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2000ster Stolperstein in Hamburg

Vor mehr als 10 Jahren begann der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinen inzwischen rund 13000 Stolpersteinen bundesweit an Menschen zu erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Seit Sommer 2002 werden diese kleinen Mahnmale auch auf den Bürgersteinen in Hamburg verlegt. Am 19. Oktober, 12:00 Uhr, soll nun der 2000ste Stolperstein in Anwesenheit der Kultursenatorin Karin von Welck und Bischöfin Maria Jepsen, Schirmherrin des Projektes in Hamburg, im Hamburger Trottoir eingesetzt werden. Er erinnert künftig vor dem Thalia-Theater am Alstertor an die ermordete Schauspielerin Hanne Mertens...

Hanne Mertens wurde am 13. April 1909 als zweites von vier Kindern in Magdeburg geboren. Anfang der 30er Jahre startete sie ihre Karriere als Schauspielerin am Berliner Staatstheater. 1932 folgte der Wechsel zum Düsseldorfer Schauspielhaus und 1934 zur Berliner Volksbühne. 1938 begann sie ein längeres, erfolgreiches Engagement an den Münchener Kammerspielen bis ihr Vertrag 1943 gekündigt wurde.

Der Kündigung vorausgegangen war der Versuch einen Theaterskandal zu provozieren, da sie der Auffassung war, dass eine Hauptrolle in Lessings „Emilia Galotti“ mit einer nicht qualifizierten Schauspielerin besetzt worden sei, die mit dem Intendanten Otto Falckenberg befreundet war.

Im Frühjahr 1943 erhielt Hanne Mertens ein Engagement am Hamburger Thalia-Theater. Hier hatte der damalige Intendant Robert Meyn zahlreiche neue Schauspieler eingestellt, um anlässlich des 100-jährigen Theater-Jubiläums einen erweiterten und anspruchsvollen Spielplan zu präsentieren.

Hanne Mertens wird als beim Publikum beliebt, aber auch als egozentrisch und überaus ehrgeizig beschrieben. Ihr Verhältnis zu den Kollegen galt als umstritten. In ihrer Spontaneität hat Hanne Mertens aus ihrer Ablehnung des national-sozialistischen Systems kein Geheimnis gemacht, obwohl sie andererseits auch enge persönliche Kontakte zu führenden Mitgliedern der NSDAP unterhielt. Wahrscheinlich schon seit 1937 stand sie unter Beobachtung durch die Gestapo.

Ihre kritische Haltung zum nationalsozialistischen System und ihre Unvorsichtigkeit hinsichtlich öffentlicher Äußerungen wurden ihr schließlich zum Verhängnis. Auf einer privaten Feier Anfang Februar 1945, bei der auch Gestapo-Beamte anwesend waren, sang sie das Lied „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei“ mit dem veränderten Text „.. zuerst Hitler, dann die Partei“.

Kurz darauf erfolgte Hanne Mertens Festnahme wegen „Wehrkraftzersetzung“ und die Inhaftierung in Fuhlsbüttel. Angesichts der bevorstehenden Besetzung Hamburgs wurde Hanne Mertens am 20. April 1945 mit weiteren Häftlingen aus Fuhlsbüttel in das KZ Neuengamme gebracht, wo die gesamte Gruppe in den Nächten zwischen dem 21. und 23. April 1945 ermordet wurde.

Redaktionelle Bearbeitung: Johann-Hinrich Möller
Quelle: Herbert Diercks, in ‚Hamburgische Biographie – Personenlexikon 3’, S. 250 f.

Category: Veranstaltungen
Posted 10/18/07 by: admin



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Comments

wrote:
Obwohl ich "niemals" ins Theater gehe, aus unterschiedlichen Gruenden,
als da sind, Zeit, Finanzen und mein persoenliches Verstaendnis von Kunst, als da sind Ausrichtung, Zielsetzung, Beziehung zum Gottesverstaendnis und Bildung eines Lebenshorizontes, Vorbildcharakter usw...
es sollte eben niemals irgendein Inhalt ohne zeitgleiche Inhaltsbearbeitung oder Erlaeuterung angeboten werden...
dennoch finde ich es gut, wenn Steine oder Symbole an Personen erinnern, welche waehrend der Diktaturzeit in Deutschland umgebracht worden sind.
Es erschreckt mich immer wieder, wenn ich feststellen muss, wie dicht zum Machtapparat die Menschen lebten, wie lange und warum kein Ausweg gefunden wurde. Offensichtlich hat es eine grosse Differenzierung gegeben, ein Verharmlosen, ein Verbergen der Wahrheit. Dabei kann nur Wahrheit befreien, wohingegen Luege immer ein Werkzeug Satans ist. Natuerlich muss Gott auch nicht alles sagen oder erlaeutern, was Gott tut, aber das ist ein anderer Aspekt.
Die Menschen sind auch heute darauf angewiesen, zu verstehen, was damals passiert ist, um zu begreifen, was wirklich wahr.
Oft sind uns Fakten vorenthalten worden, damit wir ueberleben.
Deshalb entsteht dann ein verzerrtes Bild der Gegenwart.
Nur ausschliesslich Gehorsamsuebungen sind eben zu wenig, um Gesellschaft zu formen und Verweigerung ist oft ein Ausdruck dessen, weil es einen Unterschied zwischen Mensch und Maschine gibt und geben muss.
Widerstand gehoert zum Menschenrecht.
10/21/07 19:58:25

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