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Der Münchner Ernst Grube im Porträt

Die Sendung "KZ-Kind, Antifaschist, Jude" am Sonntag, 18. November um 12.05 Uhr in der Reihe "Zeit für Bayern" auf Bayern2 zeichnet das Porträt eines ungebrochenen, ebenso streit- wie lebenslustigen Zeitzeugen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhundert...

Von Thies Marsen

„Man ist halt eine Autorität als Überlebender. Ich kann eben über bestimmte Dinge berichten“, sagt Ernst Grube und fügt lakonisch hinzu: „Ich fühl mich überhaupt nicht als Autorität, aber es scheint doch so zu sein.“. Dabei wollte dem Überlebenden Ernst Grube jahrzehntelang niemand zuhören. Grube, der wenige Wochen vor Hitlers Machtübernahme in München geboren wurde, ist einer der letzten, die aus eigener Erfahrung von der Vernichtung der europäischen Juden erzählen können. Inzwischen tut er dies unablässig: In Schulen und in Kirchen, auf Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen, bei Jugendbegegnungen und Podiumsdiskussionen. Als Sohn einer jüdischen Mutter erlebt Ernst Grube Diskriminierung, Entrechtung, Deportation und Konzentrationslager am eigenen Leib.

Mit eigenen Augen sieht er als Fünfjähriger die Zerstörung der Münchner Synagoge. Einen Tag vor der Reichspogromnacht bringen ihn seine verzweifelten Eltern ins jüdische Kinderheim. Der Deportation ins Baltikum und dem Massenmord an seinen jüdischen Freunden entgeht er, weil ihn die Nazis „nur“ als „Halbjuden“ bzw. „Geltungsjuden“ einstufen. Sein nichtjüdischer Vater weigert sich zudem, sich von der jüdischen Mutter scheiden zu lassen und die Familie damit dem Vernichtungswahn der Nazis preiszugeben. So wird Ernst Grube gemeinsam mit Mutter und Geschwistern erst im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert, zu einem Zeitpunkt, als Auschwitz bereits befreit ist und auch die Befreiung des KZ Theresienstadt durch die Rote Armee kurz bevorsteht.

Es ist diese Geschichte, die Ernst Grube nicht müde wird zu erzählen, bis zu 100 Mal im Jahr. Über das, was ihm nach Befreiung und Rückkehr nach München widerfährt, spricht er dagegen nur selten: Sein Engagement als Jugendlicher in FDJ, Gewerkschaft und KPD gegen die Wiederbewaffnung und für die Wiedervereinigung. Mehrfach wird er deshalb von der Polizei verprügelt und inhaftiert. Wegen einer Flugblattaktion für die illegale KPD wird er monatelang in Isolationshaft genommen und vom Bundesgerichtshof verurteilt. Aus dem im Dritten Reich aus rassischen Gründen Verfolgten wird in der Bundesrepublik ein politisch Verfolgter.

Anfang der 1970er Jahre erhält der gelernte Malermeister und Berufsschullehrer zudem Berufsverbot. Die Behörden nehmen es erst zurück, als Ernst Grube dem zuständigen Bearbeiter im Münchner Rathaus den Judenstern, den die Nazis ihm verpasst haben, auf den Schreibtisch legt. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), deren bayerischer Landessprecher er ist, wird bis heute vom Verfassungsschutz beobachtet

Mitte Dezember 2007 feiert Ernst Grube seinen 75. Geburtstag. Noch immer ist er politisch aktiv, vor allem gegen Neonazis und Geschichtsrevisionisten. Er engagiert sich in der Lagergemeinschaft Dachau und in der Stiftung bayerischer Gedenkstätten ebenso wie für das geplante NS-Dokumentationszentrum in München und er streitet für die in München so heftig umstrittenen Stolpersteine. Der Autor Thies Marsen hat Ernst Grube seit Jahren begleitet, zu Schulklassen ebenso wie zu Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen.

Category: Veranstaltungen
Posted 11/16/07 by: admin



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