-- Schwerpunkt: Von Ost nach Nahost
Judentum und Israel
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Von einem der auszog, eine Sprache zu lernen

Gegen unaufhörliche Konfrontationen mit Unverständlichkeiten aller Art schien nur ein Sprachkurs zu helfen. Ein Sprachkurs war in der Regel ein kunterbuntes Sammelsurium von Nationalitäten aller Art und in solchen multikulturellen Zwischenstationen konnte man sich vor dem Sprung ins kalte Wasser der Absorbtion nochmal aufwärmen. Stellte ich fest und schrieb mich im Sprachlabor der Universität in Tel Aviv ein...

Wir waren Deutsche, Argentinier, Kanadier, Tschechen und überwältigend US-Amerikaner, und das Weltgefüge spiegelte sich in dieser Nationalitätenzusammensetzung wieder. Die Deutschen waren anwesend, weil gerade wieder eine Welle von Minizionismus Deutschland durchspülte und Neueinwanderer angeschwemmt hatte. Die allerdings litten hier, nach all dem heimatlichen Trockenenthusiasmus, unter zu viel Ernüchterung.

Auch in Argentinien grasierte der Zionismus, allerdings waren die Argentinier etwas feuriger bei der Umsetzung der Besiedlungsidee, schwiegen sich über eventuelle Befremdungen aus und sprangen haltsuchend aufeinander los, wenn sich ein Artgenosse am Horizont zeigte, dabei trieb ihnen besonders die Erinnerung an argentinische Rinder kollegial das Wasser in die Augen.

Die Tschechen waren die anhänglichsten im Völkergemisch. Da es ihrer im Allgemeinen nicht gerade viele in Israel gab, klüngelten sie mit besonderer Hingabe zusammen, sobald sie eines Landsmannes habhaft wurden und waren nur schwer davon zu überzeugen, dass andere Länder und andere Sitten auch im Ausland interessant sein konnten.

Das ganze Gegenteil waren die Kanadier und US-Amerikaner. Sie belärmten die Nationalitätenansammlung mit ausgesprägtem Selbstbewusstsein und mischten sich mit lockerer Unbekümmertheit unter die anderen. Schließlich waren sie hier soviele, dass sich ihnen der Anschluss an Landsleute förmlich aufdrängte und die Rückkehr ins heimische Gehege jederzeit freistand.

Die Gründe für ihre Anwesenheit in Israel waren einfach. Oft wurden sie von ihren Familien hierhergeschickt, um ihre Religion besser verstehen zu lernen, meist erhofften sich die Daheimgeblieben einfach nur eine allgemeine Auffrischung ihrer Jüdischkeit. So wie man abgeriebenem Leder mit schwarzer Schuhcreme zu neuer Farbe verhilft, sollte der Aufenthalt in Israel den Sprössling daran erinnern, dass er zwar ein Amerikaner, aber einer der besonderen Art war. Nach abgelaufener Galvanisierungszeit kehrte das Kind heim und war so amerikanisch wie eh und jeh und so israelisch wie nie zuvor.

So verbrüderten sich entgegen aller Diktate internationaler Völkerverständigung vorzugsweise Leute aus gleichen Ländern und ließen grenzübergreifende Werte grenzübergreifende Werte sein. In der Muttersprache war man nun mal am besten man selbst.

Wir alle waren nichtsdestsotrotz eine eingeschworene Gemeinschaft, die gewissenhaft gegen die Tücken der hebräischen Sprache ankämpfte. Nach anderthalb Monaten hatte wir es geschafft und mit unserem neuerworbenen Wissen standen uns die Pforten zur Universität offen. Nicht dass ich fähig gewesen wäre, dem Verlauf auch nur einer Lehrveranstaltung zu folgen, doch ich schrieb mich heldenmütig für zwei Kurse ein. Immerhin hatte ich aus dem Vorlesungsplan verstanden, um was es ging.

Noch immer begleiteten mich leichtläufige Ausdrucksfähigkeit und schwerfälliges Verstehen wie ein Fluch und so saß ich in den Kursen, bemüht um einen mäßig intelligenten Gesichtsausdruck – denn bei zuviel Intelligenz hätte mein Lektor auf die Idee kommen können, sie zu testen – und dezent interessiertes Gebaren – zuwenig hiervon hätte auch so manchen dazu anstacheln können, dem auf den Grund gehen zu wollen. Diese ständige Balance zwischen unauffälliger Aufmerksamkeit und gedrosselter Schläue verlangte mir so einiges ab und am Ende des Tages fühlte ich mich rechtschaffend erschöpft...

Category: General
Posted 04/19/07 by: admin



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