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„Gor nischt schwer“: Nizza Thobis vielsprachiges Konzert in Regensburg

Der 27. Januar steht in den Kalendern offiziell als „Tag der Befreiung des Lagers in Auschwitz“, auf Termin-Zetteln gehobener Regensburger war der Theaterball im Neuen Haus am Bismarckplatz angesagt. Und dort ließ man sich die Lust an Hummerschwänzen und Ballett-Einlagen nicht vermiesen...

VON UTA VON MAYDELL, MZ REGENSBURG

Ohnehin hatte Intendant Ernö Weil, auf die eher unglückliche Termin-Wahl der rauschenden Ballnacht angesprochen, schon wissen lassen, im Theater werde frei von Datumsgrenzen reichlich Gedenkarbeit geleistet.
Dem ist unbedingt zustimmender Respekt zu zollen. Der wird weiter gereicht ans Kulturreferat; denn über diese Schiene wurde zum Gedenktag Nizza Thobi ins Auditorium des Thon-Dittmer-Palais’ geholt mit ihrer „Musikalischen Reise von Wilna nach Jerusalem“.

Im Untertitel heißt es „Jiddisch is gor nischt asoj schwer“; und in der Tat hat Frau Thobi ihr Publikum im dicht besetzten Saal über viele Sprachbarrieren hinweg in ganz besonderen Bann geschlagen. Sängerin und Gitarristin – mit Schwerpunkt auf „Sängerin“ – ist Nizza Thobi, in Israel geboren und seit einem Vierteljahrhundert in München zuhause. Wenn sie vom „Sajdn Hemdl“ als ihrem Geburtskleid spricht, ist die jiddische Sprache der Mutter gemeint. Und auf dieser Spur bleibt sie über alle Städte, Regionen, Kontinente fast mit behutsamer Hartnäckigkeit. Ein Satz von Abraham Schlonski aus dem Jahr 1944 mag Richtung weisend sein: „Schwöre, nichts zu vergessen. Aber behalte die Kraft, zu verzeihen.“

Immer hart am Thema Trauer

Ihr Besuch in Regensburg, natürlich nur ein Punkt auf großer Tournee, wird so schnell nicht vergessen werden. Nachvollziehbar wird da ein langer, schwerer Weg, auf dem auch Lächeln nicht verboten ist. Thobi ist schön anzusehen mit Haarpracht und großem Gewand. Sie hat Witz, gibt sich keck, bleibt aber immer hart am Thema Trauer. Das Mottele im Warschauer Ghetto, Roman Polanskis „Pianist“, Lea Eisenstadt, Marcel Reich-Ranicki, Wolf Biermann oder Hannah Arendt – Nizza Thobi schlägt einen großen geistigen Bogen, geht auch sehr persönlich auf ihr Publikum (Otto Schwerdts wehe Beine) zu und wünscht allen blaue Flügel.

Ganz allein mit Gesang schafft sie es nicht, die Seelen des Publikums gefangen zu nehmen. Und da hat sie begnadete Gefährten. Am Piano der fast unterkühlt aber eben drum verlässliche Peter Wegele, und als schwebende Seele die junge Geigerin Dina Leini. Dieses Trio ist ein Glücksfall. So kann man auch die Bilder (Projektionen vieler Elends-Stationen sind dem musikalischen Programm beigeordnet) besser verkraften.

Nizza Thobi ist mit allen Wassern gewaschen: Sie ist blitzgescheit und hat nicht resigniert.

Im Original-Beitrag (MZ): Nizza Thobi beim Konzert im Thon-Dittmer- Palais Foto: altrofoto.de
Mittelbayerische Zeitung Montag, 29. Januar 2007 Kultur

Category: Veranstaltungen
Posted 02/01/07 by: admin



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