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Israels militärischer Mephisto: Amos Gilad

Es ist keine große Überraschung, dass Amos Gilad, jener israelische General, der seine Regierung verklagte, weil er durch seine Rolle bei der Libanoninvasion 1982 angeblich einen „irreversiblen mentalen Schaden“ davongetragen hatte, nun erneut die öffentliche Kontroverse sucht…

Am Montag hatte der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert Gilad als israelischen Gesandten in Ägypten gefeuert. In dieser Funktion war Gilad für die Waffenstillstandsverhandlungen mit der Hamas zuständig gewesen. Gilad hatte die Bedingungen Olmerts für einen Waffenstillstand als „geiesteskrank“ bezeichnet.

von Jonathan Cook

Der nichtgewählte Ex-General „lenkt das Land“, behaupten Offizielle

Olmerts Maßnahme drohte in Israel einen politischen Sturm auszulösen. Verteidigungsminister Ehud Barak, ein alter Freund Gilads, beeilte sich, Olmerts Entscheidung zu verurteilen und bestand darauf, dass Gilad – im Verteidigungsministerium zuständig für Fragen der Diplomatie und der Sicherheit – weiterhin seine übrigen Aufgaben erledigen durfte.

Seit Ausbruch der Intifada im Jahr 2000 sind Mr.Gilads Fingerabdrücke auf einem Großteil der Falkenpolitik israelischer Regierungen zu finden (wie Entmachtung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), „Loslösung“ von Gaza, Förderung eines Bürgerkrieges zwischen Hamas und Fatah).

Es zeugt von Gilads Unersetzlichkeit, dass sich Olmert peinlicherweise gezwungen sah zurückzurudern und seinen seltsamen Offiziellen wiedereinzusetzen, nachdem Gilad sich schriftlich entschuldigt hatte.

Israelische Kommentatoren behaupten, Gilad habe über die Jahre versucht, den Unterschied zwischen politischer und militärischer Einflussnahmen zu verwischen. So beschuldigt Akiva Eldar ihn in der Haaretz, „mit und ohne Uniform ein Mephisto“ zu sein. Er habe seine Abteilung „in eines der wichtigsten Machtzentren des Landes“ verwandelt.

In der Öffentlichkeit gilt Gilad als der „große Erklärer“. In der vergangenen Woche hatte er sich in einem Interview in der Tageszeitung Maariv mit Olmert angelegt. Es ging um dessen Rolle bei den Verhandlungen über einen neuen Waffenstillstand mit der Hamas in Gaza.

Mr. Gilad hatte jenen sechsmonatigen Waffenstillstand ausgehandelt, der der dreiwöchigen Gaza-Offensive Israels vorausgegangen war. Nun soll Gilad gesagt haben, ein neues Abkommen stehe kurz bevor, durch das die Hamas den Waffenschmuggel nach Gaza und den Raketenbeschuss aus Gaza – im Gegenzug für eine Öffnung der Grenzübergänge – einstellen werde.

Gilad war wütend, dass Olmert diese Gespräche praktisch in letzter Minute abgebrochen hatte, indem Olmert einen Waffenstillstand an die Freilassung des 2006 gefangengenommenen israelischen Soldaten Gilad Shalit koppelte. Amos Gilad in der Maariv: „Ich verstehe nicht, was sie versuchen. Die Ägypter beleidigen?… Das ist Wahnsinn, einfach Wahnsinn“.
Bis vor kurzem hatten sich die Gespräche über die Freilassung von Sergeant Shalit auf das Thema Gefangenenaustausch konzentriert. Die Hamas fordert die Freilassung von mehreren hundert Palästinensern.

Mr. Gilad verweigerte zunächst eine Entschuldigung. Daraufhin löste Olmert ihn als Gesandter (in Ägypten) ab und erhob Beschwerde gegen ihn bei der Civil Service Commission. Mr. Olmerts Maßnahmen in den letzten Tagen seiner Amtszeit drohten ihn auf Kollisionskurs mit Offiziellen des Verteidigungsministeriums zu bringen, die auf einen langfristigen Waffenstillstand mit der Hamas erpicht scheinen.

Baraks Stab legte scharfe Kritik gegen den Ministerpräsidenten ein und warnte, „Israel wird unter den Folgen zu leiden haben“. Verteidigungsminister Barak bezeichnete die Entscheidung als „beschämend“. Mr. Gilad sei ein „hingebungsvoller, außergewöhnlicher Civil Servant“.
Die enge Beziehung zwischen Barak und Gilad geht auf die Zeit zurück, als Barak selbst Ministerpräsident war. Damals war Gilad Chef der Forschungsabteilung des Militärgeheimdienstes und hielt Barak mit Briefings auf dem Laufenden.

Gilad gilt traditionell als Ultra-Falke – auch wenn er heute in Israel das Image eines Pragmatikers, ja fast schon einer Taube, aufgebaut hat.
Gilads Briefings während Camp David 2000, in denen er behauptete, Palästinenserführer Jassir Arafat sei entschlossen, die Zweite Intifada zu nutzen, um Israel zu zerstören, verliehen dem Slogan „Es gibt keinen Partner für den Frieden“ Gewicht.
Vier Jahre später, im Juni 2004, offenbarte eine Reihe von Militäroffiziellen, Gilad habe die Geheimdienstberichte verfälscht und Politiker falsch dargestellt.

Laut des Chefs des israelischen Militärgeheimdienstes, Amos Malka, sprachen die Beweise dafür, dass Arafat in Wirklichkeit einen Deal mit Israel erreichen wollte und von der Wut des Volksaufstandes der Palästinenser überrascht worden war.
Als Reaktin (auf Malka) verteidigte Gilad seine Briefings. Er bezeichnete Arafat als „unglaublich gefährlich“ und verglich ihn mit Adolf Hitler.
In dieser Zeit stellte das Verteidigungsministerium Gilad einen Behindertenausweis aus. Durch den „heftigen emotionalen Druck“ (so Gilad) im Libanonkrieg 1982 habe er Diabetes bekommen. Außerdem habe seine Psyche Narben davongetragen.

Öl ins Feuer: Gilads falsche Geheimdienstinformation

Einige israelische Analysten werfen Gilad vor, während der gesamten Zweiten Intifada Öl ins Feuer der israelischen Falkenpolitik gegossen zu haben.
2004 schrieb Roni Ben Efrat in einem Kommentar, Gilads falsche Geheimdienstinformation hätte die politische Rechtfertigung „für die Isolierung Arafats“ geliefert, „sowie für den Versuch, ihn durch Abu Mazen (Mahmoud Abbas) zu ersetzen. Heute ist sie die Wurzel des Planes, sich einseitig aus Gaza zurückzuziehen“.

Die Erkenntnisse über Gilads falsche Geheimdienstinformationen und seine angebliche geistige Störung, konnten seinem Einfluss kaum mindern. So wurde er zum Armee-Koordinator für die besetzten Gebiete ernannt und half Baraks Nachfolger Ariel Scharon bei der Wiederbesetzung der Westbank und der Zerstörung der PA.

Gilad förderte die Idee, Israel stehe im „Krieg gegen den Terror“ an vorderster Front. Im Februar 2003, einen Monat vor dem US-Einmarsch in den Irak, sagte Gilad, Jassir Arafat und der irakische Diktator Saddam Hussein „glauben an denselben Weg, den Weg des Terrors, um Israel zu brechen“.

Im Mai 2003 übernahm er seinen (jetzigen) Posten als Mitarbeiter für Sicherheit und Diplomatie im Verteidigungsministerium. Damals warnte der Militäranalyst Reuven Pedatzur, seine Ernenung sei „ein weiterer Schritt in einem Prozess der Militarisierung der israelischen Gesellschaft“ und fügte hinzu: „Zivilisten – und die zivile Weltsicht – werden aus dem diplomatischen Prozess vollkommen ausgeschlossen, sie haben keinerlei Einfluss, sind in keinster Weise involviert darin“.

Nach Korruptionsvorwürfen trat Ministerpräsident Ehud Olmert im September 2008 de facto zurück. Heute wartet Israel immer noch auf seinen Nachfolger/seine Nachfolgerin. Regierungsoffizielle beschweren sich, Gilad „leite“ praktisch „das Land“ – auch wenn er nie gewählt wurde.

Jonathan Cook ist der einzige westliche Journalist, der in Nazareth lebt, der Hauptstadt der palästinensischen Minderheit in Israel. Er war zuvor Mitarbeiter bei den Zeitungen The Guardian und Observer und hat über den israelisch-palästinensischen Konflikt auch für die Times, Le Monde diplomatique, die International Herald Tribune, Al-Ahram Weekly, Counterpunch und Aljazeera.net geschrieben. Er ist Autor von Blood and Religion (2006) und von Israel and the Clash of Civilisations (2008).