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Die neue Synagoge am Jakobsplatz in München: "Wie schön sind deine Zelte, Jakob!"

Eine Zikkurat, geht mir als Erstes durch den Kopf, als ich mir den Architektenentwurf der neuen Synagoge anschaue. Nein, kein anmaßend dem Himmel entgegenstrebender Turm von Babel, wohl aber ein solider Sockel, die Terrasse der Zikkurat, und darüber ein kleinerer Kubus aus Glas, durch den vielgliedriges Rautenfachwerk den Betrachter grüßt...

von Miriam Magall

Golden schimmert der rechteckige Glaskubus über dem sandfarbenen Rechteck. Ein archaisch anmutender Anblick, der zurückführt in die Zeit, als unser Erzvater Abraham auf Befehl des Ewigen mit Frau und Gesinde aufbrach, um ins Land Kanaan zu ziehen; eine Erinnerung scheinbar an eine längst vergangene Zeit, hier inmitten all dieser Häuser aus der Gründerzeit in der Münchner Innenstadt. Ein kühner Kontrast! Gleichzeitig aber auch ähnlich einer Festung, denn vergeblich wird der Betrachter im Sockelbereich Fenster suchen. Bereits im 17. Jahrhundert baute man in Polen festungsähnliche Synagogen: unten ein massiver Sockel, dort dann mit Schießscharten (!), über den sich ein zweiter, kleinerer Kubus erhob. Damals entstanden diese Synagogen vom Festungstyp zum Schutz vor Kosakenüberfällen. In München dürften rechtsextreme Übergriffe auf jüdische Einrichtungen oder aber auch muslimische Terroranschläge, möglicherweise auch nur tief im Unterbewusstsein der entwerfenden Architekten, eine ähnliche Rolle gespielt haben.
Tatsächlich dachte die ausführende Architektin Rena Wandel-Hoefer ihrer eigenen Aussage zufolge dagegen an ganz andere Vorbilder: der Sockel -- Salomos Tempel in Jerusalem; der Glaskubus darüber, das „Goldene Zelt“, wie sie ihn nennt, -- die Stiftshütte, die den Israeliten auf ihrer vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste von Ägypten bis ins Verheißene Land als zentrales Heiligtum diente.
Noch stehen wir draußen, vor der Synagoge und schauen uns das Material, aus dem sie erbaut wurde, näher an. Der Sockel gleicht einer rau zerklüfteten Felswand oder auch der Klagemauer in Jerusalem, ist er doch verkleidet mit Gauinger Travertin aus der Schwäbischen Alb. Vom Glaskubus darüber war bereits die Rede. Ihn umhüllt außen ein goldfarbenes Bronzenetz. Dieses „Goldene Zelt“ erinnert, wie die Architektin Wandel-Hoefer erklärt, an das Stiftszelt in der Wüste, das ebenfalls schon kurz angesprochen wurde. Gleichzeitig erfüllt das Bronzenetz zwei praktische Zwecke: Es taucht das Innere in ein warmes Licht; außerdem soll es die zu heftigen Sonnenstrahlen im Sommer brechen.
Um ins Innere zu gelangen, müssen wir nun durch ein mächtiges, zweiflügliges Stahltor hindurch. Jeder Flügel ist ca. sechs Meter hoch und jeweils zwei Meter breit, eingesetzt in den acht Meter hohen Sockel an der Westseite, eine der beiden Schmalseiten des Baus also. Jeder Flügel trägt, von oben nach unten und beginnend mit der rechten Tür, hebräische Buchstaben, genauer, die ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets, goldene Lettern auf goldfiligranem Grund. Sie stehen für die Zehn Gebote, denn jeder hebräische Buchstabe hat auch einen Zahlenwert, wobei das Alef gleichbedeutend mit „Eins“, Beth, mit „Zwei“ usf. ist. Neben den Rauten des Glaskubus’, die sich mit einiger Fantasie im Auge des Betrachters zu Davidsternen zusammensetzen, sind diese hebräischen Buchstaben der einzige äußere Hinweis auf einen jüdischen Sakralbau. Durch dieses Tor nun, dessen Flügel sich nach außen öffnen, Fluchttore sind es also, betreten wir die Synagoge selbst.
Beim Betreten des Betsaals wird der Blick automatisch nach oben, zum Himmel, geleitet. Damit erfüllt dieser Betsaal seine Bestimmung: Er dient als Verbindung zwischen dem Unten, dem Profanen, und dem Oben, dem Himmel. Vom lichtdurchfluteten Oberbau gleitet der Blick nach unten, bemüht, die Weite des Raums zu erfassen: 33 Meter lang und 22 Meter breit ist er, bis an die Decke des Glaskubus misst er 28 Meter!
Im Betsaal begegnet ein weiteres Zitat aus alter Zeit: Zedernholz. Bekanntlich ließ König Salomo für seinen Tempel in Jerusalem Zedern aus dem Libanon herbeischaffen. Und mit Zedernholz verkleidet sind nicht nur die Wände des Sockels im Inneren, nein, auch der Thora-Schrein, der in der Ostwand in einer Nische steht, ist aus Zedernholz. Der Vorhang vor dem Thora-Schrein, auch er eine Erinnerung an den Vorhang, der das Allerheiligste sowohl im Stiftszelt als auch im Tempel in Jerusalem vom Rest des Zeltes bzw. Tempels abtrennte. Die Ostwand mit der Nische ist verkleidet mit sandfarbenem Kalkstein aus Jerusalem, der, wenn poliert, wie Marmor glänzt und im untergehenden Sonnenlicht wie golden leuchtet. -- Nicht umsonst heißt die Hauptstadt des Staates Israel „Jerusalem von Gold“. Das hat sie dem sandfarbenen Kalkstein zu verdanken, mit dem alle Häuser in der Stadt verkleidet sein müssen.
Die hebräische Quadratschrift ist eine optisch sehr ansprechende Schrift und wurde und wird immer gerne als Element zum Dekorieren von Räumen und Bauten verwendet. Daher blicken hebräische Schriftbänder auf eine lange Tradition zurück. Erinnert sei an die Synagoge in Toledo aus dem Jahr 1357, die später Nuestra Señora del Tránsito geweiht wurde und die deswegen erhalten geblieben ist. Dort rahmen stilisierte Blumenmotive Felder, in die Inschriften mit großen hebräischen Zierbuchstaben gesetzt sind. War schon von den Synagogen vom Festungstyp in Polen die Rede, soll in diesem Zusammenhang auf die polnischen Holzsynagogen, wie sie neben jenen seit dem 16. Jahrhundert in jenem Land gebaut wurden, verwiesen werden. Denn die Wände waren mithilfe horizontal verlaufender hebräischer Schriftbänder in symmetrisch gegliederte Zonen geteilt. Genau wie in Toledo wechselten sich Wandfelder mit hebräischen Texten und reichen Ranken ab. Und auch in der neuen Müncher Hauptsynagoge fehlen sie nicht. Zwei Zitate aus den Psalmen (Ps. 5 und 69) zieren die Längsseiten des Betsaals, die Anfangsbuchstaben der zehn Gebote die aufgeklappten Flügeltüren vor dem Thora-Schrein, bekrönt von der Mahnung -- auf Hebräisch -- „Wisse, vor wem du stehst!“. Die hohen Drehtüren am Eingang tragen die Namen der zwölf Stämme Israels und werden ihrerseits bekrönt von der Einladung: „Wie gut sind deine Zelte, Jakob“, ein Zitat aus dem Morgengebet, dem die alte Ohel-Jakob-Synagoge genau wie die neue ihren Namen verdankt. Sonst gibt es keinen weiteren Dekor, der die Betenden vom Gebet ablenken könnte. Die Wände, die Bima in der Raummitte sowie die Sitze mit den kleinen Lesepulten strahlen in der Schönheit ihres Materials, des Zedernholzes, und verbreiten Wärme, in der sich die Gemeinschaft der Beter wie in einer Arche geborgen und sicher fühlt.
Der Boden ist mit „Israel-Stein“ ausgelegt, und damit kommen wir auch schon zu den Benutzern, den Betern, die dieses „Haus der Versammlung“, dieses „Haus des Gebets“ und dieses „Lehrhaus“, das sind die drei ins Deutsche übersetzten hebräischen Namen der Synagoge, füllen sollen. Insgesamt 600 Sitzplätze sind im Betsaal vorgesehen, etwas mehr als die Hälfte für die Männer, die übrigen für die Frauen. Wie in einer klassischen Synagoge sitzen die Frauen entlang den Längsseiten des Saals, ihre Plätze befinden sich auf einer Art Empore, die über mehrere Stufen zu erreichen ist. Sie haben einen freien Blick sowohl auf die Bima in der Mitte als auch auf den Thora-Schrein, sind jedoch durch eine Mechiza, eine Trennwand, die nicht mehr als ein filigranes goldfarbenes Netz ist, den Blicken der Männer in der Raummitte verborgen. Denn die Männer sitzen in der Mitte zwischen den beiden der Länge des Betsaals folgenden Sitzreihen für die Frauen ebenerdig rund um die Bima, das Podium, auf dem die Thora gelesen wird, und blicken auf den Thora-Schrein. Die Bima ist groß genug, um auch der Chuppa, dem Hochzeitsbaldachin, Platz zu bieten -- vier hohe Stangen an jeder ihrer vier Ecken sind von Anfang an dafür vorgesehen --, sodass eine Trauung inmitten der Gemeinde stattfinden kann. Hingewiesen sei noch darauf, dass Stufen vom Betsaal hinauf zum Podium in der Ostwand mit dem Thora-Schrein führen. Von dort oben wird die Thora-Rolle die Stufen hinunter zur Bima getragen, getreu Psalm 130: „Aus den Tiefen ruf’ ich Dich, o Ewiger!“
Vom Vorraum des Betsaals geht es hinunter in den Keller. Er beherbergt neben der Mikve, dem obligatorischen Ritualbad, auch die Wochentagsynagoge, deren Mobiliar und kleiner Thora-Schrein den großen Betsaal darüber zitiert.
Um von der Synagoge ins Gemeindezentrum zu gelangen, muss der Besucher nicht einmal wieder hinauf ins Erdgeschoss. Ein 32 Meter langer unterirdischer „Gang der Erinnerung“ verbindet beide Gebäude. Erinnerung bedeutet: Auf der rechten Seite trifft der Blick des Besuchers auf Glasplatten. Sie sind dreifach gestaffelt und tragen in unterschiedlicher Schärfe die Namen der 4500 deportierten und ermordeten Juden Münchens. Das Licht, das durch die Platten auf der linken Seite fällt und die Namen von hinten erhellt, beleuchtet die auf der gegenüberliegenden Wand reliefartig hervortretenden Worte: Trauern -- Gedenken -- Erinnern -- Mahnen. Sie laufen auf den Davidstern, dem einzigen in der ganzen Synagoge, in der Gangmitte zu. Er ist seinerseits gerahmt von den Namen von fünf Todeslagern in Deutschland und Polen, die stellvertretend für die vielen anderen stehen. Die obere Spitze des Davidstern weist auf die Zahl 6 000 000. Aber das Leben geht dennoch weiter, und deshalb künden die nächsten Worte vom Programm der Überlebenden: Sprechen -- Lernen -- Leben -- Versöhnen. Am Ende die zukunftsweisende Botschaft: 9. November 2006 und darüber die Grundrisse von neuer Synagoge, Gemeindezentrum und jüdischem Museum mitten im Herzen der Stadt.
Am Ende des Gangs führt eine Treppe hinauf ins Gemeindezentrum. Fünf Stockwerke hoch ist es, und es bedeckt eine Fläche von insgesamt 12 000 Quadratmetern. Das Erdgeschoss beherbergt den zwei Stockwerke hohen Gemeindesaal. Er ist nicht nur den Gemeindemitgliedern vorbehalten, sondern auch als Begegnungsstätte mit der breiten Öffentlichkeit gedacht. Ähnliches gilt auch für das koschere Restaurant auf dieser Ebene. Die koscheren Speisen, zubereitet in einer milchigen bzw. flayschigen Küche, sollen, das erhofft sich die jüdische Gemeinde, zum Anziehungspunkt für Liebhaber der koscheren Küche aus der Stadt und Besucher aus der ganzen Welt werden. Im Stockwerk gleich darüber, über ein zweites Treppenhaus erreichbar, liegt das Reich des Gemeinderabbiners, der nicht nur für das geistige Wohlergehen der Münchner jüdischen Gemeinde, sondern auch für ihr leibliches Wohl zuständig ist, obliegt ihm doch die Überwachung der Kaschruth, d.h. er prüft, ob die im Restaurant angebotenen Speisen auch den rituellen Vorschriften entsprechen. Über mehrere Stockwerke verteilt ist die Grundschule „Sinai“. In den Pausen können sowohl die Schüler als auch die Kinder aus dem Kindergarten gegenüber auf der Terrasse im zweiten Stock im Freien herumtollen. Im vierten Stock residiert die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München inmitten weiterer Büros der Verwaltung, denn eine Gemeinde mit rund 9000 Mitgliedern ist durchaus schon ein Großbetrieb, der unter seinem Dach vielfältige Funktionen erfüllt. Vom Geistigen und vom Leiblichen war schon die Rede, genau wie von Kindergarten und Grundschule. Daneben unterhält die Gemeinde auch eine Sozial- und Integrationsabteilung, und auch ein Jugend- und Kulturzentrum fehlt nicht; alles untergebracht im ersten Stock des neuen Gemeindezentrums.
Zum Schluss kann der Besucher die Dachterrasse neben dem Sitzungsraum im fünften Stock aufsuchen und die Aussicht auf die Münchner Innenstadt genießen. Die Augen noch voll vom Anblick der Häuser, Gassen und Straßen geht es wieder hinunter ins Erdgeschoss und diesmal zur Eingangstür hinaus auf den freien Platz davor. Ein Blick zurück auf das Gemeindezentrum erfasst einen modernen, über dem dritten Stockwerk mehrfach gegliederten Bau, auch er an den Außenwänden verkleidet mit dem gleichen Travertin-Stein aus der Schwäbischen Alb wie der Sockel der Synagoge. Nur ist er dort nicht rau wie eine Felswand, sondern glatt, sodass seine Maserung stärker zutage tritt.

Diese beiden Bauten, Synagoge und Gemeindezentrum, befinden sich in der Trägerschaft der Israelitischen Kultusgemeinde München. Abgerundet wird die ganze Anlage von einem dritten Bau, diesmal nicht von derselben Körperschaft getragen, sondern von der Stadt München. Gemeint ist das Jüdische Museum, das zum Angerkloster hin, leicht nach hinten versetzt, zwischen den beiden soeben beschriebenen Bauten steht. Dazu hat sich das Architektenteam eine aparte Variante einfallen lassen. Besteht die Synagoge aus einem festen Sockel im Erdgeschoss und einem Glaskubus darüber, ist es beim Museum genau umgekehrt. Das Erdgeschoss ist als durchsichtiger Glaskörper konzipiert, darüber erheben sich zwei mit Travertin-Stein verkleidete Stockwerke. Und auf noch ein interessantes bauliches Detail sei hier verwiesen: Es gibt auch ein Untergeschoss, passgenau eingefügt in das Betonkorsett eines riesigen unterirdischen Luftschutzkellers.
Zwischen allen drei Bauten ist viel freier Raum. Dadurch wird die Fußgängerzone am Jakobsplatz beträchtlich erweitert. Die Pflasterung folgt einem Entwurf der Landschaftsarchitektin Regina Polly aus Berlin. Um die drei Gebäude zu errichten, mussten zwanzig Bäume gefällt werden. Aber Umweltschützer seien damit getröstet, dass wieder 25 Bäume gepflanzt werden. Hinzu kommt ein Brunnen vor dem Orag-Haus sowie ein Spielplatz, wie es ihn auf diesem lange brachliegenden Grundstück bisher noch nicht gegeben hat. Auch die Sicherheit musste eingeplant werden. Sie ist diskret und zurückhaltend. Alle Zufahrtswege sind durch versenkbare Poller blockiert. Außerdem überwachen Videokameras Tag und Nacht das gesamte Gelände. Zugangskontrollen, die die Gemeinde selbst und auf eigene Kosten durchführt, sollen unliebsame Besucher aus den Räumen fernhalten.

Im Jahr 1988 war die Schaffung eines jüdischen Zentrums mit Synagoge im Herzen der Stadt München, wie es Ähnliches schon einmal vor der Nazi-Diktatur gegeben hatte, allein der Traum von Charlotte Knobloch, die in jenem Jahr zur Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde gewählt wurde. Mit Hartnäckigkeit und Zähigkeit verfolgte sie ihr Ziel. Innerhalb des Gemeindevorstands und auch in der Gemeinde wurde zuerst einmal die Diskussion angestoßen, ob und warum diese Vision der Präsidentin überhaupt durchführbar ist bzw. sein sollte. Und auch, eine zwar profane, aber doch nicht weniger wichtige Frage stellte sich: Woher soll das Geld dafür kommen? Auch dafür hatte die Präsidentin schon einen Vorschlag, von dem sogleich die Rede sein soll.
Im Mai 2000 gründete sich das Kuratorium „Jüdisches Gemeindezentrum am Jakobsplatz“ mit insgesamt 40 Gründungsmitgliedern. Die Schirmherrschaft übernahm der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude höchstpersönlich. Noch im November des gleichen Jahres (2000) fand eine erste Wettbewerbsrunde statt. Ausgeschrieben war die Bebauung eines 9210 Quadratmeter großen Geländes mit drei Bauten: einer Synagoge, einem Gemeindezentrum und einem jüdischen Museum. Schon damals einigte man sich auf den Namen der zukünftigen Synagoge: Ohel Jakob, „Jakobs Zelt“, sollte sie heißen, nach der am 9. November 1938 zerstörten orthodoxen Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße 11 (vormals Grundstück Kanalstraße 29). Insgesamt beteiligten sich 269 Architektenbüros aus der ganzen Welt daran. Das Kuratorium entschied sich, zwölf der eingereichten Entwürfe auszuzeichnen. Sie und noch weitere, ausgewählte fünf bildeten die Grundlage für den zweiten und abschließenden Wettbewerb. Als Sieger ging schließlich eine originelle Lösung hervor, eingereicht von den Architekten Rena Wandel-Hoefer und Wolfgang Lorch aus Saarbrücken und Christian Böhm und Camilla Will aus München. Ihr Konzept für die Synagoge, ein „Goldenes Zelt“ als Dachkonstruktion und ein solider Sockel zur Erinnerung an den Tempel, bot sich als so bestechend an, dass das Kuratoriums sich einstimmig dafür entschied.
Am Ende des gleichen Jahres war dann auch die Anschubfinanzierung für das Bauvorhaben gesichert. Nach heftigen Diskussionen in Vorstand und Gemeinde beschloss der Gemeindevorstand im Dezember 2002, das Grundstück, auf dem die bereits im Juni 1938 auf Hitlers pserönlichen Befehl hin abgerissene Hauptsynagoge gestanden hatte, an Karstadt zu verkaufen. Damit standen immerhin DM 40 Millionen von den veranschlagten Baukosten von insgesamt 57 Millionen zur Verfügung. Der Freistaat Bayern gewährte einen Zuschuss von DM 14 Millionen, der Rest wird durch das Sammeln von Spenden nach und nach gedeckt. Die Stadt München stellte der Gemeinde überdies das Grundstück am Jakobsplatz kostenlos zur Verfügung. Dergestalt abgesichert, konnte die Ausführung beginnen. Die Bauarbeiten wurden ganz nach Plan verwirklicht: Die Grundsteinlegung fand am 9. November 2003 statt, der Baubeginn selbst erfolgte am 24. Juni 2004, und schon im Herbst 2005 wird das Richtfest des neuen Gemeindezentrums gefeiert. Am 9. November 2006 wird die Synagoge eingeweiht, und Anfang 2007 werden Kultur- und Gemeindezentrum sowie das Jüdische Museum eröffnet.
Damit ist die israelitische Kultusgemeinde München wieder dort, wo sie nach Ansicht ihrer Präsidentin, Charlotte Knobloch, hingehört: ins Herz der Stadt. Dieses zweitgrößte Gemeindezentrum Deutschlands „bringt“, wie die Präsidentin betont, „das Selbstverständnis unserer Gemeinde zum Ausdruck.“ Und auch das sagt die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und inzwischen auch Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Jüdisches Leben wird wieder sichtbar sein, fassbar sein, erfahrbar sein, in der Mitte des Lebens und der Gesellschaft“.
Gleichzeitig hat sie, ebenso wie die israelitsche Kultusgemeinde in München als auch die Architektengemeinschaft Wandel-Hoefer, Hoefer und Lorch aus Saarbrücken Architekturgeschichte geschrieben.

Abbildungen

Abb. 1: Schreiben der letzten Buchstaben. 8. November 2006.

Abb. 2: Umzug der Thora-Rollen von der Reichenbachstraße in die neue Synagoge am Jakobsplatz. 9. November 2006.

Abb. 3: Die neue Synagoge mit Gemeindezentrum, München.

Abb. 4: Der Thora-Schrein in der neuen Synagoge, München.

Abb. 5: Die Wochentagsynagoge, München.

Category: Gemeinden
Posted 11/15/06 by: admin



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