweile allgemein akzeptiert. Demnach wären Palästinenser verantwortlich für den Tod des kleinen Jungen. Doch vielleicht ist die wahre Geschichte noch viel unglaublicher: Wurde Mohammed Al-Durah überhaupt erschossen? Die Zweifel jedenfalls an der Authentizität der Szene sind so schwerwiegend, dass kürzlich ein Gericht in Paris urteilte, es sei zulässig, von einer Fälschung zu sprechen. Wegen dieser Szene haben Menschen getötet und sind Menschen gestorben.
Auch Al Kaida nutzt die Bilder – in einem Rekrutierungsvideo im Internet. In Freitagspredigten und auf Flugblättern wurden Muslime aufgerufen, Mohammed Al-Durah zu rächen – ein Aufruf, der grausige Realität wurde mit der bestialischen Enthauptung des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl durch Islamisten.

Di, 17. Nov · 01:45-02:15 · PHOENIX
Hochzeit im Niemandsland zwischen Syrien und Israel

„Für die Liebe, für meinen Mann gebe ich alles auf.“ Die Eltern, die Freundinnen, den Job als Kindergärtnerin. Der Tag ihrer Hochzeit ist für die 25jährige Drusin Arwad auch der Tag, an dem es kein „zurück“ mehr in ihr Heimatdorf gibt.  „Für die Liebe, für meinen Mann gebe ich alles auf.“ Die Eltern, die Freundinnen, den Job als Kindergärtnerin. Der Tag ihrer Hochzeit ist für die 25jährige Drusin Arwad auch der Tag, an dem es kein „zurück“ mehr in ihr Heimatdorf gibt. Israel und leben noch immer wie im Krieg. Es gibt keine Verbindung zwischen den beiden Ländern. Das internationale Rote Kreuz hat den bürokratischen Weg für diese Hochzeit in Israel und geebnet. Peter Dudzik war mit der Kamera dabei.

Mi, 18. Nov · 15:10-17:10 · MGM
Triumph des Geistes – Ein Boxer in der Hölle

Thessaloniki, 1939: Der frühere Olympia-Boxer Salamo Arouch (Willem Dafoe), ein Jude, hat gerade die Meisterschaft im Mittelgewicht gewonnen. Da wird er von den Deutschen nach Auschwitz deportiert. Die Nazis treiben ein böses Spiel: Salamo bleibt am Leben, solange er zum Vergnügen der Wächter an Boxwettkämpfen teilnimmt. – Bewegendes Überlebensdrama nach authentischen Ereignissen.

Mi, 18. Nov · 22:00-22:50 · arte
Sechs Tage Krieg
1/2, Die Waffen klirren

Der zweiteilige Dokumentarfilm zeigt, dass der israelische Sieg gegen die arabische Allianz im Krieg des Jahres 1967 einen Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens darstellte, dessen Folgen bis heute politisch hochbedeutend sind.

Lange betrachteten die Israelis den israelisch-arabischen Krieg vom Juni 1967, den sogenannten Sechstagekrieg, als wunderbaren Sieg ihres kleinen Staates über die ihn umzingelnden feindlichen Araberstaaten. Die arabischen Völker dagegen sahen in dem Krieg eine imperialistische Verschwörung, die ihnen eine erniedrigende Niederlage bereitet hatte. Über vier Jahrzehnte später erweist sich der Sechstagekrieg als bedeutsamer Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens. Er leitete das Ende des Panarabismus ein, jenes Traumes von einer vereinten, der Vorherrschaft der Großmächte ledigen arabischen Nation. Mit der Niederlage der arabischen Staaten wurde den Palästinensern bewusst, dass sie vor allem auf sich selbst zählen müssen.
Die israelische Besetzung des Westjordanlandes, des arabischen Teils von Jerusalem und die darauf folgende Massenflucht festigten endgültig die nationale Identität der palästinensischen Araber. Daraufhin verstärkten sich in der ganzen Region die fundamental-islamistischen Strömungen. Sie waren die Reaktion auf den im Sechstagekrieg zutage getretenen Einfluss der Militärs und auf das religiöse Erwachen in Israel, das den Krieg begleitete. Der militärische Sieg der Israelis führte in der Folge zu einer dramatischen, ausweglos erscheinenden politischen Situation, unter der die Völker der Region noch heute leiden.

Do, 19. Nov · 23:35-00:05 · MDR Sachsen
Ich bin raus – Aussteiger aus der rechtsradikalen Szene

Sie sind jetzt um die 30 Jahre alt. Schon als Schüler gehörten sie zur rechtsextremen Szene. Sie bereiteten sich für das „Vierte Deutsche Reich“ vor, schlugen zu, verbreiteten Angst und versuchten mit Sozialarbeit und Lagerfeuerromantik neue Anhänger zu werben.  Zwei ehemalige Neonazis, Anführer von „Kameradschaften“, erzählen, wie sie in die „Szene“ kamen, was sie dort jahrelang faszinierte und wie sie den „Ausstieg“ schafften. Bei dem Jungen aus Westdeutschland legte der Großvater mit seinen Heldengeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage. Schon als Kinder war ihm somit das nationalsozialistische Denken vertraut. Dagegen bewegte den ehemaligen Jungpionier aus der ostdeutschen Provinz der Fall des „antifaschistischen Schutzwalls“ gegen die BRD zum Umdenken. Nun wollte er auch dazu gehören, zum Land der „Faschisten“.
Übers Internet, über Musik und durch NPD-Zeitschriften und Schulungen erfuhr er, dass man der deutschen Demokratie nicht trauen dürfe. Die Alliierten hätten jeden Deutschen nach dem Krieg einer Gehirnwäsche unterzogen. Die Lehrer in der Schule – In Ost wie in West – setzten sich nicht mit den Jugendlichen auseinander, und so lebten sie mit ihren Kameraden in einer eigenen „deutschen“ Welt.  Durch die Hilfe der Aussteigerorganisation „EXIT“ haben es diese zwei langsam geschafft, sich von ihrem alten Leben zu lösen. Das ist nicht ungefährlich. Heute gehen sie in Schulen und erzählen von ihrer Neonazizeit, um aufzuklären und etwas von ihren Schuldgefühlen zu verlieren.

Fr, 20. Nov · 18:00-18:30 · BR
Liebesgeschichten
4/4, Harmonien

Die Dokumentation von Eva Severini begleitet das Künstlerpaar zu einer CD-Produktion nach Stuttgart und zu einem Kammermusik-Abend nach Dresden. Und überall entfaltet ihr Klavierspiel den Zauber des gleichzeitigen Atmens und Fühlens, des tiefen Einverständnisses.  Sie sind zurzeit das beste Klavier-Duo der Welt: die israelische Pianistin Yaara Tal und ihr deutscher Partner Andreas Groethuysen. Seit 28 Jahren leben und arbeiten sie zusammen – in einer kleinen Dreizimmer-Wohnung in München, deren Zimmer von drei prachtvollen Flügeln dominiert werden. In diesen 28 Jahren hat das Künstlerpaar seinen eigenen unverwechselbaren Klang kreiert. 30 CD’s haben sie eingespielt: Von Mendelssohn-Bartholdy-Kompositionen für zwei Klaviere bis hin zu Richard Wagners Werken für Klavier zu vier Händen.
Fast alles Ersteinspielungen. Unüberbrückbare Spannungen zwischen ihnen würden das Aus des Duos bedeuten. Wie also gehen sie mit Spannungen und Konflikten um? Was macht die Kunst des Zusammenlebens aus? Die Dokumentation von Eva Severini begleitet das Künstlerpaar durch den Alltag, zu einer CD-Produktion nach Stuttgart und zu einem Kammermusik-Abend nach Dresden. Und überall entfaltet ihr Klavierspiel den Zauber des gleichzeitigen Atmens und Fühlens, des tiefen Einverständnisses.


So, 22. Nov · 18:30-19:00 · Das Erste (ARD)
Tauziehen um den Tempelberg

Wem gehört Jerusalems Heiligtum?
Ein Film von Uri Schneider.

Prunk- und prachtvoll ragte er einst über Jerusalem, der Tempel König Salomons, genau da, wo heute die Al-Aksa-Moschee steht. Das zumindest meinen die meisten Wissenschaftler. Nicht so die islamische Welt, allen voran die palästinensischen Muslime. Geht es nach Mohammed Hussein, dem Mufti der Al-Aksa-Moschee, können Rabbiner, Historiker und Archäologen bis ans Ende aller Tage behaupten, die Moschee stände auf den Ruinen des jüdischen Tempels. Für ihn ist das alles zionistische Propaganda. Das Heiligtum der Juden, meint der Mufti, sei nie in Jerusalem gewesen.

Den israelischen Archäologen Gabriel Barkai macht das wütend. Seit Jahren durchsiebt er Bauschutt, den die Muslime während Bauarbeiten auf dem Al-Aksa-Gelände auf eine Müllkippe geworfen haben. Besonders sauer ist er darüber, dass die muslimischen Hausherren keine Archäologen auf den Tempelberg lassen, aber selbst mit schweren Baumaschinen dort baggern.
„Ein barbarischer Akt!“, ereifert er sich. „Jeder Mensch weiß, dass man an so einem Ort mit Zahnbürsten gräbt und nicht mit Bulldozern.“ Zehntausende Funde aus der Zeit des jüdischen Tempels habe Barkai aus dem Bauschutt der Muslime gefischt, erzählt er: von Münzen und Mosaiksteinen über Würfel bis hin zu einem Siegel des jüdischen Tempelverwalters.

Die Muslime im Al-Aksa-Viertel lässt das kalt. „Jeder Archäologe kann ein paar Münzen in den Sand schmeißen“, meint Abu Fayez, Sufi, Philosoph und Händler für Heilkräuter. „Dann sagt er seinen Kumpels `Buddelt mal hier‘ und – Voilà! – plötzlich finden sie unter Al Aksa Münzen aus dem jüdischen Tempel.“

Auch unter den Juden gibt es verbohrte Fanatiker. Gershon Salomon hat es sich in den Kopf gesetzt, den jüdischen Tempel neu aufzubauen. Wenn der erst steht, zitiert er den Propheten Jesaja, würde die Welt erlöst. Die beiden Grundsteine, je 50 Tonnen schwer, hat Salomon schon neben seinem Haus stehen.
Nach Mekka und Medina ist Al Aksa die drittheiligste Stätte des Islams. Hier soll Mohammed auf seiner Nachtreise von Mekka nach Jerusalem mit seinem geflügelten Pferd gelandet sein. Im Felsendom nebenan, dem Wahrzeichen Jerusalems, küssen und streicheln Pilger den Stein, auf dem der Legende nach Abraham beinah seinen Sohn Isaak geopfert hätte, und auf dem Allah sogar Adam, also die ganze Menschheit geschaffen haben soll.

Wem gehört Jerusalems Heiligtum? Den Muslimen oder den Juden? Wer in Jerusalem diese Frage stellt, setzt sich in ein wahres Wespennest. Der Filmemacher und SWR-Autor Uri Schneider hat es gewagt. Dabei heraus kam ein Film, der zeigt, dass sturer Glauben im Heiligen Land oft stärker ist als historische Tatsachen.


Di, 24. Nov · 01:55-03:40 · arte
Der werfe den ersten Stein

Die moderne Karrierefrau und Mutter Michale ist in Tel Aviv fest eingespannt in ihrer traditionell sephardischen Familie.

Michal ist 30, sie lebt in Tel Aviv und hat unglaublich viel um die Ohren. Die Sorge um ihren Sohn Nathi lässt sich oft nur schlecht mit ihrem Job vereinbaren. Sie arbeitet als Buchhalterin in der Kanzlei ihres Vaters, die für wichtige religiöse Institutionen die Buchhaltung übernimmt. Und seit Monaten betrügt sie ihren Ehemann. Das erfordert ein cleveres Zeitmanagement.

Das Kind, ihr Mann, die Arbeit, der Liebhaber – manchmal weiß Michale wirklich nicht, wo ihr der Kopf steht. Alles muss wie am Schnürchen klappen, denn schon eine kleine Verzögerung kann eine Kettenreaktion auslösen, deren verheerende Folgen sich Michale nur zu gut ausmalen kann. Als ihr Geliebter eines Tages bei einem Attentat sein Leben verliert, während er auf sie wartet, entgleitet Michale die Kontrolle über ihren durchorganisierten Alltag zwischen der Arbeit in der väterlichen Firma, den Pflichten als Mutter, Ehefrau und Tochter und dem Verlust des bisherigen heimlichen Lebens.

Hintergrundinformationen: Regisseur und Autor Raphaël Nadjari arbeitete als bildender Künstler und Schriftsteller, bevor er seinen ersten Film „The Shade“ (1999) drehte, für den er den ‚Silver Rosa Camuna‘-Preis auf dem Bergamo Film Meeting (2000) erhielt. „The Shade“ war auch auf den Festivals in Cannes (1999) und Deauville (1999) zu sehen. Mit seiner zweiten großen Regiearbeit, dem Super-8-Film „I am Josh Polonski’s Brother“ (2000), war Nadjari Gast des internationalen Forums der Berlinale (2001). Auch seine letzten beiden Filmarbeiten waren auf internationalen Festivals präsent: „Apartment 5c“ (2002) lief in der Sektion ‚Quinzaine des réalisateurs‘ in Cannes (2002), und „Der werfe den ersten Stein“ (2003) wurde auf der Berlinale (2004) mit hervorragendem Echo in der Sektion ‚Panorama Special‘ gezeigt. Nadjaris jüngste Produktionen sind „Tehilim“ (2007) und der Dokumentarfilm „Israels Kino erzählt“ (2009).

Hauptdarstellerin Asi Levi, die in dem Film Michale verkörpert, ist in Israel eine erfolgreiche Schauspielerin. Für ihre Mitwirkung in dem Film „Kesher Ir“ (1999) gewann sie den Preis der israelischen Filmakademie als beste Nebendarstellerin (1998). Es folgten die Filme „Haboleshet Hokeret“ (2000) und „Aviva Ahuvati“ (2006), für den Levi abermals den Preis der israelischen Filmakademie gewann und auf dem Filmfestival in Jerusalem ausgezeichnet wurde. Uri Gabriel, der Michales Vater Meir spielt, ist ein international gefragter Fernseh- und Kinodarsteller. Er wirkte u.a. in dem weltweit auf Festivals prämierten Film „Love sick“ (1995) von Savi Gavison mit, der vier Awards der Israelischen Filmakademie (1995) gewann, auf dem internationalen Filmfest in Mannheim/Heidelberg mit dem Publikumspreis (1996) und in São Paulo mit dem International Jury Award (1996) ausgezeichnet wurde.

Bestellen, für ca. 14.00 Euro — AWANIM

„Etwas zu lieben, ist sicherlich ein besonders guter Ansatz für einen Film, deshalb, unbedingt ansehen, ein Film mit Nachwirkung“, empfahl Gudrum Wilhelmy schon auf der Berlinale.


Di, 24. Nov · 13:15-16:05 · MGM
Das Urteil von Nürnberg

Vier ehemalige NS-Juristen stehen in Nürnberg vor Gericht. Den Vorsitz hat Richter Haywood (Spencer Tracy). Verteidigt werden die Männer von Hans Rolfs (Maximilian Schell). Drei von ihnen bekennen sich für „nicht schuldig“. Der vierte, Dr. Ernst Janning (Burt Lancaster), zeitweilig Justizminister unter Hitler, schweigt. – Bewegender, weltberühmter Gerichtsfilm.

24. Nov · 23:45-00:40 · HR
300 Juden gegen Franco

Jüdische Freiwillige aus Palästina im Spanischen Bürgerkrieg

Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg begann, verließen mehr als 300 Juden das britische Mandatsgebiet Palästina, um in den Internationalen Brigaden gegen den Faschismus zu kämpfen. Viele von ihnen waren jüdische Kommunisten und davon überzeugt, dass der Faschismus nicht nur das größte Übel für die Juden, sondern der Menschheit überhaupt sei. Diese Freiwilligen aus Palästina mussten sich mit dem Widerstand der zionistischen Gemeinschaft sowie der Kommunistischen Partei auseinandersetzen. Denn auch in Palästina wurde beim Aufbau der jungen Siedlungen und Kibbuzim jede Hand gebraucht – im „gelobten Land“ für einen jüdischen Staat zu kämpfen, hielten viele für wichtiger, als das Leben in der Fremde aufs Spiel zu setzen.

Auch die Familien der Freiwilligen verstanden diesen Einsatz oft nicht. Denn manche der engagierten Kämpfer waren ja gerade erst den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten in Deutschland entkommen, so wie der junge Deutsche Kurt Goldstein. Neben Goldstein – der Journalist und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist im September 2007 in Berlin gestorben – kommen in der Dokumentation „300 Juden gegen Franco“ weitere der letzten heute noch lebenden Freiwilligen und Familienangehörigen zu Wort, ergänzt von Filmausschnitten, Tagebuchauszügen, Briefen und Dokumenten.

Mi, 25. Nov · 21:45-22:45 · MDR Thüringen
Die Spur der Ahnen – Jede Familie hat ein Geheimnis

Der kleine Junge und die Nazis

Deutschland im November 1938. Spätestens nach der Reichspogromnacht ist klar, dass Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland schutzlos sind. Es ist die britische Regierung, die mit Hilfe einflussreicher Juden des Landes, binnen weniger Wochen eine bis dato einmalige Hilfsaktion initiiert. Möglichst viele jüdische Kinder und Jugendliche sollen vor dem Terror der Nazis gerettet werden.
Der Beginn einer Rettungsaktion, die unter dem Namen „Kindertransporte“ in die Geschichte eingehen wird. Unter strengen Auflagen duldet das Nazi-Regime diese Transporte. Die Kinder dürfen nur einen Koffer mitnehmen, Spielsachen im Gepäck sind streng verboten. Auch der Abschied von ihren Eltern ist genau reglementiert. Sie dürfen ihre Kinder nicht bis zum Bahnsteig bringen, eine tränenreiche Verabschiedung ist verboten. Dabei ist es für die meisten der letzte Abschied. Viele Eltern haben ihre Kinder, die sie in die Arme völlig fremder Menschen schicken mussten, nie wiedergesehen. Auch von Dresden, Leipzig und Magdeburg aus gingen damals Züge mit jüdischen Kindern zunächst in Richtung Amsterdam. Von dort aus wurden sie mit dem Schiff nach England gebracht. Einer von ihnen war der damals neun Jahre alte Hans Richard Levy aus Leipzig. Im Frühjahr 1939 brachte seine Mutter ihn zum Hauptbahnhof nach Leipzig. Dass sie ihn je wiedersehen würde, glaubte niemand. Nach eben diesem Hans Richard Levy sucht seine Verwandte Marianne Wintgen heute. In ihrer Familie wurde oft über den kleinen Jungen geredet, mit dem sie verwandt war, der über Nacht seine Familie verlassen musste. Was danach mit ihm geschah, blieb immer ein Geheimnis. Was ist aus Hans Richard Levy geworden? Hat er die Flucht überlebt und konnte er irgendwo anders auf der Welt ein neues Leben beginnen?

Do, 26. Nov · 13:00-13:45 · WDR
Das Tote Meer

Die Reise führt ins Heilige Land, in das Gebiet, wohin schon Abraham die Kinder Israels führte, wo Jesus lebte und starb, und wo Mohamed in den Himmel auffuhr. Und mitten in dieser Region, nicht weit von Bethlehem und Jerusalem entfernt, liegt das eigentliche Ziel: das Tote Meer.  Jahrtausendlang hielt man seine Ufer für verflucht, sah man in den gähnenden Abgründen der Randberge das Tor zur Hölle. Dieser Ruf der Gottverlassenheit wird durch Fakten untermauert: Das Tote Meer liegt 400 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Punkt aller Kontinente. Im Sommer klettern die Temperaturen auf weit über 40 Grad Celsius. Regen ist praktisch unbekannt.
Was aber dem Toten Meer zu seinem Namen verhalf, ist sein größter Fluch: Sein Wasser ist derart salzig, dass alle Fische darin zugrunde gehen. Dennoch kommen seit Urzeiten schon alljährlich unzählige Menschen, um sich in seinem Wasser treiben zu lassen, Erholung oder sogar Heilung zu finden.  Der Film erzählt die Entwicklung dieser Region in beeindruckenden Bildern. Wieder sind es raffinierte 3D-Computeranimationen, die längst Vergangenes lebendig machen und in Sekundenschnelle Jahrtausende überbrücken. In der geschickten Kombination von Trick- und Realaufnahmen offenbart sich das Tote Meer als ein faszinierender Ort sowohl sagenhafter Zivilisationen als auch Schauplatz erdgeschichtlicher Umwälzungen und großer menschlicher Konflikte. Das gilt für damals genau so wie für heute.

Do, 26. Nov · 22:00-00:00 · arte
C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben

In „C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben“ erzählt der kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée aus dem ungewöhnlichen Leben einer eigentlich gewöhnlichen Familie über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg, von 1960 bis 1980.  C.R.A.Z.Y. – das sind die Anfangsbuchstaben von Christian, Raymond, Antoine, Zachary und Yvan, den fünf Söhnen der Familie Beaulieu aus Montreal, Kanada.

Zachary ist der Zweitjüngste und ganz anders als seine Brüder. Kurz nach Mitternacht am Heiligen Abend 1960 geboren, wird er von Papa Gervais für ein musikalisches Genie gehalten, wohingegen Mama Laurianne davon überzeugt ist, ihr Sprössling könne durch bloße Gedankenkraft Krankheiten heilen. Und so wird der kleine Zac bei jeder Blessur im Freundes- und Familienkreis konsultiert. Der sensible Junge wächst zwischen katholischer Tradition, familiärer Enge und viel Musik, zwischen einer überfürsorglichen Mutter und einem ruppigen, aber auf seine Söhne stolzen Vater auf. Die meiste Zeit kämpft er um den Platz als Papas Liebling. Kein Wunder, dass seine älteren Brüder nicht gut auf den Wunderknaben zu sprechen sind. Immer wieder geraten Zac und vor allem Raymond, der Draufgänger, aneinander. So verschieden seine Söhne auch sein mögen, einen Grundsatz hat Vater Gervais allen eingebläut: „Sei bloß keine Schwuchtel!“ Und auch hier ist Zachary der Einzige, der früh erkennt, dass er anders ist. Die Jahre vergehen.

Zac ist ein junger Mann und seine Homosexualität, die nicht sein kann, weil sie nicht sein darf, macht sich immer deutlicher bemerkbar. Zwar hat er eine Freundin und versteht es, den coolen Macker zu mimen, aber hinter der Fassade hat Zac größte Mühe, seine Homosexualität vor seinem Vater und besonders vor sich selbst zu verbergen. Die Lebenslüge soll die innige Vater-Sohn-Beziehung nicht gefährden, aber ausgerechnet bei der Hochzeit seines Bruders Christian bricht Zac sein Schweigen. Vom Vater verstoßen, zieht der Sohn weit fort, den Wunschträumen der Mutter folgend bis ins Heilige Land Israel. Erst ein Unfall des mittlerweile schwer drogenabhängigen Raymond lässt die Familie ihre Diskrepanzen überdenken.

Hintergrundinformationen: Der Film ist zumindest teilweise autobiografisch. Biografische Bezüge von Koautor François Boulay fanden Eingang in das Drehbuch, und in der Figur des Zac spiegelt sich Manches aus dem Leben von Jean-Marc Vallée wieder, dessen Sohn Émile auch die Rolle von Zac als Kind übernahm. Der Film hat keine Scheu vor großen Themen: Coming-of-Age, Coming-out, der Fluch wie Segen von Familienbanden und nicht zuletzt religiöse Symbolik. Wie nebenbei greift „C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben“ dabei gekonnt Mythen, Moden wie auch Musik der damaligen Zeit auf, verliert sich dank der großartigen Schauspieler dennoch nie in diesen Details sondern schafft es, die vielfältigen Themen zu verknüpfen und sinnvoll zu Ende zu führen.

Regisseur Jean-Marc Vallée, Jahrgang 1963, studierte zunächst Film an der Universität von Montreal. Nach mehreren Kurzfilmen drehte er 1995 „Liste Noire“, seinen ersten abendfüllenden Spielfilm. Es folgten „Los Locos“ (1997) und „Loser Love“ (1999), aber während der zehn Jahre seit 1995 arbeitete er schon an „C.R.A.Z.Y. – Verrücktes Leben“, dem Film seines Lebens. Um die Musikrechte einiger Titel erwerben zu können, verzichtete Vallée dabei auf einen Großteil seiner Gage, da die 4 Millionen Dollar Produktionskosten sonst nicht ausgereicht hätten. Der Film wurde ein absoluter Überraschungserfolg und in Kanada vielfach geradezu mit Preisen überhäuft. So gewann er unter anderem den Preis als bester Kanadischer Spielfilm beim Internationalen Filmfestival von Toronto.

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In einem anderen Licht

Die wohlgeordnete Welt von Irène zerplatzt eines Tages wie eine Seifenblase: Ehemann Martin verlässt die über 50-Jährige wegen einer anderen, und sie erfährt, dass der, den sie dafür hielt, nicht ihr wahrer Vater ist.

Irène ist eine wohlsituierte Rechtsanwältin. Seit über 30 Jahren ist sie mit dem Bankier Martin verheiratet, mit dem sie zwei erwachsene Kinder hat. Eines Tages bricht ihre sichere Welt in sich zusammen: Sie hört ein Gespräch an, das versehentlich vom Anrufbeantworter aufgenommen wurde, und erfährt so, dass ihr Mann eine Affäre hat. Zunächst noch gefasst, versucht sie, den Alltag zu bewältigen, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Der endgültige Eklat passiert während eines Familienessens: Martin verkündet, dass er von nun an mit seiner Geliebten leben will. Gedemütigt verlässt Irène mitten in der Nacht das Haus und die Familie. Ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen, beschließt sie, einen Schlussstrich unter ihr bisheriges Leben zu ziehen.

Sie sucht Zuflucht in einem tristen Motelzimmer und erlebt den zweiten Schock dieses Abends: Aus dem Brief ihrer kranken Mutter, den sie eigentlich erst nach deren Tod lesen sollte, erfährt sie, dass ihr Vater nicht der Mann ist, der sie geliebt und aufgezogen hat. Ihr leiblicher Vater Samuel ist ein jüdischer Musiker, der vor den Nazis fliehen musste und nach dem Krieg nach Israel emigrierte. Trotz der Verunsicherung durch die verheerenden Erkenntnisse behält Irène die Fassung. Sie trifft den ehemaligen Geliebten Thomas wieder, der sie ermutigt, nach ihrem Vater zu suchen. In der Hoffnung, etwas über sich selbst zu erfahren, ringt sich Irène durch, die Suche nach Samuel aufzunehmen. Entschlossen folgt sie allein quer durch Europa seiner Spur, die über Wien nach Kroatien führt. Sie braucht keinen neuen Vater, aber Klarheit über ihre eigene Geschichte.

Hintergrundinformationen: „In einem anderen Licht“ von Alian Tasma erzählt die Geschichte einer starken Frau, die ihr Leben neu bewerten muss, nachdem sich ihre emotionale Umgebung völlig auf den Kopf gestellt hat. Die expressiven Melodien der Schubert- und Bachstücke die sie dabei hört, entfalten die Atmosphäre, in der Irène allmählich die Kraft findet, ihre eigene Identität und ihre Beziehungen zu allen ihren Nächsten von Grund auf zu überdenken. Der Film basiert auf dem Roman „Det andet lys“ Jens Christian Grøndahl, in Frankreich unter dem Titel „Sous an autre jour“, erschienen im Jahr 2005. Alain Tasma begann seine Karriere mit Verfilmungen der Kriminal-Serie „Maigret“ (1992).
Für ARTE realisiert er 1996 „Auf großer Fahrt“. Es folgten „Mata Hari – Die wahre Geschichte“ (2003) und „Nuit noire“ (2005), der 2006 mit dem Emmy prämiert wurde. Für seine Mini-Serie „A cran“ (2003) wurde er beim Fernsehfilm-Festival in Saint Tropez in den Jahren 2002 und 2004 ausgezeichnet. Die jüngsten Produktionen Tasmas sind „Leila – Die Tochter des Harki“ (2006) und „Ultimatum“ (2009), der in Frankreich demnächst zu sehen sein wird.

Die Schweizerin Marthe Keller hat neben der französischen auch die deutsche Fassung von „In einem anderen Licht“ selbst eingesprochen. Sie begann ihre Karriere als Schauspielerin nach einem Sturz, der ihre Zukunft als Tänzerin beendete. Ihre ersten Filme drehte sie mit Philippe de Broca in Frankreich: „Pack den Tiger schnell am Schwanz“ (1968) und „Wenn Marie nur nicht so launisch wär'“ (1970). Ab 1975 lebte und arbeitete sie in Hollywood. 1976 war sie an der Seite von Dustin Hoffmann in „Der Marathon-Mann“ (Regie: John Schlesinger) zu sehen. Im Jahr darauf spielte sie in Sydney Pollacks „Bobby Derfield“ als Gegenüber Al Pacinos. 1978 spielte sie mit Hildegard Knef in „Fedora“ (Regie: Billy Wilder). Gegen Ende der 90er Jahren war Keller abermals im französischen Kino zu sehen, zum Beispiel in „K – Das Zeichen des Bösen“ (1997, Alexandre Arcady) oder „Schule des Begehrens“ (1998, Regie: Benoit Jacquot). Zuletzt stand sie für Julien Leclerqs „Crysalis“ (2007) und für Michel Delgados „Bouquet final“ (2008) vor der Kamera.

Sa, 28. Nov · 00:30-02:15 · Das Erste (ARD)
Die Manns – Ein Jahrhundertroman
1/3

Teil 1 spielt in den Jahren 1923 bis 1933. Der Lübecker Kaufmannssohn Thomas Mann hat es mit seinem Familienroman „Die Buddenbrooks“ und seiner Meisternovelle „Der Tod in Venedig“ zu Ansehen und Wohlstand gebracht. Mit seiner Ehefrau Katia, deren Familie Pringsheim zu den reichsten Münchner Familien gehört, hat er sechs Kinder. Katia ist die Seele des großen Haushalts. Sie lenkt den Tageslauf und sorgt für Ruhe und Disziplin, wenn „Thommy“ nach strenger Selbstordnung in seinem Arbeitszimmer Tag um Tag fremde Welten und unerhörte Leidenschaften niederschreibt. „Der Zauberberg“ ist in Arbeit, ein Menschheitsroman über die abgeschlossene Welt einer Schweizer Lungenklinik. „Draußen“ wachsen die Kinder heran, experimentieren – besonders die Ältesten, Klaus und Erika – mit der Liebe; „draußen“ ist Inflation – und Katia sorgt dennoch für einen reibungslos funktionierenden Haushalt. Thomas Mann ist in sich gekehrt, aber aus der Distanz beobachtet er seine Familie genau. Das hochbegabte Geschwisterpaar Klaus und Erika geht bald eigene Wege, stürzt sich ins Leben und in die Kunst. Sie entziehen sich der übermächtigen Persönlichkeit ihres Vaters und leben zuerst in Hamburg, dann in Berlin. An den Hamburger Kammerspielen wird Klaus‘ Drama „Anja und Esther“ uraufgeführt. Gemeinsam mit Pamela Wedekind und Gustaf Gründgens sorgen die begabten Dichterkinder für Schlagzeilen in der Klatschpresse. Auch ihre privaten Beziehungen erscheinen verwirrend: Klaus und Gustaf, Pamela und Erika – wer mit wem? Schließlich heiraten Erika und Gustaf und geben dem Ganzen den erwünschten bürgerlichen Deckmantel. Doch die Hochzeit, im großen Familienkreis zelebriert, ist für das Brautpaar ein „halber Jux“. Nach einem knappen Jahr zerbricht die Ehe. Gemeinsam mit Schwester Erika begibt sich Klaus auf eine halbjährige Lesereise durch die Vereinigten Staaten. Mondän und ungezwungen im Auftritt, genießen die „Mann-Twins“ die Zeit völliger Unabhängigkeit als Befreiung von der Familie. Von 1928 an lebt Klaus Mann vorwiegend in Berlin und schreibt dort Zeitgeistartikel über das moderne Großstadtleben und seine ausgeprägte Sehnsucht nach einem europäischen Weltbürgertum. Er experimentiert mit Drogen, stürzt sich in das Berliner Nachtleben und hat wechselnde Affären mit jungen Männern. Anders als sein Sohn Klaus diszipliniert und sublimiert der Vater seine Liebe zu jungen schönen Männern. Er widersteht der Verführung und gewinnt dadurch ein starkes Motiv für seine Arbeit. Dennoch befällt ihn immer wieder jener Zauber, der auch sein heimliches Lebensthema ist. Als Thomas Mann während eines Sommerurlaubs auf Sylt 1927 dem 17-jährigen Klaus Heuser begegnet, wirft ihn die unverhoffte Leidenschaft fast aus der Bahn -, und nur Ehefrau Katia ahnt und toleriert diese ergreifende, ungelebte Liebesgeschichte. Thomas lädt Klaus Heuser auf einen Besuch nach München ein. Dort nähert er sich ihm einmal – nicht nur im Traum … Thomas Manns älterer Bruder Heinrich ist ebenfalls Schriftsteller. Vor allem der Roman „Der Untertan“ ist ein großer Erfolg. Das Verhältnis der beiden Brüder ist voller politischer und privater Spannungen. Anders als Thomas ist Heinrich ein bekennender Sozialist und Europäer; anders als der lebensferne Thomas genießt Heinrich derbe, volkstümliche Frauen, die von den Manns kopfschüttelnd „Heinrich-Bräute“ genannt werden. Seit 1928 lebt Heinrich mehr und mehr in Berlin, getrennt von Frau und Tochter. Dort sind bald die Vorbereitungen für die Verfilmung seines Romans „Professor Unrat“ in vollem Gang. Für die Figur der Rosa Fröhlich favorisiert Heinrich seine Geliebte, die Chansonniére Trude Hesterberg, aber Regisseur Josef von Sternberg besetzt die Rolle der Lola mit der unbekannten Marlene Dietrich. Nach außen distinguiert und reserviert, verkehrt Heinrich regelmäßig in Berliner Kabaretts und Eckkneipen und lebt ganz dem Augenblick. So lernt er die ebenfalls aus seiner norddeutschen Heimat stammende Amüsierdame Nelly Kröger kennen; die beiden verlieben sich ineinander.

Für die Familie ist die Liaison mit der drallen, vollbusigen Schönheit, die dem alternden Schriftsteller Vorbild für eine seiner großen Frauenfiguren in seinem Meisterwerk „Henri Quatre“ wird, ein Skandal. Die wachsende Präsenz der Nationalsozialisten verändert die Situation aller Familienmitglieder. Während einer Rede im Oktober 1930 in Berlin wird Thomas Mann von in Smokings verkleideten SA-Leuten ausgebuht. Für Thomas Mann ist das eine beklemmende Situation, weil er noch im November 1929 bei der Verleihung des Nobelpreises die deutsche Kulturnation mit großen Worten beschworen hatte. Das politische Klima wird kämpferischer – Katia Mann spürt es. Für Klaus und Erika allerdings gehen ihre Lebensexperimente, die auch Drogenexperimente sind, vor; die Realität bricht ein, als sich der engste Jugendfreund, der jüdische Maler Ricki Hallgarten, erschießt. Golo, der scheue Bruder, nimmt die Nazis sehenden Auges wahr – er ist der Realist in der Familie. Im Februar 1933 tritt Thomas Mann mit seiner Frau Katia eine Lesereise an, von der er niemals wieder nach München zurückkehren sollte. Nach ihrer Abreise geben die Mann-Kinder ein Faschingsfest, auf dem die Bohéme den Erfolg des Kabaretts „Die Pfeffermühle“ feiert – eine Unternehmung von Erika Mann und ihrer Freundin, der Schauspielerin Therese Giehse. Auf dem Fest sind auch die herangewachsene Elisabeth und ihr unberechenbarer Bruder Michael, der stets ernste Golo und die vereinsamte Monika. Eine merkwürdige Stimmung herrscht in den großbürgerlichen Räumen – etwas geht zu Ende, und im Souterrain rüstet sich bereits der Fahrer für den Sieg der Nazis. Heinrich Mann, der sich an kommunistischen Agitationsveranstaltungen und Gewerkschaftskongressen beteiligt hat, steht bei den Nazis auf der schwarzen Liste; er setzt sich drei Wochen nach der endgültigen Machtergreifung in den Zug nach Paris – ohne großes Gepäck, ohne Rückfahrschein. Seine geliebte Nelly lässt er am Anhalter Bahnhof zurück … (Teil 2 wird am Sonntag, 29. November, Teil 3 am Freitag, 4. Dezember, ausgestrahlt.)

So, 29. Nov · 00:40-01:25 · NDR
Die Juden – Geschichte eines Volkes

1/5, Exodus
Die erste Folge führt zurück zu den Ursprüngen des jüdischen Volkes in Ägypten und schildert den Mythos vom Exodus, dem Weg ins „Gelobte Land“. Die erste jüdische Nation entsteht, die zunächst von Richtern, dann von legendären Königen wie David und Salomon regiert wird. Die Dokumentation zeigt, wie die Juden vom Babylonischen Exil aus zurück in ihre Heimat kehren und den Wiederaufbau Jerusalems zu einem reichen und prächtigen Zentrum. Doch die Unabhängigkeit dauert nur kurze Zeit. Wieder wird das Land von mächtigeren Völkern erobert.

Auf Alexander den Großen und seine Erben folgen die Römer. Dem von den Römern eingesetzten König Herodes gelingt es, das Land zu einen. Er errichtet einen Tempel, dessen Pracht in aller Welt gerühmt wird. Hintergrundinformationen: Eine fünfteilige Dokumentationsreihe folgt den Spuren historischer Figuren, die Zeugen wichtiger Ereignisse der jüdischen Geschichte waren – von der Antike bis in die Gegenwart. Der Glaube an den einen Gott und die Tora, die fünf Bücher Mose, stehen im Zentrum des jüdischen Glaubens.

So, 29. Nov · 01:50-03:20 · BR
Mein Vater, meine Frau und meine Geliebte

Erzählt wird die Geschichte eines selbstlosen jungen Arztes, der von zwei Frauen hintergangen und betrogen wird. Selbst sein Vater schreckt nicht davor zurück, ihn um den Ruhm einer medizinischen Entdeckung zu bringen.

Die Geschichte beginnt nach der Jahrhundertwende, vor Ausbruch des 1.Weltkriegs und endet in der Zwischenkriegszeit. Im Mittelpunkt stehen Maximilian und Ernst Weiß: Maximilian ist ein patriarchalischer, autoritärer Vater und berühmter Augenarzt, bei dem sich Geldgier, hohe ärztliche Kunst, Skrupellosigkeit und Kälte mit dem Charme eines risikofreudigen Genies mischen. Der Sohn Ernst, ebenfalls Arzt, ist jemand, der immer sein Möglichstes tut und dennoch auf der Strecke bleibt. Immer wieder wird er von seinem über alles geliebten Vater enttäuscht – so macht dieser ihm eine wichtige medizinische Erfindung und damit die heißersehnte Anerkennung streitig. Und er steht zwischen zwei Frauen: Da ist einmal die lebenstüchtige und skrupellose Vally, das ehemalige Dienstmädchen seiner Eltern, das ihn mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft zur Heirat zwingt. Und da gibt es seine Geliebte, die wunderschöne polnische Komtess Eveline, die von ihm schwanger wird.
Als sie bei der Geburt stirbt, stellt sich jedoch heraus, dass das Kind nicht von ihm ist. An der Front wird Ernst schwer verwundet, verliert beinahe ein Bein.

Nach dem Krieg kehrt er nach Hause zurück, um sich um den nach einem Schlaganfall bettlägerigen Vater zu kümmern. Er übernimmt dessen Praxis und nimmt Vally wieder als seine Ehefrau auf. Sein Vater hatte sie längst als Dienerin zurückgeholt und alles in ihre Hände gelegt. Vally kümmert sich rührend um das mutterlose Neugeborene und sorgt für eine angenehm familiäre Atmosphäre – eine Art spätes Glück scheint Ernst doch noch zu winken.

Hintergrundinformationen: Michael Kreihsl schrieb und inszenierte dieses Drama um einen guten Menschen, dem übel mitgespielt wird, nach Motiven des Romans „Der arme Verschwender“, 1935 von dem Schriftsteller und Arzt Ernst Weiß im Pariser Exil geschrieben – fünf Jahre bevor er beim Einmarsch der Deutschen Selbstmord beging.

Regisseur Michael Kreihsl – Jahrgang 1958 – schrieb selbst den 1936 erschienenen fiktiv autobiografischen Roman „Der arme Verschwender“ – von Alfred Döblin und Thomas Mann auf eine Stufe mit Joseph Roths „Radetzkymarsch“ und Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ gestellt – zum Drehbuch um. „Ernst ist ‚der arme Verschwender‘: Er verschwendet seine Liebe an seinen Vater und zwei sehr unterschiedliche Frauen, er verschwendet auch sein Talent. Er verschwendet sich selbst. Ein anständiger, selbstloser Mensch, der sich und seine Interessen immer zugunsten anderer zurückstellt, der die Menschen um sich herum damit beinahe dazu einlädt, ihn zu betrügen. Das tun sie denn auch, und doch behauptet er sich am Ende“ (Presseheft).

Informationen zu Ernst Weiß: 1882 im mährischen Brünn als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren, verliert Ernst Weiß schon mit vier Jahren seinen Vater. Nach dem Abitur beginnt er sein Medizinstudium und promoviert 1908. Er arbeitet als Chirurg von 1908 bis 1913 in Bern, Berlin und Wien, fährt 1913 nach einer überstandenen Lungentuberkulose als Schiffsarzt nach Japan und Indien. Im selben Jahr erscheint sein Debütroman „Die Galeere“ und er lernt Franz Kafka kennen. 1914 wird er als Regimentsarzt eingezogen. 1916 kommt sein zweiter Roman „Der Kampf“ heraus, 1918 „Tiere in Ketten“. 1919 erlebt er in Prag die Uraufführung seines Dramas „Tanja“: in der Titelrolle seine große Liebe Rahel Sanzara.

So, 29. Nov · 04:25-05:10 · NDR
Marianna und Arkadi – eine jüdische Hochzeit in Deutschland

Auf ihre Hochzeit bereiten sie sich schon seit Monaten vor, die Brautleute Marianna und Arkadi. Denn den Bund fürs Leben schließen sie in Berlin nach streng orthodox-jüdischer Tradition. Als die beiden vor Jahren mit ihren Eltern aus der früheren Sowjetunion nach Deutschland kamen, hatten sie nur wenig Ahnung vom Judentum. Und so schnell sie sich auch in die deutsche Gesellschaft integrierten – beide studieren in Berlin – zur Entdeckung ihrer jüdischen Identität brauchten sie länger. Inzwischen haben sie sich der erst vor wenigen Jahren in Deutschland wieder aufgelebten modernen jüdischen Orthodoxie angeschlossen, in deren Tradition wollen sie heiraten. Und das ist auch unter Juden in Deutschland noch ein ungewöhnlicher Weg.

Autor Günther B. Ginzel hat sie dabei begleitet, von der Auswahl des Hochzeitskleides bis zum Besuch der Talmudschule, vom Backen der streng koscheren Hochzeitstorte bis zum Segensspruch des Rabbiners unter dem Traubaldachin. Selbstverständlich haben Marianna und Arkadi auch all ihre nichtjüdischen Freunde eingeladen. Aber vor der Hochzeit gibt es keinen Polterabend, sondern eine Zeit der Einkehr mit Fasten, Lernen und Beten. Aber dann, wenn der Rabbiner endlich seinen Segen gegeben hat, wird auch kräftig gefeiert – wenn auch streng nach Geschlechtern getrennt.

So, 29. Nov · 21:15-23:15 · arte
Monsieur Klein

Paris 1942, die Stadt ist von den Deutschen besetzt: Die jüdische Bevölkerung erleidet im Alltag zunehmend offene Diskriminierung.

Eines Tages erhält der Kunsthändler Robert Klein eine an ihn adressierte Ausgabe einer jüdischen Zeitung, die nur über Abonnement zu erhalten ist. Überzeugt davon, dass es sich um einen Irrtum handelt, bittet er den Zeitungsverlag, die Lieferung der Zeitung einzustellen. Denn Klein ist – anders als es sein Name vermuten lässt – kein Jude, sondern elsässischer Katholik. Allerdings muss er feststellen, dass nun das Generalkommissariat für Judenfragen der Pariser Präfektur auf ihn aufmerksam geworden ist, das bei der Registrierung der Juden auf die Adressliste der Zeitung zurückgreift.

All seine Bemühungen, das Missverständnis aufzuklären, erhärten nur den Verdacht der französischen Polizeibehörden. Bei eigenen Nachforschungen findet Robert Klein heraus, dass es sich um keine einfache Verwechslung handelt, sondern dass sich ein jüdischer Widerstandskämpfer, der in den Untergrund abgetaucht ist, seines Namens bedient. Die französische Polizei nimmt ihn immer mehr in die Zange und Klein sieht sich genötigt, zu seinem Vater nach Straßburg zu reisen um mittels Geburtsurkunden seine rein französische Herkunft zu beweisen. Zurück in Paris versucht er wie besessen, den anderen Robert Klein ausfindig zu machen.
Bei einer von der französischen Polizei organisierten Razzia wird er gemeinsam mit tausenden Juden festgenommen. Zwar gelingt es seinem Anwalt einen „Ariernachweis“ zu der Sammelstelle zu bringen, doch hat er keine Möglichkeit mehr, diesen Robert Klein auszuhändigen, der von der Menschenmenge in die Zugwaggons gedrängt wird, die in Richtung Konzentrationslager abfahren.

Hintergrundinformationen: Am 16. Juli 1942 verhaftete die französische Polizei in Paris auf Befehl der deutschen Besatzer über 12.000 ausländische Juden. Über die Hälfte von ihnen wurden fünf Tage lang unter widrigsten Umständen im „Velodrom d’Hiver“ festgehalten, bevor sie in deutsche Konzentrationslager abtransportiert wurden. Der Film „Monsieur Klein“ sorgte unter anderem deswegen für Aufsehen, weil er zum ersten Mal die größte von der französischen Polizei organisierte Massenverhaftung thematisierte. Der französische Staat bekannte sich erst 1995 zu seiner Mitschuld an dieser Razzia, die den Tod tausender Menschen zur Folge hatte.

So, 29. Nov · 23:15-00:15 · arte
Der Schatz des Hauses Atkin

Der Engländer Mark Atkin reist auf der Suche nach seiner jüdischen Vergangenheit und dem Familienschatz, von dem ihm sein Vater erzählt hatte, ins polnische Lodz. Am 1. September 1939 marschieren deutsche Soldaten in Polen ein. Jack Atkin ist Manager einer familieneigenen, erfolgreichen Gummifabrik. Ihm bleiben nur wenige Stunden, um sein Hab und Gut auf seinem Grundstück in Lodz zu vergraben und selbst in einem alten, rostigen Auto nach London zu fliehen. Er ist der einzige, der weiß, wo der Schatz liegt. Später gibt er das Geheimnis an seinen Sohn David weiter.

70 Jahre später begibt sich Jack Atkins Enkel Mark auf eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit seiner Familie und auf eine ganz persönliche Schatzsuche. In Los Angeles findet Mark Atkin einen Teil der Familie. Er erfährt Details über das, was Krieg, Flucht, Vertreibung und Holocaust unter seinen Angehörigen angerichtet haben. Und er entdeckt faszinierende Bruchstücke einer Geschichte, die im lettischen Riga beginnt und über Lodz, London und Kuba in die USA führt. Mark Atkin macht sich auf den Weg in die einst blühende polnische Industriemetropole Lodz. Er findet das Haus, das früher seiner Familie gehörte. Doch der Weg zum lang ersehnten Schatz bleibt versperrt, das große Familienanwesen steht heute unter militärischer Verwaltung. Dort, wo der Goldschatz vermutet wird, betreibt der Geheimdienst angeblich ein Labor. Die Hürden für Mark Atkin und seine inzwischen angereiste Familie scheinen unüberwindlich, aber er gibt nicht auf und versucht schließlich – am Rande der Legalität – das vergrabene Familiengold zu bergen. Filmemacher Jerzy Sladkowski entführt den Zuschauer in die Geschichte der europäischen Juden und zeigt die Versuche, zahlreichen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Längst Vergangenes gewinnt plötzlich eine faszinierende Aktualität.

Hintergrundinformationen: In seiner dokumentarischen Erzählung illustriert Jerzy Sladkowski die historischen Rückblenden durch künstlerische Animationen und beobachtet die Protagonisten detailreich und mit ganz besonderem Blick. So gelingt es ihm leichtfüßig und mit viel Herz und Humor, eine Saga über „den Schatz des Hauses Atkin“ – ein modernes Märchen und eine emotionale Reise mit unerwarteten Komplikationen – zu erzählen. Für seinen Dokumentarfilm „Schwedischer Tango“ erhielt Jerzy Sladkowski im Jahr 2000 den Adolf-Grimme-Preis und den Preis der International Documentary Association. Außerdem bekam er 1996 für „Vendetta – Blutrache in Albanien“ den Europäischen Filmpreis für den besten Dokumentarfilm.


Mo, 30. Nov · 22:00-22:45 · Das Erste (ARD)
Der Fall Ivan Demjanjuk

NS-Verbrechen vor Gericht
Film von Frank Gutermuth, Sebastian Kuhn und Wolfgang Schoen

Am Montag, 30. November 2009, beginnt vor dem Münchner Schwurgericht der vielleicht letzte große NS-Prozess in der Bundesrepublik. Angeklagt ist der in der Ukraine geborene Ivan Demjanjuk. Er ist mittlerweile 89 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als Wachmann in dem von der SS geführten Vernichtungslager Sobibor Beihilfe zum Mord an 27.900 Menschen geleistet zu haben.

Die Angehörigen der Opfer erhoffen sich von dem Prozess Gerechtigkeit und Klarheit über das, was dort in den Jahren 1942/43 geschah. Der Film folgt den Spuren des Ivan Demjanjuk von seiner ukrainischen Heimat über das Kriegsgefangenenlager in Chelm bis zum Lager Trawniki, in dem er mutmaßlich zum SS-Helfer ausgebildet wurde. Thomas Blatt, einer der wenigen Sobibor-Überlebenden, erzählt, was in dem Vernichtungslager wirklich geschah und welche Aufgaben die ukrainischen Wachmänner, die sogenannten Trawniki, dort erfüllten. Der Film zeigt, wie Ivan Demjanjuk nach dem Krieg in die USA ging, wo er zunächst ein ruhiges, bürgerliches Leben führte, dann aber vom amerikanischen OSI (Office of Special Investigations) verdächtigt wurde „Ivan der Schreckliche“ zu sein, ein sadistischer Aufseher, der im Vernichtungslager Treblinka Häftlinge brutal misshandelt und eigenhändig ermordet haben soll.

Er wurde nach Israel ausgeliefert und in einem aufsehenerregenden Prozess zum Tod durch den Strang verurteilt. Aber das Oberste Gericht in Israel hob das Urteil auf, nachdem Recherchen ergeben hatten, dass nicht Ivan Demjanjuk, sondern ein anderer „Ivan der Schreckliche“ ist. Demjanjuk kehrte in die USA zurück, obwohl aufgrund seines SS-Ausweises bereits bekannt war, dass er in Sobibor Dienst getan hatte. Aber jetzt fand er hier keine Ruhe mehr. 2001 strengte das OSI einen neuen Prozess an, diesmal in den USA. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Demjanjuk in verschiedenen Lagern Dienst getan hatte, darunter auch in Sobibor. Daraufhin wurde ihm die US-Staatsbürgerschaft aberkannt.

Im März 2009 erließ die Staatsanwaltschaft München aufgrund von Ermittlungen der „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ Haftbefehl gegen Ivan Demjanjuk. Sie ist überzeugt, dass der gebürtige Ukrainer in Sobibor von den Deutschen als SS-Wachmann eingesetzt und an der Vernichtung tausender Juden beteiligt war. Nun soll er sich dafür vor Gericht verantworten. Bei dem Prozess in München geht es aber nicht nur um Schuld oder Unschuld des Angeklagten Ivan Demjanjuk, es geht auch um die Glaubwürdigkeit der deutschen Justiz bei der Verfolgung von NS-Verbrechen. Deutsche SS-Männer mit einem vergleichbaren Rang wie Demjanjuk, die in Sobibor oder in anderen Vernichtungslagern Dienst taten, wurden von westdeutschen Gerichten nur dann verurteilt, wenn ihnen konkrete Mordtaten oder die Teilnahme an Exzessen nachgewiesen werden konnten. Sonst wurden sie freigesprochen. Im Fall des Ivan Demjanjuk ist die Beweislage dünn, das räumen sogar die Ermittler der Zentralen Stelle ein. Der SS-Ausweis Demjanjuks und Verlegungslisten sind die einzigen Beweise und die zeigen nur, dass Demjanjuk 1943 in Sobibor war, nicht, dass er dort eigenhändig getötet hat.

Der Niederländer Christiaan F. Rüter, einer der profiliertesten Kenner der juristischen Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Deutschland, hält eine Verurteilung Demjanjuks deshalb für sehr unwahrscheinlich. Christiaan F. Rüter: „… es ist mir völlig schleierhaft, wie irgend jemand, der die deutsche Rechtsprechung bis jetzt kennt, meinen kann, dass man … Demjanjuk bei dieser Beweislage verurteilen kann.“ Folgt das Gericht der jahrzehntelangen Rechtspraxis in der Bundesrepublik, kann es Demjanjuk aufgrund dieser Beweislage nicht verurteilen. Tut es das doch, dann verstößt es gegen das Gleichheitsprinzip und die deutsche Justiz muss sich fragen lassen, warum all die anderen NS-Täter nicht verurteilt wurden. Wird Demjanjuk aber freigesprochen, wird sie viel Kritik einstecken müssen für den fragwürdigen und außerhalb Deutschlands immer wieder kritisierten schonenden Umgang mit NS-Tätern.

Christiaan F. Rüter: „Wird verurteilt, dann frag ich, wo sind die tausend deutschen KZ-Bewacher? Wird nicht verurteilt, dann wird klar, dass alle Deutschen noch Nazis sind. Dieses Verfahren kannst du politisch nicht gewinnen.“ Damit scheint ein Verlierer des Prozesses bereits festzustehen: die deutsche Justiz. Warum aber hat die Zentrale Stelle die Ermittlungen gegen Demjanjuk vorangetrieben und sie an die Staatsanwaltschaft weitergegeben, obwohl sie davon ausgehen musste, dass die Beweise nach der bisherigen Rechtspraxis für eine Verurteilung nicht ausreichen würden? Weil es keinen Anspruch auf „Gleichheit im Unrecht“ gebe und sich Demjanjuk deshalb vor Gericht verantworten müsse, so eine Vertreterin der Zentralen Stelle.
Kirsten Goetze: „Da gab es andere Verfahren, die vielleicht nicht … meinem Rechtsverständnis entsprechend abgeschlossen worden sind. Es würde dann sicher auch die Frage aufwerfen, ist es gerecht, wenn man Ivan Demjanjuk nicht verfolgen würde. Er hat, um das juristisch auszudrücken, keinen Anspruch … auf eine Gleichheit im Unrecht.“
Der Rechtsexperte Christiaan F. Rüter sieht noch einen anderen Grund. Für ihn ist die Zentrale Stelle im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens in Schwierigkeiten. In den letzten 20 Jahren sei den Ludwigsburger Ermittlern, die Jahrzehnte erfolgreich nach NS-Tätern gesucht hatten, kein wirklich großer Fisch mehr ins Netz gegangen.

Weil die meisten NS-Täter mittlerweile gestorben seien, hätten sie Probleme, ihre Behörde zu legitimieren. Deshalb, so Rüter, hätte die Zentrale Stelle den Fall des kleinen Wachmannes Ivan Demjanjuk genutzt, um rechtzeitig zur Feier ihres 50-jährigen Bestehens noch einmal groß in die Schlagzeilen zu kommen. Dass Demjanjuk immer noch der Ruf anhaftet, „Ivan der Schreckliche“ zu sein, sei da gerade recht gekommen.
Christiaan F. Rüter: „Die Zentrale Stelle braucht einen Posaunenstoß, um davon abzulenken und ihr 50-jähriges Bestehen zu feiern. Dazu ist Demjanjuk ungewöhnlich geeignet, denn anders als all die kleinen deutschen Demjanjuks und die kleinen ukrainischen Demjanjuks, die unbehelligt in der Bundesrepublik leben, klebt an diesem Demjanjuk noch immer „Ivan der Schreckliche“, obwohl er es nicht war.“ Damit ist der Prozess gegen Ivan Demjanjuk auch zum Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der Zentralen Stelle geworden.