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Wie gut, dass Arafat tot ist

„Wie gut, dass Arafat tot ist und nicht erleben musste, wie diese Gangsterbande der Hamas seine Wohnung in Gaza plünderte“, schluchzte Saeb Erekat, ehemaliger Chefverhandler und Berater Jassir Arafats, mit Tränen vor laufender Kamera. Sprecher der Hamas kontern mit gleichen Bandagen, wenn sie die „korrupten Säcke“ der Fatah als „Handlanger der Amerikaner und der Zionisten“ verunglimpfen. In den Medien geht der Krieg weiter. „Selbst die Israelis haben sie nie so blutrünstig benommen wie jetzt die Hamas in Gaza“, schimpft Erekat...

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 18. Juni 2007

Im Gazastreifen gibt es nur noch einen ausländischen Journalisten. Alan Johnston von der BBC wurde vor drei Monaten von der Darmusch-Familie entführt. Er werde „in Kürze“ frei sein, protzten Sprecher der Hamas, „sonst werden wir ihn gewaltsam befreien“. Der Versuch der Hamas, sich als verantwortungsvolle Ordnungsmacht darzustellen, scheiterte jämmerlich. Ein maskierter Vertreter der Kidnapper-Familie lehnte das Ultimatum ab. Erst müsse die britische Regierung alle Bedingungen erfüllen und Gefangene freilassen.

Im Gazastreifen gehen die Menschen wieder auf die Straße, um sich mit Nahrungsmitteln einzudecken. Zuverlässige Informationen gibt es nicht. Lokale Presseleute wagen aus Angst kein falsches Wort. Ausländische Journalisten werden von den Israelis nicht nach Gaza reingelassen. Mangels Strom können die Informanten nicht die Batterien ihrer Handys aufladen. Vielleicht sind sie tot oder geflohen. Niemand antwortet.

Trinkwasser wird mit Tanklastwagen verteilt, gegen Bezahlung. Zum Glück hat die UNO-Flüchtlingshilfeorganisation einen Tag vor Ausbruch der Gewalt die Dreimonats-Rationen Mehl, Zucker und Öl an die Bedürftigen ausgeteilt. Engpässe gibt es beim Benzin. Die israelische Energiegesellschaft Dor-Alon stellte ihre Lieferungen ein: „Wir haben keinen Ansprechpartner. Niemand steht beim Warenterminal Karni, um das Benzin abzuholen und dafür zu zahlen.“ Alle Grenzübergänge, nach Israel und Ägypten, sind hermetisch geschlossen. Noch meldete sich niemand, der die Verantwortung übernehmen könnte.

Die Hamas steht vor der Aufgabe, die gesamte Verwaltung, vom Verkehrspolizisten bis hin zum Kontakt mit der Außenwelt aufzubauen. Bisher war alles fest in der Hand der Fatah. Ihre Befehlshaber sind ermordet oder nach Ramallah geflohen. Wendehälse der Fatah äußerten sich schon „glücklich“ über das Ende der Korruption.

Ägypter wie Israelis ließen „Prominente“ aus Gaza einreisen. Einige Dutzend hoffen noch vor dem Erez-Übergang, von den Israelis reingelassen zu werden. Am Montag gab die Hamas mehrere Salven auf die Gruppe ab, während die Israelis in die Luft schossen, um sie auf Distanz zu halten. Die 5 Jahre alte Hila, Tochter des Fatah-Mannes Abu Muhammad, weiß nicht, ob sie vor den israelischen Soldaten oder den Hamaskämpfern mehr Angst haben sollte: „Am meisten fürchte ich mich vor den Schüssen.“

Die Spaltung der Palästinenser in „zwei Regierungen und zwei Länder für ein Volk“ machte Präsident Abbas mit der Vereidigung von 11 Ministern unter Salam Fajad perfekt. Am Kabinettstisch sitzen unbekannte Gesichter, unabhängige Technokraten. Nur Fajad ist als ehemaliger Weltbank-Mitarbeiter bei Amerikanern wie Europäern gut eingeführt. Die christliche Chulud Daibes, die zehn Jahre lang in Hannover lebte, bleibt Tourismusministerin. Aber bekannte Gesichte wie Mustafa Barguti blieben außen vor, auch ohne zur Hamas zu gehören. Der fristlos entlassene Hamas-Premier Ismail Hanija hält die Notstandsregierung für illegal, weil Abbas die Verfassung gebeugt habe, anstatt die Regierung vom Parlament absegnen zu lassen. Doch im Parlament hat die Hamas die Mehrheit, wenn nicht ihre Abgeordneten in Israel, und nach einer Razzia der Fatah im Westjordanland, im Gefängnis säßen.

Während Israels Premier Ehud Olmert in Washington mit Präsident Bush berät, wie der Westen mit dem „Hamastan“ von Irans Gnaden an der Grenze Israels umgehen sollte, gibt es bisher nur den Beschluss „keine humanitäre Katastrophe“ zuzulassen. Mangels Partnern im Gazastreifen, wurde das Rote Kreuz (IKRK) gebeten, Medikamente nach Gaza zu bringen. Die Ägypter, bisher Vermittler zwischen Fatah und Hamas, haben alle ihre Kontakte abgebrochen. Die Diplomaten und Geheimdienstleute reisten nach Kairo ab. Die Grenze zu Ägypten, das einzige „Tor zur Welt“ für die Menschen in Gaza, ist hermetisch geschlossen, nachdem Hamaskämpfer das Terminal gestürmt und ausgeplündert haben.

Niemand sollte Prognosen aufstellen. Das Verhalten der Hamas bleibt unberechenbar, nachdem sie das Staatsarchiv im Regierungssitz in Flammen aufgehen und Arafats Souvenirs, Autos und Staatsgeschenke mitgehen ließ. Niemand weiß, ob auch das Westjordanland fallen wird. Knapp 5000 Hamaskämpfer haben innerhalb von Tagen die Streitmacht der Fatah mitsamt 60.000 Männern unter Waffen geschlagen.

Der extremistische ehemalige Hamas-Außenminister Mahmoud Asahar lieferte derweil eine neue Version der Ereignisse: Eine aufgebrachte Menge habe die Fatah-Stellungen gestürmt, um Morde an Familienangehörigen zu rächen. Die Hamaskämpfer hätten dann den Pöbel am Plündern der geräumten Stellungen verhindert.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Posted 06/18/07 by: admin



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Comments

wrote:
Sehen wir uns mal die wahren Gewaltaktuere im Nahen Osten an und beurteilen wir den Geist, der in der israelischen Regierung, dem israelischem Militär und der israelischen Bevölkerung vorherrscht - im krassen Gegensatz zur Mentalität der radikalislamischen Judenhasser der HAMAS in Gaza.

Ganz bestimmt steht „nicht“ im Mittelpunkt der israelischen Regierung und des israelischen Volkes eine permanente kriegerische Auseinandersetzung mit der Hamas in Gaza, der Hisbollah in Libanon und der de facto größten Militärmacht in Nahost – Syrien und dem Iran zu führen.

Auch wäre in Israel der vorsätzliche Missbrauch der eigenen Kinder als hasserfüllte, steineschmeissende, zukünftige religiös motivierte Selbstmordattentäter undenkbar, wie dies bei der radikalislamischen Terrororganisation Hamas gang und gebe ist um mit diesem Vorgehen bewusste Tötungen unschuldiger Zivilisten wie Militärangehörige zu forcieren.

Weder MP Olmert noch der israelische Generalstab empfinden Genugtuung israelische Soldaten und damit israelische Staatsbürger in einen Krieg zu schicken um Menschen zu töten, da naturgemäß diese Tötungen jedes Mal pures Leid, Schmerz, Tod, Vernichtung und sehr viel Trauer zur Folge haben, jedoch für den Schutz der eigenen israelischen Bevölkerung in Gaza spürbare Konsequenzen nach sich ziehen-, sollten vermehrte Terroraktivitäten gegen Israel wieder aufgenommen werden.

Israelische Soldaten – im Gegensatz zur Hamas- und Hisbollah-Mentalität, schon aus religiöser Überzeugung kein frei verfügbares Kanonenfutter darstellen um machtpolitischen Spielen menschenunwürdige Akzente aufzusetzen. Wer behauptet, dass das Töten eines Menschen in kriegerischen, wie nichtkriegerischen Auseinandersetzungen, verknüpft mit der vollkommen „irren“ ins-Paradieskommen-Vorstellungen, etwas heldenhaftes an sich hat, den kann man nur zutiefst bemitleiden und gleichzeitig aus tiefster Seele verachten!

Die Hamas, als „die“ ideologische Nachfolgeorganisation der Muslimbrüderschaft, ist ganz bestimmt, wie diese mit anscheinend grandios vorhandenen Insiderkentnissen behaftete Helga Baumgarten glaubt zu wissen, an einer "kultureller Renaissance"- und mit Sicherheit an einer politischen Anerkennung Israels, nicht interessiert und wird ihre, seit 1994 in Israel als erste palästinensische Organisation überhaupt, todbringenden Selbstmordattentate auch weiter fortführen.

Den Verantwortlichen in Gaza scheint zwar längst klar zu sein, dass für die nachwachsenden palästinensischen Generationen ein echtes existenzielles Problem dadurch entsteht und diese Selbstmordattentate und Raketenbeschüsse auf Israel sehr ungewisse Zukunftsperspektiven, für die eigene gesellschaftliche Ordnung und das kulturelle, geistige wie psychische Überleben in der Region überhaupt, zur Folge haben, sich jedoch davon nicht abschrecken lassen und sich auch weiterhin eher auf eine Ausweitung dieser Gewaltpolitik konzentrieren als auf Verständigung, bzw. der Gründung von rechtsstaatlich-, demokratischen, friedensstiftenden und friedenserhaltenden Strukturen.

Es darf daher nicht an der Friedensfähigkeit, jedoch sehr klar und deutlich an dem Friedenswillen der von Syrien und Iran „am Leben“ erhaltenen Hamas gezweifelt werden.

Ja noch nicht einmal die sogenannten Revoluzzer, die von radikal auf lammfromm, demokratisch umgesattelt oder besser gesagt „noch nicht umgesattelt haben“ (außer bei den diversen afrikanischen „Warlords“) wie z. Bsp. die PKK des kurdischen Volkes, die Nationale Befreiungsfront Algeriens, die baskische ETA, die Irisch-Republikanische Armee der IRA, die süd-phillipinische islamische Separatistengruppe Abu Sayyaf oder die Befreiungstiger der Tamilen LTTE ihre Kinder einer dermaßen beispiellos gründlichen und systematischen Gehirnwäsche und selbstmörderischen Entmenschlichung unterziehen, wie es die Hamas mit der Begründung des „Freiheitskampfes“ seit jeher betrieben hat, und dieses moralisch vollkommen verwerfliche Vorgehen auf dem Weg zur Errichtung eines islamischen Staates ohne territoriale Kompromisse, wohl auch weiter praktizieren wird und zur Aufrechterhaltung ihrer eigenen Glaubwürdigkeit innerhalb der Judenhassenden Gemeinschaft auch muß!

Deshalb sind die Aussichten, dass die Hamas auch mit noch so gutgemeinten „westlichen Geschenken und Kompromissen auf demokratischem Weg politisch wird überleben können - äußerst gering einzuschätzen und sich auch weiterhin eines Besseren nicht belehren lassen wird, wollte der gut gemeinte Rat von Dritten auch noch so friedensliebend und für das eigenstaatliche Überleben des eigenen palästinensische Volk in Gaza auch noch so fördernd und zukunftsweisend sein.
06/19/07 13:49:20

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