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Gefährliche Nachbarschaft? Juden und Muslime in Frankreich

Vortrag von Danny Leder (Paris) an der Universität Bonn, Donnerstag, 26.06.2008, 19 Uhr...

Unter den zahlreichen, potentiellen Nebenschauplätzen des israelisch-arabischen Konflikts ist, zumindest in Europa, Frankreich das heikelste Terrain. Das hat kaum mit der Einstellung der französischen Mehrheitsbevölkerung zutun, sondern ist vielmehr das Ergebnis des Zusammentreffens von kolonialhistorisch bedingten, gewichtigen ethnisch-religiösen Spannungsfaktoren und einer seit über zwanzig Jahren andauernden sozialen Krise.

So zählt kein anderes Land in Europa derartig viele Moslems (annähernd fünf Millionen) und Juden (rund 600.000). Beide Bevölkerungsgruppen stammen mehrheitlich aus Frankreichs Ex-Kolonien im Maghreb, dem arabischen Nordwestafrika, und leben teilweise heute noch, Tür an Tür, in jenen städtischen Randzonen, die am stärksten unter sozialer Zerrütung leiden.

In diesem Kontext kam es in Frankreich zu den meisten antijüdischen Vorfällen, die in Europa, ab 2000, parallel zur zweiten palästinensischen Intifada, registriert wurden. Der überwiegende Teil der Übergriffe gegen Juden wurde von Jugendlichen aus moslemischen Einwandererfamilien aus Nord- und Schwarzafrika verübt und ereignete sich in einer Grauzone zwischen emotionaler Strahlwirkung des Nahost-Konflikts, radikal-islamischer Propaganda, archaischer, aus dem Maghreb herrührender Stigmatisierung der Juden, familiärer Verwahrlosung sowie genereller Jugendgewalt in sozialen Krisenzonen.

Nach einer anfänglichen Phase des Zögerns und der Hilflosigkeit reagierten Frankreichs Staatsführung und Behörden besonders energisch auf antijüdische Übergriffe, woraufhin 2005 ein Rückgang dieser Vorfälle verzeichnet wurde.

Diese ansatzweise Entspannung wurde aber 2006 durch eine unglaublich grausame Tat jäh unterbrochen, die sich genau an der Schnittstelle zwischen brachialster Jugendkriminalität und antijüdischem Ressentiment ereignete: die dreiwöchige Entführung und qualvolle Ermordung eines jungen Juden, Ilan Halimi, durch eine Pariser Vorstadtbande. Rahmenbedingungen und Tathergang dieses Verbrechens signalisierten die Verfestigung bei einem Teil der franko-arabischen, franko-afrikanischen und franko-karibischen Vorstadtjugend einer gefährlich-geläufigen anti-jüdischen "Weltanschauung".

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter im Fall Halimi steht in diesem Herbst bzw. Winter 2008 bevor.

Danny Leder ist seit 27 Jahren in Paris als Publizist und Frankreich-Korrespondent der österreichischen Tageszeitung "KURIER" tätig. Er veröffentlichte diverse Reportagen und Essais in deutschsprachigen Medien, u.a. im Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung", über das Verhältnis zwischen Juden und Moslems in den Maghreb-Staaten und in Frankreich.

Anfragen für weitere Vorträge zu diesem Thema unter:
danny.leder(at)kurier.at


Termin: Donnerstag 26.06.2008, 19 Uhr
Ort: Universität Bonn, Englisches Seminar, Hörsaal 17

Veranstaltet vom AStA – Referat für politische Bildung, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bonn und dem Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn.
Moderation: Prof. Tilman Mayer (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie).

Category: Veranstaltungen
Posted 06/23/08 by: admin



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