-- Schwerpunkt: Jossis Zwischenruf
Judentum und Israel
haGalil onLine - http://www.hagalil.com

haGalil online

Israelische versus deutsche Scham

Daß die Israelis sich schämen sollten, meinen auch die meisten deutschen Nachrichtenmoderatoren und Journalisten. Daß die islamo-faschistische Hisbollah ihre Raketenwerfer und militärischen Basen innerhalb von Wohnvierteln installiert und den massenhaften Tod ihrer Landsleute bewußt als Strategiemittel einsetzt, findet dabei nur selten Erwähnung...

Ist eine solche, irgendwie einseitige Schuldzuweisung an den israelischen Aggressor bereits als latenter Antisemitismus zu charakterisieren, also eine Weiterentwicklung des mittelalterlichen Glaubens, die Juden hätten den, aus ihren eigenen Reihen stammenden Sohn Gottes gekreuzigt?

Durch Renaissance, Aufklärung, Romantik und Moderne hinweg mündete die Essenz dieser christlichen Grundeinstellung in die Nazi-Katastrophe und trieb die Juden dazu sich gewaltsam ihre biblische Heimat wieder anzueignen.
Judenhass heute.äußert sich darin, daß sich eben nicht nur die arabischen, sondern u.a. auch die west- und mitteleuropäischen Massen am allerliebsten und am allerschnellsten dann über internationales Unrecht empören, wenn im Nahen Osten seitens Israel oder seines US-amerikanischen Schutzengels Böses geschieht. Geblieben ist die Lust, sich am hebräischen Sündenbock abzureagieren, sich so von den eigenen Sünden reinzuwaschen.

Denn daß beispielsweise wir Deutschen uns eigentlich viel, viel mehr schämen müssen als die Israelis, und zwar nicht so sehr wegen unserer mißlichen Nazi-Vergangenheit, die ja glücklicherweise durch gewalttätig-kriegerischen Fremdeinfluß vor 61Jahren erst einmal beendet wurde, sondern wegen der Missetaten in der allerjüngsten Gegenwart, ist nur wenigen Medienmachern bewußt. Unterlassene Hilfeleistung wird nach bundesdeutschem Gesetz als kriminelles Vergehen geahndet. Wenn ich tatenlos zu sehe, wie z.B. ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt wird, mache ich mich strafbar und muß mit einer saftigen Gefängnisstrafe rechnen.

Korrekt, beim Völkermord in Ruanda waren primär die Franzosen und Belgier die Versager. Aber besteht für uns nicht die moralische Pflicht am allerlautesten „Halt!“ zu schreien, wir, eine der größten, verantwortlichsten und wirtschaftlich mächtigsten Demokratien, und halt behaftet mit der Bürde unserer Weltmeisterschaft im industriellen Völkermord?

Auf 187 Millionen US-Dollar belief sich der UNO-Hilfsetat während des furchtbaren Kongo-Kriegs, der um die Jahrtausendwende herum schätzungsweise an die 4 Millionen Opfer forderte. Fast gleichzeitig wendete die UNO ab 2000 für die von ihrer Intifada bestraften Palästinenser 395 Millionen US-Dollar auf, ein Konflikt also, der ca. 1000 mal weniger Tote zur Folge hatte. Hätten die Ströbeles oder Blüms in unserem Land nicht vor allem gegen solche skandalösen Mißproportionen ihre Stimme erheben sollen, statt mit anti-israelischen Äußerungen zu glänzen? Die Verbraucherinfo, daß ohne das ungeheuer leitfähige Coltan der ganze Mobiltelephonie-Spaß unmöglich wäre, dieses Edelmetall insbesondere aus dem Kongo kommt und der Handel damit den dortigen Bürgerkrieg zum Teil finanzierte, gelangte nur an die allerwenigsten Handy-Benutzer.

Weder bedrängte Kanzler Gerhard Schröder seinen Vladimir Putin-Freund damit, die tschetschenische Hauptstadt Grosny nicht in Schutt und Asche zu schießen, noch beschwerte er sich über die 15 Tausend getöten Tschetschenen und die Menschenrechtsvergehen der russischen Armee. Zurück in die Gegenwart des seit 2003 andauernden Genozid in der west-sudanesichen Provinz Darfur, wo brandschatzende Reitermilizen, die s.g. Janjaweed, unentwegt die Dörfer der Fur und anderer Stämme überfallen, und deren Bewohner nach Belieben vergewaltigen, ermorden und vertreiben. Dahinter steht das fundamentlische Regime in Sudans Hauptstadt Khartoum, welches die Janjaweed mit chinesischen Handfeuerwaffen ausrüstet und welches aufgrund seines Erdölreichtums vom rohstoffbedürftigen China großzügigst unterstützt wird. Eben dieses noch nicht sonderlich demokratische, die Menschenrechte eher ignorierende China ist wiederrum nicht nur uns, sondern wir auch ihm, ein geradezu unersetzlicher Handelspartner.

Nicht nur gegenüber den Chinesen, sondern auch überhaupt blieben wir Deutschen in der Darfur-Angelegenheit bisher mucksmäuschenstill. Analog bedeutet dies: Wenn ich mit jemanden Geschäfte mache, der einen Mörder finanziert, bin ich dann noch koscher? Vor allem wenn ich meinen Geschäftspartner nicht mit dem gerinsten Pieps darauf aufmerksam gemacht habe, anders zu verfahren?

Weil das von Raketen und Katjuschas angegriffene Israel das Überlebensrecht der eigenen Bürger über das der Menschen im Libanon stellt, wurde bei seinen Bombardierungen bisher einige Hundert Menschen getötet, darunter im übrigen nicht zu wenige Hisbollah-Kämpfer. Unser Wegsehen, unser Stillschweigen, unser Stillhalten, unsere Tatenlosigkeit angesichts des Genozid in Darfur, trug bis dato mit dazu bei, daß an die 300000 Menschen starben. Etwa zwei Millionen Menschen leben in Flüchlingslagern, so z.B. im sudanesischen Nachbarstaat Tschad, unter zumeist menschenwidrigen Verhältnissen.

Damit es sich also jene Mehrheit armseeliger Meinungsmacher in der Bundesrepublik auch ja hinter ihre schmutzigen Ohren schreibt: Nicht die Israelis müssen sich schämen, nein, wir Deutschen müssen uns schämen.

Comments

maikwuerfel wrote:
Dieser Artikel ist von 2 Gesichtspunkten her Schwachsinn:
1) Kritik an Israel hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Wer Israel mit Judentum gleichsetzt und Israelkritik mit Antisemitismus macht einen grundlegenden Fehler: Er vergisst das in Israel auch Christen und Muslime leben und grenzt sie gleichzeitig aus der israelischen Gesellschaft aus.
2) Ein Unrecht wird nicht dadurch besser, dass man es gegen ein anderes aufwiegt. Und das gilt auch in diesem Fall!
04/08/06 15:31

Barbara wrote:
Ich bedanke mich vielmals für Ihren hervorragenden Artikel!
Shabbat Shalom
Barbara
04/08/06 17:49

Nichtschämer wrote:
Das war sowas von klar: Wer etwas gegen das Verhalten des Staates Israel sagt, ist ein Antisemit. Ich kann mich nur maikwuerfel anschliessen, es ist einfach lächerlich für sich pauschal die Opferrolle besetzen zu wollen, ganz gleich wie viel man in der Vergangenheit hat leiden müssen.
Dieses geheuchelte Mitleid einiger Pseudo-Intelektueller gegenüber den "armen, armen Israelis"... ca. 80 toten Israelis (davon ungefähr 50 Soldaten) stehen ca. 900 tote Libanesen gegenüber. Vier UN-Soldaten sterben durch einen "versehentlichen Angriff der Israelis" auf einen "erst" seit Jahren bestehenden Stützpunkt. Recht merkwürdig. Und dann soll man noch Mitleid haben mit den Israelis?

Und irgendwie klingt es in ihrem "Artikel" fast so, als müssten sich die Libanesen bei Israel entschuldigen, dafür das in Qana "nur" knapp 30 statt 60 Zivilisten starben... Wahrscheinlich behaupten sie nächste Woche, im Libanon würden GAR KEINE Menschen sterben, schliesslich benutzt man ja "smart bombs", die töten ja bestimmt nur die bösen Terroristen, der Rest ist garantiert nur Propaganda...?!

Was Israel im Libanon tut ist einfach nur pervers und menschenverachtend, nicht weniger als die Gefolgschaft von Scheich Nasrallah.
05/08/06 10:36

Barsan wrote:
Joe schreibt nicht, jede Kritik sei Antisemitismus.

Ich lese: "Ist eine einseitige Schuldzuweisung an den israelischen Aggressor bereits als latenter Antisemitismus zu charakterisieren, also eine Weiterentwicklung des mittelalterlichen Glaubens, die Juden hätten den, aus ihren eigenen Reihen stammenden Sohn Gottes gekreuzigt?

Durch Renaissance, Aufklärung, Romantik und Moderne hinweg mündete die Essenz dieser christlichen Grundeinstellung in die Nazi-Katastrophe und trieb die Juden dazu sich gewaltsam ihre biblische Heimat wieder anzueignen.
Judenhass heute.äußert sich darin, daß sich eben nicht nur die arabischen, sondern u.a. auch die west- und mitteleuropäischen Massen am allerliebsten und am allerschnellsten dann über internationales Unrecht empören, wenn im Nahen Osten seitens Israel oder seines US-amerikanischen Schutzengels Böses geschieht".
06/08/06 00:48

ein Muslim wrote:
Liebe Mitmenschen,

ehrlich gesagt frage ich mich, warum es eigentlich einen Staat Israel geben muss. Die Muslime haben in einer über tausendjährigen Geschichte immer die Juden gut aufgenommen, wenn sie aus Europa vertrieben wurden.
Ich bin sicher, dass die Muslime die Juden auch nach dem 2. Weltkrieg wieder gut aufgenommen hätten - dazu wäre es nicht nötig gewesen, eine ganzes Volk (die Palästineser) auszutreiben und ein Grund für ständige Kriege zu sein.
Übrigens denke ich, dass Israel nur benutzt wird, um z.B. amerikanische Kolonialinteressen besser durchsetzen zu können.

Alles Gute,
Samir Mourad
http://www.didi-info.de
06/08/06 01:11

Rami wrote:
Lieber Samir,
es wurde doch nicht ein ganzes Volk, die Palästinenser, vertrieben. Viele blieben und es ging ihnen besser als allen die geflohen sind, ob unter jordanische, ägyptische, syrische oder libanesische Verwaltung.
Kannst du dir nicht vorstellen, dass die Juden in der ihnen von der UNO zugesprochenen Hälfte unbedingst einen eigenen Staat wollten, nachdem was in Europa geschenen ist?

Warum können wir nicht endlich die Tatsachen anerkennen und gemeinsam sehen, wie wir das beste daraus machen?

Auch dir alles Gute!
06/08/06 01:18

Rinat wrote:
Was ist Scham?
Das Wort hat eine seelisch-emotionale Bedeutung.

Auf Grund der menschlichen Instinktausstattung ist - neben der Angst zur unmittelbaren Überlebenssicherung - der Wunsch nach Verbundenheit die fundamentalste menschliche Emotion.
Der Wunsch "dazu zu gehören" sitzt so tief in der menschlichen Seele, dass all seine latenten Auswirkungen auf das tägliche Leben nicht zu überschauen sind. Das gesamte Sozialverhalten eines Menschen steht im Dienste dieses Wunsches. Daraus resultiert, dass - neben der unmittelbaren Angst in lebensbedrohenden Situationen - die Angst vor Einsamkeit ebenfalls eine mächtige Triebfeder für menschliches Verhalten ist. Solche Ängste manifestieren sich, je nach Art und Intensität, in Form von allerlei Emotionen, die allesamt charakteristisch für zwischenmenschliche Beziehungen sind. Jeder kann aus eigener Erfahrung wissen, wie es sich anfühlt, wenn man befürchtet, die Zugehörigkeit zu einer Person oder einer Gruppe zu verlieren.

Über das deutsch-jüdische Verhältnis kursieren bis heute allerlei widersprüchliche Meinungen, denen meist ein Gran Wahrheit nicht abgesprochen werden kann.

M. Kloke schreibt:
Zwischen Scham und Wahn:
Israel und die deutsche Linke
1945-2000

http://www.antisemitismus.net

"Seit dem 9. Mal 1945 haben die Deutschen begonnen, tote Juden zu lieben", heißt es etwas flapsig bei Rafael Seligmann. Einer seriöser anmutenden These zufolge stellte das zionistische Projekt in Palästina jahrelang ein politisch-psychologisches Faszinosum dar - insbesondere für die deutsche Nachkriegslinke. Bei näherem Hinsehen wird indessen erkennbar, dass "jüdische" Themen lange Zeit mit einem Tabu belegt waren: Die Nachkriegsdeutschen vermieden nicht nur die kritische Auseinandersetzung mit ihrer NS-Vergangenheit; sie ignorierten auch das zionistische Aufbauwerk und die jüdisch-arabischen Auseinandersetzungen.

Der Antisemitismus als ein traditionelles Strukturmerkmal der deutschen Gesellschaft war mit dem Nationalsozialismus keineswegs untergegangen - nicht einmal in antifaschistischen Kreisen...
06/08/06 01:26

Rinat wrote:
Ich möchte Joe zustimmen. Vielen Dank für diesen wichtigen Aspekt und ein gewichtiges Argument. Einen hochinteressanten Artikel habe ich in diesem Zusammenhang gefunden.

Man kann den ganzen Artikel unter
http://www.hagalil.com/arch...
abrufen.

Hier ist von Zurückhaltung die Rede und die Zahlen sind deutlich!

"Als Israel in diesen Krieg zog, legte es sich selbst militärische und politische Einschränkungen auf. Und das ist richtig so. Gemäß den Direktiven der Regierung hätte die israelische Verteidigungsarmee (IDF) den größten Teil des Libanon innerhalb weniger Tage einnehmen können, so wie dies 1982 geschah. Doch dieses Mal ist das Ziel ein anderes. Israel möchte seine eigenen Verluste in Grenzen halten, und deshalb operiert die IDF vorsichtig – etwas, das fälschlicherweise als Zögern angesehen wird. Die Regierung wollte keine Reservisten einberufen, um dem Land einen weiteren wirtschaftlichen Schaden zu ersparen.

Während der ersten Woche im Krieg von 1982 wurden zwischen 6.000 und 10.000 Libanesen und Palästinenser getötet. Jetzt wurden während etwa drei Wochen ca. 700 libanesische Zivilisten und mehr als 300 Hisbollah-Männer getötet. 1982 provozierte Israel Syrien und zog es beinahe mit in den Krieg hinein. Dieses Mal versucht Israel, Syrien aus dem Krieg herauszuhalten.

1982 wollte die Regierung von Menachem Begin und Ariel Sharon eine Kettenreaktion auslösen mit dem Ziel, dadurch eine neue regionale Ordnung zu schaffen. Die Absicht war, den Christen im Libanon unter Leitung von Bashir Gemayel zur Führung des Landes zu verhelfen, damit sie die Palästinenser nach Syrien ausweisen könnten, in der Hoffnung, dass die Palästinenser dann nach Jordanien gehen und dort einen palästinensischen Staat gründen würden. Dieses Mal möchte Israel die pro-westliche Regierung von Fuad Siniora intakt lassen und die Hisbollah unterminieren ohne der zerbrechlichen religiös-ethnisch-politischen Konstruktion des Libanon zu viel Schaden zuzufügen.

Die Einschränkungen basieren auf dem Interesse Israels und auf dem ausdrücklichen Wunsch Amerikas. Sie sind nicht nur Grund für die amerikanische Unterstützung, sondern auch für das Verständnis der meisten Länder der Erde inklusive dem stillschweigenden Einverständnis der meisten arabischen Staaten."
06/08/06 01:53

Sven wrote:
Zeigt schön die Doppelmoral vieler Deutschen auf, ist aber eher ein Argument dafür, sich auch zu anderen Themen zu äussern, als dass es was über erforderliche Änderungen im Nahost-Diskurs aussagen würde.

MfG Sven
06/08/06 11:42

ahmad wrote:
hallo ich hab gerade den artikel gelesen der hat mir gefahlen und heute sind wieder 10 scheiss juden gestorben und hab eine warnsenige gute laune aber kaman so auch nicht sagen vieleicht sterben auch heute von uns moslems 100 oder auch 1000 mänschen der krieg muss ein ende haben viele mänschen werden jetz flüchten nach deutschland, syrien und so weiter aber wir libanesen geben die hofnung nicht auf saudia arabien hilft uns wir haben viele leute hinter uns es were nett wen deutschland uns auch hilft mit blut spenden und lebensmittel .
ps:guter commentar ein moslem
06/08/06 12:07

Malka wrote:
Ahmad, gehst du schon in die Schule? Welche Klasse? Habt ihr schon "Schreiben"?
Immer fleissig üben!
06/08/06 15:22

Torsten wrote:
@Malka : siehst Du ...genau da liegt das Problem .... Thema : Bildung .... Bildung fördert das Denken und damit auch das Nachdenken ...egal bei welcher Religion ....
07/08/06 21:59

Daniel wrote:
Na ja, der letzte Satz, wir Deutschen sollten uns schämen und nicht etwa die Israelis, zeigt jene EINSEITIGKEIT gegen die er sich auflehnt. Durch den ein oder anderen Kontakt nach Israel weiß ich um die Stimmung im Land. Und die steht momentan auf Krieg. Man will sich nicht unterkriegen lassen, es denen endlich zeigen. Kritik sollte da, auch von Deutscher Seite, nicht außen vor bleiben. Die Frage, die ich mir aber stelle, was würde die Hisbollah mit den technischen Möglichkeiten von Israel machen? Ich glaube, sie hätten Israel innerhalb von einer Woche dem Erdboden gleichgemacht, und ausnahmslos JEDEN vertrieben oder getötet, Christen, Muslime oder Juden, hätte keine Rolle gespielt. Der Grund für die wenigen Toten auf israelischer Seite mag vielleicht teilweise darin begründet liegen, dass die Raketen, deren Name mir gerade nicht einfällt, irgendwas mit ka, eine sehr sehr schlechte Zielerfassung haben. Ich VERMUTE, Nordisrael dürfte in etwa der Mondoberfläche ähneln. Ich hoffe, es ist verständlich geworden, auf was ich hinaus wollte.

mfg
07/08/06 23:17

kakue wrote:
Hallo,

Dein Kommentar enthält gleich in mehrfacher Hinsicht Unzulänglichkeiten:
Du stellt den Staat Israel freiwillig auf die Ebene anderer Schurkenstaaten:
Kanzler Schröder hat seinen Amtskollegen Putin bezügl. Tscheschenien nie offen kritisiert. Putin hältst Du für einen Machthaber, der die Menschenrechte offen mit Füßen tritt.
Kanzlerin Merkel wiederum hat - bisher zumindest - auch Israel nicht offen kritisiert und die Verletzung von Menschenrechten angeprangert. Demnach stehen beide "Schurken", Olmert wie Putin also auf gleicher Stufe.

Du kritisierst die Haltung deutscher Verbraucher bezügl. Handies. Nun gut, dass alle PC Besitzer auf die Arbeit Intels in Haifa direkt angewiesen sind, weiss eigentlich auch kaum einer. Auch für die Unterstützung Israels, die sofortige Vernichtung des Hisbollah unter Inkaufnahme massiver Kollateralschäden sprächen also gewichtige wirtschaftliche Interessen. Kongo und Israel unterscheiden sich in diesem Punkte nicht.

China, Russland und Kongo sind wohl kaum als Demokratien zu bezeichnen. Über eine breite, gebildete, "aufgeklärte" Mittelschicht dürften diese Länder nicht verfügen. Und Israel?
Ich verkneife mir die Antwort angesichts unzähliger aus israelischen Tageszeitungen herausfallender Propagande-Aufkleber Sprüche jetzt mal. Dennoch, Unterschiede sind leicht auszumachen.

Offene Kritik an Israel wird verbunden mit der Hoffnung, dass in diesem Land noch ausreichend intelligente Menschen vorhanden sind, die diese Kritik verstehen, nachvollziehen können und beherzigen.
(Bezügl. Chinesen und Chinesinnen machen wir es halt etwas subtiler)
Mal ehrlich: Es kommt überhaupt nicht darauf an, ob und ggf. welche Rechte Israel in diesem Konflikt hat. Es ist einfach unfassbar, wie ein so kleines, eigentlich so intelligentes und gebildetes Volk so viel Schaden anrichten kann und sehenden Auges sich und andere ins Verderben stürzt.

Dafür sollte man sich schon schämen!
07/08/06 23:46

Roger wrote:
Ich stelle zu kakue nur eine Frage in den Raum: ist es wirklich das Volk? Jedenfalls kenne ich auch Israelis und Schweizer Juden, die mit der ganzen Sache nicht einverstanden sind und sie sagen auch, dass sie mit dieser Meinung nicht alleine sind. Zitat: "Der Krieg blendet uns. Entweder mit den Raketen der Terroristen oder mit den Worten der Regierung".
08/08/06 00:00

Jan wrote:
Ich kann verstehen, dass Israel nie wieder in die Lage kommen will, von fanatisierten Spinnern "ins Meer getrieben zu werden". Ich kann verstehen, dass die Palästinenser endlich ihre Würde und einen lebensfähigen Staat (zurück) erhalten wollen. Ich wäre froh, wenn die Nasrallahs und Ahmadinedschads mit ihren dümmlichen Phrasen und menschenfeindlichen Ansichten verschwinden würden, denn sie diskreditieren das Ansahen der Muslime in aller Welt: Aber eine Frage muss erlaubt sein! Kann man das "Problem" Hisbollag wirklich mit schlichter Waffengewalt lösen? Israel verlässt sich zu sehr auf seine gegenwärtige militärische Stärke. Die Zerstörung der Infrastruktur des Libanon wird das Problem (leider)nur verschärfen!
08/08/06 00:32

kakue wrote:
Hallo Roger,
natürlich hast Du völlig Recht! Es ist schön spät und mein Sprachzentrum ist angegriffen, daher die simple Formulierung.

Und zu Jan möchte ich anmerken:
Es ist gerade das durch die israelische Invasion 1982 entstandene Machtvakuum im Libanon gewesen, welche die Hisbollah erst enstehen ließ.
Die Hisbollah ist die gewaltsame, primitive Antwort auf diese Invasion. Und natürlich wird sie sich nicht besiegen lassen.
Andere werden kommen und noch menschenverachtendere, brutalere Methoden anwenden.
Auf beiden Seiten.
08/08/06 01:10

Wolfgang May wrote:
Ich kann mir nicht helfen, aber was da zur Zeit im Nahen Osten abgeht sind meines Erachtens Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Ich habe gewisses Verständniss dafür, daß Bedrohung und Vertreibung auf Dauer agressiv machen und man irgendwann überall Feinde sieht und hört, daß aber eine gefühlte Bedrohung keine Rechtfertigung dafür sein kann, entstandene Wut an Anderen auszulassen- nichts anderes ist das, was jeder Agressor seinem Gegnern vorwirft.

Was die Sache diesmal so gefährlich macht ist ein frömmelnder US Präsident, der glaubt alles was er begreift sei das Gute und alles was er nicht versteht, sei das Böse das vernichtet gehöre. Im Namen Gottes, Allahs, Jehovas oder wie auch immer Menschen ihren Gott nennen ist das größte Problem, daß Alle glauben ein "allmächtiger Gott" wäre nur ihrer Person, ihrem Volk oder ihrer Religion gnädig und würde deshalb ihre Form der Missionierung billigen, obwohl genau das der Hauptgrund für einen allmächtigen Gott sein müßte, genau dies eben nicht zu tun. Das Ganze ist Verblendung und Eitelkeit, nothing more, nothing less.
08/08/06 02:10

Löwenherz49 wrote:
Auf beiden Seiten der Kriegs-Konfliktparteien gibt es Leute
die für diese brutalen Kriegshandlungen eine Recht fertigung - seien sie noch so geschichtlich konstruiert, schablonenhaft und absurd- finden - für diese Leute ist nicht zuletzt dies ihr Handwerk von dem sie schon Jahrzehnte leben - profitieren. Ein Waffenstillstand macht nur den Sinn neue Waffen zu besorgen , das Leid zu verlängern. Ideologien, religiöse u.a. vorgeschobene
Gründe incl. Existenzängste Vieler in der Region lassen sich immernoch mobilisieren und mißbrauchen.Ich will behaupten nach eigener , deutscher Geschichtserfahrung- der größte aller Gefahr für den einfachen Bürger war im eigenen Land/ Lager / Reihen zu finden - Leute die predigen mit Waffen den Frieden schaffen zu können.
08/08/06 15:55

Holger Christoph wrote:
Leserbrief:
So ein blöder Bockmist! Man mag dem Autoren kopfschüttelnd raten: "Geh doch rüber (z.B. nach Israel), wenn es dir hier nicht passt." Es muss sich hier überhaupt niemand schämen, denn wir haben das Schlamassel dort nicht angerichtet. Das wirklich Wunderbare an der Weltmeisterschaft im Fussball war, dass die selbsthassenden Tröpfe mit ihrem "Deutschland böhsse" - Geblök einfach mal Sendepause hatten...
08/08/06 23:23

Bernd-Udo von Socha wrote:
Leserbrief:
Bravo!
Und vielen Dank für die klaren Worte des Autors.
Nur die Wahrheit ist hier noch grausamer: Die Hisbollah nutzt Männer, Frauen und Kinder als Waffe im Kampf um die öffentliche Meinung. Bewusst setzt sie auf den Tod von Zivilisten, um die Öffentlichkeit gegen Israel aufzubringen und seine Regierung unter Druck zu setzen. Sie hatte damit ja schon mehrfach Erfolg.
Oft genug liest man, dass es ja so viele Opfer auf libanesischer Seite gibt und auf der israelischen Seite viel weniger. Ist man so blind und glaubt, dass wer die meisten Opfer hat, der ist automatisch zu unterstützen und befindet sich im Recht?
Nach dieser Logik, die eine moralische Bankrotterklärung ist, müsste man die Nazis als Opfer und die Alliierten als Täter darstellen. So weit sind wir schon gekommen. Merkt man das denn nicht?
08/08/06 23:37

Florian Böhnhardt wrote:
Leserbrief:
Liebe Taz-Redaktion, Herr Reich,
ich verstehe, dass Angesichts der Bedrohung von Menschenleben es leicht geschieht, dass Gefühle beginnen, unser Handeln zu lenken. Dennoch sollten wir, gerade wenn wir uns zu solchen Themen äußern, versuchen in kühler Klarheit unsere Gedanken zu formulieren, um zu verhindern, dass Andere durch wildgewählte Worte zu wildgewählten Handlungen übergehen.
In dem Artikel "Schämt euch!" soll, so kündigt sich der Artikel an, besprochen werden, ob Israel sich für etwas schämen muss. Diese Besprechung erfolgt nicht.
Den Raum zwischen der Frage nach der Verpflichtung zur Scham und dem aprupten verneinenden Urteil füllen Betrachtungen zu (Fehl-)Leistungen der deutschen Außenpolitik, welche keinen Bezug zum ursprünglichen Thema stehen. Ein Kindern zugesprochenes "Aber der hat doch auch" - Denken ist keineswegs Ersatz eine belegende Argumentation.
Leider sind diese Betrachtungen in ihrer Kürze durchaus agressiv und beleidigend, stellen sich also als eher konflikterzeugend, denn befriedend dar. Dieser Stil und diese Geisteshaltung sind nicht, was ich der taz wünsche.

In diesen Tagen ist es durchaus schwerer, wilden Gefühlen nicht wilde Taten folgen zu lassen. Wenn ein Autor der taz sich jedoch nicht in der Lage sieht, seine Worte vom Makel angstgeborener Wut und Wüstheit zu lösen, so sollte zumindest eine Redaktion ihn darauf aufmerksam machen und gegebenenfalls den Abdruck verweigern.
08/08/06 23:41

monsieur croche wrote:
nun, es wundert mich eigentlich ein wenig, dass du eine so naive sicht der dinge hast. es ist doch kein wunder, dass man es sich nicht getraut china oder russland so heftig zu kritisieren, wie man es mit israel tut. das ist politik und da stehen wirtschaftliche interessen klar im vordergrund. russland als grösster gaszulieferer und china als grosse investitionsmöglichkeit für deutsche unternehmen. sind wir realistisch. die politik handelt rational und nicht selten unmoralisch.

was aber mal langsam wirklich genug ist, ist die these mit dem judenhass und ich finde auch nicht, dass deutschland nach über 60 jahren sich noch für die taten ihrer grossväter zu verantworten hat. der krieg soll ein mahnmal für die welt bleiben, sicherlich. aber jetzt mal ehrlich; man kann sich doch nicht jegliche kritik verbieten, da man dann als antisemit bezeichnet wird. das ist einfach eine überholte denkweise.

weshalb nichts so schnell gegen den genozid in ruanda getan wurde, erkläre ich mir so, dass afrika einfach fast keine wirtschaftliche bedeutung hat und deshalb auch von der uno kaum eingegriffen wird. politik halt. und die nahost frage beschäftigt weiterhin - nichtzuletzt wegen ihrem historischem hintergrund.
09/08/06 10:09

Christian Lange wrote:
Leserbrief: Vielleicht ist es ja ganz gut, dass die "Verbraucherinfo" über das ungeheuer leitfähige Edelmetall Coltan nicht so viele Handybenutzer erreicht hat. Denn so gut wie nichts stimmt in diesem Satz des Autors.

Coltan steht für "Columbit-Tantalit", ein Mineral also und kein Edelmetall, und das daraus gewonnene Tantal braucht man eben nicht aufgrund seiner Leitf?higkeit. Ganz im Gegenteil: Tantalpentoxid ist ein sehr gutes Dielektrikum (Isolator) und wird deswegen massenhaft in Kondensatoren verwendet.

Aber dass es deswegen Kriege gibt, stimmt leider schon.
14/08/06 23:08

Wolfgang Krebs wrote:
Leserbrief: Auf eine solche Idee muss man kommen! "Judenhass äußert sich darin, ... dass wir uns empören, wenn im Nahen Osten seitens Israel oder seines US-Schutzengels Böses geschieht." Weil eben und solange andere massakrierte Völker mit wesentlich höheren Opferzahlen weniger mediale und humanitäre Aufmerksamkeit erhalten. So ist Kritik an israelischer Politik und Kriegsführung inhaltsunabhängig per se antisemitsch.

Dies ernst nehmend müßte die "Gebrauchsanweisung: So ist Israelkritik politisch korrekt" (TAZ vom 2.8.) ergänzt werden.
Israelkritik ist Juden hassend, es sei denn, quantitativ und qualitativ ausreichendes mediales (vielleicht durch eine Publikationsliste) und humanitäres Engegement (vielleicht durch Vorlage von Spendenquittungen) an den Übeln und Missetaten anderer Völker, aktuell oder zurückliegend, wird glaubhaft versichert und der Kritik vorangestellt.
14/08/06 23:12

olmert wrote:
Tötet Lawrence von Arabien lol
10/11/06 21:27

Category: General
Posted 08/04/06 by: admin



Warning: Declaration of NP_Print::doTemplateVar(&$item, $look) should be compatible with NucleusPlugin::doTemplateVar(&$item) in /homepages/20/d69932965/htdocs/hagalil/01/de/nucleus/plugins/NP_Print.php on line 69
[Printer friendly version] |
Warning: Declaration of NP_MailToAFriend::doTemplateVar(&$item, $look) should be compatible with NucleusPlugin::doTemplateVar(&$item) in /homepages/20/d69932965/htdocs/hagalil/01/de/nucleus/plugins/NP_MailToAFriend.php on line 59
[Mail to a friend]
[Möchten Sie sich anmelden und ein Benutzerkonto erstellen?]


Comments

no comments yet


Add Comments

Dieser Artikel ist geschlossen. Keine Kommentare mehr möglich.