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Europa und die Welt
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Die Jagdgesellschaft und das Leben des Karl Pfeifer

Ich lernte Karl Pfeifer im Oktober 2001 in einem kleinen Saal am Wiener Oberlandesgericht kennen, und wollte meinen Ohren und Augen nicht trauen. Damals zeigte die Richterin namens Trieb tatsächlich während der Urteilsverkündung mit dem ausgestreckten Finger auf ihn und legte mit ihrer Tirade los: "Mit Ihrem Artikel, Herr Pfeifer, haben Sie eine Lawine losgelöst, die dazu führte..." – doch dazu später mehr. Nur soviel vorweg: Dieses Urteil wird in Bälde als Beschwerde gegen die Republik Österreich am Strassburger Menschenrechtsgerichtshof verhandelt...

Von Mary Kreutzer
Erschienen in: liga 03/2006


Auf die Frage, welcher Teufel ihn geritten habe, sechs Jahre danach, sechs Jahre nach 1945, in das Land der TäterInnen zurück zu kehren, meint Karl Pfeifer, es sei wegen seines niedrigen Blutdruckes. "Nirgends auf der Welt kann ich mich ein mal täglich so aufregen wie in Österreich, das tut mir gut". Aber er gibt auch andere Erklärungsversuche, nämlich die Versuche - die gescheiterten - das Unverständliche verstehen zu wollen. 1951 rät ihm sogar der Konsul in Frankreich mit Nachdruck von der Rückkehr ab, und dieser war eben kein Antisemit, gerade deshalb... Doch Karl Pfeifer stieg trotzdem in den Zug.

"Das war der größte Fehler meines Lebens", meint er und überlegt – "doch andererseits wieder nicht, denn sonst hätte ich ja meine Frau Dagmar nie kennengelernt". Man erklärte ihm, dass er sei kein Heimkehrer im eigentlichen Sinn, das seien nur SS-ler und Wehrmachtsangehörige. In Wien angekommen schickt man ihn, der völlig mittellos war, und sich (bis heute) weigert, einer Partei beizutreten, in das Obdachlosenheim in der Meldemannstraße. Hier hatte auch Adolf Hitler vierzig Jahre zuvor gewohnt. Die 30.000 Schilling für die Rückgabe der arisierten Villa der Eltern in Baden bei Wien konnte er nicht aufbringen. "Eigentlich wollte ich das Haus gar nicht zurück. Ich wollte nur eines: möglichst schnell wieder weg von hier."

"Saujud, sag Heil Hitler!"

Das war 1938, als ihn HJ-Burschen nach der Schule in seiner Heimatstadt Baden bei Wien verprügelten. "Lieber krepier ich, bevor ich das sag." Die Eltern, gesellschaftlich und ökonomisch bereits völlig isoliert, nehmen ihn von der Schule, bereiten die Flucht vor. Der zehnjährige Karl saß vor der Abreise am Kirschbaum, als ihn während eines Gewitters ein Geistesblitz traf. "Es gibt keinen Gott!" erklärte er daraufhin dem Vater stolz, und erhielt eine Ohrfeige. In Ungarn angelangt lernt er die Sprache rasch, besucht das jüdische Gymnasium und wird auf der Straße erneut als "Saujud" beschimpft. "Österreicher war ich also keiner, Ungar offensichtlich auch nicht. Ich war nur Jude. Und wollte wieder nichts wie weg."

Was ihm das Leben rettete, war die Einladung zu einer Purim-Party in Budapest. Denn dort lernte er Jugendliche vom linkszionistischem HaShomer HaZair kennen, die es schafften im Januar 1943 einen der letzten drei Kindertransporte aus Europa nach Palästina zu organisieren. Zu einem Zeitpunkt, als Züge mit Juden und Jüdinnen ausschließlich in die Vernichtungslager führten, schafften es 50 Kinder und Jugendlicher, der Hölle des Dritten Reichs zu entkommen. An der bulgarisch-türkischen Grenze hätte die Geschichte beinahe eine fatale Wendung genommen. Drei österreichische Gestapo-Beamte wollten den Zug zunächst nicht passieren lassen. "Ihr wollt nach Palästina? Wir können euch nach Polen bringen, dort könnt ihr auch eine landwirtschaftliche Schule besuchen..."

Erez Israel

Am 19. Jänner 1943 erreichen sie mit viel Glück und nach einer strapazenreichen Reise Haifa und werden in einem Kibbuz untergebracht. Die ungarischen, rumänischen und jugoslawischen Kinder, und auch Karl, lernten rasch hebräisch, um sich untereinander verständigen zu können. Seinem Sprach-Lehrer ist Karl bis heute dankbar dafür, dass er ihnen ein humanistisches Judentum näherbrachte, das ihn geprägt hat.

Trotz des Lebens im Kollektiv war die Zeit im Kibbuz auch von Trauer und Einsamkeit der Kinder geprägt. "Wir waren ohne unsere Familien und sprachen selten darüber, es war zu schmerzvoll. Einige Eltern waren bereits von den Nazis ermordet worden." 1946, noch war die Ausrufung eines jüdischen Staates für viele ein Traum, meldet er sich freiwillig zur Untergrundarmee und kämpft in der Eliteeinheit Palmach. "Wir konnten überhaupt nicht wissen, wie es ausgehen wird. Wir wussten nur, dass wir die bessere Motivation hatten. Wir wussten, wenn wir den Kampf für einen eigenen Staat nicht gewinnen, dann werden wir nicht überleben." Den Kampf, zunächst für die Unabhängigkeit und später für die Existenz Israels, werfen ihm heute - in Österreich - linke AntisemitInnen und AntizionistInnen, aber auch IslamistInnen und Rechtsextreme immer wieder vor.

"Auch am Selbstmord ist der Jude schuld"

stand in der liberalen israelischen Tageszeitung Haaretz zu lesen, die den Prozess Karl Pfeifers am Oberlandesgericht Wien mitverfolgte. Sein Engagement gegen den Antisemitismus hierzulande brachte ihm Anfang 2000 den Vorwurf der blau-schwarzen rechtskonservativen Wochenzeitung Zur Zeit ein, den rechtsextremen Politologen Pfeifenberger in den Tod "gehetzt" zu haben, mit einer "Jagdgesellschaft". Karl hatte nämlich 1995 Pfeifenbergers Auslassungen im FPÖ-Jahrbuch als "NS-Töne" identifiziert, was diesen fünf Jahre später in Konflikt mit österreichischem Recht brachte. Ein Verfahren wegen Wiederbetätigung wurde angekündigt.

Doch als Pfeifenberger dann mutmaßlich Selbstmord beging, war für den damaligen Haider-Berater Mölzer rasch der "Mörder" ausgemacht: der "jüdische Journalist Karl Pfeifer"! Karl klagte das Blatt, doch die bereits erwähnte Richterin Frau Trieb befand den Vorwurf der "Menschenhatz, die in den Tod führen sollte" als "zulässige Meinungsäußerung". Ob diese "Meinungsäußerung" tatsächlich zulässig ist, das soll nun der Europäische Menschengerichtshof entscheiden.

Bahnen und Verstrickungen

2008 soll ein Film präsentiert werden, der die vielfältigen Erlebnisse und Erfahrungen Karl Pfeifers darstellt. Auf Basis eines lebensgeschichtlichen Interviews begleitet der Film Karl Pfeifer an zentrale Orte seines Lebensweges. Orte, die sein Leben maßgeblich beeinflusst haben, sowohl privat wie auch politisch. Orte, an denen er antisemitischen Angriffen ausgesetzt war; Orte, an denen er seine politische Einstellungen schärfte; alles in allem Orte, die mit Erlebnissen und Erfahrungen verknüpft sind, welche ihn zu einem lebenslangen Kampf gegen Antisemitismus aller Couleurs bewegt haben und die seinen gegenwärtigen Einschätzungen und Ausführungen analytische Schärfe geben. Baden bei Wien, Budapest, Haifa, das Kibbuz Scha’ar haAmakim, uvm.

Dem Leben Karl Pfeifers zu folgen, bedeutet auch gleichzeitig den Bahnen und Verstrickungen des österreichischen Antisemitismus seit 1938 zu folgen. Israel besucht Karl seit seiner Rückkehr regelmäßig. Als die Hizb Allah im Sommer 2006 den Norden Israels bombardierte, traf es auch jenes Kibbuz, in das seine Kindergruppe 1943 gekommen war. Heute leben in Scha'ar haAmakim immer noch einige "Kinder", seine Ersatzfamilie von damals. "Dort bin ich aufgewachsen, in der hebräischen Kultur bin ich verwurzelt. Dort leben Verwandte und Freunde. Und wie die meisten Juden der Welt, trete ich für das Existenzrecht des demokratischen jüdischen Staates ein."

Infos zum Filmprojekt: www.antisemitismusforschung.net

Ausgewählte Veröffentlichungen von Karl Pfeifer:
Kroatien, der Vatikan und die Juden, in: Antisemitismus in Osteuropa, Wien 1992; Nicht immer ganz bequem, Wien 1996; Bruderzwist im Hause Israel, Judentum zwischen Fundamentalismus und Aufklärung (mit Theodor Much), Wien 1999; Der Fall Pfeifenberger: "Nazi-Töne" eines Hochschullehrers, in: Alte und Neue Rechte an den Hochschulen, Münster 1999; Rückkehr nach Österreich, in: Das kann einem nur in Wien passieren, Wien 2001

Karl Pfeifer, geboren am 22. August 1928 in Baden bei Wien. 1938 Flucht mit den Eltern nach Ungarn. 1943 Flucht nach Palästina. Erziehung im Kibbuz. 1947–1949 Dienst in der Elitetruppe Palmach und der israelischen Armee. 1951 Rückkehr nach Österreich. Arbeitsaufenthalte in Neuseeland, Italien, England und den USA. 1982–1995 Redakteur des offiziellen Organs der jüdischen Gemeinde in Wien. Unterstützung der ungarischen demokratischen Opposition. Seit Anfang der neunziger Jahre Wiener Korrespondent des Israelischen Radios, als freier Journalist Korrespondent des monatlich erscheinenden antifaschistischen Londoner Magazins Searchlight und der Budapester Wochenzeitung Hetek. Beiträge für in- und ausländische Zeitungen und Zeitschriften sowie diverse Buchveröffentlichungen. Kuratoriumsmitglied des DÖW.

Laudatio: Joseph Samuel Bloch Medaille für Karl Pfeifer
Mölzers Mörder

Category: Österrreich
Posted 01/22/07 by: admin