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Yasmin Levy: Köln, Frankfurt, Fürth…

In Yasmin Levys Musik liegt eine nicht von der Hand zu weisende Spannung zwischen der Reinheit des jüdisch-spanischen Ladino und dem feurigen Herzen des Flamenco…

No tengo lugar…

„Die Traurigkeit der Seele und die Leidenschaft des Lebens.“ Jazzthetik

Es ist ihr großes Anliegen, der reichen – von ihrem Vater zusammengetragenen – Sammlung traditioneller Ladino-Lieder ein würdiges Andenken zu schaffen. Ihrem Ladino-Herzen verdankt sie wohl auch die Gabe, genau die richtige Mischung Flamenco-Feuer beizugeben, um diese wunderbaren Herz und Seele ansprechenden Lieder präsentieren zu können.
Der Financial Times erklärte die Sängerin das so: „Es gibt eine sehr traditionelle Art, Ladino zu singen. Ich habe es gelernt… Ich habe Frauen beim Singen zugehört und fand es wunderschön, aber die Leidenschaft fehlte. Flamenco ist Leidenschaft pur.”

Aus dem früheren Album „Judería“ das Stück „Naci en Alamo“


Titel: Yasmin Levy
Ort: Köln, FfM, Fürth
Beschreibung: Sentir im Vertrieb von Harmonia Mundi

Tourtermine:
30. September 2009 Köln, Philharmonie
04. Oktober 2009 Frankfurt, Brotfabrik
10. März 2010 Fürth, Int. Klezmer Festival

„Wenn sie die Stimme erhebt, fühlt man sich an einen fernen, besseren Ort versetzt, in ihrer Musik verschwinden Zeit und Raum.“ Die Zeit

„Ihre Stimme vergisst man nicht…Sie geht unter die Haut, nimmt Besitz, man möchte in ihrer Zartheit baden, ist völlig hingerissen von ihrer spirituellen Tiefe.“ Journal Frankfurt

„Ihr seelenvoller Alt, ihr eruptives Vibrato jagen Gänsehaut über den Rücken.“ Rolling Stone

Mit ihrem neuen und vierten Album Sentir (World Village) lässt uns Yasmin Levy ein weiteres Mal an ihrer Vision teilhaben; auf höchstem Niveau gelingt es ihr diese beiden doch so unterschiedlichen musikalischen Richtungen – scheinbar mühelos – zu vereinen. Mit Sentir wird Yasmins Musik wahrhaftig eine „Musik der Welt“.

Das Album – hochkarätig produziert von Javier Limón (der zuvor mit Größen wie dem portugiesischen Fado-Star Mariza arbeitete) – besteht nicht nur aus Ladino- (’Mi Korason’, ’Londje de Mi’) und Flamenco-Traditionen (Javier Limóns ’Nos Llego El Final’), sondern auch aus zeitgenössischem Material (von Javier und Yasmin), und sogar ein Song von Leonard Cohen ist vertreten (eine bemerkenswerte und frische Version von ’Hallelujah’).

Ein wichtiger Aspekt in Yasmins Leben und auf ihrem musikalischen Weg ist das Vermächtnis ihres Vaters Yitzhak Levy, der starb, als Yasmin ein Jahr alt war. Die heutige Technologie ermöglichte es Yasmin mit ihrem verstorbenen Vater das Duett ’Una Pastora’ zu singen. Sie sagt: „Es ist einer der schönsten Songs, die mein Vater jemals aufgenommen hat… Sein Gesang ist für mich etwas Heiliges, und ich traute mich nicht ran… Bis ich merkte, dass es nur meine eigenen Ängste waren, die ich überwinden musste.”

Ladino

Für diejenigen, denen die Musik, Sprache und Geschichte neu ist: Ladino ist der Oberbegriff für jene jüdisch-spanischen Sprachen, die sich nach der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492, in der Diaspora entwickelt haben.
Die geographische Streuung der spanisch-jüdischen Gemeinschaften nach Nordafrika, in die Türkei, nach Griechenland oder auf den Balkan – wird in der musikalischen Vielfalt von jüdisch-spanischen Volksliedern reflektiert, die bis zum heutigen Tage weitergetragen wurden.

No tengo lugar
Y no tengo paisaje
Y aun menos tengo patria

Con mis dedos hago el fuego
Y con mi corazon te canto
Las cuerdas de mi corazon lloran

Naci en alamo
Naci en alamo
No tengo lugar
Y no tengo paisaje
Y aun menos tengo patria

Naci en alamo
Naci en alamo
Ay cuando canta
Y con tus dolores
Nuestras mujeres te hechizan

Ay, ay
Ay…

Naci en alamo
Naci en alamo
No tengo lugar
Y no tengo paisaje
Y aun menos tengo patria

Naci en alamo… … … …

Text zum Soundfile

Ich habe keinen Platz
und ich habe keine Heimat,
und noch viel weniger ein Vaterland.

Mit meinen Fingern mache ich das Feuer
und mit meinem Herzen singe ich für Dich.
Die Saiten meines Herzens klagen.

Ich bin geboren unter Pappelbäumen,
geboren unter Espen.
Wenn sie singen,
mit Deinem Schmerz,
verfluchen Dich unsere Frauen.

Ay…

Ich bin geboren unter Pappelbäumen,
geboren unter Espen.
Ich habe keinen Platz
und ich habe keine Heimat,
und noch viel weniger ein Vaterland.

Ich bin geboren unter einem Blätterdach, geboren unter Pappeln und Espen… … … … …

Aus dem Film „Vengo“ (s.u.)

[mp3 Downloads Yasmin Levy]

Anm.: Zum Film Vengo: Weil der den Tod der Tochter nicht verwinden kann, flieht Caco in den Rausch der Musik und setzt alles daran, seinen behinderten, gutmütigen Neffen Diego vor den Mordplänen der verfeindeten Sippe der Caravacas zu schützen.

Die meist so klar gezogenen Grenzen zwischen Spielfilm und Dokumentation lösen sich in Vengo, Tony Gatlifs liebevoller Annäherung an Andalusien und den Flamenco, auf. Die über Jahrzehnte etablierte Differenz dieser beiden Formen des Kinos verliert hier ihre Bedeutung und erscheint schließlich sogar als ein reines Konstrukt, mit dem Filmemacher sich selbst in ihren Möglichkeiten beschnitten haben. Natürlich gibt es schon lange dokumentarische Spielfilme und fiktionale Elemente verwendende Dokumentationen, doch das sind nicht mehr als kleine Schritte auf dem Weg, den Tony Gatlif mit seinem Werk erkundet.

Tony Gatlif erzählt in Vengo eine durch und durch archaische Geschichte, ein archetypisches Drama um Blutrache und Erlösung, Liebe und Verzweiflung. Aber er durchbricht diese Geschichte immer wieder, um die verschiedenen Arten und Stile des Flamencos zu dokumentieren. Immer wenn Caco (Antonio Canales) für seinen behinderten Neffen Diego (Orestes Villasan Rodriguez) ein Fest mit Musik und Tanz gibt, kommt die Handlung praktisch zum Stillstand. Thierry Pougets Kamera widmet sich dann ganz den Musikern und den Tänzerinnen. Der Flamenco, seine Lieder und seine Rhythmen, drückt in diesen Momenten all das, was man eigentlich nicht in Worte oder Bilder fassen kann, und noch viel mehr aus.

http://www.youtube.com/watch?v=btb6I8LNCPo

Das Dokumentarische und das Erzählende gehen eine beeindruckende Verbindung in Vengo ein. Auf der einen Seite stehen sie fast gleichberechtigt nebeneinander, auf der anderen sind sie untrennbar miteinander verbunden. Der Flamenco mit seinen repetitiven Strukturen liefert eine Folie für das Verständnis der Geschichte und für eine Welt, die gefangen ist in alten Traditionen. So erschreckend die Ereignisse einem auch erscheinen — um Diego zu retten, dessen Vater nach einem Mord an einem Angehörigen eines anderen Clans untergetaucht ist, muss der melancholische, von Erinnerungen an seine tote Tochter verfolgte Caco sich selbst opfern — sie besitzen auch etwas Poetisches. Nur eine nach diesen archaischen Vorstellungen und Werten lebende Gesellschaft kann eine Musik und Kultur wie die des Flamenco hervorbringen. Tony Gatlif rechtfertigt die Gewalt nicht, aber er verurteilt sie auch nicht einfach. Er nähert sich vielmehr einer fremden, ganz eigenen Welt mit offenen Augen und macht sie so auch für uns erfahrbar. — Rez. von Sascha Westphal