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NS-Abwehrchef Canaris: Nein, er ist kein Gerechter!

Stellen in der Chabad-Bewegung setzen Yad Vashem unter Druck, Admiral Canaris, den Chef der deutschen Abwehr im Dritten Reich, mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“ auszuzeichnen. Wenn ich richtig verstanden habe, dann ist es nicht die Forderung der gesamten Bewegung, sondern nur einer bestimmten Gruppierung. Ihr Argument lautet, der hohe Offizier habe während des Holocaust 500 Juden gerettet, darunter das damalige geistige Oberhaupt von Chabad…

In Jedioth achronoth widerspricht Noach Klieger der Forderung der Chabanikim

Josef Kaminsky und Benjamin Lifschitz, die den Antrag einreichten, erklärten, es habe „neue Erkenntnisse“ gegeben, laut welchen Canaris, obgleich er der NS-Führungsspitze angehörte, vielen Juden das Leben gerettet habe.

Zuerst muss klar gestellt werden, dass dies nichts Neues ist. Die Geschichte von Admiral Canaris ist seit vielen Jahren bekannt. Es ist die Geschichte eines Deutschen, der als junger Mann in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts dem rechtsradikalen „Freikorps“ angehörte, der nach dem Ersten Weltkrieg, während der Weimarer Republik, aktiv am Tod zahlreicher Kommunisten und Sozialisten verantwortlich war, wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Gründer des kommunistischen Spartakusbunds.

Überflüssig zu erwähnen, dass der Freikorps auch gegen die Juden hetzte, und er war für die Ermordung des damaligen deutschen Außenministers verantwortlich, Walter Rathenau. Diese Nazivergangenheit half Canaris in den ersten Jahren auf seinem Weg an die Spitze der Wehrmacht, in seinem Fall der Marine, Hitlers.

In den letzten Kriegsmonaten war Canaris vom Führer enttäuscht und begann, nach Wegen zu suchen, ihn los zu werden und gleichzeitig Beziehungen zu den Alliierten aufzunehmen, vor allem, um nach der Kapitulation Deutschlands bevorzugt behandelt zu werden. Er versuchte auf verschiedenen Wegen – und, das muss man zugeben, mit großem Mut – Hitler zu Fall zu bringen, aber auch diese Versuche, die erfolglos waren, können die Tatsache nicht vergessen machen, dass er dem Führer viele Jahre lang treu gedient hat.

Für die letzten Versuche, Hitler aus dem Weg zu schaffen, musste Canaris zwar mit dem Leben bezahlen – er wurde auf Befehl Hitlers hingerichtet – aber seine Taten konzentrierten sich nicht auf die Rettung von Juden – eine Voraussetzung für den Erhalt der Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“.

Auch wenn die Behauptung, er habe viele Juden gerettet, zutreffen sollte, muss ihm dennoch vorgeworfen werden, dass er im Dienste des Dritten Reichs und des Führers stand, was es unmöglich macht, ihm die Auszeichnung zu verleihen. Es fällt mir auch schwer zu glauben, dass seit dieser angeblichen Rettungsaktion in Warschau vor 69 Jahren keiner der Überlebenden seine Geschichte erzählt hat.
Wenn diverse Stellen bei Chabad Canaris unbedingt ehren wollen, dann sollen sie ihm eine Auszeichnung ihrer Bewegung verleihen.