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haGalil TV-Radar: Fernsehtipps der Woche

Vom 13.03. bis 19.03.2009 …

Freitag, 13.03.2009

07:20 Uhr; WDR
Die vergessenen Kinder von Köln

Das, was im Sommer 1942 in Köln geschah, hat sich so oder so ähnlich in vielen Städten des Deutschen Reiches zugetragen: Jüdische Kinder und Jugendliche, häufig elternlos, wurden vor den Augen der „arischen“ Bürger auf Befehl der Gestapo „in den Osten evakuiert“.
Als am Montag, den 20. Juli 1942, pünktlich um 15.00 Uhr der Reichsbahnzug DA 219 den Bahnhof Köln-Deutz mit über eintausend jüdischen Menschen aus Köln verließ, waren darunter auch 335 Kinder, die meisten aus den jüdischen Schulen und Heimen der Stadt. Sie waren zwischen vier Monate und 19 Jahre alt. Das Reiseziel Minsk in Weißrussland war geheim. Für viele war es die erste Reise ihres Lebens; angetreten in der Hoffnung, im Osten ein neues Leben beginnen zu können. Es sollte ihre letzte Reise sein. Als der Sonderzug Minsk am 24. Juli frühmorgens um 6.42 Uhr erreichte, wartete bereits ein Exekutionskommando, bestehend aus Mitgliedern der Waffen-SS und des Sicherheitsdienstes auf sie. In einem Waldstück hinter dem Vernichtungslager Maly Trostenez ausgehobenen Gruben mussten sich sie bis auf die Unterwäsche ausziehen, niederknien und wurden von hinten erschossen.

Samstag, 14.03.2009

14:00 Uhr; arte
Mit der SS Hand in Hand

Anhand der Aussagen von Widerstandskämpfern und Kollaborateuren aus der Zeit der Okkupation Frankreichs zeichnet der Film die Geschichte der 1943 von Pierre Laval gegründeten „Milice française“ nach. Umfangreiches Material aus Filmarchiven sowie Fotos und Briefe beleuchten die Werdegänge von ehemaligen Milizangehörigen und Widerstandskämpfern und geben Einblicke in die Geschichte der Miliz.

15:35 Uhr; arte
Peter Eisenman

Im Herzen Berlins, unweit des einstigen Machtzentrums des Dritten Reiches und mitten im neuen Regierungsviertel der wiedervereinigten Hauptstadt steht das Denkmal für die ermordeten Juden Europas – realisiert von Peter Eisenman. Für den New Yorker Architekten geht es nicht um ein Abbild des Horrors oder um deutsche Schuld, wie er sagt, sondern um das Alleinsein, um die Erinnerung an eine düstere Zeit in der Geschichte der Menschheit. Das Denkmal, an dem viele sehr lange zweifelten und Kritik übten, ist zu einem sehr positiven Erlebnis für die unzähligen Besucher geworden, insbesondere auch durch den dazugehörigen Ort der Information.
Das Projekt beginnt 1988 mit einer Bürgerinitiative angeführt von Lea Rosh. Der Förderkreis, den sie damals gründet, wird zu einer aktiven Lobby in Bonn. Unter den Vorschlägen gefällt dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl der des New Yorker Architekten Peter Eisenman am besten: ein 19.000 Quadratmeter großes Feld mit 1.711 Stelen ohne weitere Belehrungen.
Helmut Kohl sagt zu, verliert aber die bald danach anstehende Wahl. Das Projekt wird von Michael Naumann, Kulturstaatssekretär unter Gerhard Schröder, wieder aufgenommen. Er setzt sich unter der Auflage ein, in das Denkmal einen Ort der Information zu integrieren.
Nach einer positiven Abstimmung im Bundestag wird Wolfgang Thierse Schirmherr des Bauprojekts. Trotz vieler Hindernisse ist die erfolgreiche Realisierung des Denkmals wohl hauptsächlich Eisenmans intellektueller Kraft, seiner überzeugenden Persönlichkeit und seiner Kompromissbereitschaft zu verdanken.

20:15 Uhr; EinsExtra
Koscher, Küche und Kebab

Seit sieben Jahren kochen israelische und palästinensische Starköche zusammen Galadinner für Feinschmecker – egal ob jenseits ihrer Friedensoase Krieg herrscht oder die Politiker über Frieden verhandeln.
„Wir sind christliche, muslimische und jüdische Köche und kommen mit scharfen Messern, bis an die Zähne bewaffnet in die Küche“, meint Kevork Alemian, Maitre d´Hotel im legendären American Colony in Jerusalem.
Und er fügt mit verschmitztem Lächeln hinzu: „Aber die scharfen Messer sind nicht dafür da, um uns gegenseitig abzustechen, sondern um zusammen für den Frieden zu kochen.“ Kevork Alemian ist Gründer der „Chefs for Peace“, der Köche für den Frieden.

Sonntag, 15.03.2009

19:00 Uhr; arte
Hommage an Yehudi Menuhin

Auf dem Programm steht heute Abend das Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch. Menuhin wird begleitet vom Radio-Symphonieorchester Berlin unter Ferenc Fricsay. Das Konzert wurde 1961 von der BBC aufgezeichnet.
Anschließend interpretiert Menuhin das „Moderato malinconio“ aus der Sonate für Violine und Klavier Nr. 3, op. 25 seines geliebten Lehrmeisters Georges Enescu. Den Klavierpart übernimmt in dieser Aufzeichnung von 1973 seine Schwester Hephzibah.
Zuletzt erlebt man ihn selbst im Finale von Beethovens Violinkonzert op. 61 von 1962. Sir Colin Davis dirigiert das ihn begleitende London Symphony Orchestra.

Montag, 16.03.2009

05:45 Uhr; Phoenix
Bis zum letzten Tropfen
Israel – Blut für Wasser

Im besetzten Westjordanland geben die Israelis nur eine Stunde am Tag die Wasserleitungen frei. Während in den Gärten der Kibbuzim das Wasser sprudelt, ist in den palästinensischen Siedlungen Wasser Mangelware. Wasser ist im Nahostkonflikt zum politischen Faustpfand geworden. Im Sechs-Tage-Krieg 1967 eroberten die Israelis nicht nur das Westjordanland, sondern auch die unterirdischen Wasservorräte und Flüsse. Während am Toten Meer und am Rande der Wüste Hoteltürme und Swimmingpools entstehen, warten Palästinenserinnen auf Zisternenwagen, die das tägliche Frischwasser verkaufen.
Israelische Wissenschaftler warnen vor den Folgen dieser verhängnisvollen Verteilungspolitik. Das Wasser müsse für alle zugänglich sein. Denn von den zwei Milliarden Kubikmetern Wasser, die Israel jährlich verbraucht, stammt nur ein gutes Drittel aus dem eigenen Territorium.

07:20 Uhr; WDR
Oft bin ich bang: Kindheit unter Hitler
1. Briefe an Barbara

Amsterdam, 6. April 1943: Barbara Meter feiert ihren vierten Geburtstag, aber Barbaras Vater fehlt. Er ist Soldat in der Ukraine und schickt seiner Tochter einen Geburtstagsbrief.

Während einer Bootsfahrt durch das heutige Amsterdam erinnert sich Barbara Meter an ihren Vater: Der aus sozialistischem Hause stammende Leo Meter war 1932 Bühnenbildner und Regieassistent an der links orientierten „Jungen Volksbühne“ in Berlin. Als die Nazis 1933 alle Mitarbeiter verhaften ließen, wurde er nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt entlassen. 1934 gelang ihm die Flucht nach Amsterdam, wo er seine spätere Frau Elisabeth kennen lernte. Sie war Jüdin und hatte daher ebenfalls Deutschland verlassen. 1939 wurde ihre Tochter Barbara in Amsterdam geboren. Elisabeth Meter arbeitete als Lehrerin, der Vater illustrierte Bücher, arbeitete am Kindertheater und beteiligte sich am Widerstand gegen das Nazi-Regime. 1942 wurde Leo Meter verhaftet und an die Front in die Ukraine geschickt. Von dort sandte er die reich bebilderten Briefe an seine Tochter, denn „…oft bin ich bang, dass du mich beinahe vergessen hast oder nicht mehr kennst…“. Barbara sieht ihren Vater nie wieder. Am 26. Juli 1944 ist er in Polen gefallen bzw. wahrscheinlich wegen Befehlsverweigerung erschossen worden. Barbara selber und ihre Mutter sind Ende 1943 getrennt voneinander untergetaucht und haben beide den Krieg überlebt.

Die Briefe von Leo Meter sind erhalten geblieben und in dem Buch „Briefe an Barbara“ im Middelhauve Verlag veröffentlicht worden.

07:35 Uhr; WDR
Oft bin ich bang: Kindheit unter Hitler
2. Tod im Römerpark

Hans Abraham Ochs ist 1936 acht Jahre alt und wie viele Jungen in seinem Alter möchte er zur Hitlerjugend bzw. zum Jungvolk gehören. Er wünscht sich – wie sein Freund Peter – eine schicke Uniform, möchte an Zeltlagern teilnehmen und Lieder am Lagerfeuer singen. Doch Hans Abraham ist Halbjude und darf somit kein Mitglied der HJ werden. Die Mutter weicht seinen drängenden Bitten aus und verbietet ihm den weiteren Umgang mit dieser Gemeinschaft.

Die Spielsequenz wird mit historischen Aufnahmen marschierender Jugendlicher der HJ, Jungen im Zeltlager, beim Sport und am Lagerfeuer aufgebrochen. Ebenfalls in einer Spielszene wird der Tod Hans Abrahams dargestellt. Diese Szene ist erfunden, da die Umstände seines Todes nie geklärt werden konnten. Hans Abraham Ochs’ Mutter fand ihren Sohn – durch Tritte und Schläge schwer verletzt – im Römerpark. Am 30. September 1936 starb er im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Sein Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Köln Bocklemünd trägt folgende Inschrift: „Hans Abraham Ochs. Umgekommen durch eine irregeleitete Jugend“. Die Täter sind nie ermittelt worden, denn die Mutter hat aus Angst keine Anzeige erstattet.

07:50 Uhr; WDR
Oft bin ich bang: Kindheit unter Hitler
3. Verschickt

Wenn sie schnell liefen, konnten Anne und ihre Eltern den Bunker in fünf Minuten erreichen. Und sie liefen fast jede Nacht, wenn Kampfflugzeuge der Amerikaner und Engländer Köln bombardierten. Nach einem Bombenangriff auf die Schule wurde Anne mit den anderen Kindern und Lehrern in einer Kinderlager Schlesien evakuiert. Dort hatten die Lehrer nur wenig Einfluss; Lager und Erziehung wurde von BDM-Führerinnen kontrolliert. Nach einem Jahr konnte Annes Vater seine Tochter wieder abholen und ins völlig zerstörte Köln zurückbringen. In mehreren längeren Interviewabschnitten erzählt Anne Frambach anschaulich und lebendig von ihren Kindheitserlebnissen. Untermauert werden die Aussagen durch Aufnahmen der damaligen Zeit.

08:05 Uhr; WDR
Oft bin ich bang: Kindheit unter Hitler
4. Wie Hannelore überlebt hat

„Jud, Jud, Jud! Hepp, hepp, hepp!“ rufen Kinder der dreijährigen Hannelore hinterher. In der Rückschau auf ihre Kindheit hat sich diese Szene tief in das Gedächtnis Hannelore Jakobys eingebrannt. Hannelores Mutter war Katholikin und mit Rudolph Jakoby, einem Juden verheiratet. Viele schöne Erinnerungen an ihre frühen Kinderjahre verbindet Hannelore mit der jüdischen Gemeinde, in deren Glauben sie erzogen wurde. 1938 wird der Vater in der Reichspogromnacht verhaftet. Ein Jahr später erhält Hannelore den Beinamen Sara und die Kennkarte „J“.

Auf Rat einer Nachbarin hin beschlossen Hannelores Eltern, dass ihre Tochter zum Schutz katholisch getauft werden sollte. Im nahe gelegenen Vicentinerinnen-Kloster bereitete sich die Achtjährige auf die Taufe vor (22. Juni 1941). Auch nach dem allgemeinen Schulverbot der Juden wurde Hannelore illegal weiter von der Nonne unterrichtet. Als das Leben von getauften Juden ebenfalls bedroht wurde und Hannelore 1943 auf einer Deportationsliste stand, brachte Schwester Cypriana sie heimlich zu ihren Verwandten nach Münster. Hannelores Vater überlebte in einem Versteck im Bergischen. Ihre Freundin Inge und Hannelores Großeltern jedoch starben in den Vernichtungslagern Theresienstadt und Auschwitz.

23:10 Uhr; arte
Yehudi Menuhin in Hollywood

Im Sommer 1947 lernt der Filmproduzent Paul Gordon bei einem Dinner in Zürich den Geiger Yehudi Menuhin kennen. Menuhin erzählt von seinen Konzertreisen in die Metropolen der Welt. Gordon möchte wissen, warum er nicht auch in kleineren Städten spielt, wo ebenfalls Millionen musikliebender Menschen leben.
„Das Jahr hat nur 365 Tage“, ist Menuhins schlichte Antwort. Paul Gordon kommt spontan auf die Idee, einen Film zu drehen, der gar keiner ist, „sondern ein Konzert auf Zelluloidband, auf Film!“. Ein Konzert also, das sich selbst in die entlegensten Orte tragen lässt.
Nach anfänglicher Skepsis ist Menuhin überredet. Die Dreharbeiten zu dem ersten Konzertfilm in der Geschichte Hollywoods beginnen im Dezember 1947. Ein Jahr später hat der Film unter dem Namen „Concert Magic“ im Stagedoor Theatre in San Francisco Premiere.

Dienstag, 17.03.2009

09:55 Uhr; arte
Hakoah – Club der Sirenen

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte der preisgekrönten Schwimmerinnen des legendären jüdischen Sportvereins Hakoah Wien. Die sieben porträtierten Sportlerinnen dominierten in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts den österreichischen Schwimmsport. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gelang ihnen die Flucht vor den Nationalsozialisten. Für den Dokumentarfilm kehrten sie noch einmal in ihre alte Schwimmhalle nach Wien zurück.

21:00 Uhr; Phoenix
Die großen Diktatoren – Hitler

Die NS-Propaganda stilisierte ihn zum Propheten, der scheinbar wie aus dem Nichts in die Geschichte trat, um eine „deutsche Mission“ zu erfüllen. Hitler selbst verstieg sich in den Wahn von der eigenen „Vorsehung“. Die Saat für seinen Aufstieg war der Zusammenbruch. Der Erste Weltkrieg bereitete den Boden für eine Weltanschauung, die keine Menschlichkeit kannte. Die Weimarer Republik litt unter der Bürde des Versailler Vertrages. Als Ende der zwanziger Jahre heftige Krisen Deutschlands Wirtschaft und Politik erschütterten, sah der Demagoge seine Stunde gekommen.
Hitler war geradezu besessen von der Vorstellung höherwertiger und minderwertiger Rassen. Zwischen totalem Sieg und totaler Niederlage gab es keinen Raum. Schon als erste Zweifel am militärischen Erfolg aufkamen, führte dies zu einem perversen Umkehrschluss. Wenn das eigene Volk nicht in der Lage war zu siegen, habe es seine Rolle in der Geschichte eben verspielt. Der Hauptschuldige an allem, was Deutschland schade, war aus der Sicht Hitlers ohnedies das Judentum. Als der Krieg an den Fronten nicht mehr zu gewinnen war, wollte er erst recht sein zweites schreckliches Ziel in die Tat umsetzen – den in der Weltgeschichte beispiellosen, systematischen Völkermord an den europäischen Juden.

20:15 Uhr; ZDF
Die Machtergreifung (2/3)
Der Brand

Im Februar 1933 machte sich ein Mann aus München auf den Weg quer durch Deutschland, Wilhelm Hoegner. Der Reichstagsabgeordnete der SPD glaubte, man könne Hitlers Kanzlerschaft doch noch ein rasches Ende bereiten, wenn nur die Gegner gegen den neuen Machthaber mobil machen.
Erst seit wenigen Wochen war Hitler Reichskanzler und noch herrschte keineswegs Diktatur. Der Emporkömmling war eingerahmt von Konservativen, die sich in völliger Selbstüberschätzung einbildeten, sie könnten ihn erdrücken, „bis er quietscht“. Doch Hitler wollte die volle Macht. Eine weitere Wahl zum Reichstag war anberaumt für den 5. März 1933 – in einem Klima des Terrors und der Gewalt. Der Sozialdemokrat Hoegner stürzte sich in den Wahlkampf, um die Demokratie zu retten.
Doch am Abend des 27. Februar 1933 stand der Reichstag, der als demokratisches Forum praktisch ausgedient hatte, in Flammen. Mit größter Wahrscheinlichkeit war der Anschlag tatsächlich das Werk eines Einzeltäters, des 24-jährigen schwärmerischen Rätekommunisten Marinus van der Lubbe. Trotz damaliger Zweifel an der Urheberschaft verstand es die NS-Führungsriege, in kürzester Zeit aus dem Vorfall Kapital zu schlagen, malte das Bild von einer kommunistischen Verschwörung. Die schon am nächsten Tag erlassene „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ war die Grundlage für eine beispiellose Terrorwelle, die in den folgenden Wochen über Oppositionelle und Intellektuelle hereinbrach.

21:45 Uhr; arte
My First War

Im Sommer 2006 wurde der Filmemacher Yariv Mozer als Reservesoldat eingezogen. Er sollte im zweiten Libanonkrieg einen Offizier ersetzen, der die Front fluchtartig verlassen hatte, weil er unter Angstattacken litt. Instinktiv packte Yariv seine Kamera ein. Sie sollte zwischen ihm und der Kriegswirklichkeit, in die er so brüsk gestoßen wurde, vermitteln.
Kriege kannte Mozer aus Geschichtsbüchern und Filmen. Selbst einmal mitten in einem Krieg zu stehen, konnte er sich nicht vorstellen. Aber innerhalb von drei Stunden war er auf dem Weg in den äußersten Norden Israels und landete in einem Schützenregiment. Noch bevor er richtig verstand, wie ihm geschah, bekam er eine kugelsichere Weste und einen Helm übergestülpt und war bereit für den Angriff. Die Raketenangriffe der Hisbollah begannen immer um 12.00 Uhr mittags. Eines Tages gab es eine schreckliche Explosion ganz in der Nähe, bei der zwölf Soldaten getötet wurden. Da begriff Mozer zum ersten Mal, dass es jeden Soldaten jederzeit erwischen konnte. Yariv Mozer filmte die täglichen Geschehnisse des Krieges, das Chaos und die Zerstörung. Er erkannte das Bedürfnis der Soldaten, zu erzählen, was sie gesehen und erlebt hatten, so filmte er auch ihre Gefühle.
Einmal durfte der Filmemacher für zwei Tage nach Hause, nach Tel Aviv. Dort ging das Leben ganz normal weiter. Der Kontrast zwischen Krieg und Alltag erschien Mozer grausam und lähmend. Nach dem Ende seines Einsatzes suchte er junge Männer auf, die er während des Krieges gefilmt hatte, um sie in ihrem Alltagsleben zu beobachten. Die Protagonisten des Films erwachten aus einem Schock, mit Zweifeln und Bedauern. Jeder einzelne Überlebende hatte seinen Preis gezahlt.

23:00 Uhr; SWR
Wer ein Leben rettet, rettet die Welt

Von der geretteten Familie Krakauer lebt heute, 70 Jahre später, niemand mehr, doch das Vorbild der Groß- und Urgroßeltern – und deren Erbe – leben weiter.
Winter 1944: Dekan Hermann K. Zeller und seine Frau Elsbeth verstecken das jüdische Ehepaar Krakauer in ihrem Pfarrhaus in Waiblingen, dreimal hintereinander. Das Ehepaar überlebt. Die noch lebenden Töchter, ihre Kinder und andere Verwandte empfinden heute die Rettung der Verfolgten als „selbstverständlich und normal“. Die überlebenden Opfer der Schoa nennen jene Christen, die in der Zeit des Nationalsozialisten Juden retteten, „Gerechte aus den Völkern“. Zu ihnen zählt das württembergische Pfarrerehepaar Zeller.

Mittwoch, 18.03.2009

09:45 Uhr; hr
Frontabschnitt Hochschule – Universitäten in der NS-Zeit

Nachdem einige deutsche Hochschulen schon etwas früher ihre braune Vergangenheit untersucht haben, hat der Altrektor der Universität München, Prof. Andreas Heldrich, 2002 den Anstoß gegeben, nun auch die Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch zu erforschen.
Historisches Film- und Bildmaterial sowie die Aussagen der beteiligten Wissenschaftler und der noch lebenden Zeitzeugen belegen, dass die Münchner Universität nicht brauner war als andere deutsche Universitäten in der NS-Zeit, dass sie aber sehr wohl von der Ideologie der Nazis beeinflusst und dominiert war.
Der Nationalsozialismus kam nicht automatisch über die Universitäten. Es war ein Vorverständnis vorhanden, das die Nazis nur aufgreifen und als reichsweit verbindlich erklären mussten. Die Universitäten waren einer Instrumentalisierung für die Zwecke des NS-Staates ausgesetzt.

14:00 Uhr; 3sat
Auf den Spuren der Götter

Sie sind von atemberaubender Schönheit: die Wüsten Negev und Sinai. Geologisch sind sie eine Einheit, doch seit 1948 werden sie durch die Grenze zwischen Israel und Ägypten geteilt. Obwohl gefährlich und unwirtlich, waren diese Gebirgswüsten die Welt von Propheten, Eroberern und Pilgern. Vielleicht, weil sie sich dort ihren Göttern näher fühlten.

Donnerstag, 19.03.2009

00:00 Uhr; EinsExtra
Mund halten und schnell vergessen

„Auf dem Pult des Lehrers lag ein Zettel und da stand mein Name drauf. Und unter meinem Namen, Joelsen – Halbjude.
Da mich meine Eltern bis dahin nicht aufgeklärt hatten, dass ich jüdische Großeltern habe, hat mich das völlig unvermittelt getroffen: Wieso bin ich jetzt plötzlich Halbjude? Ich hab bloß gewusst, was Schlimmes muss es ja sein. Denn Juden sind unser Unglück. Das hab ich ja gelesen auf dem Schulweg.“
Walter Joelsen ist zwölf Jahre alt, als er von seiner „nichtarischen“ Abstammung erfährt. Das Verdikt, das 1938 in einem Münchner Gymnasium über ihn gesprochen wird, verändert sein Leben völlig. Plötzlich fangen die zunächst noch kleinen Schikanen an, die Gemeinheiten von Spielkameraden, die Abstrafungen in der Schule. Dann gerät die Familie unter existenziellen Druck. Der Vater, ein konvertierter Jude, verliert seine Arbeit, die Mutter wird von der Verwandtschaft bedrängt, sich doch endlich scheiden zu lassen.
Kleine Fluchten in ein „normales“ Leben gelingen Walter Joelsen in der evangelischen Jugendarbeit. Hier ist sein „jüdischer Makel“ kein Thema. Das Dritte Reich durchstehen Walter Joelsen und sein Vater als Zwangsarbeiter. Doch auch das Leben nach der Befreiung 1945 ist schwer zu gestalten. Denn der Antisemitismus ist nicht aus den Köpfen der Menschen verschwunden, auch nicht in der Kirche.
Lange hat Pfarrer Walter Joelsen in der Öffentlichkeit über seine Geschichte geschwiegen. In den 1990er Jahren wurde er gebeten, in Schulen mit den Kindern zu sprechen. Seitdem gibt er ein bewegendes Zeugnis – seiner Kindheit und auch seines Lebens nach dem Krieg.

Zusammenstellung: Holger Raak