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„Lied.Gut.“: Vor Dummheit geschützt?

Bis gestern hatte ich vom „Panzerlied“ des während der NS-Zeit gefeierten Dichters Kurt Wiele noch nichts gehört. Dazu brauchte es den Abgeordneten Stephan Braun (SPD), dem der eigenartige Text im „Lied.Gut.“ der CDU aufgefallen war…

David Gall

Aus zahlreichen Zuschriften erfahre ich nun, dass dieses Lied nun wirklich „jeder halbwegs gebildete Mensch“ kennen und lieben müsste. Es sei sogar ein internationaler Hit, der reinste Exportschlager, und es sei eine Obergaudi, wenn man es gemeinsam mit Amerikanern und Engländern singe, natürlich auf Deutsch.

Nun, ich hatte da wohl eine bedenkliche Bildungslücke und versuche die nun zu korrigieren. Was ich dabei herausfand macht mir das Lied aber auch nicht sympathischer und auch nicht die Herausgeber der für Frohsinn und Geselligkeit stehenden Sammlung mit „Volksliedern und Schlagern für fröhliche Stunden“. Vielleicht passt es einfach zu gut zu Oettingers politischem Ziehvater Filbinger, der sagte, zu den von ihm verhängten (als Richter) oder durchgesetzten (als Staatsanwalt) NS-Todesurteilen: „Was damals (in der NS-Zeit) Recht war, kann heute nicht Unrecht sein“. Oder „was damals gerne gesungen wurde, kann doch heute keine Schande sein“.

Was reimt sich auf „Judengefahr“?

Wer nun immer noch nicht ins neu-rechte Grölen einstimmen will, kann sich noch etwas weiter bilden. Aber Vorsicht, es kommt noch schlimmer, denn wie ich höre, wird die Melodie des Panzerliedes nur irrtümlicherweise auf die Meldodie eines alten Seemannsliedes zurückgeführt. Tatsächlich jedoch wurde das Panzerlied aufgrund der Melodie eines SS-Liedes „Es steht an der Grenze die eiserne Schar zum Kampfe in die Freiheit gegen Judengefahr“ komponiert. Das Panzerlied befindet sich auch heute noch in den Liederbüchern der Bundeswehr, was die Sache nicht besser oder harmloser macht, wie manche der Zuschriften meinen. Im Gegenteil, auch wenn die 2. und 3. Strophe ausgelassen wird. A propos ausgelassen: Angeblich hat doch niemand die Texte gelesen. Keiner hat was gemerkt. Wer hat dann die deutlichsten Passagen rausgenommen?

Hier erst einmal die Version des Panzerlieds aus dem CDU Liederbuch „Lied.Gut.“, danach die ursprüngliche Version:

Ob’s stürmt oder schneit, ob die Sonne uns lacht,
Der Tag glühend heiß, oder eiskalt die Nacht.
Verstaubt sind die Gesichter, doch froh ist unser Sinn,
Es braust unser Panzer im Sturmwind dahin.

Mit donnernden Motoren, so schnell wie der Blitz,
Dem Feinde entgegen, im Panzer geschützt.
Voraus die Kameraden im Kampf sind wir allein‘,
So stoßen wir tief in die feindlichen Reihn.

Mit Sperren und Tanks, hält der Gegner uns auf,
Wir lachen darüber und fahren nicht drauf.
Und schüttelt er grimmig und wütend seine Hand,
wir suchen uns Wege, die keiner sonst fand.

Und läßt uns im Stich einst das treulose Glück,
Und kehr’n wir nicht mehr zur Heimat zurück,
trifft uns die Todeskugel, ruft uns das Schicksal ab,
Dann ist unser Panzer ein ehernes Grab.

Ob’s stürmt oder schneit,
ob die Sonne uns lacht,
Der Tag glühend heiß,
oder eiskalt die Nacht.
Bestaubt sind die Gesichter,
doch froh ist unser Sinn,
Ja unser Sinn;
Es braust unser Panzer
im Sturmwind dahin.

Wenn vor uns
ein feindlicher Panzer erscheint,
Wird Vollgas gegeben
und ran an den Feind!
Was gilt denn unser Leben,
für unsres Reiches Heer,
Ja Reiches Heer,
Für Deutschland zu sterben
ist uns höchste Ehr.

Und läßt uns im Stich
einst das treulose Glück,
Und kehren wir nicht mehr
zur Heimat zurück,
Trifft uns die Todeskugel,
ruft uns das Schicksal ab,
Ja Schicksal ab,
Dann ist unser Panzer
ein ehernes Grab.

Mit donnernden Motoren,
so schnell wie der Blitz,
Dem Feinde entgegen,
im Panzer geschützt.
Voraus den Kameraden,
im Kampfe ganz allein,
Steh’n wir allein,
So stoßen wir tief
in die feindlichen Reihn.

Mit Sperren und Tanks
hält der Gegner uns auf,
Wir lachen darüber
und fahren nicht drauf.
Und droh’n vor uns Geschütze,
versteckt im gelben Sand,
Im gelben Sand,
Wir suchen uns Wege,
die keiner sonst fand.

Es scheint noch weitere Versionen geben.
Die Melodie stammt aus einem SS-Lied mit folgendem Text:

Es steht an der Ostsee
die eiserne Schar,
die Kämpfer für Freiheit
aus Judengefahr.
Das Hakenkreuz es wehet,
es weht bei Tag und Nacht,
der Kampfruf erschallet:
„Großdeutschland erwacht.“

So stehn wir Getreuen
von deutschem Blut,
dem Führer zu weihen
das Leben und das Gut.
Wenn Adolf Hitler führet,
er führt durch dunkle Nacht
uns hin bis zum Freiheitsmorgen,
Großdeutschland erwacht.

So stehen wir und kämpfen
fürs großdeutsche Reich,
und ehrliche Deutsche,
der Stand ist uns gleich.
Ob sie uns schikanieren,
das macht uns gar nichts aus,
Parole, sie bleibet:
„Die Juden hinaus.“

Und sterben wir noch heute
auf blutigem Feld,
vom Bruder erschlagen
für jüdisches Geld,
dann über unsere Leiber
stürmt vor das braune Heer,
und unsere Seelen ziehen
vor ihnen her.

Nun denn. Alles sehr heimelig und gesellig. Man muss nur den passenden Humor haben. Es könnte natürlich sein, dass bei den Liederabenden mancher die sich so über unsere Kritik geärgert haben, der eine oder andere aufsteht und geht, aber das sind dann eben Spielverderber und Miesmacher.  „Was juckt es eine deutsche Eiche“…, ein Spruch der übrigens auch im Kommen ist.