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Juden auf den griechischen Inseln: Rhodos

Rhodos im Ägäischen Meer wies bereits im 2. vorchristlichen Jahrhundert eine jüdische Einwohnerschaft auf. Sie zählte um 1170 immerhin an die 5oo Seelen. Hundert Jahre später fanden hier unter sarazenischer Herrschaft aus Tarragona (in Spanien) eingewanderte Juden Zuflucht…

Dr. Mark Wischnitzer, Die Juden in der Welt: Die Inseln des Mittelmeers

Rhodos

Bis in die neueste Zeit bezeugte die Straße „Evriaka“ im Dorfe Mallona unweit der Stadt Rhodos die Existenz einer jüdischen Niederlassung vor der Eroberung der Insel durch den Johanniterorden, das heißt vor 1309. Aus Spanien dürften die Juden die Tucherzeugung nach Rhodos eingeführt haben, eine Kunstfertigkeit, die den Ruf der Insel als einer Rivalin von Saloniki begründete. Auch die Gerberei war auf Rhodos ein spezifisch jüdisches Gewerbe.

Obadja Bertinoro, der sich 1488 auf seiner Jerusalemreise auf Rhodos aufhielt, machte folgende Beobachtungen: „Die Juden, die in Rhodos nach heftigen Kämpfen zwischen den Türken und dem Johanniterorden geblieben sind, sind nicht zahlreich. Es sind im ganzen 22 Familien, alle arm. Sie ernähren sich kümmerlich mit Gemüse, und nie kommt Brot und Fleisch in ihren Mund, denn sie schlachten nie und kaufen auch keinen Wein, aus Furcht, Unannehmlichkeiten mit den Griechen zu haben. Wenn sie etwas auf dem Markte kaufen, so berühren sie nichts, was den Griechen gehört, sie beobachten ebenso streng das Weingesetz, wie das des Schweinefleisches. Sie sind gescheit und gebildet, sprechen eine reine Sprache, sind wohlgesittet und höflich; selbst die Gerber sind stets sauber gekleidet und sprechen ordentlich. Sie lassen alle ihre Haare lang wachsen und sind schön von Gestalt. Es gibt keine schöneren Frauen als in Rhodos. Allerlei Kunstarbeiten machen sie für die Acomodoren (die Herren des Landes), damit ernähren sie ihre Männer.“

Unter der Türkenherrschaft erfolgte der Zuzug von Juden aus Saloniki. Auch die neuen Einwanderer waren, soweit nicht im Handel tätig, Handwerker und Gewerbetreibende. Im Hafen gab es jüdische Schiffer und Lastträger in nicht geringer Zahl.

Die Quellen berichten von einer lebhaften Synagogenbautätigkeit im 15. und 16. Jahrhundert. Die älteste dreischiffige Synagoge datiert aus der Zeit der Ordensritter.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert ging von Rhodos eine Auswanderung nach dem asiatischen Festland vor sich. Immerhin zählte die Insel noch 4.ooo Juden gegenüber einer Gesamtbevölkerung von 3o.000. Seither ist ihre Zahl nicht unerheblich zurückgegangen.

Jedoch läßt sich in neuester Zeit in Rhodos ein kultureller Aufstieg beobachten. 1927 wurde eine Rabbinerhochschule gegründet, die auch weltliches Wissen, darunter italienische Sprache und Literatur, vermittelt und die Gemeinden mit geistlichen Führern versorgen soll (Anm. damals war Rhodos italienisch). Der Leiter des Instituts ist, und das kennzeichnet den Geist der Zeit, Talmudgelehrter und Doktor der Rechte der Universität Zürich.

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