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Bad Nauheim: Judith Schwarzenberg sel. A.

Es war 1993. Ich wohnte seit kurzer Zeit in der Wetterau und besuchte zum ersten Mal eine Veranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Bad Nauheim. Eine ältere, äußerst vitale und gesprächige Dame fragte mich ohne Umschweife, wer ich sei und was ich täte...

Ein Nachruf von Francois Lilienfeld

Meine Antwort, ich sei Kantor und Kulturschaffender, hatte zur Folge, dass ich sogleich für einen Vortrag engagiert wurde; es wurde der erste in einer langen Reihe. So war Judith Schwarzenberg, gebürtige Dresdnerin, Jahrgang 1920, die Mitte Juli verstorben ist. Entschlossen, interessiert an allem, was auch nur entfernt mit Kultur zu tun hatte, erst Schauspielerin, dann auch Journalistin und Pressereferentin und mit Leib und Seele Mitbegründerin und Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Wetterau, für ihre Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Der Ernst, mit dem sie ihre Anliegen verfolgte, war gepaart mit einer ansteckenden, herzerfrischenden Fröhlichkeit. Ihr Drang nach Aktivität gab ihr eine scheinbar ewige Jugend. Manch ein jüngerer Mensch musste sie um ihre Energie beneiden, eine Energie, die von einem eisernen Willen begleitet war, sich von keiner körperlichen Schwäche unterkriegen zu lassen und sich nie vom gewählten Weg zu entfernen, was sich auch in unverblümt offen ausgesprochenen Ansichten niederschlug.

Ihr Ziel jedoch war es nie, ihr Gegenüber zu verletzten, sondern das durchzusetzen, was ihr richtig schien, auch im Deutschen Frauenring und im Zonta-Club. Dass etwa die FDP in der Wetterau um eine wichtige Gesprächspartnerin trauert, obwohl sie Mitglied einer anderen Partei war - Willy Brandt hatte sie zum Eintritt in die SPD bewogen - spricht nur für sie.
Viele ältere Leute in Bad Nauheim wurden von ihr besucht und ermutigt, zahlreiche Vortragende und Künstler wurden von ihr in die Kurstadt eingeladen. Ihre Suche nach der für sie gültigen Lebensweise brachte sie dazu, im hohen Alter zum Judentum zu konvertieren; so wurde sie Mitglied derjenigen Gemeinschaft, für deren Interessen sie sich schon seit langen Jahren mit Herz und Seele eingesetzt hatte. Noch bis vor wenigen Monaten reiste sie in der ganzen Bundesrepublik herum, um an wichtigen Veranstaltungen teilzunehmen. Ihre größte Angst war, diese Aktivitäten aus Krankheitsgründen aufgeben zu müssen, unselbständig zu werden. Dies wurde ihr erspart: Am 14.Juli, ist sie in Bad Nauheim friedlich eingeschlafen. Sie hat uns jedoch nicht verlassen: die Erinnerung an sie und die Spuren ihrer segensreichen Tätigkeit werden uns weiterhin begleiten. Sie wird eine große Lücke in unserer Gemeinde hinterlassen, schreibt der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim. "Sikhrona liWrakhah" - Ihr Andenken möge zum Segen sein.

Category: Gemeinden
Posted 08/12/07 by: admin



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