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Juden in Deutschland
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Back to the fifties: Kirchners "Berliner Straßenszene"

Am 8. November versteigerte das New Yorker Auktionshaus Christie's Kirchners Gemälde "Berliner Straßenszene". Der Erlös: 34 Millionen Dollar. Das Bild gilt als Schlüsselwerk des deutschen Expressionismus und hing im Berliner Brücke-Museum. Im Sommer wurde es vom Berliner Senat an eine Erbin des jüdischen Schuhfabrikanten und Kunstsammlers Alfred Hess restituiert, die ihren Besitzanspruch geltend gemacht hatte. Seitdem herrscht allerlei Aufregung und Verbitterung im deutschen Kulturbetrieb...


Von Rolf Surmann

Der Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, behauptete in der antisemitisch geprägten Diktion der Entschädigungsverweigerer in den fünfziger Jahren, derzeit werde gezielt nach Werken gefahndet, die sich zur Restitution eignen könnten, anschließend werde "die Politik weichgekocht, bis man einknickt und bereit ist, die Werke herauszugeben". Alles, was dabei zähle, seien "Spekulation und Geld". Bernd Schultz vom Auktionshaus "Villa Grisebach" ergänzte, die großen internationalen Auktionshäuser ließen gezielt nach rückforderbaren Kunstwerken suchen, weil der Kunstmarkt dringend Nachschub brauche. So einhellige Kritik an der kulturindustriellen Praxis liest man nicht oft.

Bezogen auf die Besitzgeschichte des Bildes konstatierte der ehemalige Berliner Kultursenator Stölzl: "Die gesamte Besitzgeschichte des Bildes ist von Kunstfreundschaft und Idealismus geprägt. Was jetzt geschieht ist dagegen pure Besitzverwertung." Und: "Der Präzedenzfall Kirchner ist von größter Gefährlichkeit für den deutschen Kulturbesitz im Feld der Klassischen Moderne." Zur Begründung bezog er sich auf die Aussage des Ernst-Ludwig-Kirchner-Archivs in Bern, mit 80 bis 100 Rückgabeforderungen von Bildern, die in deutschen Museen Eckpfeiler der modernen Sammlungen bildeten, sei zu rechnen. Die Aufregung scheint also angesichts der zumindest umstrittenen Besitzverhältnisse bei einer so großen Anzahl zentraler Kunstwerke in deutschem Besitz verständlich.

Sie hatte sich im Wahlkampf zum Berliner Abgeordnetenhaus zugespitzt. Dem PDS-Kultursenator Flierl wurde vorgeworfen, das Bild quasi verschenkt zu haben. Auch die Grünen kritisierten, man habe die deutschen Möglichkeiten wegen mangelnder Hartnäckigkeit bei der Recherche nicht ausgeschöpft, und plädierten für die Nichtrestitution. Die FDP wiederum, mit ihrer Nachkriegsgeschichte als Sammelbecken ehemaliger Nazis, entschied sich für die Verwischung historischer Spuren und unterstützte die Entscheidung des Kultursenators.

Begründet wurden die kritischen Stellungnahmen, die in zahlreichen Sitzungen der Berliner parlamentarischen Gremien in aller Ausführlichkeit und mit Vehemenz vorgetragen wurden, durch die Berufung auf unterschiedlichste Tatsachenbehauptungen. Etwa die Aussage Stölzls, der Schuhfabrikant Hess habe 1929 Bankrott anmelden müssen, weshalb die Familie gezwungen gewesen sei, zum Lebensunterhalt Gemälde aus der Sammlung fortlaufend zu verkaufen: eine Behauptung, die deutsche Argumentationslücken durch die Konstruktion eines ganz normalen Bildverkaufs aus finanziellen Gründen überdecken soll. Dementsprechend wird das Auftauchen der Gestapo bei der Hess-Witwe, um auf die Herausgabe der Kunstsammlung zu drängen, als ein von den Anwälten aufgebauschter Vorgang dargestellt. Der Blick eines Journalisten ins Unternehmensregister förderte allerdings zutage, daß die Firma Hess keineswegs aus der Firmenliste gestrichen worden war. Ein Gutachter sprach dann schließlich von einem "Beinahe"-Bankrott. Ähnlich verhält es sich mit der Charakterisierung des Bildkäufers. Als "reiner Kunstfreund" und international tätiger Industrieller wird er beschrieben. Völlig unvorstellbar sei überdies, daß er das Bild möglicherweise gar nicht bezahlt habe. Nicht erwähnt wird, daß dieser international tätige Industrielle Manager der IG Farben war.

Die Medien - mit besonderem Engagement die "FAZ" - argwöhnten nun den schleichenden Ausverkauf wichtiger deutscher Sammlungen. Zur prophylaktischen Abwehr weiterer Ansprüche ließen sie sich darüber aus, wie die Bundesrepublik doch schon seit Jahrzehnten unentwegt bemüht sei, in unrechtmäßigem Besitz befindliches Kulturgut den rechtmäßigen Eigentümern oder ihren Erben zurückzugeben. Doch ist bekanntlich genau das Gegenteil der Fall: Nach der Restitution in der Zeit alliierter Besatzung, gegen die sich die Deutschen energisch zur Wehr gesetzt hatten, erließ man in den fünfziger Jahren ein Restitutionsgesetz, das mit 1,5 Milliarden Mark finanziell gedeckelt war. Wie die Westalliierten überdies die deutsche Restitutionsbereitschaft einschätzten, zeigt sich daran, daß sie die oberste Gerichtsbarkeit in dieser Angelegenheit der westdeutschen Gesellschaft vorenthielten und das Gericht sicherheitshalber mit eigenen Leuten besetzten.

Als die USA in den neunziger Jahren unter dem Stichwort "Holocaust-Era Assets" noch einmal eine Rückerstattungsinitiative starteten, versuchten die Deutschen sich mit der Behauptung, das sei ja alles schon in den fünfziger Jahren geregelt worden, der historischen Verantwortung zu entziehen. Private Initiativen kamen jedoch rasch zu anderen Ergebnissen. Sie deckten zum Beispiel auf, wie viele Bücher in der Bremer Staatsbibliothek aus jüdischem Besitz stammten. Angesichts des internationalen Drucks sah man sich schließlich gezwungen, 1998 die sogenannte Washingtoner Erklärung zu unterschreiben, nach der nationalstaatliche und internationale Anstrengungen unternommen werden sollten, um noch immer nicht restituierte Kulturgüter an die ursprünglichen Eigentümer und ihre Erben zurückzugeben.

Zur Washingtoner Erklärung erließ die Bundesregierung eine Durchführungsverordnung ("Handreichung"), in der bei heute noch aktuellen Restitutionsforderungen - nicht zuletzt als Ausgleich für die prinzipielle Verweigerung des Klagerechts - die Beweislast umgekehrt wurde. Anders als in den fünfziger Jahren, als durch eine restriktive Gesetzgebung und ihre diskriminierende Anwendung viele Forderungen abgewehrt wurden, müssen deutsche Behörden nun nachweisen, daß bei Abtretungen von Kulturgütern während der NS-Zeit alles mit rechten Dingen zuging. Dies ist denn auch der eigentliche Grund sowohl für die aktuelle Aufregung um neue Restitutionsforderungen als auch für die unterschiedlichen Darstellungen des historischen Sachverhalts. Denn der Berliner Kultursenator kann nicht nachweisen, daß die ehemalige Eigentümerin für die Abgabe der "Straßenszene" Geld erhalten hat. Nach gegebener Sachlage ist das Bild den Erben folglich zurückzugeben. Flierl wies deshalb darauf hin, daß die Attacken gegen seine Entscheidung eigentlich auf die Durchführungsverordnung zielen. Damit liegt er wohl richtig. Denn immer lauter wird die Forderung, die Umkehrung der Beweislast abermals umzukehren. Back to the fifties also.

Auch wenn die eine oder andere Restitutionsentscheidung für ein deutsches Museum unangenehm sein mag - um deren Bestände braucht sich dennoch niemand zu ängstigen. Dafür hat die Bundesregierung schon mit ihrem Beschluß gesorgt, auf dem Papier zwar die unumgängliche Erforschung der Herkunft von Kunstwerken festzuschreiben, darfür aber keine Gelder bereitzustellen. Die Museen wiederum sind aus naheliegenden Gründen an einer solchen Recherche nicht interessiert. Natürlich ist eine solide Überprüfung der Bestände auf dieser Grundlage unmöglich.De facto reichen die Möglichkeiten allenfalls, um bei der Erhebung von Ansprüchen eine institutionelle Überprüfung vorzunehmen. Auch die Effizienz der Internetdatenbank Lost Art etwa ist erheblich eingeschränkt. Hierzu trägt u.a. die Dienstanweisung bei, selbst bei offensichtlich falschen Werknamen die richtigen nicht anzugeben. So verwundert es nicht, daß selbst von den seit Jahrzehnten offiziell als restitutionspflichtig bekannten Kunstgegenständen bislang nur ein kleiner Teil zurückgegeben wurde.

Erschienen in: Konkret 11/2006

Category: Gemeinden
Posted 11/13/06 by: admin