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„Es geht um die Frauen“

Erst der tragische Tod von Neda Soltan im Iran hat der Welt klar gemacht, dass das Leben – und das Sterben – von Frauen im Mittelpunkt des Kampfes für Menschenrechte und gegen religiösen Extremismus stehen…

Von Elena Sztokman, Jerusalem Post v. 23.06.2009

Die erstaunlichen Proteste im Iran, die seit dem erschlichenen Sieg des islamischen Extremisten Mahmud Ahmadinedschad über Mir Hossein Mossawi anhalten, sind tatsächlich eine Geschichte über Frauen. Laut einem Bericht in der Wochenendausgabe von Yedioth Ahronoth, der in Zusammenarbeit mit einem im Iran befindlichen Journalisten entstanden war, wurden die Proteste nicht von Anhängern von Mossawi gestartet, sondern vielmehr von Unterstützern seiner Frau Zahra Rahnavard.

Es war Rahnavard, die Professorin der Kunstgeschichte, Autorin von mehr als einem Dutzend Büchern über Kunst, ehemalige Ministerin und ehemalige Kanzlerin der Alzahra-Universität in Teheran, die zu den Protesten aufrief, als die gefälschten Wahlergebnisse eintrafen. (Ihr und ihrem Mann war zunächst mitgeteilt worden, dass sie die Wahl gewonnen hätten, bevor die offizielle Verlautbarung Stunden später geändert wurde.) Die eine Million Demonstranten, die auf die Straßen gingen und ein Ende der Herrschaft des radikalen Islam forderten, kamen wegen ihr und nicht wegen ihm. Zu Beginn der Proteste waren die meisten Demonstranten Frauen – eine Tatsache, die man kaum in den Medien findet.

Es ist höchste Zeit. Der radikale Islam ist für Frauen wohl schlimmer als für jede andere Gruppe, mit Ausnahme vielleicht der Juden. Frauen werden im Iran verhaftet, wenn sie zu viel Haut zeigen oder Lippenstift auftragen. Nach solchen Verhaftungen werden die Frauen ins Gefängnis gesteckt. Nach der vierten Verhaftung werden sie öffentlich ausgepeitscht. Für Ahmadinedschad ist die ideale Frau nicht nur von Kopf bis Fuß verschleiert, sondern soll darüber hinaus niemals in der Öffentlichkeit gesehen werden. Iraner wissen nicht wie seine Frau aussieht, weil sie entsprechend seinen Wünschen niemals gesehen wird. In Ahmadinedschads Vision ist die ideale Gesellschaft eine ohne Israel und ohne Frauen. Ich glaube dass die Unterdrückung der Frauen das Symbol der Herrschaft des radikalen Islam in aller Welt ist.

Nun protestieren Frauen endlich in einer Art, die die Welt sehen und hören kann. Und viele Männer schließen sich dem an. Es brauchte die Führung einer starken Frau, um sie auf die Straßen zu bringen, aber wenn die Wahrheit einmal hervortritt, gibt es kein Zurück mehr. Rahnavard, gebildet, feministisch und furchtlos, hat die Menschen inspiriert, an Wandel zu glauben. Sie ist nicht nur in der Öffentlichkeit sichtbar, sondern sie spricht auch – und zwar laut. Mitunter legt sie sogar ihren Tschador ab, um gegen das islamische Regime zu protestieren. Nur, um ihren Standpunkt klar zu machen. Sie ist die politische Partnerin ihres Mannes. Sie halten sich sogar öffentlich an den Händen, was Ahmadinedschad offenbar zur Weißglut bringt. Als Ahmadinedschad 2006 gewählt worden war, wandte sie sich aus ihrer Position als Universitätspräsidentin gegen seinen Sieg: „Er hasst Frauen“, sagte sie von ihrem Pult. Sie wurde kurz danach gefeuert.

Was wir im Iran sehen, sind Frauen, die unter der inoffiziellen Anführung durch eine Frau auf die Straßen gehen, um die dunkle, barbarische Herrschaft des radikalen Islam herauszufordern.

Es ist bezeichnend, dass der neue Held dieser Bewegung eine Heldin ist – die erschossen wurde, als sie an der Seite stehend zuschaute. Das Video der entsetzlich verblutenden Neda Soltan ist nicht das einzige Element ihrer Geschichte, das die Aufmerksamkeit der Menschen erregt. Auch die „Vorher-“ und „Nachher-Fotos“ von ihr sind schockierend. Sie zeigen Neda bevor und nachdem sie zu religiösem Gehorsam gezwungen worden war, eine Verwandlung von der freien Frau zum eingesperrten Besitz. Diese Fotos erzählen die wahre Geschichte dessen, was im Iran passiert. Ich hoffe die Welt kümmert sich genug darum, um wirklichen Wandel herbeizuführen.

Die Autorin ist Forscherin, Pädagogin und Aktivistin.