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Teheran – Ankara: Die Türkei nähert sich der Achse des Bösen

Avigdor Liebermann spielte Erdogan in die Hände, als er in einer seiner Reden den Abwurf amerikanischer Atombomben auf japanische Städte lobte. Mag sein, dass die Formulierung etwas problematisch war, aber kein fairer Politiker hätte dies dahingehend ausgelegt, dass Israel beabsichtigt, die Hamas in Gaza mit Atomwaffen anzugreifen. Aber Erdogan scheint nicht fair zu sein…

Während türkische und israelische Soldaten gestern gemeinsam im Roten Meer Minenbergung übten, hielt sich der türkische Premier Erdogan zu einem Treffen in Teheran auf. Er kam mit dem Ziel nach Teheran, ein großes Geschäft mit den Iranern zu unterzeichnen. Der iranische Präsident Ahmadinedschad nützte die gemeinsame Pressekonferenz, um das anti-israelische Image seines türkischen Gastes noch zu verstärken.

Dan Margalit kommentiert in Israel haJom die Annäherung Erdogan – Achmadinedjad

Die türkische Demagogie ist kein Ausdruck dafür, dass man den Verstand verloren hat. Sie ist völlige Absicht, und sie wird mit klarem Kopf betrieben. Denn die anti-jüdischen Ritualmordvorwürfe sind für jeden Händler in der muslimischen Welt bare Münze, selbst in der Türkei, die in ihren Beziehungen zu Israel moderate Ansichten vertat.

Ankara hat die Seiten gewechselt

Israel ist nicht der Grund für die Veränderung, die sich in Ankara vollzieht, sondern die Ausrede. Erdogan ist über die EU wütend, die es nicht eilig hat, sein Land in ihre Reihen aufzunehmen, und über Israel enttäuscht, dem es nicht gelungen ist, seine Lobbys für diesen Zweck zu mobilisieren. Als Vergeltung wendet er sein Land nun dem Iran zu und geht dabei sogar so weit, sich an der iranischen Atom-Täuschung zu beteiligen.

Erdogan, der neue Freund des Iran

Der türkische Premier hat den Iran aus seiner Isolation befreit, und niemand wehrt sich dagegen. Der Schaden macht sich bereits dadurch bemerkbar, dass die arabischen Staaten sich weigern, den Friedensprozess zu unterstützen, den Präsident Obama anführt. Wenn ein Staat im persischen Golf durch einen Parlamentsbeschluss Kontakte mit Israelis verbietet, dann kann man erkennen, wie groß der Schaden ist, den Erdogan anrichtet.

Hin und wieder gibt es noch ein Aufflackern türkischer Vernunft. Sie ermöglicht z. B. noch das Stattfinden gemeinsamer Militärübungen. Israel würde sich jedoch Illusionen hingeben, wenn es zulässt, dass das Wunschdenken die Realität überschattet: Die Türkei hat die Seiten gewechselt. Man kann höchstens darauf warten, dass es unter einer anderen Führung wieder nüchtern wird.