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Russischsprachige Juden: Israel und Deutschland auf Augenhöhe

Noch vor wenigen Jahren hätte niemand in Jerusalem zwei Tage lang, von früh bis abends, intensiv und engagiert zum Thema "Russischsprachige Juden in Israel und Deutschland: Einwanderungspolitik, Realität und Erfahrungen" auf gleicher Augenhöhe diskutiert, aber dank Friedrich-Naumann-Stiftung, Jewish Agency und dem Van Leer Institute war dies Ende März möglich...

Von Irene Runge

Ich fand die Verschiedenheiten übrigens spannender als die Ähnlichkeiten zwischen diesen Migrationen. Nach Deutschland, darauf beharrten israelische Referenten, werde eingewandert, für Israel gehe es um Alijah, also den Aufstieg vom Niederen ins Höhere. Die Tagung selbst war prosaischer, denn die irdischen Probleme wachsen, beispielsweise wenn etwa 40 Prozent aller neueingewanderten Kinder die Schule einfach abbrechen. wenn Drogen und Jugendgewalt zunehmen. Unzufrieden mit Israels Bildungspolitik gründeten daher sowjetisch sozialisierte Eltern weit über 1 000 Bildungsprojekte, damit das ihnen vertraute naturwissenschaftliche Denken in Israels Schulsystem einfließen kann. Von den rund 50 000 hier angekommenen Lehrerinnen und Lehrern arbeiten noch etwa 7000 im Bildungswesen. Diese und andere Zusammenhänge, also Bekanntes und Verschwiegenes, wurden Ende März ausgiebig auf Russisch, Deutsch und Hebräisch hin und her gedolmetscht.

Es gab natürlich Grußworte. Deutschlands Botschafter sprach von moralischen Pflichten, dem Potenzial der Einwandernden, über Konflikte und Belastungen der Sozialsysteme und regte an, von Israel zu lernen. Israelische Experten fanden auch die deutschen Erfahrungen lehrreich, und Vertreter der Jewish Agency dankten der deutschen Regierung und kündigten mehr eigene Einwanderungshilfen für Deutschland an. Da das Programm mit vielen 15-Minuten-Referaten vollgestopft war, fand der spannendste Teil der Debatte in den Kaffeepausen statt. Aber nicht nur hier wurden staatliche, politische, rechtliche und familiäre Probleme der Neueinwanderer auf Ungereimtheiten zurückgeführt, die die biologische Ableitung der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk mit sich bringt. Israels Rückkehrrecht schließt zwar die Enkelgeneration ein, diskriminiere aber, wie es hieß, gegebenenfalls nichtjüdische Hinterbliebene, geschiedene Partner, nichteheliche- wie Adoptivkinder und Homosexuelle. In jeder neuen Regierung entscheidet der Innenminister neu, was politisch genehm ist. Was die einen als Bürgerrechte als demokratische Notwendigkeit bezeichneten, hielten andere Referenten für das bedrohliche Ende des Heiligen Landes. Als gemeinsamer Nenner galt, dass die Masseneinwanderung aus der gewesenen Sowjetunion vieles im Lande umgebrochen habe, wenngleich weiterhin Unwissen über fremdes Sozialverhalten herrsche. Aus diesen Widersprüchen könnte Deutschland eigentlich lernen.

Joachim Waldenmeier, Gruppenleiter für jüdische Zuwanderung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg referierte durchaus historisch, und nannte für 1990 den Zentralen Runden Tisch der DDR als Initiator der Einwanderung, bevor er chronologisch die bundesdeutschen rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zum Stopp 2005 erläuterte. Ab April 2007 kann nun, sofern das neue Gesetz unterzeichnet wird, wieder auf Jüdisch eingewandert werden, allerdings nach neuem Reglement, ausgehandelt zwischen Zentralrat der Juden, Union der Progressiven Juden und Bundesinnenministerkonferenz. Einschränkend verwies Waldenmeier auf die Belastung der Sozialsysteme und der jüdischen Gemeinden, deren Stärkung aber Zweck dieser Einwanderung sein soll. Dass das die Konfessionalisierung erzwingt, mochte er nicht nachvollziehen. Die Einwanderung folgt ab jetzt einem Punktesystem aus Abstammung, Deutschkenntnissen, Bildung und Berufserfahrung, eigenes Vermögen und integrierte Verwandtschaft in Deutschland sind hilfreich, für Sozialleistungen gibt es offenbar keine zeitliche Begrenzung. Wie allerdings die ZWST ihre Gutachten über die mögliche Integration in Jüdische Gemeinden für Nachfahren jüdischer Väter erstellen wird, war nicht sein Thema. Rabbiner Kotler vom Rat der Progressiven Juden in Israel bestätigte auf Nachfrage, dass auch die Liberalen in Deutschland der Halacha folgen. Demgegenüber versicherte Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden, die liberalen deutschen Gemeinden könnten das Problem lösen, denn es gehe nicht um die Gemeindezugehörigkeit, sondern darum, wie nahe Einwandernde dem Judentum stünden. Rund 17 000 Altfälle, also Anträge aus der Zeit vor dem 1. Januar 2005, so der Gruppenleiter aus Nürnberg, würden noch vor den Neuanträgen aufgearbeitet, aber Pavel Polian, der zwischen Freiburg/Br. Und Moskau pendelnde Professor, hielt diese Zahlen für längst überholt und prognostizierte den Rückgang der Einwanderung auf 1 000 bis maximal 2 000 Menschen jährlich. Damit wäre der natürliche Abgang aus den Gemeinden nicht zu kompensieren, und wie er argumentierte Prof. Julius Schoeps vom Potsdamer Mendelssohn-Institut, dass es in Deutschland daher zu Stagnation und Rückgang, nicht aber zu einem sich verstärkenden jüdischen Leben kommen werde.

Generalsekretär Kramer summierte zudem die Reibungsflächen, Verluste und erforderliche Konversionskurse und er beklagte, dass es in ganz Deutschland nur 34 Gemeinderabbiner gäbe, was die Integration ins Judentum deutlich hemme. Neue Perspektiven seien daher erforderlich, doch der deutsche Staat reagiere gegenüber Einwanderern prinzipiell unvermögend. Das neue Zuwanderungsgesetz verhindere Einwanderung anstatt diese zu qualifizieren, und er kritisierte eine "rücksichtslose Verteilungspolitik" quer durch alle Regionen, und dass sich die Nichtakzeptanz von ausländischen, sprich sowjetischen und post-sowjetischen Hochschulabschlüssen ausgrenze. Wenn man sich erinnere, so Kramer, dass die Jüdischen Gemeinden nach 1945 "Abwicklungsgesellschaften" sein sollten, werde erklärbar, warum sie nach 1990 von der Einwanderung überfordert waren. Leider unterließ er es, den mangelnden internen Sachverstand im Zentralrat und dessen Unwilligkeit gegenüber einer breiten integrativen Arbeit, also auch gegen die Einbeziehung nichtreligiöser Aktivisten, in seine Analyse einzubinden. Das jüdische Ticket, trotz aller Widrigkeiten erfolgreich, wird nach dem jetzigen Einwanderungskompromiss nur sehr eingegrenzt fortgeführt. Angesichts der politischen Abstimmungslage, so Kramer, war der Kompromiss die einzige Möglichkeit, um die deutschen Grenzen nach dem restriktiven Willen einiger Bundesinnenminister nicht zu schließen. Immer wieder wurde auch nach Israels Protesten gegen diese Einwanderung nach Deutschland gefragt, die letzte Einmischung gab es 2004, als weniger Menschen nach Israel und mehr in die BRD wollten. Milder als erwartet ging es bei den Stichworten Zionismus und Israel, Diaspora und Religion zu. Bei etwa drei Millionen Russischsprachigen in Deutschland sind die rund 210 000, die auf dem jüdischen Ticket kamen, eine eher geringe Zahl, aber wegen fehlender alteingesessener Juden finden sich diese in russischsprachigen Integrationsinseln namens Gemeinde wieder, wo man oft nur schwerlich von einer jüdischen oder landesspezifischen Einbindung sprechen kann. Das war übrigens Thema meines Beitrags.

Julius Schoeps erinnerte daran, wie beleidigt Israel und wie verletzt die deutschen jüdischen Gemeinden angesichts der säkularen Lebensweise ihrer Einwanderer waren. Nach Deutschland kamen meist ältere Menschen aus großen Städten, vorrangig hoch ausgebildet, aber Israel empfange seit Jahren eher die ex-sowjetische Peripherie. Großen Eindruck machten auf mich junge jüdische Frauen, die auf Deutsch mit russischem Akzent ihre Forschungsarbeiten vorstellten und auch auf Hebräisch diskutierten. Sie benannten auch manche der unangenehmen migrantischen Tatsachen, die in Deutschland und Israel meist ausgeblendet werden, arbeiteten nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Einzelfallstudien. Farbenfreudig skizziert und analysiert waren diese mit Details aus dem Leben der neuen Oblomows und Underdogs versehen, was belehrte, erschütterte und erheiterte. Ihre Kritik galt der Zersplitterung in Kleinstgemeinden, dem Fehlen jüdischer Kompetenz und der Unfähigkeit, die etwa 18 000 jüdischen Studenten Deutschlands zu organisieren.

Israels gut recherchierte Alija war folglich für viele weniger interessant als die erstmals in Jerusalem ausgebreitete deutsche Entwicklung. Dass in Israel die meisten Olim aus Russland und der Ukraine kommen, dass es in der ex-UdSSR eine Wanderung aus kleinen und mittleren in die Großstädte gibt, dass in Moskau heutzutage viel Hebräisch gesprochen wird – und zwar nicht nur von denen, die als Israelis in die alte Heimat zurückgekehrt sind, war genauso überraschend wie der Hinweis, dass etwa 10 Prozent aller Neueinwanderer "auf Wanderschaft" ins Ausland gehen. Aus mehreren Untersuchungen wurde vorgetragen, dass nicht der Antisemitismus zur Auswanderung motiviere, sondern Empfehlungen aus Familie und Freundeskreisen sowie die Zukunft der Kinder. Das Leben der in Russland Gebliebenen wurde ebenfalls diskutiert, wobei die Aussagen vom allmählichen Ende bis hin zum Aufschwung reichten, erwähnt wurde der Geldsegen der jüdischen Oligarchen, das Versagen israelischer Einrichtungen und chaotischer jüdischer Organisationen, die Geldzahlungen einfach einstellten. "Wir wissen fast nichts über das Leben der Juden dort, was passiert außerhalb der Großstädte? Es fehlt an ethnografischen, soziologischen Studien. Die dortigen Juden sind heute sehr andere als die vor 20 Jahren", sagten die, die es wissen müssen und Streit gab es, weil Mandelstam, Pasternak und Brodsky als "Neuchristen" bezeichnet wurden, wo sie doch für viele russischsprachige Juden der Beleg für eine moderne jüdische Hochkultur sind.

"Wir sind unheilbar mit dem Virus sowjetischen Lebens infiziert", darum erfolge nach der Einwanderung in Deutschland nicht nur der "Lebensmittelschock", gewichtiger ist der Statusverlust, und das fehlende Selbstbild erschwert das Leben. Ergebnisse von teilnehmenden Beobachtungen illustrierten wie es ist, wenn deutsche Beamte die kulturellen Codes der Eingewanderten nicht zu dechiffrieren wissen, und Migranten sich unverstanden fühlen und daher nichts verstehen. Der Vertreter des Jerusalemer Arbeitsamtes erläuterte die praktische Gruppierung von Berufen, wie Arbeit verteilt und Anpassung an den israelischen Arbeitsmarkt gelernt werde. Englischkenntnisse verdoppelten dabei die Chancen, die Qualifikationen der Neueinwanderer steigerten das Bruttosozialprodukt. Er betonte, es wäre "politisch korrekt", auf Beschäftigungsfähigkeit, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen zu verweisen, und fragte sich und andere, weshalb so viele Einwandernde sich nicht konsequent auf ihre Einwanderung vorbereiteten. Technologische Veränderungen in der post-industriellen Gesellschaft, Konkurrenz zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitenden, Arbeitgebern und Investoren, werden künftig den Arbeitsmarkt ebenso wie Hi-Tech, IT, Biotechnologien, Kommunikation, Film, Journalismus, Freizeitmarkt, Dienstleistungen und Fremdsprachen prägen. Heute leben 270 000 Olim im arbeitsfähigen Alter von Sozialhilfe, aber Neueinwanderer, so der Arbeitsamtsmann, seien mit 8,5 % Arbeitslosen häufiger als Alteingesessene im Arbeitsprozess zu finden.

Israels Staatsanliegen ist die Absorption alias Eingliederung, und diese reicht von technikorientierten und anderen Sprachschulen zu Prüfungen, Umschulungen, Fortbildungen. Die Betreuung durch Fallmanager dauert drei Jahre, es gibt Voucher auf Stellenangebote, Anerkennungen für Wissenschaftler, von denen bis zu 70% arbeiten, ein Aufnahmezentrum für Künstler und die Sonderintegration für erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler. Neueinwanderer sind, auch das wurde vorgerechnet, Lohndrücker, für Israel insgesamt sei das aber von Nutzen. Aus einem Referat war zu erfahren, dass Israel etwa sieben Mal weniger Sozialgeld als Deutschland zahle, die meisten Bildungsabschlüsse anerkenne und der flexible Arbeitsmarkt auch in den Niedriglohnsektor integriere, während Deutschlands rigide Arbeitsmarktpolitik, Nichtanerkennung der Abschlüsse und enge Tarifpolitik die Integration hemme. Migranten sind, das bestätigten die Referenten aus beiden Ländern, in der Regel eher positiv motiviert und haben eine hohe Risikobereitschaft, aber Deutschland finanziere die Dauerarbeitslosigkeit, was neben allem anderen zum Verlust an sozialem und kulturellem Kapital führe.

Am Ende der zwei Tage waren meine neuen Erkenntnisse zu neuen Fragen mutiert, die sich vor allem aus der Unvergleichbarkeit dieser Migrationen ergeben. Das ideologisch fundierte Prinzip der Eingliederung von jüdischen Neubürgern in eine jüdische Heimstatt Israel ist eben keine Integration von Ausländern wie in Deutschland, von im besten Fall künftigen Staatsbürgern. Bemerkenswert fand ich, dass auf Russisch zwischen "Jewrey" und "Judaism" unterschieden wird, also zwischen nationaler Zugehörigkeit und religiösem Bekenntnis. Aus diesem Grund können sich in Russland zum Christentum konvertierte Juden weiterhin als national jüdisch verstehen, und wer einen jüdischen Vater hat, gilt in der patriarchalischen Welt gemeinhin als Jude. Das heißt, die "Mischehen" haben dort eine andere Bedeutung als in Israel und für das halachische Judentum.

Der Stellvertretende Leiter der Abteilung für Konversion im Amte des Ministerpräsidenten, Rabbiner Klein, sichtbar orthodox, sprach von "säkularer Integration" und meinte die Annäherung an jüdische Werte bis hin zur Konversion, Stephan Kramer als Sprecher des Zentralrats erklärte, jüdische Identität sei auch ohne Religion zu unterstützen, und Israels Vertreter der Liberalen nannte die mehr als 300 000 eingewanderten "halachischen Nichtjuden" eine neue Minderheit im Lande. Daher sei eine einfachere Konversion für alle, die dem Volke angehören wollten, unumgänglich. Hingegen folgt für den Wissenschaftler Prof. Ben-Rafael aus der neuen Zerstreuung der ex-sowjetischen Juden in der westlichen Welt eine Fusion aus jüdischer Identität und russischer Kultur, er nannte das sozialisierend, eine Re-Ethnisierung mit erkennbaren und gepflegten Gruppenbesonderheiten, doch um aktiv zu sein, brauche es eine gemeinsame Sprache, wachsenden politischen Einfluss, eine Elitenentwicklung sowie den Anschluss an alle jüdischen und politischen Richtungen im Lande. In den USA leben, wie er sagte, russischsprachige Juden eher peripher und passen sich an, in Deutschland sind sie für sich selber und für ihre Umwelt unerwartet zu den Garanten einer künftigen jüdischen Bevölkerung geworden, ihr Judentum aber ist kulturell, und eine deutsche Identität wäre Entfremdung von der kollektiven jüdischen Erfahrung. In Israel wiederum finde überall jüdische Eingliederung statt, egal, ob jemand Russe oder israelischer Jude sein wolle.

Zu lernen war auch, dass der Zusammenbruch der UdSSR im Hinblick auf diese globale, vielsprachige, überkontinentale und multikulturelle jüdisch-russischsprachige Bevölkerung mit Metasprache russisch noch nicht wirklich untersucht ist, dass in der geschlossenen Sowjetgesellschaft akzentfrei sprechende Menschen mit mediterranem Aussehen stets als Juden galten, dass heute Israel, nicht Moskau die identitätsstiftenden Elemente schafft, weil hier die Ideen, die Denker, die Eliten auch auf Russisch zu Hause sind. Zu erfahren war weiterhin, dass der Mythos, wonach Kinder keinen Zweitsprachunterreicht benötigen gebrochen werden muss, denn ohne Systematik beherrschten sie am Ende keine Sprache vollständig und die Muttersprache sei verloren. Und der Direktor der Otto-Benencke-Stiftung erinnerte an die Ursachen des deutschen Versagens bei der PISA-Studie.

Russischsprachige Medien spielen bei all dem und überall eine große Rolle. Die Rede war auch von den überflüssigen Menschen, von weggeworfenem Leben und der Verantwortung europäischer Wohlfahrtsstaaten einschließlich Deutschlands, die auch ohne Arbeit einen vergleichsweise bescheidenen Wohlstand sichern. Hier müsse der Frosch nun nicht mehr strampeln, um auf dem Butterberg aus der Milch zu klettern, denn niemand gehe in der dicken Sahne unter. Integration jedoch sei ohne Arbeit nicht möglich, das Migrantenleben werde auf diese Weise inhaltslos und desorientierend. Nicht nur Julius Schoeps warnte daher vor der deutschen Überfinanzierung von Erwerbslosigkeit und Jüdischen Gemeinden, da diese die Bereitschaft ersticke, sich für den eigenen Lebensunterhalt verantwortlich zu fühlen. Die nach Deutschland eingewanderten älteren Referenten sprachen übrigens auf Russisch, die in Israel lebenden waren meist jünger und referierten auf Hebräisch, die Moskauer passten sich an.

Es scheint so zu sein, dass nur dann, wenn der Wunsch zur sprachlichen, kulturellen und beruflichen Eingliederung zum eigenen Zwang wird, diese erfolgreich ist, aber warum das so oft ausbleibt, sollte weiterhin diskutiert werden. Und weil das Los der alten Russischsprachigen in Israel diesmal kein Konferenzthema war, verkündete ganz am Ende der Veranstaltung ein Vertreter der Rentnerpartei auf Russisch, man werde weiterhin von der Regierung angemessene Renten für alle Neueinwanderer fordern. Und es klang ganz so, als habe er noch nie davon gehört, dass sich die Rentenkassen überall auf der Welt durch frühere Mitgliedsbeiträge speisen.

Am überzeugendsten war für mich die Erfahrung, dass hier längst eine neue Generation heran gewachsen ist, die mehrsprachig, scharfsinnig, scharfzüngig, ironisch und ideologiefern argumentiert und deren Muttersprache Russisch ist. Wir in Deutschland sollten dieser neuen jüdischen Elite aus vernetzten Weltbürgern, die heute in Israel, den USA, bei uns oder in einigen Großstädten Russlands und der Ukraine zu Hause ist, erheblich mehr Aufmerksamkeit widmen. Das allein wäre die nächste Konferenz wert.

Category: General
Posted 04/19/07 by: admin



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Comments

wrote:
Hochinteressanter Artikel über einen hochinteressanten (Mikro-) Kosmos.

Was wäre "Jewry" auf Russisch -- "evrestvo"?

Zweitsprache ist auch m.E., in den Gemeinden der GUS-Deutschen (wo ich mich etwas besser auskenne als im GUS-jüdischen Umfeld, man gestatte mir den Vergleich) verhindern oft Betonköpfe der russlanddeutschen Landsmannschaften und der CDU/CSU-Leitkulturdenker, dass Russisch für GUS-Einwanderer (mit) identitätsstiftend ist, und dass sie kulturell verarmen, wenn man ihnen diese zweite heimat wegnimmt (bei aller bedauernswerter Renitenz andererseits, vor allem unter den spät eingewanderten GUS-Deutschen, sich der deutschen Sprache zu bemächtigen.)

Irene Runges zukunftsgewandte Schlussfolgerung finde ich vor allem interessant, nämlich dass diese Leute gerade mit ihrer interkulturellen, multilingualen Kompetenz eine bereicherung für Deutschland (und Israel) sind, und auch da sehe ich letzlich Parallelitäten zwischen GUS-jüdischer und GUS-deutscher Einwanderung, wenn auch mit sicherlich vorhandenen Unterschieden.
04/20/07 10:34:44

wrote:
Ich fühle mich überhaupt nicht bereichert , ganz im Gegenteil. Hat die Gutmenschenfraktion hier überhaupt mitbekommen , das die jüdische Gemeinde Berlins sich spaltet, weil Sie sich ja so bereichert von russischen juden fühlt.
Russische Einwanderung stoppen.JETZT!!
04/26/07 18:09:14

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