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Jüdisches Filmfestival Wien

8.-22. November...

Ihnen ist die Neuigkeit vermutlich schon aufgefallen. Da wir aufgrund des Publikumsinteresses unser ursprünglich eine Woche dauerndes Programm auf insgesamt vierzehn Tage verlängert haben, nennen wir uns ab heuer Jüdisches Filmfestival Wien. Somit reihen wir uns auch besser in die Gemeinschaft der vielen Jüdischen Filmfestivals in aller Welt ein. Weiters freuen wir uns, dass wir in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria erstmals ein eigenes Festivalzentrum im Metro Kino etablieren konnten. Hier und auf den weiteren Spielstätten Burg Kino, Filmhaus Kino und Top Kino werden vom 9. bis 22. November (Eröffnung: 8. November) insgesamt rund 46 Spiel-, 5 Stumm-,17 Dokumentar- und 5 Kurzfilme präsentiert. Wie in den vergangenen Jahren gliedert sich unser umfangreiches Programm auch heuer wieder in verschiedene Schwerpunkte.

The Jazz Singer’s Stories: 80 Jahre Tonfilm

In Kooperation mit dem Filmarchiv Austria ist eine eigene Reihe den Verfilmungen der Jazz Singer’s Stories gewidmet. The Jazz Singer (Alan Crosland, USA 1927), dessen Premiere am 6. Oktober 1927 stattfand, gilt als erster kommerziell erfolgreicher „talking picture“ (Tonfilm). Diese Geschichte vom Aufstieg des armen jüdischen Kantorensohns zum gefeierten Broadwaystar beruht teilweise auf der Biografie des Sängers Al Jolson, der auch in der Version aus dem Jahre 1927 die Hauptrolle spielt. Vor seinen Auftritten schminkte er sich das Gesicht mit schwarzer Farbe, da ein „Blackface“ angeblich besser zur Jazzmusik passte. Das Thema des Jazz Singer wurde später in einigen Produktionen aufgegriffen, teilweise leicht geändert: Dem Chasns Sundel/The Cantor’s Son (Ilya Motyeleff/uncredited: Sidney Goldin, USA 1937, The Jolson Story (Alfred E. Green, USA 1946), Jolson Sings again (Henry Levin, USA 1949), The Jazz Singer (Michael Curtiz, USA 1952) und The Jazz Singer (Richard Fleischer, USA 1980). In The Jazz Singer (Ralph Nelson, USA 1959) verkörpert der Komiker Jerry Lewis eine für ihn ungewohnte tragische Rolle. Singing in the Dark (Max Nosseck, USA 1956) handelt von einem Überlebenden der Shoah, der allmählich sein Gedächtnis wiedererlangt und sich dadurch an tragische Ereignisse seines Lebens erinnert. Nachdem er seine Karriere als Sänger in Nachtklubs aufgegeben hat, wird er Kantor in einer Synagoge.

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Künstliche Wesen: Der Golem

In einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria ist dem Thema Golem eine Filmschau gewidmet. Seit Jahrhunderten faszinieren nach unserem Ebenbild hergestellte Geschöpfe die Menschheit. Die Figur des Golem, ein der Legende nach im 16. Jahrhundert vom Prager Rabbi Löw aus Lehm geformter künstlicher Mensch, geht auf ältere Bücher der Kaballah zurück. In den Verfilmungen Der Golem, wie er in die Welt kam (Paul Wegener, D 1920), Le Golem (Julien Duvivier, F/CˇSR 1936) und Císarˇu˚v Pekarˇ A Pekarˇu˚v Císarˇ/Der Bäcker und sein Kaiser/Der Kaiser und sein Bäcker (Mac Fricˇ, CˇSSR 1951) zeigen sich Grundtendenzen der Beziehung zwischen dem Geschöpf und seinem Erschaffer. Der Mensch findet „auch in des Monsters Gegenüber einen Spiegel: im Schöpfer, im Wissenschaftler Frankenstein, der Gott ähnlich sein und Leben erschaffen will – oder vielleicht eine zweite Welt neben, statt der Natur, seine eigene Welt der Maschinen – was zum einen undurchschaubare gefährliche Folgen hat, eben weil es zum anderen Verantwortung und Weitblick voraussetzt.“ In IT!/Der Golem lebt (Herbert J. Leder, UK/USA 1967) entdeckt ein Museumskurator eine alte Statue, bei der es sich um den Golem des Rabbi Löw handelt. Bei der eingehenden Untersuchung des Fundes wird eine versteckte Schriftrolle gefunden, mit der er die Figur abermals zum Leben erwecken kann.

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Hommage an Claude Berri

Der französische Schauspieler, Regisseur, Produzent und ehemalige Präsident der Cinémathèque Française ist Gast des Festivals.

Drei seiner Filme Le vieil homme et l‘enfant/The Old Man and the Boy /USA-Titel: The Two Of Us (1967), Mazel tov ou le mariage/Marry Me! Marry Me! (1969) und Le cinéma de Papa (1970) tragen starke biografische Züge: Claude Berris Leben als jüdisches Kind bei einer Bauernfamilie während des Zweiten Weltkriegs, die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und das Leid der Liebe. Weiters führte er Regie bei Lucie Aubrac (1997), und er produzierte Constantin Costa-Gavras Film Amen/Der Stellvertreter (F 2002), die beide das Thema Widerstand und Zivilcourage behandeln. Diesen Film zeigen wir auch in memoriam des viel zu früh verstorbenen Ulrich Mühe.

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In Erinnerung an Leon Askin

Leon Askin, der heuer seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte, widmen wir Egon Humers feinfühligen und persönlichen Dokumentarfilm Leon Askin – (Über)Leben und Schauspiel (Egon Humer, A 1997). Nach vielen Jahren in der Emigration kehrte Leon Askin 1994 in seine Geburtsstadt Wien zurück. In seiner Autobiografie Leon Askin – Der Mann mit den 99 Gesichtern schreibt er: „Ich kannte etliche Österreicher und Deutsche, die auch nach dem Krieg jeden Kontakt mit ihrer früheren Heimat abgelehnt hatten und sich strikt weigerten, Deutsch zu sprechen oder zu verstehen. Für jene anderen aber, die trotzdem zurückwollten, hatte Anton Kuh das Problem auf den Punkt gebracht. Er sagte, wenn er nach dem Krieg in Europa Immigrationsoffizier wäre, würde er jeden Rückkehrer fragen, in welches Jahr er zurückwolle. Denn ein Zurück in das frühere Leben, aus dem man hinausgedrängt wurde, sei unmöglich. Das sollte allen Remigranten klar sein. Ich, der ich heute in meinem hohen Alter wieder in Wien bin, in der Stadt, wo ich geboren und aufgewachsen bin, kann nur wiederholen, dass es für einen Flüchtling weder eine Heimkehr in die alte Heimat noch das Gefühl des Zuhauseseins in der Fremde geben kann. Das ist die besondere Tragik der Vertreibung. Wir sind und bleiben Heimatlose der Zeitgeschichte, solange wir leben.“

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Lubitsch aus Berlin

Vor sechzig Jahren starb Ernst Lubitsch, der Regisseur mit dem berühmten „Touch“, den amerikanischen Kritiker gerne als „naughty, but nice“ bezeichneten. Eine weitere treffende Definition für diese Gabe stammt vom deutschen Filmkritiker und Filmhistoriker Robert Fischer: Der Regisseur nimmt sein Publikum ernst und vertraut auf dessen Intelligenz. In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria widmen wir Ernst Lubitsch eine Hommage zu frühen Werken, die noch in Deutschland entstanden sind: Der Stolz der Firma (Carl Wilhelm,

D 1914), Schuhpalast Pinkus (Ernst Lubitsch, D 1916) und Meyer aus Berlin (Ernst Lubitsch, D 1918). In diesen Filmen schuf Ernst Lubitsch einen neuen Rollentypus: den vorlauten, jüdischen Lehrling, der sich mit Chuzpe und Schlitzohrigkeit durchsetzt. Bei Die Austernprinzessin (D 1919) führte Ernst Lubitsch die Regie. In dieser Komödie, die schon erste Züge des „Lubitsch-Touch“ trägt, will die amerikanische Millionärstochter Ossi die Tochter des Schuhcremekönigs übertrumpfen. Da letztere einen Grafen heiratete, sucht sich Ossi nun einen Prinzen als Gatten. Im Anschluss an den Dokumentarfilm Ernst Lubitsch in Berlin. Von der Schönhauser Allee nach Hollywood (Robert Fischer, D 2006) diskutieren unter der Moderation von Andrea Schurian Thomas Ballhausen (Filmarchiv Austria), Monika Bernold (Universität Wien), Robert Fischer (Filmhistoriker, Filmkritiker und Regisseur) und Herta-Elisabeth Renk (Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, Katholische Universität Eichstätt; Verfasserin der Biografie: Ernst Lubitsch. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1992) über Lubitsch und sein Werk.

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In memoriam Leon Zelman

Am 11. Juli 2007 starb mit Leon Zelman ein Mann des Dialogs und Brückenbaus. Im Jahre 1928 in Szczekociny (Polen) geboren, überlebte er die Konzentrationslager Auschwitz und Mauthausen-Ebensee. In seinem „Kreuz und Quer spezial“-Beitrag In memoriam Leon Zelman (A 2007) würdigt ORF-Redakteur Christian Rathner diesen Mann, dessen Leben von den Begriffen Erinnerung und Versöhnung geprägt wurde. Im Anschluss an die Filmvorführung liest Caroline Koczan aus Leon Zelmans Autobiografie Ein Leben nach dem Überleben (aufgezeichnet von Armin Thurnher, Verlag Kremayr&Scheriau, Wien 2005).

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In Erinnerung an Fred Zinnemann

In seinem Nachruf zum Tode von Gerhard Bronner schrieb Daniel Kehlmann: „Auf uns wartet keine bessere Welt. Diese hier ist ziemlich schlecht, aber sie ist alles, was wir haben, und manchmal schenkt sie uns große Menschen.“ Dieser Satz gilt auch für den Regisseur und Humanisten Fred Zinnemann, der vor hundert Jahren in Wien zur Welt kam und vor zehn Jahren in London starb. In Erinnerung an ihn zeigen wir die drei Spielfilme The Seventh Cross/Das siebte Kreuz (USA 1944), The Search/Die Gezeichneten/Österr. Titel: Suchende Herzen (USA/CH 1947/1948) und Julia (USA 1976). The Seventh Cross/Das siebte Kreuz schildert die dramatische Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager. Dabei erleben die Männer Grausamkeit, Feigheit, aber auch Menschlichkeit. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers. Die letzten Worte im Buch lauten: „Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.“The Search/Die Gezeichneten/Österr. Titel: Suchende Herzen (USA/CH 1947/1948) erzählt eindringlich und halb-dokumentarisch vom Schicksal verschleppter Kinder während des Zweiten Weltkriegs. Julia (USA 1976) porträtiert eine langjährige Freundschaft zwischen zwei Frauen vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus.

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Filmreihe Hungry Hearts. Exil und Identitäten

Laut dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) flohen bis Ende 2005 weltweit 20,8 Millionen Menschen vor Krieg, Verfolgung und massiven Menschenrechtsverletzungen. DieGesamtzahl aller Flüchtlinge und Personen in fluchtähnlichen Situationen dürfte weltweit bis zu 40 Millionen Menschen betragen.

Mit unserer Filmreihe Hungry Hearts. Exil und Identitäten möchten wir an all diejenigen erinnern, die aus Armut, Verzweiflung oder wegen Verfolgung ihre Familie und ihre Heimat hinter sich lassen mussten und müssen. Die vier Spielfilme Der Wandernder Jid/The Wandering Jew (George Roland, USA, 1933), Hungry Hearts (E. Mason Hopper, USA 1922), Hermanas/Sisters (Julia Salomonoff, E/RA/BR 2005), Masaot James Be-Erez Ha-Kodesh/James’ Journey To Jerusalem (Ra‘anan Alexandrowicz, IL 2003) und die Dokumentarfilme Aus Galizien in den Aargau. Wege eines jüdischen Europäers im 20. Jahrhundert (Susanne Scheiner & Peter Scheiner, CH 2007), Ha-Masa schel Vaan/The Journey of Vaan Nguyen (IL 2005), Saba (Amram Jacoby, IL 2005) und Sisai (David Gavro, IL 2005) erzählen von Flucht, Exil und der Suche nach Identität.

Mit seinem programmatischen Titel schildert Der Wandernder Jid/ The Wandering Jew das Schicksal eines jüdischen Künstlers während des Nationalsozialismus in Deutschland (der Film wurde bereits bei der Jüdischen Filmwoche 2000 gezeigt). Der Stummfilm Hungry Hearts schildert das Leben der Familie Levin, die aus Osteuropa ausgewandert ist und in der New Yorker Lower East Side lebt. Die junge Sara Levin, die auf ein besseres Leben hofft, hält alle mit Putzen über Wasser, während sich ihr religiöser Vater Abraham in der Neuen Welt sehr schwer zurechtfinden kann. Hermanas/Sisters (Julia Salomonoff, E/RA/BR 2005) zeigt, welche Wunden der Verlust eines geliebten Menschen sowie Diktatur und Flucht im Leben eines jeden Einzelnen hinterlassen. In Masaot James Be-Erez Ha-Kodesh/ James’ Journey To Jerusalem (Ra‘anan Alexandrowicz, IL 2003) will der junge Afrikaner James nach Jerusalem pilgern. Doch kaum in Israel angekommen, wird er verdächtigt, ein illegaler Arbeiter zu sein, und landet im Gefängnis. Sein vermeintlicher Retter entpuppt sich als Ausbeuter und zwielichtiger Geschäftsmann. Jerzy Czarnecki, der jüdische Protagonist des Dokumentarfilms Aus Galizien in den Aargau. Wege eines jüdischen Europäers im 20. Jahrhundert, wird 1925 in einer kleinen Stadt in Galizien geboren. Mit falschen Papieren, die auf dem Namen Jerzy Czarnecki lauten, gelingt ihm 1942 die Flucht aus dem von den Deutschen besetzten Ort. Sechzig Jahre später besucht er seine Heimatstadt Mosty Wielkie wieder. In Ha-Masa schel Vaan/The Journey of Vaan Nguyen begleitet Regisseur Duki Dror die junge Vaan Nguyen und ihren Vater auf eine Reise. Der Vater floh nach dem Fall von Saigon 1975 als einer der vielen Boat-People aus seiner Heimat. Asyl fand er in Israel. Nun versucht er mit seiner Familie ein mögliches neues Leben in Vietnam aufzubauen. In seinem poetischen Porträt Saba erzählt Regisseur Amram Jacoby über seinen Großvater, der im Irak geboren wurde und über Singapur nach Israel floh.

Der Film „ist sowohl das Zeugnis einer Freundschaft zwischen einem alten und einem jungen Mann, als auch eine Geschichte über Veränderung und einer vergangenen jüdisch-arabischen Kultur. Umgeben von Olivenbäumen und Vogelgezwitscher, erzählt der Großvater dem Regisseur (seinem Enkel) sein Leben.“Sisai handelt von Sisai, einem jungen Äthiopier, der von einer israelischen Familie adoptiert wurde. Als bekannt wird, dass sein leiblicher Vater noch in Äthiopien lebt, machen sich Sisai und sein Bruder auf die Reise in ein Land, das lange Zeit ihre Heimat war.

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Films for Peace

Der deutsch-französische Publizist und Politologe Alfred Grosser, dessen jüdische Familie 1933 aus Nazideutschland emigrierte, meint, dass es für Jüdinnen und Juden von heute eine Verpflichtung, an das Schicksal von anderen Unterdrückten und Verachteten zu denken: „Das heißt, sich als europäischer Jude auch für das Leid der Palästinenser empfänglich zu zeigen.“Films for Peace zeigt FilmemacherInnen und Persönlichkeiten, die auch in schwierigen Situationen Dialog und Verständnis suchen. Ophelia Delapierre-Id Abbou, Mitarbeiterin von Cinéma Public, wird zwei kurze Filme präsentieren: Check Point und Le rêve d‘Adama/Adamas Traum/Adama’s Dream. Check Point ist die Geschichte einer Medizinstudentin, die zu einer mündlichen Prüfung gehen muss, doch der Checkpoint, den sie passieren muss, hat an diesem Tag geschlossen. Le rêve d‘Adama/Adamas Traum/Adama’s Dream erzählt von Solidarität in einer Pariser Vorstadt. In Encounter Point (Ronit Avni & Julia Bacha, USA 2006) suchen AktivistInnen des Bereaved Families Forum, einer Hinterbliebenenorganisation mit palästinensischen und israelischen Mitgliedern, ihren Weg zu Dialog und Versöhnung. Als Gäste sind der palästinensische Regisseur Hanna Elias und der arabisch-israelische Schauspieler Mohammed Bakri angefragt. In seinem Spielfilm Mousem Al Zaytoun/The Olive Harvest (PS 2003) arbeitete Hanna Elias mit einem großteils israelischen Team: „Die israelische Crew benutzte ihre Herzen und Arme während der Dreharbeiten, und gemeinsam machten wir ein wunderbares Projekt.”Für seinen israelischen Kameramann Ofer Harari waren die Dreharbeiten zunächst eine Herausforderung. „ Aber als die Kamera lief, vergaßen wir all unsere Unterschiede. Je mehr sie lief, umso mehr Ähnlichkeiten entdeckten wir.“

Auf Initiative von Leon Zelman (siehe Seite ?) sind im April 1993 zehn österreichische Jugendliche nach Israel geflogen, um sich mit dortigen Jugendlichen zu treffen. Darüber wurde eine X-LARGE-Reportage gedreht, die am 12. September 1993 im ORF gesendet wurde. Seit 2004 finden in Österreich peacecamps statt: zehntägige Workshops mit israelischen und palästinensischen Jugendlichen, sowie Gleichaltrigen aus jeweils zwei europäischen Ländern. Im Rahmen der Veranstaltung Erlebnis peacecamp werden in Anwesenheit der Filmschaffenden Ausschnitte aus drei Filmen diese Initiativen illustrieren. X-Large-Reportage – Reise nach Israel (Franz Gruber, A 1993), Naher Osten – Hoffnung und Trauma der Jugend (Walter Wehmeyer, A 2004) und The peacecamp Experience (Georg Geutebrück, A 2007). Vor vierzig Jahren endete am 10. Juni 1967 der Sechstagekrieg. Während der letzten Stunden des Krieges ziehen sich in Avanti Popolo (Rafi Bukaee, IL 1986) vier ägyptische Soldaten aus der Schlacht zurück. Regisseur Rafi Bukaee erzählt nicht von Heldentum, sondern nur vom Wahnsinn und Elend eines Krieges.

Eran Kolirin inszeniert in seinem Spielfilmdebüt Bikur ha-Tismoret/The Band’s Visit (IL/F 2007) „eine illustre und lakonische Komödie, die ihr Verve aus den stoisch-kargen Stillleben der Räume, Menschen und Situationen bezieht“. Das erinnert an Filme der Finnen Aki und Mika Kaurismäki. Eine kleine ägyptische Polizeikapelle soll in Israel bei einer Einweihungsfeier spielen. Sie stranden aber in einer kleinen Stadt in der Wüste. Der Film erhielt dieses Jahr den „Prix Coup de Coeur“ beim Filmfestival in Cannes und den Publikumspreis beim Filmfest München.

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Filme für 14+

Dieses Programm mit Spielfilmen richtet sich besonders an Jugendliche. Adamah Meschuga‘at/Sweet Mud (Dror Shaul, IL/D/J 2006) wurde auf der Berlinale 2007 mit dem Gläsernen Bären als bester Kinder- und Jugendfilm ausgezeichnet. Regisseur Dror Shaul erzählt die berührende Geschichte des zwölfjährigen Dvir, der in den 1970-er Jahren in einem Kibbuz in Israel aufwächst und sich tapfer um seine depressive Mutter kümmert. Henry Meyers Film Fyra veckor i juni/ Four Weeks in June (S 2005) über eine Freundschaft zwischen einer jungen Frau und einer älteren Jüdin erzählt eine „eindrucksvolle Geschichte von Außenseitern, die um ihr Lebensglück mit allen Mitteln kämpfen und nicht stranden wollen.“Il Cielo Cade/The Sky is Falling (Andrea Frazzi & Antonio Frazzi, I 2000) schildert das Ende des Zweiten Weltkriegs in Italien aus der Sicht zweier Kinder. Nachdem die Eltern von Penny und ihrer jüngerer Schwester Baby durch einen Unfall ums Leben kommen, ziehen die beiden Mädchen zu ihrem Onkel und seiner Frau in die Toskana. Die Familie schwebt in Lebensgefahr, da sie jüdischer Abstammung ist. Im Spielfilm Marock (F 2005) erzählt die marokkanische Regisseurin Laïla Marrakchi von einer Liebesgeschichte in Casablanca Ende der 1990er-Jahre. Die siebzehnjährige Rita ist in den Juden Youri verliebt. Obwohl das Mädchen aus einem liberalen, muslimischen, aber doch nichtreligiösen Elternhaus stammt, kann sie ihrer Familie nichts von ihren Gefühlen erzählen. O Ano Em Que Meus Pais Saíram De Férias/Das Jahr als meine Eltern im Urlaub waren (Cao Hamburger, BR 2006) spielt im Brasilien des Jahres 1970, das von einer rechten Militärdiktatur regiert wird. Mauro ist ein fußballbegeisterter Zwölfjähriger, der den Beginn der Weltmeisterschaft nicht erwarten kann. Kurz davor muss er mit seinen links gerichteten Eltern Hals über Kopf von seiner Heimatstadt Belo Horizonte nach São Paulo reisen. Angeblich fahren die Eltern in den Urlaub, und Mauro soll so lange bei seinem jüdischen Großvater Mótel in São Paulo bleiben. Dabei gelangt der Bub „zu jener Erkenntnis der Erwachsenen, dass man irren und straucheln kann, sich seine Träume aber immer bewahren sollte.“

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Internationales Programm

Zu den internationalen Produktionen zählen Filme aus Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, Kanada, Mexiko, Schweden, Schweiz, UK, und USA. Dazu kommen selbstverständlich auch Filme von österreichischen Filmschaffenden.

Spielfilme

Die junge französische Regisseurin Lisa Azuelos präsentiert uns in ihrem Spielfilm Comme t’y es belle!/Gorgeous (UK/LUX/F/B 2006) – eine witzige und unterhaltsame französische Antwort auf Sex And the City – vier attraktive Pariser Frauen, die aus dem jüdisch-orientalischen Milieu stammen. In Deux Femmes à Paris/Two Women in Paris (Caroline Huppert, F 2000) freunden sich im Paris der 1930-er die Nachbarinnen Maya und Maud miteinander an. Der Film von Caroline Huppert, der Schwester von Isabelle Huppert, beeindruckt vor allem durch das intensive und wunderbare Spiel der Darstellerinnen Romane Bohringer (Tochter von Richard Bohringer) und Julie Depardieu (Tochter von Gérard Depardieu). In Erinnerung an die Novemberpogrome am 9./10. November 1938 zeigen wir Der Rat der Götter (Kurt Maetzig, DDR 1950). Im Mittelpunkt der Handlung stehen der Vorstandsvorsitzende der IG-Farben und der Chemiker Dr. Scholz. Aus Angst um seine Familie und Stellung verschließt Scholz auch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Augen vor der Wahrheit. Erst 1948, als eine verheerende Explosionskatastrophe beweist, dass der Konzern trotz Verbotes wieder Sprengstoffe produziert, bricht er sein Schweigen. Amos Gitais (als Gast angefragt) neuester Film Disengagement (D/I/F/IL 2007) erzählt eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund der Räumung von Gaza im Sommer 2007. Der österreichische Kameramann Christian Berger über die Dreharbeiten mit Amos Gitai: „Avignon, März 07. Amos Gitai sitzt am Kontrollmonitor, vertieft in das Sucherbild der Kamera, den Kopfhörer auf und greift per Megafon in eine Szene ein, die wir gerade drehen für Disengagement… geh hierhin, geh dorthin, schau beim Fenster raus, dreh dich um, komm näher, usw. Es ist seine unverwechselbare Art zu inszenieren – er schafft eine künstliche, organisierte Situation und reizt dann, während die Kamera läuft, das Potenzial des Geschehens aus. Er macht im Werden aus der Situation eine Szene, vertieft einen Moment oder lässt ihn weg, oft mit überraschenden Wendungen (auch für ihn, glaub ich) und mit im besten Sinn ‚unsicheren‘ Schauspielern und im besten Sinn ,unsicherem‘ Aufnahmestab – ins Repertoire verfällt da niemand. Mich hat diese Arbeitsmethode begeistert, weil sie mir ein fast dokumentarisches Beobachten einer fiktiven Szene abforderte. Da haben wir uns manchmal gefühlt wie Musiker ,in the Groove‘ – ein unorganisierbarer, fruchtbarer Zustand.“ Der Film hätte auch vom israelischen Fernsehsender Channel 1 unterstützt werden sollen. Doch die wurde mit folgenden Begründungen verweigert: Amos Gitai sei „politisch links gerichtet, und er lebe außerhalb Israels.“ Beim Wiener Filmfestival Identities. Queer Film Festival 2007 wurde Ha-Buah/The Bubble (Eytan Fox, IL 2006) vom Publikum zum besten Spielfilm gewählt. Wie in den anderen Filmen von Eytan Fox geht es hier um Homosexualität und Liebesgeschichten. Als ein junger Israeli sich in einen Palästinenser verliebt, droht diese „Blase“ – ein Sinnbild des Lebens in Tel Aviv – zu platzen. Regisseur David Volach gelingt mit Chofschat Kaiz/My Father My Lord (IL 2007) eine moderne Interpretation der alttestamentarischen Geschichte von Abraham, der bereit ist, seinen Sohn Isaak Gott zu opfern. Der Film erhielt auf dem Tribeca Film Festival 2007 in New York einen Preis für den besten Spielfilm. Mauvaise Foi/Bad Faith (B/F 2006) ist das Regiedebüt des marokkanisch-französischen Schauspielers Roschdy Zem (als Gast angefragt), der auch die Hauptrolle im Film verkörpert. Als die junge Jüdin Clara von ihrem arabischen Freund Ismaël ein Kind erwartet, entwickelt sich ein Familienkonflikt. Zu den neueren internationalen Produktionen zählt auch der Spielfilm Morirse está en hebreo/My Mexican Shivah (Alejandro Springall, MEX/USA 2006). Als Moishe Tartakovsky, Patriarch einer jüdischen Familie in Mexiko Stadt, unerwartet an einem Herzinfarkt stirbt, hinterlässt er eine Reihe von Geheimnissen, die im Rahmen der Shivah, der siebentätigen Trauerzeit, allmählich ans Tageslicht kommen. In memoriam George Tabori und Wolfgang Gasser zeigen wir Mutters Courage (Michael Verhoeven, D/UK/A/IRL 2004). Im gleichnamigen Theaterstück schildert George Tabori die Geschichte seiner Mutter, die durch einen bizarren Zufall der Deportation nach Auschwitz entkommen konnte. Sayn Waybs Lubownik/His Wife’s Lover (Sidney M. Goldin, USA 1931) gilt als erste „Jewish musical comedy talking picture”. Stand Up (Michael Rainin), USA 2007) handelt vom New Yorker Stand-up-Komödianten Avi Rosen, der sein berufliches Glück in Los Angeles versuchen möchte. In Steel Toes (David Gow & Mark Adam, CDN 2006) steht ein junger Neonazi und Skinhead wegen eines rassistisch motivierten Mordes vor Gericht. Ihm wird als Pflichtverteidiger Danny Dunkleman beiseite gestellt – ein liberaler, jüdischer Humanist. Wie schon in Avanim/Stones (lief bei der Jüdischen Filmwoche 2005) schildert Raphaël Nadjari in Tehilim (F/IL/USA 2007) intensiv und in starken Bildern menschliche Schicksale. Bei einem Verkehrsunfall verschwindet ein Jerusalemer Familienvater spurlos. Seine Frau und die beiden Söhne versuchen mit dem Verlust und den Schwierigkeiten des Alltags fertig zu werden. Während die Erwachsenen sich ins Schweigen oder ins Beten der Psalme (Hebr.: Tehilim) flüchten, versuchen die beiden Söhne, ihren Vater auf ihre Weise wiederzufinden. „Hier filmt Nadjari das Warten – eine schwierige Aufgabe, der Film wird mitunter nur von wenigen Elementen zusammengehalten: Seiner brillanten Inszenierung, die ein wenig an die fieberhafte Arbeit von John Cassavetes erinnert, und den Gesichtern der Schauspieler, verschlossen oder melancholisch, geheimnisvoll, meist gilt es sie zu entschlüsseln.“ Vor 30 Jahren verstarb Zero Mostel. Ein Anlass, uns seines Talentes zu erinnern und ihn als genialen Partner von Woody Allen in Martin Ritts Abrechnung mit der McCarthy-Ära; The Front/Der Strohmann (Martin Ritt, USA 1976) wiederzusehen oder zu entdecken.

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Dokumentar- und Kurzfilme

Chutzpah, This Is? (Rick Kent, USA 2005) ist eine amüsante „Pseudo-Doku“ über eine jüdische Hip-Hop-Gruppe. Seriöser geht es in Wendla Nölles The Chosen Ones (D 2007) zu, einer interessanten und vielfältigen Bestandsaufnahme von jüdischer Musik im heutigen New York. Der Titel von David Weintraubs Where Neon Goes to Die (USA 2006) stammt von Lenny Bruce und bezeichnet Miami. Da viele PensionistInnen dort leben, wird die Stadt auch „G’ttes Warteraum” und ein Ort für “newly weds and nearly deads” genannt. David Weintraub, Executive Director von The Dora Teitelbaum Center for Yiddish Culture, zeigt uns die „jiddische“ Geschichte und Tradition Miamis. Einleitung und anschließendes Gespräch: Johannes Hofinger (Projektmitarbeiter am Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg. Er arbeitet derzeit an seiner Dissertation über ‚Bilder des Jüdischen im österreichischen Kinofilm nach 1945‘.“ Dilemat Ha-Darien/The Darien Dilemma (Erez Laufer, IL 2006) schildert die dramatische Flucht von tausenden Wiener Jüdinnen und Juden auf einem Schiff während des Zweiten Weltkriegs. Regisseur Erez Laufer ist als Gast angefragt. Ein jüdisches Lied (Simon-Niklas Scheuring, Markus Simon; A 2007) porträtiert den jüdischen Musiker, Komponisten und Experten für Klezmermusik Isaak Loberan, der in Moldawien geboren wurde und in Wien lebt. Isaak Loberan und die beiden Regisseure sind als Gäste angefragt. Unter dem Alsergrund – Servitengasse 1938 (Tobas Dörr, Henri Steinmetz, A 2006) rollt anhand der Chronik einer Gasse in Wien ein Stück Zeitgeschichte auf. In einem Kurzfilmprogramm zeigen wir A Good Uplift (Faye Lederman, Cheryl Furjanic, Eve Lederman, USA 2003), California Shmeer (Alan H. Rosenberg & Richard Goldgewicht, USA 2007), The Tribe (Tiffany Shlain, USA 2005) und Stockholm.Syndrome Part 1: Golden Mission, Part 2: European Haven (Amit Epstein – Gast des Festivals, IL/D 2007).

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Der mit bestem britischem Humor gesegnete Kurzfilm The 10th Man (Sam Leifer, UK 2006) schildert die Schwierigkeiten einer veralteten jüdischen Gemeinde in London, genügend Männer für den G’ttesdienst aufzustellen. Nicht ganz koschere Tricks und sogar Kidnapping scheinen ihr einziger Ausweg zu sein. Im Anschluss daran stellt Regisseur Shlomo Hazan in seinem Dokumentarfilm Chared Lesirto/Film Fanatic (IL 2006) einen bewundernswerten Filmemacher vor. Bis jetzt hat der junge ultraorthodoxe Jude Yehuda Grovais praktisch im Alleingang fünfzig Spielfilme produziert. Diese Streifen entstanden unter großen Mühen: Kein Budget vorhanden, keine Frauen dürfen in den Produktionen auftreten, harsche Kritik von Seiten der orthodoxen Rabbiner, aber auch Filmschaffender und Förderstellen. Trotz aller Widrigkeiten widmet sich Yehuda Grovais immer wieder seiner und auch unserer großen Leidenschaft: dem Kino.

Weitere Informationen und Programm:
http://www.jfw.at

Category: Veranstaltungen
Posted 11/01/07 by: admin



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