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Rykestraße: "Das ist Ihre Synagoge"

In der Synagoge in Berlin hofft man, dass die Russen einen „Minjan“ bilden werden...

Von Anshel Pfeffer, Haaretz v. 03.09.2007

Der wohl symbolischste Augenblick bei der Einweihung der Synagoge in der Rykestraße in Ostberlin vorgestern trug sich vielleicht während der Rede von Hermann Simon zu, dem Vorsteher der Synagoge. Er sagte einige Worte in Russisch, was von einem Großteil der Anwesenden mit starkem Beifall begrüßt wurde. „Ich wollte ihnen sagen, dass sie keine Gäste sind, sondern zu uns gehören. Das ist ihre Synagoge“.

Oder in anderen Worten: Die einzige Chance, dass sich die renovierte Synagoge, heute die größte aktive Synagoge in Deutschland, überhaupt annähernd füllen wird, ist, wenn die neuen Juden Deutschlands, die Einwanderer aus der GUS, die Gottesdienste besuchen.

Es ist kein Zufall, dass alle Gebetbücher auch eine russische Übersetzung enthalten, mit Ausnahme eines alten Gebetbuchs, das im Jahr 1926 in Frankfurt gedruckt wurde. „Zweifelsohne bilden sie heute unser Potenzial“, sagt Dr. Gideon Joffe, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin, dessen Eltern aus Litauen stammen. „Wir müssen diese Juden mit der Gemeinde verbinden.“

Die Geschichte der Synagoge in der Rykestraße ist aus jeder Sicht einzigartig. Sie wurde im Jahre 1904 als eine der prächtigsten Synagogen der Stadt errichtet, und sie wurde auch für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen der Gemeinde verwendet. In der Reichskristallnacht 1938 wurde sie, wie auch Hunderte andere Synagogen in ganz Deutschland, geschändet. Als sie in Brand gesteckt wurde, löschten Anwohner das Feuer jedoch, da das Gebäude inmitten einer Wohngegend steht.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Synagoge von der kommunistischen Regierung zu Propagandazwecken geöffnet. Es war den Kommunisten wichtig zu demonstrieren, dass in der DDR jüdisches Leben existiert. De facto fiel es den wenigen Juden schwer, einen „Minjan“ zu bilden, obwohl es sich um die einzige aktive Synagoge in Ostberlin handelte. Mit Ausnahme besonderer Gelegenheiten und Feiertage beteten die Juden deshalb in einem kleinen Raum im Gebäude der Synagoge. Im Verlauf der Jahre wurden einige Versuche unternommen, die Synagoge zu renovieren, aber ihre alte Pracht erhielt sie nicht zurück. Vor drei Jahren wurde das umfangreiche Sanierungsprogramm begonnen, mit Geldern der Berliner Regierung und der deutschen Lotterie.

Die verschiedenen Redner bei der Eröffnungszeremonie hatten Mühe, den Charakter der Synagoge zu beschreiben. Anders als die meisten alten Synagogen in Deutschland, gehörte sie nicht der Reformbewegung an. Obwohl Männer und Frauen getrennte Plätze hatten, war sie keine wirklich orthodoxe Synagoge, sondern zeichnete sich durch eine eher liberale und „deutsche“ Atmosphäre aus.

Vertreter der orthodoxen Gemeinde, darunter der Oberrabbiner von Berlin, Itzhak Ehrenberg, die Chabad-Vertreter und die Leitung der Jeshiva, die vor einigen Jahren mit Finanzierung des Milliardärs Ronald Lauder gegründet wurde, nahmen an der Zeremonie nicht teil. Auch die Tatsache, dass der Israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, an einer für die Gemeinde derart wichtigen Veranstaltung nicht teilnahm, erregte einige Verlegenheit. Hingegen waren hohe Vertreter der deutschen Politik anwesend, darunter Innenminister Wolfgang Schäuble.

Die Zeremonie war eine Kombination aus orthodoxen Texten mit deutschen Klängen. Obwohl es in der Synagoge separate Sitzplätze für Frauen gibt, saßen Männer und Frauen zusammen. Zunächst wurden die Thorarollen eingeführt. Auf der Gebetsbühne vor dem Schrein standen einige Kantoren, und die Gebete wurden von einer neuen Orgel und vom Chor des Berliner Rundfunks begleitet. Die Orgel wird voraussichtlich nicht an Samstagen und Feiertagen verwendet werden, sondern nur zu Hochzeiten und anderen besonderen Veranstaltungen an Werktagen. Unter anderem wurde auch ein Gebet in deutscher Übersetzung gesungen, das normalerweise nur in Reformsynagogen zu hören ist.

Der wohl bewegendste Moment der Zeremonie war, als der letzte noch lebende deutsche Rabbiner der Vorkriegszeit, Rabbiner Professor Leo Trepp, 95, mit klarer und lauter Stimme eine Rede vor der Gemeinde hielt.

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv

Category: Gemeinden
Posted 09/05/07 by: admin



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Comments

wrote:
Da ich schon mit den christlichen orthodoxen, will sagen alten Rithen, egal, wie sie sich selbst bezeichnen, Probleme habe,
wenn es um die Herabsetzung oder Verachtung oder Diskriminierung von Geschlechtern geht...
das Leben auch modern ist, ist fuer mich Glaube notwendigerweise auch modern, ohne die Grundlagen der Heiligen Schriften zu verlassen.

Wahrscheinlich sind eben durch die fast gleichzeitige parallele Eroeffnung
von zwei Zentren oder Synagogen
die Terminkalender ueberfuellt,
nicht jeder Mensch kann alle Termine wahrnehmen, die sich anbieten.

Ich wuensche Israel und allen juedischen Glaeubigen die Naehe Gottes jeden Augenblick, die Liebe Gottes und den Frieden Gottes, ein Leben lang und darueber hinaus fuer alle Ewigkeiten.
Moege Gott vergeben, was fehlerhaft ist und aus seiner goettlichen Vollkommenheit hinzufuegen, was Gott ehrt.Die Liebe ist groesser als der Buchstabe des Gesetzes, so wie wir es kennen.

Ein Volk wird durch seine Menschen gepraegt und es freut mich, wenn Vielfalt zur Ehre Gottes sich ergaenzt.
Moege der Messias das Licht Israels sein!
09/05/07 13:35:05

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