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Knobloch: „Vatikan soll sich klar abgrenzen!“

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat die Erklärung des Vatikans vom 04-02-09 als ersten Schritt in Richtung Wiederaufnahme des Dialogs mit der Kirche gewertet. Die Stellungnahme sei eine Reaktion auf den Klarstellungsvorstoß der Bundeskanzlerin.

Pressemitteilung von Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland

Die Zentralratspräsidentin wertete die deutliche Aufforderung des Vatikans an Williamson, die Leugnung des Holocaust unmissverständlich und öffentlich zurückzunehmen, als positives Signal, auf das die Öffentlichkeit schon lange gewartet habe. Der Vatikan habe jetzt deutlich gemacht, dass die Piusbruderschaft nur dann von der Kirche anerkannt werde, wenn sie sich zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekenne. Das würde für die Piusbruderschaft bedeuten, ihre Aussagen, jüdische Bürger als G’ttesmörder zu bezeichnen, ebenso öffentlich zurückzunehmen und jegliche Form der Holocaust-Leugnung aufs schärfte zu verurteilen.

Charlotte Knobloch erwartet nun, dass der Vatikan konkrete Konsequenzen aus den ungeheuerlichen Vorfällen um die Piusbruderschaft zieht – über eine reine Distanzierung oder Entschuldigungen hinaus. „Es geht nicht darum, dass Fehler gemacht worden sind, sondern darum, dass diese wieder ausgeräumt werden.“ Charlotte Knobloch verlangt eine Kurskorrektur und eine klare Abgrenzung der Kirche von dieser Gruppierung, die grundsätzlich den Dialog mit den Juden ablehnt, sie als G‘ttesmörder bezeichnet und Holocaust-Leugner in den eigenen Reihen duldet.

Die Angelegenheit sei keinesfalls beigelegt, bekräftigt die Zentralratspräsidentin. Es gehe nicht um eine Entschuldigung des Vatikans für eine Äußerung, die ein überzeugter Antisemit von sich gegeben habe, sondern um eine klare Trennung von einer antisemitisch geprägten Gruppierung, in der unter anderem die Leugnung des Holocaust kein Einzelfall ist. Charlotte Knobloch stellt fest: „Der Papst hat bislang nicht deutlich gemacht, was ihm wichtiger ist, ein Dialog mit dem Judentum oder eine Annäherung an die Piusbruderschaft, die die Aussöhnung mit dem Judentum und den Dialog mit anderen Religionen ablehnt.“ Die katholische Kirche verliere an Glaubwürdigkeit, wenn sie verkenne, dass ein Dialog in beide Richtungen unmöglich ist. Die nächsten Schritte des Vatikans werden zeigen, ob der Dialog mit dem Judentum den gleichen Stellenwert hat wie unter Papst Johannes Paul II., der maßgebliche Akzente gesetzt hat.