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Ich werde niemals nach Berlin fahren

Anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls widmet Jedioth Achronoth seine Tourismusbeilage „Maslul“ der Stadt Berlin. Titel der Beilage: We take Berlin. Eldad Beck schreibt über die blühende „Nostalgie-Industrie“ im Osten der Stadt, Jonathan Levy zu den „heißesten Veranstaltungen, Bars und Klubs“, Dani Sade schreibt über das Hotelangebot in Berlin. Fotos von Ostberliner Straßen kurz nach der Einigung und heute ergänzen die Beilage. Doch es gibt auch einen kritischen Beitrag…

Ich werde niemals nach Berlin fahren, von Schoschana Chen

Mich werdet ihr niemals in Berlin finden. Auch in keiner anderen deutschen Stadt. Der 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer lässt mich unberührt, so auch die Nachricht, dass der israelische Tourismus Berlin der zweit stärkste der Welt ist. Der Grund ist wahrscheinlich, dass meine Eltern auf eine etwas andere Art nach Deutschland kamen. Meine Mutter im „Todesmarsch“ von Auschwitz nach Ravensbrück, und mein Vater in einem Güterwaggon von Polen nach Buchenwald. Den Geschmack dieses Familienausflugs haben sie Zeit ihres Lebens nicht vergessen.

Mein Fuß wird diesen verfluchten Boden niemals betreten. Und aus meiner Sicht bleibt Berlin auch 70 Jahre später verflucht. Ich werde nie nach Berlin fahren, auch wenn diese Erklärung vielen lächerlich erscheinen mag. Man sagt, die Rückkehr der Israelis und Juden symbolisiere eine Art von Sieg, vielleicht sogar Rache. Dem stimme ich nicht zu.

Ich glaube, dass ein Volk, dass ein anderes Volk vernichtet, obwohl es ihm nie etwas getan hat, ein von Grund auf verdorbenes Volk ist. Seine Landschaft ist nicht meine Landschaft. Der Fall der Mauer ist mir völlig egal. Der Wiederaufbau Deutschlands, seine Schönheit und seine Errungenschaften sind mir ebenfalls egal. Die Narben, die dieses verfluchte Volk bei mir hinterlassen hat, sind zu tief.

Und deshalb fahre ich nicht nach Berlin, auch wenn ich vielleicht der letzte Mohikaner bin, der keinen Fuß auf deutschen Boden setzt.

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv