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Mit der Keule gegen ein Kinderbuch

Der Igel und das Ferkelchen gehen auf die Suche nach Gott, nachdem sie an Ihrem Haus ein Plakat sahen: „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas.“ Auf dem „Tempelberg“ entdecken sie drei riesige „Häuser“, in denen Gott angeblich wohnt: Synagoge, Kirche und Moschee...

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 9. Februar 2008

Die erste Figur ist ein Rabbi. Ein israelischer Korrespondent sagte im Rundfunk, dass der „aussieht, als wäre er dem Stürmer entstiegen“. Der Autor des Kinderbuches, Michael Schmidt-Salomon, lässt das Ferkelchen fragen, ob Gott in dem „Tempel“ zu sprechen sei. Den „Tempel“, wie amerikanische Juden ihre Gebetshäuser nennen, dürften nur von Juden betreten werden, und Jude sei nur, wenn man eine jüdische Mutter habe, antwortet der Rabbi. Das sind zwei Dinge, die erstens falsch und zweitens dümmlich sind. Belustigend ist eher die Reaktion des Ferkelchens: Und meine Mutter ist eine Sau.

Ziemlich übel ist dann die vom Rabbi erzählte Geschichte von der Sintflut. „Eines Tages“, sagte der Rabbi, „ärgerte sich Gott, der Herr, so sehr über die Menschen, dass er sich entschloss, alles Leben auf der Erde zu vernichten.“ Mit dem der Nazisprache entlehnten Formulierung „(Menschen)-Leben vernichten“ wird hier ein völkermordender jüdischer Gott dargestellt. Das ist zweifelsohne eine böswillige, vielleicht gar antisemitisch angehauchte Darstellung, die aber wohl kaum ausreicht, diesem Buch zusätzliche Reklame zu machen, indem das Familienministerium der Ursula von der Leyen erwägt, es gar auf den Index „jugendgefährdender Schriften“ zu setzen.

Denn auch die Darstellung des Christentums mit Hilfe eines dümmlichen Bischofs hat es in sich. Da wird der blutbeschmierte, halbnackte Christus am Kreuz dargestellt, der mit seinem Blut die Menschheit von den Sünden gereinigt habe. „Und ich habe gedacht, dass man sich mit Seife waschen soll“, reagiert spitz das Igelchen. Und als sich Ferkelchen wegen „knurrendem Magen“ an den „Plätzchen“ auf der Goldschale vergreift, wird der Bischof mit dem „lustigen lila Käppchen“ zu einem Drachen. Die Plätzchen (Oplaten) seien der Leib Jesu, woraufhin Ferkelchen und Igel mit der Bemerkung „Menschenfresser“ in Richtung Moschee flüchten. Der Islam kommt noch glimpflich davon. Der Imam, im Buch als „Mufti“ bezeichnet, erklärt, dass man sich zum Gebet fünf Mal am Tag waschen müsse. Dem Igel ist das zuviel. Die Darstellung der drei Wahrheiten, frei nach Lessing, endet damit, dass sich die drei Gottesdiener über die „Gotteslästerung“ von Igel und Schweinchen empören und gegenseitig mit ihren Bibeln die Köppe einschlagen mit Bemerkungen wie: „Unsere Hölle ist noch heißer als Eure“. Die Geschichte endet damit, dass Igel und Ferkelchen das Wort „nicht“ auf dem Plakat streichen: „Wer Gott kennt, dem fehlt etwas.“

Es ist nichts gegen ein Kinderbuch einzuwenden, das Gott in Frage stellt und die Vorstellungen der drei Religionen aufspießt. Soviel Humor und Meinungsfreiheit sollten selbst fromme Menschen besitzen. Doch Dummheit tut weh. Die falsche und fiese Darstellung des Judentums sowie die primitive Behauptung, als gehöre das fünfmalige Waschen zum Wesen des Islam, sollte Käufer davon abhalten, 12 Euro für unseriösen Mist auszugeben. Der Autor scheint so ungebildet zu sein, dass er weder beim Juden noch beim Moslem eine „rassistische“ Anmerkung gegen den Wunsch des Ferkelchens einbrachte, deren Gotteshäuser zu betreten. Bekanntlich sind für Juden wie für Moslems Schweine abscheulicher als die schlimmsten Konkurrenten im Gottesbetrieb.

Michael Schmidt-Salomon / Helge Nyncke: Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen, Gebunden, durchgängig farbig illustriert, 36 Seiten, 12 Euro, ISBN: 3865690300, Alibri Verlag, Aschaffenburg

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Category: Bücher
Posted 02/10/08 by: admin



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Comments

wrote:
<i>Mit dem der Nazisprache entlehnten Formulierung „(Menschen)-Leben vernichten“ wird hier ein völkermordender jüdischer Gott dargestellt. Das ist zweifelsohne eine böswillige, vielleicht gar antisemitisch angehauchte Darstellung,</i>

Wo Gott doch in Wahrheit nur sagt:

Denn siehe, ich will eine Sintflut mit Wasser kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darin ein lebendiger Odem ist, unter dem Himmel. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. (Gen 6, 17)
03/03/08 18:51:48

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