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Juden in Deutschland
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Abschied — Umzug — Einweihung: Im Herzen der Stadt angekommen

Ein Umzug hat für den Betroffenen immer zwei Gesichter: Einerseits freut er sich auf die neue Wohnung, andererseits überkommt ihn Wehmut beim Verlassen der alten, vertrauten Umgebung. Das ist ganz natürlich. Daher verwundert es nicht, dass auch die israelitische Kultusgemeinde den Umzug von ihrer alten Synagoge in der Reichenbachstraße mit einem weinenden und einem lachenden Auge vollzieht, bevor sie sich freudig dem Einzug in die neue hingibt...

von Miriam Magall

Ein letzter G-ttesdienst am Freitagabend (3. November) findet statt und am Schabbath-Morgen (4. November) das letzte Morgengebet, die letzte Thora-Lesung und das letzte Mussaf-Gebet. Der richtige Abschied folgt am Mittwochabend (8. November). Wie alles, ist auch dieser letzte Abend in der Reichenbachstraße eine Mischung aus Freude und Wehmut. Vier großzügige Spender haben der israelitischen Kultusgemeinde je eine neue Thora-Rolle geschenkt. Gemäß der Tradition werden die letzten Buchstaben aller vier vor der versammelten Gemeinde im großen Gemeindesaal in der Reichenbachstraße vom Sofer geschrieben. Jeder Anwesende kann einen Buchstaben schreiben lassen und einen besonderen Segensspruch für sich mit nach Hause nehmen.
Danach nehmen alle Anwesenden am letzten Mincha- und am letzten Ma’ariw-Gebet in der Reichenbachstraße teil. Feierlich geht es dabei zu, denn ein Haus, das man 68 Jahre lang bewohnt hat, verlässt man nicht einfach so, ohne einen Blick zurück auf die vergangenen Jahre zu werfen. Die Abschiedsrede hält Rabbiner Langnas, die Festrede Dajan Chanoch Ehrentreu aus London, und Prof. Lehner spricht von seinen persönlichen Erinnerungen, denn er ist in der Synagoge in der Reichenbachstraße groß geworden und sichtlich gerührt, dass sie bald nur noch Teil seiner Vergangenheit sein wird. Die feierlich-wehmütige Stimmung steigern Kantor Joseph Malovany mit seinem Chor aus der Großen Synagoge in Jerusalem und der Kantor der Gemeinde, Avishai Levin, mit dem Jiskor zum Gedenken an die Reichskristallnacht.

Der große Tag des Umzugs am 9. November, bewusst gewählt in Erinnerung an die Zerstörung der Synagogen in Deutschland im Jahr 1938, beginnt mit dem letzten Mincha-Gebet in der Synagoge in der Reichenbachstraße. Feierlich werden alle Thora-Rollen aus dem Thora-Schrein gehoben und zu den schon unten auf der Straße wartenden Baldachinen getragen. Als freue sich auch der Himmel über dieses Ereignis, hört der Regen just in diesem Augenblick auf. Mit Gesang und begleitet von Geigen- und Klarinettenklängen ziehen die Teilnehmer, die Träger der Thora-Rollen, die Musikanten und alle Beter aus der Synagoge von der Reichenbachstraße über den Gärtnerplatz die Corneliusstraße hinunter bis zur neuen Synagoge auf dem Jakobsplatz. Die Straßen gesäumt von neugierigen Passanten, und auch in den Fenstern der angrenzenden Straßen drängen sich die Zuschauer.

Der Festakt, die Einweihung der neuen Synagoge, beginnt um 15 Uhr unter den Augen der 600 geladenen Gäste, die in der Synagoge selbst Platz gefunden haben, und weiteren 600 geladenen Gästen, die das Geschehen über eine Leinwand im Gemeindesaal verfolgen, ebenso wie landesweit an den Bildschirmen, denn der Festakt wird live im Fernsehen übertragen. Es beginnt damit, dass Charlotte Knobloch, die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde, vor dem hohen Tor der Synagoge die Schlüssel von Oberbürgermeister Christian Ude überreicht bekommt, die sie ihrerseits einem neunjährigen Kind überreicht -- es ist im gleichen Alter wie sie selbst, als sie mit ansehen musste, wie die Synagoge am 9. November 1938 niedergebrannt wurde.
Für die Präsidentin der israelitschen Kultusgemeinde ist ein Traum wahr geworden, erklärt sie in ihrer Begrüßungsrede: Die jüdische Gemeinde ist wieder im Herzen der Stadt angekommen. Dieses Thema greifen die sich anschließenden Redner gerne immer wieder auf. Bundespräsident Köhler betont außerdem, mit der neuen Synagoge in München werde nicht nur eine bauliche Lücke gefüllt, sondern auch eine Lücke im Leben in Deutschland, und er gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass damit jüdisches Leben, jüdische Kultur und Religion wieder tiefe Wurzeln schlagen mögen, nicht nur in München, sondern in ganz Deutschland. Edmund Stoiber, der Ministerpräsident von Bayern, schließt sich diesen guten Wünschen an, indem er betont, wie sehr er sich darüber freue, dass nunmehr mit dem neuen Zentrum wieder jüdisches Leben in der Mitte der Stadt angekommen sei. Zum Schluss lobt er die Präsidentin der jüdischen Gemeinde als eine hervorragende Botschafterin nicht nur in München, sondern auch in Bayern und in München. Für Oberbürgermeister Christian Ude ist es wichtig zu betonen, dass jüdisches Leben nun aus den Hinterhöfen gekommen sei und sich wieder in der Öffentlichkeit zeige. Gleichzeitig würdigt er diesen Tag als die Krönung des Lebenswerkes von Charlotte Knobloch. Rabbiner Langnas erklärt den versammelten Gästen, wie wichtig es für eine jede jüdische Gemeinschaft sei, den Dienst an G-tt so würdig wie nur möglich zu gestalten, und dazu gehöre auch ein so schönes „Haus der Versammlung und des Gebets“, wie es die Umstände einer jeden Gemeinde erlauben.
Nach dem Anzünden des Ewigen Lichts, das von der Synagoge in der Reichenbachstraße in die am Jakobsplatz getragen worden war, werden die neuen Thora-Rollen in den Thora-Schrein gestellt. Der nächste Redner, Edgar M. Bronfman, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, betont, das Licht stehe für jüdisches Wissen und jüdisches Lernen, das von der älteren Generation an die jüngere weitergegeben werden müsse. Oberrabbiner Israel Lau aus Israel erklärt, er nehme an der Zeremonie mit gemischten Gefühlen teil. Einerseits beneide er beinahe die Münchner Gemeinde um ihre wunderschöne Synagoge, andererseits spricht er den uralten jüdischen Wunsch aus: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Für Rabbiner Israel Singer, dem Vorsitzenden des Rates des Jüdischen Weltkongresses, vermittelt die neue Synagoge vor allem eine Botschaft: Wir haben überlebt, wir haben geheiratet, und wir haben wieder Kinder. Aus den 84 Juden, die den Krieg in München überlebt haben, sind inzwischen über 9000 Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde geworden.
Musikalisch gerahmt wird die Zeremonie vom Meister der Klarinette, Giora Feidmann. Nach seinem „Mein Gott! Mein Gott!“, versagt seine Klarinette ihm bei den letzten Tönen von „Er bringt Frieden über uns und über das ganze Volk Israel“, den Dienst. Absolute Stille in der großen Synagoge herrscht, als der Chor der Großen Synagoge von Jerusalem zusammen mit Kantor Joseph Malovany das „Wie gut sind deine Zelte...“ und anschließend „Gepriesen seist Du...“ anstimmt.
Nach dieser erhebenden Zeremonie verweilt der eine oder andere Gast in der Synagoge, um sie sich in Ruhe anzuschauen und auf sich einwirken zu lassen. Beim Empfang in Burda-Saal unterhält man sich lebhaft über das Gehörte und Geschaute.
Aber die Einweihung ist noch nicht zu Ende. Gleich am Freitagabend (10. November) findet der erste feierliche G-ttesdienst statt, und am Schabbath sind alle Gemeindemitglieder zum ersten Schabbath-G-ttesdienst morgens schon um 8.30 Uhr eingeladen. Vor der Thora-Lesung findet die rituelle Einweihung der Hauptsynagoge und die Einhebung der Sifrej-Thora statt. Danach geht es zum feierlichen Kiddusch in den Burda-Saal.

Und noch ein großes Ereignis kennzeichnet den Umzug in die neue Synagoge: Am Sonntag, 12. November, ruft die israelitische Kultusgemeinde München einen „Tag der Begegnung“ aus und lädt die Bewohner von München und Umgebung und alle, die sich an diesem Tag zufällig in der Stadt aufhalten, in ihre neue Synagoge und ins jüdische Gemeindezentrum. Der Widerhall ist unerwartet: Im Laufe des Tages kommen 15 000 Besucher, die z.T. Wartezeiten von bis zu eineinhalb Stunden in Kauf nehmen, um einen Blick in die neue Synagoge zu werfen. Der Ansturm ist so gewaltig, dass der Gemeindevorstand beschließt, für die 15 an diesem Tag stattfindenen Führungen den Betsaal mit Besuchern bis auf den letzten Platz zu füllen, was bedeutet, dass insgesamt an die 9000 Besucher einen ersten Blick in die Synagoge werfen und den Ausführungen kundiger Gemeindemitglieder über Sinn und Bedeutung dieser Synagoge folgen können.
Haben die Besucher noch etwas mehr Geduld, gelangen sie auch ins Gemeindezentrum, wo sie sich ihren Namen auf Hebräisch schreiben lassen, israelische Köstlichkeiten probieren oder auch kurzen Podiumsdiskussionen der Präsidentin der Gemeinde, Charlotte Knobloch, mit OB Christian Ude und anderen lauschen können. Es bietet sich ihnen die Gelegenheit, die neue Sinai-Schule in Augenschein zu nehmen und mit den Lehrern über Hebräischunterricht zu sprechen. Am Ende des Tages gibt der Chor des Großen Synagoge in Jerusalem ein Konzert. Erst dann können sich die Organisatoren dieses Tages erschöpft, aber glücklich zurücklehnen. Es war ein Erfolg, der ihre wildesten Vorstellungen übertroffen hat.

Im kommenden März, 2007, sollen die Büros im jüdischen Gemeindezentrum bezogen werden, und auch das Jüdische Museum öffnet dann voraussichtlich seine Tore. Nur die Grundschule und der Kindergarten ziehen erst im neuen Schuljahr im Herbst 2007 um. Schon vorher hat der Jakobsplatz hoffentlich seine neue ansprechende Pflasterung erhalten, wurden die neuen Bäume gepflanzt und Bänke zum Verweilen aufgestellt. Ein neues Zentrum im Herzen von München! Da kann man nur hoffen, es möge ihm ein längeres Leben beschieden sein als seinen Vorgängern.

Category: Gemeinden
Posted 11/15/06 by: admin