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Europa und die Welt
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Italien: Der Faschismus und das "absolut Böse"

In Italien wird die neue Betrachtungsweise der faschistischen Vergangenheit, die sich seit langem abzeichnet, immer offizieller. Nach seinem Besuch in Jad vaSchem meinte der Bürgermeister von Rom, der Faschismus sei nicht unbedingt das "absolute Böse". Der italienische Verteidigungsminister lobte die faschistischen Soldaten, die im 2. Weltkrieg gedient haben...

In einem Leitartikel nimmt Noach Klieger in Jedioth achronoth solche Aussagen unter die Lupe:

Noach Klieger, Jedioth achronot, 10. September 2008

Ich muss sicherlich nicht verkünden, dass ich Faschismus oder jede andere Form von Diktatur ablehne. Ich habe ja viele Jahre lang am eigenen Leib die Auswirkungen dieser Doktrinen erfahren. Aber im Zusammenhang mit der Verfolgung und Vernichtung der Juden Europas im 2. Weltkrieg sollte auch darauf hingewiesen werden, dass es Diktatoren und Faschisten gegeben hat, die nicht mit dem österreichischen Psychopathen übereinstimmten, der in Deutschland die Macht übernommen hatte. In anderen Worten, obwohl sie Partner Hitlers waren, haben sie seine Lehre im Zusammenhang mit der Judenverfolgung nicht akzeptiert.

Dieser Tage besuchte der Bürgermeister von Rom, Gianni Alemanno, der Mitglied der rechtsradikalen Partei „Nationale Allianz“ ist, Yad Vashem. Nach seiner Rückkehr nach Italien sagte er, seiner Meinung nach sei der Faschismus nicht das „absolute Böse“ und fügte hinzu, er finde, das absolute Böse seien die Rassengesetze. Damit bezog sich Alemanno auf die anti-jüdischen Gesetze, die das faschistische Regime Mussolinis auch in Italien anwandte. Die Äußerungen Alemannos lösten in Italien große Aufregung aus, vor allem in der jüdischen Gemeinde.

Ohne überhaupt auf die Argumente Alemannos einzugehen, der in völlig demokratischen Wahlen gewählt wurde, muss man sagen, dass die Rassengesetze in Italien zwar eingeführt wurden, Mussolini, der engste Verbündete des Naziführers, jedoch keine Judendeportationen in die Vernichtungslager initiiert und sie auch nicht ermöglicht hat, solange er in Italien herrschte. Natürlich macht ihn das nicht zu einem Heiligen, aber Tatsache bleibt Tatsache.

Und noch etwas sollte man wissen: Die italienischen Behörden und auch die Armee ermutigten die Bürger in aller Stille dazu, den Juden zu helfen. Erst nach September 1943, als Italien vor den Alliierten kapitulierte und sich aus dem Krieg zurückzog, woraufhin die Deutschen fast das ganze italienische Staatsgebiet unter Kontrolle nahmen, setzten die Deportationen nach Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen ein.

Von ca. 12.000 italienischen Juden (die ganze Gemeinde zählte ca. 55.000), die deportiert wurden, kamen ca. 8000 in den Lagern ums Leben. Es gab noch einen anderen Faschisten, der sozusagen ein Bündnispartner Hitlers war: Francisco Franco in Spanien. Ich schrieb mit Absicht „sozusagen“, denn dem schlauen Franco gelang es, den Führer Jahrelang zu manövrieren und so zu tun, als sei er sein Partner, während sich der gesamte Beitrag Spaniens zum Krieg auf die Gründung einer Division von Volontären beschränkte, die an der Ostfront gegen die Sowjets kämpfte. Was die Juden betrifft, so gab es in Spanien nicht nur keine Judenverfolgungen, sondern dieser faschistische Staat rettete sogar viele Juden, denen es gelang, über die Pyrenäen von Frankreich nach Spanien zu gelangen.

Es ist also richtig, dass man sich absolut vom Faschismus und jeder Form der Diktatur distanzieren sollte, die historischen Fakten sollten dabei jedoch nicht ignoriert werden.

Die Finzi-Contini kehren nie zurück: Jüdische Kultur der Stadt Ferrara
http://www.hagalil.com/archiv/2005/06/ferrara.htm

Grauschleier und Faschismus: Judenschicksale unter Mussolini
http://buecher.hagalil.com/sonstiges/italien.htm

Zufluchtsland: Italien während der Nazi-Zeit
http://www.hagalil.com/archiv/2004/02/italien.htm

http://www.hagalil.com/europa/italia

Category: Italien
Posted 09/11/08 by: admin