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Make Love, not War!

Auch im Rahmen des 100 jährigen Jubiläums der weißen Stadt feiert Tel Aviv seine homosexuelle Community mit der 11. Gay Pride Parade…

Von Benji Epstein

Die Innenstadt von Tel Aviv ist bereits seit einer Woche mit den Regenbogen-Fahnen der schwul-lesbischen Bewegung dekoriert. Zusätzlich zu den farbigen Flaggen des 100-Jahre-Jubiläums, verleihen sie der Innenstand einen bunten Touch, der ein Zeichen für Toleranz und Vielfältigkeit setzt.

In den Strassen von Tel Aviv dominiert tagsüber normalerweise der Verkehr und der Gestank der Abgase. Nicht aber m vergangenen Freitag: 20.000 schwule und lesbische Paare, Drag Queens und schrille farbige Figuren dominierten das Stadtbild, während die Bässe der elektronischen Musik im Hintergrund die Stadt zumindest für einen Tag in ein grosses Tanzparadies verwandelten. Paare jeden Alters gehen an diesem Tag Hand in Hand durch die Stadt und wehen stolz die Regenbogen-Fahne mit der einen Botschaft: Toleranz. Mit von der Partie sind aber nicht nur Homosexuelle, sondern der Anlass bietet vielmehr auch der Party begeisterten Jugend in Tel Aviv Grund, das Wochenende bereits am Nachmittag mit Arak und Grapefruitsaft einläuten zu lassen. An diesem Tag sind alle gleich und feiern zusammen. Heisse Beats, Alkohol, Schweiss und viel nackte Haut sorgt dabei für ein Klima, welches von den alltäglichen Problemen in Israel ablenkt. Durch die Lautsprecher wird die Masse aufgefordert: „Liebt einander!“ Oder einfach: Make Love – not War!

Seit 2007 ist die Stadt Tel Aviv offizieller Organisator der Veranstaltung und wirbt seit dem für sein homosexuell-freundliches Image. Der schwul-lesbische Ruf der Metropole ist längst zu einem Aushängeschild von Tel Aviv geworden. Drohen in den umliegenden Staaten starke Sanktionen für Homosexuelle, gilt Tel Aviv als die Schwulenmetropole im Nahen Osten. Ein Zeichen, das die Stadt auch gegen außen setzten will.

Als Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltung galt die Hochzeit von drei lesbischen und zwei schwulen Paaren vor dem begeisterten Publikum. Ganz im Sinne der jüdischen Tradition fand die Verheiratung der Paare unter einer Chuppa statt, es wurden Ringe ausgetauscht und einer der Partner zerbrach das Glas, das an die Zerstörung des Zweiten Tempels erinnern sollte.

Im Publikum war auch der Knesset-Abgeordnete Nitzan Horovitz (Meretz), Israels erster und einziger Parlamentarier, der sich zu seiner Homosexualität offen bekennt. Gegenüber der Zeitung Haaretz meinte er: „Ich hoffe, dass von heute an Hochzeiten wie diese überall in Israel durchgeführt werden können und zwar nicht nur in Tel Aviv. Hochzeiten zwischen Frauen und Männer, Männer und Männer oder Frauen und Frauen. Das würde endlich das Ende des ultraorthodoxen Monopols über unser Leben in Israel sein.“

gaypride

Dass das Thema Homosexualität in Israel weiterhin für Spannungen sorgt, zeigt auch der Protest einiger religiöser Fanatiker, die mit diversen Transparenten und Flyers durch die Strassen der Mittelmeerstadt zogen. Besteht bereits eine breite Diskussion um die Einführung der zivilen Heirat in Israel, muss die Regenbogen-Bewegung jedoch weiterhin dafür kämpfen, in Zukunft einen Platz auf der gesellschaftspolitischen Agenda der Knesset zu bekommen.

Mehr zum Thema:
http://glbt-news.israel-live.de/index.htm