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Israel und Nahost
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Das Rückkehrloch

Hin und wieder, wahrscheinlich, um unsere Laune zu bessern, veröffentlichen die zuständigen Behörden die Zahlen der Einwanderer, die in letzter Zeit nach Israel gekommen sind. Und wir freuen uns darüber. Die Realität ist jedoch bekanntlich weitaus weniger Herzerwärmend. Wenn man nämlich in der Vergangenheit und vielleicht sogar in der Gegenwart dieser Einwanderer ein wenig herumstöbern würde, dann müsste man annehmen, dass sie keine israelische Staatsbürgerschaft erhalten würden, wenn nicht über der ganzen Prozedur das Rückkehrrecht schweben würde...

Von Yael Paz-Melamed, Maariv v. 02.11.2007

Dieses Recht verleiht nämlich jedem Juden automatisch die israelische Staatsbürgerschaft, ohne dass man kriminelle Elemente aussieben könnte, oder solche, die hier nur für ein, zwei Monate vorbeischauen, alle Vergünstigungen einpacken und dann weiterziehen. Viele dieser Einwanderer kamen ohne jegliche Verpflichtung zum Staat nach Israel, und sie missbrauchen das Rückkehrrecht, um sich für einige Zeit einen Zufluchtsort zu sichern. Sie kamen nicht hierher, weil dies der Staat der Juden ist. Sie kamen, weil kein anderer Staat bereit ist, sie aufzunehmen und ihnen ohne jede Überprüfung die Staatsbürgerschaft zu verleihen.

Ganz zu schweigen von den Hunderttausenden Einwanderern, die bereits hier sind, vor allem aus Äthiopien und der GUS, und die sich weder kulturell noch sozial einleben. Die Äthiopier haben zurecht das Gefühl, dass sie von der israelischen Gesellschaft nicht akzeptiert werden, dass sie diskriminiert und in Ghettos gesteckt werden, und sie sind hier unglücklich. Auch ein Teil der russischen Einwanderer lebt in Ghettos, vor allem die schwachen Schichten, und sie fühlen sich nicht als Teil der israelischen Gesellschaft.

Warum wollen wir unbedingt jeden nach Israel bringen, dessen Großvater zufällig jüdisch war? Warum sind uns Zahlen so wichtig? Wir sind nicht mehr 600.000 von Feinden umzingelte Juden, sondern fast sechs Millionen (Juden, noch immer von Feinden umzingelt). Man kann sich von diesem Trieb jetzt langsam befreien. Man muss nicht jeden verlorenen Stamm nach Israel bringen, der beschlossen hat, er sei jüdischer Herkunft. Das ist schön und gut, aber diese Menschen sollen dort jüdisch sein, wo sie im Moment leben. Der Staat Israel kann solche Aufgaben nicht mehr übernehmen. Weder aus wirtschaftlicher noch aus sozialer Sicht.

Stattdessen sollte man sich um diejenigen kümmern, die schon hier sind, freiwillig oder unfreiwillig. Der neue Innenminister, Meir Shittrit, hat das verstanden. Er war immer ein Politiker etwas anderer Art, zum Guten und zum Schlechten, und er zögert nicht, seine Meinung auch zu Themen zum Ausdruck zu bringen, die nicht auf der Liste des "politically correct" stehen. Deshalb ließ der Minister in seiner Rede vor dem Aufsichtsrat der Jewish Agency am vergangenen Dienstag eine Bombe platzen, indem er aufrief, das Rückkehrrecht abzuschaffen. Die Änderung, die er, und auch viele andere, einführen möchten, lautet, dass zwar jeder Jude nach Israel kommen kann, jedoch nicht "schon fünf Minuten später" die Staatsbürgerschaft erhält. Er rief auch dazu auf- und hoffentlich wird er erhört- dass man davon absehen sollte, die verlorenen Stämme in aller Welt nach Israel zu bringen und auch niemanden mehr dazu zwingt, nach Israel zu kommen. Nur wer alle seine Optionen geprüft und sich dann entschieden hat, sollte
nach Israel einwandern.

Man braucht einigen Mut, um diese wichtigen Dinge zu sagen, aber noch mehr Mut brauchte man, um sie vor der Führung der Jewish Agency zu sagen, deren Hauptaufgabe es ja ist, so viele Juden wie nur möglich nach Israel zu bringen. Dafür sind Hunderte Mitarbeiter der Agency in allen Ecken der Welt stationiert. Das ist ihre Arbeit, und sie verrichten sie gar nicht schlecht.

Aber diese nationale Arbeit gehört der Vergangenheit an. Damals trug sie zum Aufbau des Landes bei, heute schadet sie mehr als sie nützt. Auch das Rückkehrrecht richtet viel Schaden an. Israel muss dieses Thema wie alle anderen westlichen Staaten handhaben und Kriterien für den Erhalt der Staatsbürgerschaft festlegen, die darüber hinausreichen, dass es irgendwo einmal eine jüdische Großmutter gegeben hat. Das Problem ist, dass es nur einen Shittrit gibt, zur Änderung eines solchen Gesetzes braucht jedoch man sehr viele Knessetabgeordnete, und es ist fraglich, ob sie sich finden lassen.

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv

Category: Allgemeines
Posted 11/05/07 by: admin